Das Spanisch bilingualer indigener Sprecher in Mexiko: Ein Vergleich zwischen den Otomí und den yucatekischen Maya


Seminararbeit, 2006
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Soziolinguistischer Teil
2.1 Das Verhältnis zwischen beiden Sprachen in der Otomí-Region
2.2 Das Verhältnis zwischen beiden Sprachen auf Yucatán
2.3 Vergleich beider Situationen

3. Phonetischer Teil
3.1.1 Die phonetischen Merkmale des zentralmexikanischen Spanisch
3.1.2 Die phonetischen Merkmale des Spanischen bilingualer Otomí Sprecher
3.1.3 Vergleich der Merkmale
3.2.1 Die phonetischen Merkmale des yucatekischen Spanisch
3.2.2 Die phonetischen Merkmale des Spanischen bilingualer Maya Sprecher aus Yucatán
3.2.3 Vergleich der Merkmale

4. Schluss

Literaturangaben:

Anhang:

1. Einleitung:

In dieser Hausarbeit werde ich einen soziolinguistischen Vergleich zwischen den Bilinguismussituationen auf der Halbinsel Yucatán und in dem Sprachgebiet der Otomí im zentralen mexikanischen Hochland erstellen. Weiterhin vergleiche ich Sprachbeispiele von bilingualen Sprechern des Otomí und des Maya auf Yucatán unter phonetischen Gesichtspunkten mit den jeweiligen regionalen Standards des Spanischen der Regionen.

Demzufolge ist die Arbeit in einen soziolinguistischen und einen phonetischen Teil gegliedert.

Mit der Heranziehung soziolinguistischer Daten der jeweiligen Region untersuche ich das Verhältnis des Spanischen und der jeweiligen indigenen Sprache zueinander unter Berücksichtigung folgender Fragestellung: Wie hoch ist das sozioökonomische Ansehen der indigenen Sprache in der Region und zu welchen Anlässen wird sie noch verwendet?

Die phonetischen Vergleiche im Folgenden, setzen sich zum Ziel die Unterschiede und Übereinstimmungen auf der phonetischen Ebene zwischen dem Spanischen der bilingualen Sprecher und dem betreffenden regionalen Standard aufzuzeigen. Durch diese Untersuchung in Korrelation mit dem soziolinguistischen Teil möchte ich die Frage beantworten, ob die schwächere sozioökonomische Stellung einer indigenen Sprache eine stärkere sprachliche Assimilierung ihrer Sprecher an den regionalen Standard des Spanischen nach sich zieht und ob auf der anderen Seite die stärkere Stellung einer autochthonen Sprache die Herausbildung einer indigenen spanischen Varietät unter phonetischen Gesichtspunkten ermöglicht. Als indigene Völker im Vergleich wählte ich die Maya und die Otomí aus, da in beiden Fällen unterschiedliche Bilinguismussituationen sowie unterschiedliche dialektale Zusammenhänge in den Regionen vorliegen.

Für die Transkription der Wortbeispiele im phonetischen Teil habe ich die Symbole des Internationalen Phonetischen Alphabets verwendet. Eine Auflistung der eingesetzten Zeichen findet sich im Anhang.

2. Soziolinguistischer Teil

2.1 Das Verhältnis zwischen beiden Sprachen in der Otomí-Region

Das Otomí ist die am sechsthäufigsten gesprochene indigene Sprache in Mexiko (INEGI 2001), deren Sprachraum sich im zentralen östlichen Hochland befindet und zu dem insgesamt sieben Bundesstaaten gehören, von denen die Staaten Hidalgo und Estado de México die meisten Sprecher beherbergen (vgl. Lastra 1990, S.562). Allerdings werden in diesen Staaten noch weitere autochthone Sprachen gesprochen. Soziolinguistische Studien über diese Region wurden vor allem über den Staat Hidalgo gemacht durch Zimmermann (1992) und Hamel (1988), welche Sprachverdrängungs- und Sprachidentitätsprobleme in der Region des Valle del Mezquital untersucht haben.

Die amtliche Verkehrssprache der Region ist das Spanische und Kenntnisse in der indigenen Sprache sind in der Regel nur bei den Bewohnern von Otomí-Dörfern verbreitet. Das Otomí hat die Rolle als lingua franca der Region inzwischen eingebüßt und wird nur noch innerhalb der dörflichen Kommunikation verwendet (vgl. Hamel 1988, S.204).

Somit ist der Gebrauch der indianischen Sprache auf religiöse oder kulturelle Riten, die regionalen Märkte und dorfinterne organisatorische Angelegenheiten beschränkt (vgl. Zimmermann 1992, S.27).

Durch die Analyse verschiedener Arten organisatorischer Versammlungen konnte Hamel (1988, S.425 ff.) einen Sprachwechselprozess im Valle del Mezquital vom Otomí hin zur offiziellen Landessprache feststellen, da zum Beispiel durch die verstärkte Präsenz staatlicher Repräsentanten auf dieser Versammlungsebene die Notwendigkeit besteht auf Spanisch zu kommunizieren. Der Fortschritt sowie der sozioökonomische Wandel bewirken unter anderem also eine starke Hispanisierung. „Der Kontakt mit der Außenwelt erfordert den Gebrauch des Spanischen (...)“ (Zimmermann 1992, S. 26 f.).

In einem Interview berichtet eine bilinguale Sprecherin des Otomí von ihren Erfahrungen mit dem Erlernen des Spanischen und ihrem Verhältnis zum Otomí (Paulín de Siade 1974, S. 35 ff.). Sie erzählt, dass es für geschäftliche Zwecke undenkbar wäre, kein Spanisch zu sprechen und dass Jugendliche ihres Heimatdorfes untereinander zumeist Spanisch benützten. Dies dient dazu, die in der Schule gelernte Sprache weiter zu verbessern. Den spanischsprachigen Otomí ist bewusst, dass ihre autochthone Sprache ein geringes Ansehen genießt und das Beherrschen des Spanischen ihnen bessere Möglichkeiten eröffnet.

Ein funktionaler Wert des Otomí ist für heutige Bedürfnisse durch die eingeschränkte Verwendbarkeit nicht mehr vorhanden (vgl. Zimmermann 1992, S.27). In Zukunft wird sich dieser Sprachwechsel hin zum Spanischen wohl fortsetzen, auch weil frühere ethnische Grenzen, die außerdem als sprachliche Grenzen galten, nicht mehr für die sprachliche Differenzierung verwendet werden können (vgl. Hamel 1988, S.13).

2.2 Das Verhältnis zwischen beiden Sprachen auf Yucatán

Das yucatektische Maya ist die indigene Sprache mit der zweithöchsten Sprecheranzahl in Mexiko. Die Halbinsel Yucatán liegt im Südosten Mexikos und wies im Jahre 2000 ein Verhältnis von 37% mayasprachiger Bevölkerung zu 63% spanischsprachiger Bevölkerung auf (INEGI 2001). Ein großer Anteil der Sprecher dieser indigenen Sprache ist bilingual, nämlich 91% der Sprecheranzahl (INEGI 2001). Auf der Halbinsel ist das Maya die einzige gesprochene indigene Sprache.

Die folgenden Angaben basieren auf einer Untersuchung nach Pfeiler (1988), in der die Sprachverwendung von jeweils Spanisch und Maya zweier yucatekischer Orte miteinander verglichen wurde. Beide Dörfer weisen hohen Anteil an indigener Bevölkerung auf. Es wurde ein Dorf in einem Maisanbaugebiet im Landesinneren mit einem Fischerdorf an der Nordküste Yucatáns verglichen. Das Maya ist quasi die offizielle Sprache des Dorfes im Inneren des Landes und wird auch für administrative Zwecke genutzt. An der Küste wird vorwiegend Spanisch für diese Zwecke eingesetzt. Im Landesinneren wird innerhalb der Haushalte generationsübergreifend untereinander auf Maya gesprochen, während im Küstenort die Kommunikation mit den Älteren in der autochthonen Sprache geführt wird und ansonsten in der Regel Spanisch gesprochen wird. Es ist hier eine Bewegung hin zum innerfamiliären Gebrauch des Spanischen zu erkennen. Auf den Märkten spricht man im Landesinneren überwiegend Maya und an der Küste vor allem Spanisch, wegen des häufigen Kontaktes mit externen spanischsprachigen Händlern. Der Kontakt zum Spanischen ist an der Küste intensiver, was seinen Gebrauch häufiger erfordert.

Vor allem im Landesinneren liegt ein stabiles gegenseitiges Verhältnis der beiden Sprachen im Gebrauch vor, da das Maya auch funktionale Verwendung findet. Jedoch ist auf Yucatán Spanisch unerlässlich für jüngere Generationen, um sich in das nationale ökonomische System einzugliedern (vgl. García Fajardo 1984, S.11). Die sprachliche Situation in dem untersuchten Küstenort bestätigt dies.

Allgemein ist das Maya zwar wie alle anderen indigenen Sprachen Mexikos vom Rückgang betroffen (vgl. Pfeiler 1990, S.120), sein Prestige ist jedoch unvergleichlich hoch. „Todo lo cual contribuye aproporcionarle una importancia y un prestigo social de que carecen las demás lenguas indígenas de México” (Lope Blanch 1987, S.9). Auch die quantitativ hohe Zahl seiner Sprecher verschafft der Sprache ein solides Fundament. Der Monolinguismus bei Mayasprechern ist überdies auf der ruralen Ebene kein Ansehensverlust, so kommt es beispielsweise vor, dass Bürgermeister einzelner yucatekischer Ortschaften nur des Maya mächtig sind (vgl. Pfeiler 1988). Kenntnisse dieser autochthonen Sprache sind sehr weit verbreitet und auch in städtischen Gegenden häufig zu finden (vgl. Lope Blanch 1987, S.9).

Auf dem Land wird das Maya den voranschreitenden Hispanisierungsprozess wohl überleben, aber in den Städten und dicht besiedelten Gebieten könnte es in den folgenden Generationen zu einer Sprachverdrängung kommen. Das Spanische ist insgesamt in der Region auf dem Vormarsch, wird jedoch das Maya wohl nicht vollständig verdrängen (vgl. Alvar, S.173).

2.3 Vergleich beider Situationen

Im Vergleich der beiden Kontaktsituationen miteinander fällt auf, dass das Otomí einem größerem Verdrängungsdruck durch die spanische Sprache ausgesetzt ist, als das Maya. Es weist eine geringere Sprecherzahl als die Sprache aus Yucatán auf und steht in einem ständigen Kontakt mit der offiziellen Landessprache. Dies steht im Gegensatz zu dem autarken Verhältnis in einigen Regionen Yucatáns, wo vor allem im Landesinneren in kleineren Ortschaften eine größere Isolation der indigenen Sprache zu sehen ist. Das soziale Ansehen des Maya ist überdies höher als das des Otomí. Als indigene Sprache genießt das Maya auf Yucatán ein hohes soziales Prestige, auch weil es neben dem Spanischen die einzige verwendete Sprache der Region ist. In den Bundesstaaten des Otomí-Sprachgebietes muss sich das Otomí nicht nur gegen das Spanische behaupten, sondern außerdem gegen einige andere autochthone Sprachen. Geographisch ist die Halbinsel Yucatán abgeschlossener, als die Bundesstaaten des Otomí-Gebietes.

Das Beispiel der Untersuchung nach Pfeiler (1988) zeigt, dass der regelmäßige Kontakt der indigenen Sprache mit dem Spanischen ein wichtiger Faktor bezüglich deren Verdrängung ist. Das Maya findet an der Küste in einer vergleichbaren Ortschaft weniger Verwendung im alltäglichen Gebrauch als im Landesinneren, wo die Besiedelung dünner ist und weniger Kontakt zu monolingual spanischsprachigen Bevölkerungsteilen besteht.

Die Hispanisierungstendenz für die jüngeren Generationen ist jedoch in beiden Regionen vorhanden, ist aber regional bedingt in Yucatán nicht so stark ausgeprägt. Dies beruht vor allem auf sozioökonomischen Gründen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Spanisch bilingualer indigener Sprecher in Mexiko: Ein Vergleich zwischen den Otomí und den yucatekischen Maya
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V73924
ISBN (eBook)
9783638780308
ISBN (Buch)
9783638844864
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanisch, Sprecher, Mexiko, Vergleich, Otomí, Maya, Proseminar
Arbeit zitieren
Matthias Linsenmeier (Autor), 2006, Das Spanisch bilingualer indigener Sprecher in Mexiko: Ein Vergleich zwischen den Otomí und den yucatekischen Maya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73924

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