Freie Software für jedermann. Open-Source als Gegenkonzept zum klassischen kommerziellen Geschäftsmodell von Microsoft. Die Open Source Software ist dabei, die Computer-Industrie zu verändern. Mittlerweile bieten etliche Softwarefirmen so genannte offene Computerprogramme – teilweise auch kostenlos - an und versuchen, mit dazu passenden Dienstleistungen Geld zu verdienen. Hunderttausende von Menschen arbeiten weltweit daran, solche Programme zu erstellen und weiterzuentwickeln – viele tun dies unentgeltlich. Noch betreiben laut US-Marktforscher IDC nur drei Prozent aller Unternehmen in westlichen Industrieländern mit Linux. Doch die Windows-Alternative entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Softwareriesen Microsoft. Besonders wenn die freie Software mit Bürosoftware gebündelt wird, wie etwa dem kostenlos im Internet vertriebenen „Open Office“. Einer Studie der Kasseler TechConsult setzen bereits 33 Prozent der Firmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, Linux ein. Bis 2007 soll rund die Hälfte aller Server mit Linux betrieben werden.
Viele aktuelle Medienberichte thematisieren das Phänomen der Open Source Software. Den Erfolg dieser freien Software wird nicht nur damit begründet, die Dominanz des Microsoft-Konzerns im Softwaremarkt einzudämmen. Auch die Aussicht für die Nutzer freie Software Programme – in den meisten Fällen - ohne Lizenzgebühren zu erhalten, sowie flexibel Software an die individuellen Bedürfnisse anzupassen sind für den Erfolg von Open Source Software ausschlaggebend. Weitere Gründe sind die wachsende Leistungsfähigkeit, wie zum Beispiel bei Sicherheit oder Beständigkeit dieser Software, und die Tatsache, dass etliche große Computerunternehmen seit etwa fünf Jahren dieses Konzept klar unterstützen - allen voran IBM.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Open Source Software in Abgrenzung zu proprietärer Software
2.2. „Linux“ – die bekannteste Open Source Software
3. Wie entsteht Open Source Software?
3.1. Die Organisation der Projekte der Open Source Software
3.1.1. Der Umgang mit Softwarefehlern in Open Source Projekten
3.2. Die Motivation der Open Source Projekte
4. Internationale Interessenvertretungen der Open Source Gemeinde
4.1. Free Software Foundation (FSF)
4.2. Software in the Public Intrest (SPI)
4.3. Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. (FFII)
5. „General Public License“ - das gängige Lizenzmodell der freien Software
5.1. GNU – General Public License
6. Bundespolitisches Engagement für Open Source Software
6.1. Open Source Software für die Bundesverwaltung
6.2. Das OSS-Kompetenzzentrum
6.3. Open Source Software in Wirtschaft und Politik
6.4. Bildungspolitik unterstützt Linux
7. Softwarepatente
7.1. Rechtliche Situation
7.1.1. Softwarepatente in den USA
7.1.2. Softwarepatente in der Europäische Union
7.1.3. Softwarepatente in Deutschland
7.2. Stand der Debatte in der Bundesrepublik
8. Fazit und Ausblick
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Einführung von Softwarepatenten in der Europäischen Union ein existenzbedrohendes Risiko für Open Source Software darstellt. Dabei wird analysiert, wie sich das bestehende Lizenzmodell der freien Software zur drohenden Patentierbarkeit verhält und welche Auswirkungen dies auf den Erfolgskurs offener Systeme hat.
- Grundlagen und Organisation von Open Source Software
- Strukturen internationaler Interessenvertretungen
- Rechtliche Aspekte der General Public License (GPL)
- Politischer Stellenwert und Einsatz von Open Source in Deutschland
- Internationale Patentierungspraxis und deren Risiken
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Organisation der Projekte der Open Source Software
Die Entstehung freier Software basiert nicht etwa auf Initiative eines Arbeitgebers. Die Existenz dieser Software resultiert vielmehr aus Eigenmotivation der Entwickler. Ziel ist es ein auf der Hand liegendes Problem bei der Arbeit oder der Forschung zu lösen. Der offen liegende Quellcode der Open Source Software ermöglicht es jedem, eine Handhabung gegen ein Problem eigenständig zu entwickeln, oder aber vorerst nur einmal anzumerken, dass dieses Problem existiert.
Diese Probleme und Problemlösungsvorschläge werden im Internet veröffentlicht und bilden somit eine Grundlage für andere Anwender. Dieses Engagement zieht meist unmittelbar nach der Veröffentlichung die Bildung einer Gruppe von Mitstreitern um den Initiator nach sich. Diese Gruppierungen können sich über die ganze Welt verteilen – mit dem gemeinsamen Interesse ihre Kenntnisse und Zeit in das Projekt zu investieren. In den meisten freien Softwareprojekten gibt es keine festgelegte Aufgabenverteilung. Die Beteiligung beginnt bei simplen Fehlerberichten (Bug Reports) an, geht über Vorschläge für neue Funktionen (Feature Requests) und Ideen zur Weiterentwicklung. Wenn die Anzahl der Mitstreiter wächst, übernimmt ein Maintainer (Projektleiter) eine koordinierende Verantwortung für Teile des Projekts.
Die Rolle des Maintainers ist es zunächst, Ansprechpartner für die jeweilige Software zu sein. Zu den Hauptaufgaben eines Maintainers gehört es die Gemeinschaft zu koordinieren, zusammenzuhalten und die Mitstreiter zu motivieren.
Wächst die Anzahl der Mitentwickler und Anwender, bildet diese Gruppe („Core Team“) das zentrale Steuerungsgremium des Projekts. Ein solches Team rekrutiert sich meistens aus den Leuten, die entweder schon am längsten daran arbeiten oder sehr viel daran gearbeitet haben oder sich derzeit am aktivsten im betreffenden Projekt engagieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Konzept der Open Source Software als Gegenmodell zur proprietären Software und Darlegung der Fragestellung zur Bedrohung durch Softwarepatente.
2. Begriffsdefinitionen: Abgrenzung von Open Source Software zu geschlossenen Systemen und Definition der wesentlichen Merkmale freier Software am Beispiel von Linux.
3. Wie entsteht Open Source Software?: Erläuterung der dezentralen Projektorganisation, der Rolle von Maintainern sowie der intrinsischen Motivation der Entwickler.
4. Internationale Interessenvertretungen der Open Source Gemeinde: Vorstellung von Organisationen wie der FSF, SPI und FFII, die die Interessen der Community gegenüber Politik und Rechtssystem vertreten.
5. „General Public License“ - das gängige Lizenzmodell der freien Software: Analyse der GPL und des Copyleft-Prinzips, die den kooperativen Austausch von Quellcode rechtlich sichern.
6. Bundespolitisches Engagement für Open Source Software: Darstellung der Aktivitäten der Bundesregierung, insbesondere durch die KBSt, zur Förderung freier Software in Verwaltung und Bildung.
7. Softwarepatente: Untersuchung der rechtlichen Situation von Patenten auf Algorithmen in den USA, der EU und Deutschland sowie der spezifischen Gefahren für Open Source Projekte.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Argumente gegen Softwarepatente und Feststellung, dass diese eine existenzielle Bedrohung für den Open Source Sektor darstellen.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Zeitungen und Internetreferenzen.
Schlüsselwörter
Open Source Software, Softwarepatente, GPL, Copyleft, Linux, Europäische Union, Bundesverwaltung, Rechtssicherheit, Urheberrecht, Patentierbarkeit, Softwareentwicklung, IT-Politik, Innovation, Lizenzmodelle, Interessenvertretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der wachsenden Verbreitung von Open Source Software und der drohenden Einführung von Softwarepatenten in Europa.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Funktionsweise von Open Source Projekten, die Rolle politischer Interessenvertretungen sowie den aktuellen Stand der Gesetzgebung zu Softwarepatenten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine mögliche Einführung von Softwarepatenten in der EU ein existenzbedrohendes Risiko für den Open Source Sektor darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Untersuchung, die auf Fachliteratur, aktuellen Zeitungsberichten, Dokumenten von Interessenverbänden und Internetquellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Entstehung von Open Source Projekten, die Bedeutung von Lizenzen wie der GPL, das politische Engagement in Deutschland und die verschiedenen rechtlichen Regelungen zu Softwarepatenten weltweit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Open Source, Softwarepatente, GPL, Rechtssicherheit, Patentierbarkeit und politische Interessenvertretung.
Warum wird Linux als Beispiel für Open Source Software verwendet?
Linux gilt als das bekannteste Open Source Projekt und dient als Modell, um zu zeigen, wie weltweite Kooperation ohne Lizenzgebühren funktioniert.
Wie positioniert sich die Bundesregierung zu Open Source Software?
Die Bundesregierung fördert Open Source, unter anderem durch das OSS-Kompetenzzentrum und den Einsatz in verschiedenen Behörden, um Wettbewerb und Unabhängigkeit zu stärken.
- Quote paper
- Felix Bellinger (Author), 2004, Stellt eine mögliche Einführung von Software-Patenten in der EU ein existenzbedrohendes Risiko für Open Source Software dar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73901