Film als Wirtschaftsfaktor im Großraum Berlin - auf welchen Standortfaktoren basiert die Bedeutung der Filmindustrie in Berlin-Brandenburg?


Diplomarbeit, 2006
75 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis I

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Cluster
2.1 Clusterdefinition
2.2 Clusterbildung
2.3 Das Clusterkonzept
2.4 Wettbewerbsvorteile der Clusterbildung
2.4.1 Zugang zu spezialisierten Inputs und Arbeitnehmern
2.4.2 Informationszugang
2.4.3 Complementarities
2.4.4 Zugang zu Institutionen und öffentlichen Gütern
2.4.5 Leistungs- und Erfolgsmessung
Exkurs: Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit

3. Standort
3.1 Der Begriff Standort
3.2 Unternehmerische Standortwahl
3.3 Standortanalyse
3.4 Strategieorientierte Standortlehre
3.5 Standortfaktoren
3.6 Standortentscheidung und -bewertung

4. Filmwirtschaft
4.1 Aufbau der Filmwirtschaft
4.1.1 Das Produkt Film
4.1.2 Filmherstellung
4.1.3 Filmverleih und Filmvertrieb
4.1.4 Filmtheater
4.2 Wertschöpfungsketten innerhalb der Filmwirtschaft
– Struktur der Filmwirtschaft –
4.3 Wirtschaftsfaktor Filmwirtschaft in Deutschland
4.3.1 Import und Export
4.3.2 Absatzmärkte für audiovisuelle Produkte in Deutschland
4.4 Der Standort Berlin-Brandenburg
4.5 Wirtschaftsfaktor Filmwirtschaft in Berlin-Brandenburg
4.5.1 Produktionsstandorte in Berlin-Brandenburg
4.5.2 Standortvorteile der Region Berlin-Brandenburg
4.5.3 Filmfinanzierung
4.5.4 Medien-, Filmevents und Messen
Exkurs: Modell zur Stärkung der Filmproduktion in Deutschland

5. Empirischer Teil
5.1 Empirisches Vorgehen
5.2 Deskriptive Statistik
5.3 Bedeutung ausgewählter Standortfaktoren
5.4 Bewertung des Firmenstandortes Berlin-Brandenburg
5.5 Abgleich zwischen der Bewertung und der Bedeutung der Standortfaktoren
5.6 Einschätzung der Wichtigkeit von harten und weichen Standortfaktoren
5.7 Weiterführende Auswertungen
5.8 Clusterbildung der Filmwirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg

6. Schlussbetrachtung und Überprüfung der Forschungsfrage

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Elemente des Diamanten- Modells von Michael E. Porter

Abbildung 2: Struktur der Filmwirtschaft

Abbildung 3: Profil der Film- und TV-Branche im Großraum Berlin

Abbildung 4: Zusammensetzung der Rücklauf-Ergebnisse

Abbildung 5: Auswertungsergebnis: Wichtigkeit der Standortfaktoren

Abbildung 6: Auswertungsergebnis: Bewertung des Firmenstandortes Berlin-Brandenburg

Abbildung 7: Auswertungsergebnis: Relevanz der harten und weichen Standortfaktoren im Vergleich

Abbildung 8: Verteilung der Medien im Großraum Berlin

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zahl und Herkunft aller Cluster in den Industrieländern

Tabelle 2: Rangordnung der Wichtigkeit der Standortfaktoren

Tabelle 3: Rangordnung der Bewertung der Standortfaktoren in Berlin-Brandenburg

Tabelle 4: Auswertungsergebnis: Bedeutung des Vorhandenseins einer Medienszene

Tabelle 5: Checkliste Clusterbildung

1. Einleitung

„Die Film- und Fernsehwirtschaft hat sich in Berlin zu einem bedeutenden Wachstumsfeld entwickelt. Rund 500 filmwirtschaftliche Unternehmen mit etwa 6.500 Beschäftigten haben ihren Sitz in der Hauptstadt. „Good bye, Lenin!“, „Lola rennt“, „Sonnenallee“, „Halbe Treppe“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ sind nur einige der Filme, die in der Region Berlin gedreht wurden und mittlerweile Markenzeichen für die Entwicklung des neuen deutschen Kinos sind. Besondere Standortvorteile der Hauptstadtregion sind neben den Studios in Adlershof und Babelsberg vor allem das kreative Potential von über 22.000 im Medien- und Kommunikationsbereich Studierenden, eine große Anzahl von Schauspielern und Künstlern sowie die hohe Konzentration von Experten im Bereich Multimedia.“[1]

In diesem Zitat der Investitionsbank Berlin vom 08.Februar 2005 wird auf die Dynamik der Filmwirtschaft im Großraum Berlin eingegangen. Die rasante Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges speziell innerhalb dieser Region gab den Anlass, die Forschungsfrage für diese Diplomarbeit zu stellen: „Auf welchen Standortvorteilen basiert die Bedeutung der Filmindustrie als Wirtschaftsfaktor für Berlin-Brandenburg?“

Zur Untersuchung der Forschungsfrage gliedert sich die Diplomarbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Den Ausgangspunkt des theoretischen Teils bildet die Clustertheorie (Kapitel 2). Zur Definition wurden vor allem die Untersuchungen von Michael E. Porter[2] benutzt, da seine Forschung wegweisend auf diesem Gebiet sind. Cluster bieten generell einen enormen Standortvorteil für verwandte Bereiche einer Branche. Bei der intensiven Beschäftigung mit der Clustertheorie kristallisierte sich eine weitere, bisher von der Forschung unbeachtete, untergeordnete Untersuchungsfrage heraus: „Lassen sich im Großraum Berlin Cluster für die Filmwirtschaft finden?“ Diese Untersuchungsfrage wird neben der Hauptfrage im Rahmen dieser Diplomarbeit ebenfalls beantwortet.

Das dritte Kapitel innerhalb des theoretischen Teils beschäftigt sich mit dem Begriff Standort, der unternehmerischen Standortwahl, der Analyse des jeweiligen Standortes, der strategieorientierten Standortlehre, den Stand-ortfaktoren sowie den Entscheidungen und Bewertungen eines Standortes.

Im vierten Kapitel wird das Profil der Filmwirtschaft allgemein dargestellt.

„Die Begriffe Filmwirtschaft und Filmindustrie bezeichnen jenen Wirtschaftszweig, der sich mit der Herstellung, Vervielfältigung und dem Vertrieb von Kino-, Fernseh- und anderen Filmen beschäftigt. Dies schließt Unternehmen wie Filmproduzenten und Filmverleiher mit ein. Der Begriff Filmindustrie ist inhaltlich eigentlich falsch, da es sich nicht oder nur zu geringen Teilen um Industrie handelt. Er hat seinen Ursprung in dem englischen falschen Freund film industry, der korrekt übersetzt Filmbranche heißt. Dennoch wird er häufiger verwendet als die inhaltlich passenderen Begriffe Filmwirtschaft oder Filmbranche. Filmherstellung ist sehr kostspielig und beschäftigt in der Drehvor- und Nachbereitung Dutzende von Profis; während des Drehs sind zwischen fünf (Nachwuchs- oder Reportageproduktion) und hundert Menschen (Erzählkino à la Hollywood) am Drehort.“[3]

Speziell wird hierbei in dieser Arbeit die Region Berlin-Brandenburg betrachtet. Unter anderem werden Faktoren wie die wichtigsten Produktions-standorte oder Filmevents miteinbezogen, wie zum Beispiel die „Media-City“ Adlershof oder die Berlinale.

Aufbauend auf dem theoretischen Teil liegt der Schwerpunkt des darauf folgenden empirischen Teils (Kapitel 5) auf einer selbst durchgeführten Umfrage. Diese dient zur Untersuchung der Forschungsfrage. Es sind persönliche Umfragen sowie Online-Umfragen im Zeitraum Oktober / November 2006 unter 90 Unternehmen durchgeführt worden. Die Rücklauf-quote betrug dabei allerdings nur 52,2 Prozent. Hauptsächlich wurde die Wichtigkeit von Standortfaktoren und die Bewertung des Firmenstandortes für Berlin-Brandenburg ausgewertet. Untersuchungsgegenstand waren dabei jegliche Produktionsfirmen im Bereich der Filmwirtschaft im Großraum Berlin. Außerdem werden in diesem Kapitel weitere Ergebnisse präsentiert, die allgemein einen Erkenntniszuwachs über die Standortvorteile für die Film-wirtschaft der Region Berlin-Brandenburg erbringen.

Ziel der Diplomarbeit ist es, abzuwägen welche Standtortfaktoren konkret einen positiven Beitrag zur Standortentscheidung im Großraum Berlin leisten. Zusätzlich wird ebenfalls darauf eingegangen, ob die Bedeutung der Film-industrie eher auf „harten“ oder auf „weichen“ Faktoren[4] basiert und ob sich in Berlin-Brandenburg Cluster für die Region finden.

Kapitel sechs beinhaltet die Überprüfung der Forschungsfrage und schließt mit einer Schlussbetrachtung der Arbeit ab.

2. Cluster

2.1 Clusterdefinition

„Der Begriff ‚Cluster’ stammt aus dem angelsächsischen Sprachraum und lässt sich ins Deutsche mit ‚Zusammenballung oder Häufungsstelle’ übersetzen.“[5] In der Ökonomie wird ein Cluster als eine geographisch benachbarte Gruppe von in sich zusammenhängenden Unternehmen und verwandten Institutionen, deren Aktivitäten in einem bestimmten Feld miteinander verwandt sind oder die einander ergänzen, definiert. Die geographische Reichweite eines Clusters kann sich über einzelne Städte bis hin zu einem Netzwerk aus Ländern erstrecken. Cluster können in bestimmten Formen auftreten, die jeweils abhängig von ihrer Tiefe und Erfahrenheit sind. Die meisten beinhalten Endprodukt- und Dienstleistungsunternehmen, Lieferanten von speziellen Materialien, Baugruppen oder Maschinen sowie Kreditinstitute. Cluster schließen auch oft Unternehmen nachgelagerter Industrien, Hersteller von ergänzenden Produkten sowie Institutionen, welche die Trainings, Ausbildungen oder technische Unterstützung anbieten, mit ein. Letztendlich beinhalten viele Cluster Unternehmensverbände, die die Clustermitglieder gegenseitig unterstützen.[6]

Es liegen viele verschiedene Clusterdefinitionen vor, da es viele Möglichkeiten, ein Cluster zu betrachten und darzustellen, gibt.

Die folgenden Kriterien finden sich jedoch in jeder Definition wieder:

- Unternehmen, die in verwandten Bereichen tätig sind,
- eine Mindestanzahl von Firmen in eng geographischer Nähe,
- gemeinsame Beziehungen zu verwandten oder nachgelagerten Branchen,
- ähnliche oder sich ergänzende Endprodukte oder Dienstleistungen.[7]

2.2 Clusterbildung

Cluster kommen in vielen verschiedenen Industriezweigen vor. Sie sind präsent in großen sowie in kleinen Ökonomien, in ländlichen und auch in städtischen Regionen. Sie erscheinen in hoch entwickelten Ökonomien, aber auch in denen, die noch in der Entwicklung sind. Sie variieren in Größe, Umfang und Entwicklungszustand. Manche verfügen über kleine und mittelgroße Unter-nehmen: zum Beispiel die italienische Schuhbranche. Andere hingegen verfügen über kleine und über große Unternehmen: wie zum Beispiel der Filmstandort Hollywood. Diese Unterschiede in der Natur der Cluster reflektieren Unterschiede in der Struktur ihrer einzelnen Industrien. Hoch entwickelte Cluster besitzen tiefere Beziehungen zu Lieferanten, einen weiteren Bereich an verwandten Industrien und mehrere weit reichende und unter-stützende Ansprechpartner.

Die adäquate Definition eines Cluster unterscheidet sich nach den verschie-denen Standorten, abhängig von den Segmenten, in denen das Unternehmen tätig ist und den Strategien, die sie verfolgen.[8]

2.3 Das Clusterkonzept

Das Clusterkonzept bildet eine innovative Denkweise über Inlands-, Landes- und Städteökonomien und deutet auf neue Aufgaben beziehungsweise Funktionen für Unternehmen, Regierungen oder andere Institutionen, deren Ziel es ist den Wettbewerb zu verbessern und zu fördern, hin. Die Präsenz der Cluster verdeutlicht, dass viele Wettbewerbsvorteile außerhalb der Unterneh-mung erzielt werden und der gewählte Standort diese beeinflusst. Die Umwelt sowie das Cluster entscheiden über den Erfolg. Die Unternehmen können von der Anwesenheit der Konkurrenz innerhalb des Clusters profitieren. Clustermitglieder teilen alltägliche Nutzen und Chancen und begegnen denselben Einschränkungen und Hindernissen. Das Cluster bildet somit eine Art konstruktives und effizientes Forum zwischen den in Beziehung stehenden Unternehmen und deren Lieferanten, der Regierung und anderen hervor-stechenden Institutionen. Durch die Clusterbildung ändert sich die Unterneh-mensorganisation entscheidend. Unternehmen, die in demselben regionalen Cluster angesiedelt sind, können ihre Transaktionen aufeinander aufbauen oder abstimmen und dadurch eine neue Organisation entstehen lassen, die zur Maximierung der unternehmensübergreifenden Technologie und Information-übertragung beiträgt. Die eng regionale und betriebliche Verbindung der Unter-nehmen ermöglicht somit ein gegenseitiges Beobachten der Wettbewerbs-strategien und -entwicklungen, so dass Unternehmen besonders motiviert sind ihre eigenen Wettbewerbsstärken in Einklang mit der Entwicklung abzu-stimmen. Dies führt zu einem verstärkten lokalen Wettbewerbsdruck, der wiederum die Wettbewerbsfähigkeit aller Unternehmen im Cluster steigert.[9]

2.4 Wettbewerbsvorteile der Clusterbildung

Laut Michael E. Porter beeinflussen Cluster den Wettbewerb auf 3 verschie-dene Arten:

1. Durch die Zunahme der Produktivität von einzelnen Unternehmen und Branchen,
2. durch die Zunahme der Kapazität von Innovationen und somit durch die Zunahme von Produktivitätswachstum sowie
3. durch stimulierend neue Businessmodelle, welche Innovationen unter-stützen und die Clusterbildung weiter ausbreiten.

Viele Clustervorteile beruhen auf externen Ökonomien oder externen Effekten von Unternehmen und Branchen verschiedenster Art. Jeder der drei oben auf-geführten Wettbewerbseinflüsse hängt gewissermaßen von persönlichen Beziehungen, persönlicher Kommunikation und dem Zusammenspiel zwischen Netzwerken ab.[10]

Michael E. Porter setzt den Schwerpunk seiner Argumentation eher auf „weiche Faktoren“. Innovationen, Unternehmenskultur, Menschenbilder der Führungs-kräfte, flache Hierarchien, Freiräume für Mitarbeiter oder auch stimulierende Businessmodelle der Konkurrenz sind Faktoren, die das Cluster im Wettbewerb beeinflussen. Innerhalb des Clusters liegt eine gegenseitige Anregung des Geschäftslebens vor.

Laut Claas van der Linde beeinflussen Cluster den Wettbewerb auf drei verschiedene Arten, die Porters Theorie ähnlich sind, jedoch teilweise abweichen. Van der Linde konzentriert sich in seiner Argumentation vielmehr auf die „harte Faktoren“. Sein Modell zielt mehr auf Kosten und den enormen Konkurrenzdruck innerhalb des Clusters ab:

1. Durch die Zunahme der Produktivität und Effizienz von einzelnen Unternehmen und Branchen durch
- niedrigere Transportkosten,
- einen besseren Zugang zu spezialisierten Inputs,
- vereinfachte Koordination zwischen Unternehmen und
- starke Anreize, sich gegenüber lokalen Mitbewerbern zu verbessern, bedingt durch ständige Rivalität vor Ort.

2. Durch die Verbesserung von Investitionen durch
- die bessere Fähigkeit, Innovationsmöglichkeiten wahrzunehmen,
- eine schnellere und bessere Verbreitung von Erfindungen,
- mehr Zulieferer sowie Institutionen, die bei der Schaffung von Wissen unterstützen können und
- leichteres „Experimentieren“ aufgrund lokal verfügbarer Res-sourcen.

3. Durch eine erleichterte Gründung neuer Unternehmen durch
- niedrigere Eintrittsbarrieren in verwandte Geschäftsfelder auf-grund lokal verfügbarer Ressourcen,
- erkennbare Gelegenheiten für neue Geschäftstätigkeiten,
- mehr Komplementaritäten über diverse Geschäftsfelder hinweg[11]

Nachdem geklärt ist, inwieweit Cluster den Wettbewerb beeinflussen wird im Folgenden auf die speziellen Vorteile einer Clusterbildung eingegangen.

2.4.1 Zugang zu spezialisierten Inputs und Arbeitnehmern

Einen Wettbewerbsvorteil stellt der Zugang zu spezialisierten Inputs und Arbeitnehmern dar. Die Ortung innerhalb eines Clusters bietet einen besseren oder günstigeren Zugang zu spezialisierten Inputs wie Maschinen, Service oder Personal im Vergleich zu Vertikaler Integration. Cluster stellen somit eine regionale Organisationsform dar, die von Natur aus viel effizienter und effektiver im Zusammenbau von Inputs ist - wenn regionale Anbieter oder Lieferanten zur Verfügung stehen. Die Beschaffung von Inputs innerhalb eines Clusters („local outsourcing“) hat kostengünstigere Transaktionen zur Folge im Gegensatz zu „Nicht Cluster-Mitgliedern“, die außerhalb des Clusters Beschaffungen tätigen („distant outsourcing“). Regionale Beschaffung minimiert den Bedarf an Vorräten und vermeidet Import-Kosten sowie Zeitverzug. Die Kommunikation innerhalb des Clusters wird verstärkt und somit erleichtert. In der modernen Cluster-Ökonomie entsteht die Tiefe und Spezialisierung von Lieferanten oder Anbietern durch die Erkennung von Marktmöglichkeiten und durch die Minde-rung von Risiken aufgrund der Präsenz mehrerer regionaler Kunden. Darüber hinaus bestehen Cluster nicht nur aus einer Branche, sondern aus verwandten Branchen. Solche verwandten Branchen sind für die Filmindustrie zum Beispiel Technische Dienstleister oder Cateringunternehmen.[12]

Innerhalb eines Clusters ist nicht nur der Zugang zu spezialisierten Inputs gegeben, sondern ebenfalls der zu Arbeitnehmern. Es sind viele spezialisierte Arbeitnehmer zu bestimmten Branchen zu finden. Dies führt zu einer Ver-minderung bei Suche und Kosten von Arbeitnehmern und reduziert somit auch Kosten für die Suche von Arbeitnehmern an anderen Standorten. Nicht nur die Nachfrage an spezialisierten Inputs innerhalb des Clusters wird dadurch gesteigert, sondern auch das Angebot an Inputs wie Arbeitnehmern.

Im Gegensatz zu anderen Standorten wird bei einem Cluster der Schwellwert in Hinblick auf die die Verfügbarkeit an Personal, Service und anderen Bestand-teilen weit überschritten. Dies bietet einen deutlichen Vorteil neben der großen Konkurrenz.

2.4.2 Informationszugang

Einen weiteren Vorteil bietet ebenfalls der verbesserte Informationszugang:

Informationen über Märkte, Technik und andere Bereiche sammeln sich innerhalb des Clusters durch Erfahrungen verschiedener Unternehmen an.[13] Dadurch erlangen die Unternehmen leichter und schneller die neuesten und wichtigsten Informationen rund um den Markt und das Geschäft. Der wichtigste Vorteil des Informationszuganges ist das Vorhandensein von Informationen über derzeitige Abnehmer. In der Regel teilen und gewinnen Clustermitglieder untereinander Informationen über die Bedürfnisse der Abnehmer.

2.4.3 Complementarities

Cluster verbessern nicht nur die Produktivität durch den Erwerb und den Aufbau neuer Inputs, sondern auch durch erleichternde Ergänzungen zwischen den Aufgaben der Clustermitglieder. Das Geschäft des einen Mitgliedes zieht das Geschäft eines anderen Mitgliedes mit sich. Die gängigste Art von Ergänzungen sind Produkte der Clustermitglieder untereinander. Eine schlechte Leistung eines Mitgliedes kann zu sofortigem Misserfolg für das andere Mitglied führen. Eine weitere Verbesserung der Produktivität findet durch das Marketing statt. Die Anwesenheit einer Gruppe verwandter Unternehmen oder Industrien in einer Region ermöglicht Joint Marketing. Außerdem kann der Ruf des Standortes in bestimmten Feldern verbessert werden. Italien hat zum Beispiel einen sehr guten Ruf im Bereich Mode und Design.[14] Alle Unternehmen, die in diesem Bereich arbeiten, wie die Schmuck-, Schuh-, Bekleidungs- oder die Lederindustrie profitieren automatisch vom Ruf Italiens.

2.4.4 Zugang zu Institutionen und öffentlichen Gütern

Die Möglichkeit in einem Cluster, z. B. einen erfahrenen und trainierten Arbeitnehmer anzuwerben, beseitigt oder verringert Kosten für interne Weiter-bildungen oder Trainings. Spezialisierte Infrastrukturen oder Beratungen von Experten regionaler Institutionen sind oft Vorteile, die das Unternehmen im Wettbewerb fördern und jeder Zeit in Anspruch genommen werden können. Alle Informationen in einem Cluster können eigentlich als „quasi-öffentliche-Güter“ angesehen werden.[15]

2.4.5 Leistungs- und Erfolgsmessung

Cluster helfen unter anderem auch bei der Milderung beziehungsweise Besei-tigung von Problemen ausführender Organe, welche in weiter abgelegenen Standorten oder weiter hoch eingebundenen Unternehmen auftreten. Sie verbessern aus mehreren Gründen den Anreiz eine höhere Produktivität zu erzielen. Primär wird der Konkurrenzdruck betrachtet. Rivalität zwischen regional ansässigen Unternehmen hat einen besonderen Anreiz.[16] Dadurch, dass ein ständiger Vergleich zwischen den einzelnen Unternehmen vorliegt und die Konkurrenz unter denselben Umständen arbeitet, muss der Wettbewerb auf einer höheren Ebene stattfinden. Gleichzeitig verstärkt der Gruppenzwang den Druck innerhalb des Clusters. Das Selbstgefühl, der Stolz und der Wusch nach Ansehen motiviert die Unternehmen bei dem Versuch andere Konkurrenten zu übertreffen oder gar auszustechen. Auf der anderen Seite wird auch die Erfolgsmessung von betriebsinternen Aktivitäten vereinfacht, da viele Unternehmen oft ähnlich arbeiten.

Exkurs: Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit

Wettbewerbsfähigkeit ist direkt durch Produktivität bedingt. Ein Land beziehungsweise eine Region wie Berlin ist produktiv, wenn sie es sich leisten kann sich viel zu zahlen. Produktivität lässt sich durch Innovation steigern. Die Innovation erhöht die Produktivität, die wiederum Löhne und Kapitalrenditen steigen lässt. Somit wird der Lebensstandart gehoben und gesichert. Rahmen-bedingungen wie makro- und mikroökonomische Faktoren fördern die Produk-tivität und das Produktivitätswachstum.

Statistisch gesehen ist mehr als 90 Prozent der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beziehungsweise einer Region durch mikroökonomische Faktoren gekennzeichnet (im Gegenzug: 10 Prozent durch makroökonomische Faktoren). Das Diamanten-Modell von Michael E. Porter ist das dienlichste Modell, um die mikroökonomischen Gründe für Wettbewerbsfähigkeit zu verstehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Elemente des Diamanten- Modells von Michael E. Porter

Quelle: <http://www.hsu-hh.de/gaitanides/index_5yQwqQNBFKT3NTnR.html>, 03.11.2006

Die Elemente Staat und Zufall sind begleitende Rahmenkomponenten, auf die hier nicht weiter eingegangen wird. Diese Komponenten wirken auf die Entstehung, Weiterentwicklung und Form des Clusters ein und gestalten ihn:

Unternehmensstrategie, Struktur und Wettbewerb:

- örtliche Rahmenbedingungen fördern Investitionen und nachhaltige Weiterentwicklung
- Wettbewerb zwischen lokal ansässigen Rivalen

Faktorbedingungen (Inputbedingungen):

- Lokale Verfügbarkeit von Human-, Kapital-, und Naturressourcen
- Lokale Verfügbarkeit von physischer, administrativer, informativer, wissenschaftlicher und technologischer Infrastruktur
- Faktorqualität
- Faktorspezialisierung

Verwandte und unterstützende Branchen:

- Präsenz fähiger Lieferanten und Unternehmen in verwandten Branchen
- Präsenz von Clustern anstatt isolierter Branchen

Nachfragebedingungen:

- Anspruchsvolle und fortschrittliche lokale Abnehmer
- Ungewöhnliche Nachfrage in spezialisierten Segmenten, die global be-friedigt werden kann
- Lokale Nachfrage antizipiert internationale Nachfrage[17]

[...]


[1] <http://www.moe-business.de/imperia/md/content/blc/kommunikation/filmwirtschaft_2004.pdf>, 01.08.2006.

[2] Porter, Michael E.: On competition, Boston, Massachusetts 1998.

[3] <http://wikipedia.org/wiki/filmwirtschaft>, 01.09.2006

[4] Vgl. Kapitel 3.5 zu den Standortfaktoren.

[5] Cernavin, Oleg und Führ , Martin unter anderem (Hrsg.): Cluster und Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, Erfolgsfaktoren regionaler Wirtschaftsentwicklung, Volkswirtschaftliche Schriften, Heft 543, Berlin 2005, S. 80.

[6] Vgl. Porter, Michael E.: On competition, S. 199.

[7] Vgl. Cernavin, Oleg und Führ , Martin unter anderem (Hrsg.): Cluster und Wettbewerbs-fähigkeit von Regionen, S. 20.

[8] Vgl. Porter, Michael E.: On competition, S. 205.

[9] Vgl.ebenda, S. 198.

[10] Vgl. ebenda, S. 213.

[11] Vgl. Cernavin, Oleg und Führ, Martin unter anderem (Hrsg.): Cluster und Wettbewerbs-fähigkeit von Regionen, S. 21.

[12] Vgl. Porter, Michael E.: On competition, Boston, S. 214.

[13] Vgl. ebenda, S. 216.

[14] Vgl. ebenda, S. 217.

[15] Vgl. ebenda, S. 218.

[16] Vgl. ebenda, S. 219.

[17] Vgl. Cernavin, Oleg und Führ, Martin unter anderem (Hrsg.): Cluster und Wettbewerbs-fähigkeit von Regionen, S. 18.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Film als Wirtschaftsfaktor im Großraum Berlin - auf welchen Standortfaktoren basiert die Bedeutung der Filmindustrie in Berlin-Brandenburg?
Hochschule
International Business School Berlin
Note
1.0
Autor
Jahr
2006
Seiten
75
Katalognummer
V73903
ISBN (eBook)
9783638689571
Dateigröße
998 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
...Ziel der Diplomarbeit war es, abzuwägen welche Standtortfaktoren konkret einen positiven Beitrag zur Standortentscheidung im Großraum Berlin leisten. Zusätzlich wird ebenfalls darauf eingegangen, ob die Bedeutung der Filmindustrie eher auf 'harten' oder auf 'weichen' Faktoren basiert und ob sich in Berlin-Brandenburg Cluster für die Region finden.
Schlagworte
Film, Wirtschaftsfaktor, Großraum, Berlin, Standortfaktoren, Bedeutung, Filmindustrie, Berlin-Brandenburg, Filmwirtschaft, Wirtschaft, Fernsehen, Medien, Medienmanagement
Arbeit zitieren
Laura König (Autor), 2006, Film als Wirtschaftsfaktor im Großraum Berlin - auf welchen Standortfaktoren basiert die Bedeutung der Filmindustrie in Berlin-Brandenburg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73903

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