Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich auf häufig verwendete Begriffe, deren Definition und theoretischen Grundlagen wie Zeichen, Symbol, Ritual, Emotion und die allgemeine Bedeutung und Verwendung dieser Begriffe für die mittelalterliche Gesellschaft, eingehen.
Im zweiten Teil werde ich auf die Funktion von Ritual und Emotion im Allgemeinen eingehen: welchen wichtigen Platz sie in der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung inne hatten und welche Wirkung durch sie erzielt werden sollte.
Im dritten Teil werde ich die häufigsten Emotionen wie Tränen, Freude und Wut mit den dazugehörigen Ritualen und ihre Funktion einzeln erläutern, um aufzuzeigen, wie sie in konkreten Situationen angewendet wurden und welche Auswirkungen sie auf die jeweilige Situation hatten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Allgemeine Vorbemerkungen
III. Die Funktion von rituellen Handlungen allgemein anhand der Rang- und Gesellschaftsordnung
III.I. Gesellschafts- und Rangordnung
III.II. Durchführung
III.III. Wirkung des Rituals
IV. Die Funktion von Emotionen im Speziellen
IV.I. Tränen
IV.I.I. Unterwerfung und Buße
IV.I.II. Bitte
IV.II. Freude und Jubel bei Zustimmung
IV.III. Wut, Zorn und Beschimpfungen bei Ablehnung
V. Fazit
VI. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die öffentliche Kommunikation im Mittelalter unter dem Fokus des Zusammenspiels von rituellen Handlungen und Emotionen bei gesellschaftlich hochgestellten Personen. Die zentrale Forschungsfrage adressiert die Funktion dieser rituellen Kommunikation zur Sicherung der sozialen Stabilität in einer Gesellschaft ohne staatliches Gewaltmonopol.
- Rituale als Mittel der Vertrauensbildung und Konfliktbeilegung
- Die symbolische und zeichenhafte Natur mittelalterlicher Kommunikation
- Die Rolle spezifischer Emotionen (Tränen, Freude, Wut/Zorn) im rituellen Kontext
- Die Bedeutung von Rang- und Gesellschaftsordnung für kommunikative Abläufe
- Inszenierung und Wirkung von Ritualen auf Zeitgenossen
Auszug aus dem Buch
IV.I.I. Unterwerfung und Buße
Tränen kombiniert mit Bitt- und Verzweiflungsgesten kamen besonders häufig bei Unterwerfungsritualen vor, der so genannten „spontanea deditio“. Diese fand zur Konfliktbeendigung und Aufgabe von kriegerischen Handlungen statt und gewährte dem Sieger als „satisfactio“ meistens die Macht über das Leben der Besiegten, die wiederum durch die anschaulichen Emotionen und Gesten versuchten, Vergebung oder Milderung der Strafe zu erreichen. Die Büßerpartei zeigte ihre Verzweiflung und Reue der begangenen Untaten, indem sie laut jammernd, zitternd und kniend mit Tränen ihren Herrscher um Gnade („clementia“) anflehte.
Gelang es, wurden auf beiden Seiten Tränen vergossen, auf der der Sünder und Büßenden wie der Herrscher, die Verzeihung gewährten. Auch das anwesende Publikum vergoss Tränen, wenn der Herrscher durch „misercordia motus“ dem Sünder verzieh. Ein besonders anschauliches Beispiel ist hier die von Papst Gregor V. und Bischof Bernward von Hildesheim veranlasste „deditio“ zwischen Kaiser Otto III. und den Einwohnern der Stadt Tivoli oder die Unterwerfung der Stadt Mailand an Friedrich Barbarossa. Hier traten die Bewohner der Stadt nackt, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, mit Ruten in den Händen und Schwertern im Nacken vor den König und warfen sich ihm zu Füßen. Beide zeigten sich als christliche Herrscher und ließen sich von den Reumütigen milde stimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der rituellen Kommunikation im Mittelalter ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung sowie die Fokussierung auf hochgestellte Personen.
II. Allgemeine Vorbemerkungen: Es werden grundlegende Begriffe definiert und der Kontext einer Gesellschaft ohne zentrales Gewaltmonopol beschrieben, in der Vertrauen durch Rituale und zeichenhaftes Handeln gestiftet wird.
III. Die Funktion von rituellen Handlungen allgemein anhand der Rang- und Gesellschaftsordnung: Dieses Kapitel erläutert, wie Rituale die Stabilität der Gesellschaft sicherten und welche Rolle der "honor" einer Person dabei spielte.
IV. Die Funktion von Emotionen im Speziellen: Hier wird analysiert, wie Emotionen wie Tränen, Freude oder Wut als strategische Mittel in rituellen Abläufen eingesetzt wurden, um Botschaften zu verstärken.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Rituale und Emotionen im Mittelalter untrennbar zur sozialen Stabilität beitrugen und Forschungsbedarf zur langfristigen Entwicklung dieser Kommunikation besteht.
VI. Literaturverzeichnis: Dies ist ein Verzeichnis der verwendeten Nachschlagewerke, Forschungsliteratur und mittelalterlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Mittelalter, öffentliche Kommunikation, Rituale, Emotionen, Zeichensprache, Symbolik, Rangordnung, Vertrauensbildung, Konfliktbeilegung, Tränen, Buße, Unterwerfung, Inszenierung, Macht, Herrschaftsdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Spielregeln der öffentlichen Kommunikation im Mittelalter, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wechselwirkung zwischen rituellen Handlungen und den dabei gezeigten Emotionen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Funktion von Ritualen in einer Gesellschaft ohne staatliches Gewaltmonopol, die Bedeutung der Rangordnung sowie der Einsatz von Emotionen als zeichenhafte Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie rituelle Handlungen und Emotionen in der Kommunikation zwischen hochgestellten Personen dazu dienten, soziale Stabilität zu wahren und politische Ziele zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Herangehensweise, bei der sie auf historische Quellen und fachwissenschaftliche Literatur (insbesondere von Gerd Althoff) zurückgreift, um die Interaktion im Mittelalter zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen Funktionen von Ritualen und Zeichen erläutert, bevor spezifische Emotionen wie Tränen, Freude und Wut jeweils eigenen Anwendungsgebieten zugeordnet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Mittelalter, Ritual, Kommunikation, Emotion, Herrschaftsdarstellung und soziale Stabilität beschreiben.
Warum war es wichtig, dass Rituale für Zuschauer erkennbar blieben?
In einer Gesellschaft ohne rechtliche Institutionen dienten Rituale dazu, allen Beteiligten und Zuschauern Klarheit über die bestehenden Verhältnisse, den Rang der Personen und die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu verschaffen.
Welche Funktion hatten "wütende und zornige Reaktionen" in der Kommunikation?
Solche Reaktionen dienten dazu, eine klare Ablehnung zu signalisieren und Entschlossenheit in Konflikten auszudrücken, wie etwa bei der Demonstration einer bestimmten Rechtsauffassung.
- Quote paper
- Daniela Wuest (Author), 2007, Die Funktion von rituellen Handlungen in Verbindung mit Emotionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74003