Die "Historia von D. Johann Fausten" zwischen Wissenschaft und Christentum der frühen Neuzeit


Examensarbeit, 2006
107 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Historia von D. Johann Fausten“
2.1. Die Zeit des historischen und literarischen Faust
2.2. Der literarische Faust
2.2.1. Inhalt der „Historia von D. Johann Fausten“
2.2.2. Die „Historia“ als literarisches Werk
2.2.3. Die „Historia“ und ihre konfessionelle Tendenz
2.2.4. Wirkung auf die Zeitgenossen
2.3. Der historische Faust
2.3.1. Die Person
2.3.2. Wirkung auf die Zeitgenossen

3. Die Naturmagie der frühen Neuzeit

4. Die Wissenschaftliche Revolution der Frühen Neuzeit
4.1. Die Wissenschaft des Mittelalters
4.2. Die Wissenschaft der Frühen Neuzeit
4.2.1. Wissenschaftliche Methode
4.2.2. Astrologie/Astronomie
4.2.3. Alchemie und Medizin
4.3. Das neue Weltbild

5. Christentum und Wissenschaft der frühen Neuzeit

6. Fazit

7. Literatur

Quellen:

Aufsätze:

Monographien:

1. Einleitung

„Es möchte kein Hund so länger leben !
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund,
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Dass ich nicht mehr, mit saurem Schweiß,
Zu sagen brauche was ich nicht weiß;
Dass ich erkenne was die Welt
im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen
Und tu nicht mehr in Worten kramen.“[1]

Was Goethe seinem Faust im 18. Jahrhundert in den Mund legte, ist von universaler Bedeutung für die Geschichte des Menschen und sein Streben nach Erkenntnis. Zu allen Zeiten gab es Bemühungen, die Welt in der wir leben, nach Mustern und Regeln zu durchsuchen, die Erklärungen dafür bieten, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Der Drang nach Wissen und Erkenntnis trägt dabei stets den Aspekt der Veränderung in sich. Fast immer betrafen die Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens den wissenschaftlichen Kernbereich selbst, oft hatten sie immensen Einfluss auf die Gesellschaft als Ganzes. In Zeiten einer fortgeschrittenen Gentechnik, beispielsweise drängt sich für die Gesellschaft zunehmend die Frage auf, wie tief der Einfluss dieses Wissens auf die Gesellschaft sein wird und sein darf. Verbunden mit diesen Auseinandersetzungen sind oft weltanschauliche und religiöse Motive und damit einhergehend ethisch-moralische Fragen.

Das Christentum, seit jeher Verfechter einer ethisch-moralischen Weltanschau­ung, gerät infolgedessen schnell mit den Naturwissenschaften in Konflikt. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Auseinandersetzung ist der immer noch schwelende Streit um die Evolutionstheorie. Darwins Vorstellung von Evolution durch natürliche Selektion steht im Widerspruch zum wörtlichen Verständnis der biblischen Schöpfungslehre. Teile des Christentums aber wollen nicht auf die Vorstellung einer göttlichen Schöpfung, wie sie in der Genesis beschrieben wird, verzichten und stellen der Evolutionstheorie neuerdings das „wissenschaftliche“ Konzept des Kreationismus, also der Ansicht Gott habe vor etwa 4000 Jahren die Welt und alle Arten mehr oder weniger „fertig“ erschaffen, gegenüber. Momentan gibt es erfolgreiche Bestrebungen „Intelligent Design“, eine wissenschaftliche Theorie im Sinne des Kreationismus, sowohl im wissenschaftlichen Betrieb, als auch in Schulen in den USA und Großbritannien zu installieren mit dem Ziel, die Evolutionstheorie zu schwächen.[2]

Solche Konfrontationen zwischen traditionellem Wissen, bzw. Überzeugungen und darauf beruhenden Weltbildern und neuem Wissen sind jedoch nicht auf die Moderne beschränkt. Schon während der Frühen Neuzeit verhärteten sich die Fronten zwischen Wissenschaft und Christentum. Ein Repräsentant dieser Zeit war der historische Faust. Knapp 40 Jahre nach seinem Tod (ca. 1540) erschien die „Historia von D. Johann Fausten“ (im Folgenden kurz: „Historia“). In der „Historia“ wird Faust, als wissbegieriger „Schwarzkünstler“ und „Zauberer“ dargestellt, der sich mit dem Teufel verbündet, um „(…) alle Gruend am Himmel vnd Erden [zu] erforschen (…). Anders als beim sehr viel später erscheinenden „Faust“ von Goethe bezahlt der Faust der „Historia“ den Pakt mit dem Teufel schließlich mit der ewigen Verdammnis in der Hölle.

In der wissenschaftlichen Diskussion ist man sich nicht einig, weshalb der Faust der „Historia“ eigentlich als negatives Exempel für alle Christen dienen sollte. Die gängige Erklärung (Henning, Mahal, u.a.) besagt, Fausts Drang nach Wissen habe ihn zum Abfall von Gott und in die Arme des Teufels getrieben. Könnecker, Göres und andere betonen aber, das genau dies nicht der Fall wäre. Der Drang nach Erkenntnis spiele, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehe die gotteslästerliche Hoffahrt, konzentriert im Verlangen Fausts nach Macht, genauer: der Macht Gottes, auf den Lauf der Dinge mit Hilfe magischer Praktiken Einfluss nehmen zu können.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass mir keine Arbeit begegnet ist, die sich im Kontext der „Historia“ mit dem Wissen der frühen Neuzeit ausein­andersetzt und somit in einem Punkt für Klarheit schaffen würde: Kann die „Historia“ als christliche Warnschrift vor den Wissenschaften verstanden werden? Ist die Figur des Faust letzten Endes als Sinnbild des christlichen Menschen zu verstehen, der sich in den Tiefen wissenschaftlicher Erkenntnis zu verlieren droht? Ziel dieser Arbeit soll deswegen sein, zu untersuchen was die „Historia“ „im Innersten zusammenhält“. Welchen Einfluss könnten die Entwicklungen innerhalb der Wissenschaft der frühen Neuzeit auf die „Historia“ gehabt haben. Konkret: Gibt es triftige Gründe dafür, die „Historia“ von D. Johann Fausten“ als christliche Warnschrift gegen die Wissenschaft an sich zu verstehen?

Um diese Frage beantworten zu können, soll zunächst auf den eigentlichen Kern dieser Arbeit eingegangen werden, die „Historia“ selbst. Dieser erste, einführende Teil dient zugleich dazu, den aktuellen Stand der Forschung in Bezug auf die „Historia“ zusammenzufassen. Nach einer knappen Einführung in den historischen Hintergrund, soll der Text der „Historia“ kurz zusammengefasst und die für diese Arbeit entscheidenden Stellen herausgehoben werden. Natürlich werden auch gattungsspezifische Merkmale herausgearbeitet, sowie über den Autor informiert. Interessant für diese Arbeit ist natürlich auch die Antwort auf die Frage, wie die Reaktion der Menschen auf die „Historia“ ausgefallen ist. Deswegen soll auch auf die Wirkung eingegangen werden, die das Werk auf ihre Zeitgenossen ausübte. Weil sich die „Historia“ auf eine Person bezieht, die allem Anschein nach wirklich existierte, soll in einem zweiten Schritt die Person des historischen Faust beleuchtet werden. Was war er für ein Mensch und welche Motive könnten eine Rolle gespielt haben, ihn im Rahmen der „Historia“ das Kainsmahl des Teufelsbündners anzuhängen?

Ein weiterer Kernbereich dieser Arbeit ist die Wissenschaft der frühen Neuzeit. Faust aber galt seinen Zeitgenossen als Magier und Zauberer, nicht als Wissenschaftler. Dass die Bereiche „Wissenschaft“ und Magie in der frühen Neuzeit aber nur mühsam auseinandergehalten werden konnten und viele Überschneidungen zwischen beiden Bereichen existierten, zeigt der zweite Abschnitt. Er bildet damit die Verknüpfung zwischen Faust dem Magier und der Welt der Wissenschaft. Kurz: Obwohl Faust Magier ist, kann er aus heutiger Sicht dennoch dem Bereich der Wissenschaft der frühen Neuzeit zugeordnet werden.

Der dritte und ausführlichste Teil dieser Arbeit befasst sich mit der Wissen­schaftlichen Revolution der Frühen Neuzeit. Um ein Gefühl für die Verän­derungen zu bekommen, die diese Umwälzung mit sich brachte, ist es jedoch unablässig einen kurzen Überblick über die Wissenschaft des Mittelalters zu geben. Ebenso ist es erforderlich, die Darstellung nicht mit Erscheinen der „Historia“, sondern ca. 40 Jahre später mit dem Wirken Galileis enden zu lassen. Dies macht Sinn, da erst nach Erscheinen der „Historia“ der Konflikt zwischen Christentum und Wissenschaft offen an den Tag getreten ist. Im Mittelpunkt dieses dritten Abschnittes stehen die Entwicklungen innerhalb der Wissenschaft und zu welchen Entdeckungen sie schließlich führten. Einer genaueren Betrach­tung werden dabei diejenigen Bereiche unterzogen, in denen der historische und literarische Faust tätig war: die Astrologie/Astronomie, die Alchemie und die Medizin. Gegen Ende des Abschnittes soll ein kurzer Vergleich zwischen dem Weltbild des Mittelalters und demjenigen Weltbild gezogen werden, das quasi am Ende dieser „revolutionären“ Entwicklung stand.

Im vierten Abschnitt schließlich kommt es zur Gegenüberstellung von Wissen­schaft und Christentum. Diese Gegenüberstellung soll Klarheit in der Hinsicht schaffen, ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Frühen Neuzeit als Bedrohung für das Christentum wahrgenommen werden konnten und ob Faust als Vertreter solchen Denkens eine Gefahr für das christliche Weltbild darstellen konnte. Um ein Gefühl für die Position der Kirche zu bekommen, soll zunächst kurz auf das geschichtliche Verhältnis des Christentums zum „Wissen“ allgemein eingegangen werden. Nach dieser kurzen Darstellung liegt der Focus der Betrach­tung allerdings auf dem Verhältnis beider Bereiche zueinander. Da die „Historia“ ein Werk der Reformationszeit ist, soll auch getrennt auf beide Konfessionen eingegangen werden.

Das Fazit soll in guter Tradition dazu dienen, das Erarbeitete kurz zu rekapitu­lieren und einen kleinen Ausblick zu geben.

Natürlich müssen im Rahmen einer Examensarbeit hinsichtlich des Umfangs vielerlei Abstriche gemacht werden. Im Rahmen der „Historia“ wäre es sicherlich auch aufschlussreich gewesen, die genaue Editionsgeschichte und deren Nuancen in die Untersuchung mit einzubeziehen oder den wissenschaftlichen Dissenz hinsichtlich der konfessionellen Ausrichtung der „Historia“ ausführlicher zu behandeln. Auch die Abschnitte über die Magie, die Wissenschaft und den Konflikt zwischen Wissenschaft und Christentum bedürften sicherlich noch der Ergänzung.

Auch hinsichtlich einiger Begriffe bestehen gewisse Ungenauigkeiten. So bezieht sich der Inhalt dieser Arbeit im Wesentlichen auf die „frühe Neuzeit“. Da es aber an manchen Stellen dieser Arbeit falsch wäre, von der „frühen Neuzeit“ zu sprechen, wird des Öfteren der in den historischen Wissenschaften gängigere und etwas umfassendere Begriff „Frühe Neuzeit“ verwendet. Das mag für den Laien unerheblich klingen, ist aber an manchen Stellen, hinsichtlich wissenschaftlicher Exaktheit, unerlässlich, da „Frühe Neuzeit“ historisch verstanden eine inhaltlich viel breitere „Basis“ zugrunde liegt und die Verwendung „frühe Neuzeit“ zu knapp und deshalb auch nicht angemessen wäre. Auch die Verwendung des Begriffs „Wissenschaft“ bedarf einer kurzen Erläuterung. Im Grunde müsste der Begriff „Naturwissenschaft“ verwendet werden. Dies ist allerdings problematisch, da „Naturwissenschaft“ sehr viele Implikationen besitzt, die erst im späteren Verlauf ihrer Entwicklung zum Tragen kommen und während der frühen Neuzeit noch weitestgehend unbekannt waren. Die Wissenschaft der frühen Neuzeit zieht zwar viele ihrer Erkenntnisse aus der Natur selbst, kann dennoch nicht als „Naturwissenschaft“ im heutigen Sinne bezeichnet werden, da ihr noch wesentliche methodische Bestandteile fehlen. Im Folgenden soll deshalb nicht von „Naturwissenschaft“ die Rede sein, sondern einfach von „Wissenschaft“, wobei „Wissenschaft“ durchaus Aspekte der modernen Naturwissenschaft in sich trägt.

Des Weiteren gibt es innerhalb der Forschungsliteratur gewisse Unterschiede hinsichtlich der Schreibweise bestimmter Namen und Begriffe. Um der Übersichtlichkeit willen, beschränke ich mich im Text jeweils auf eine Schreib­weise. Dies hat allerdings zur Folge, dass viele Begriffe innerhalb von Zitaten dann doch wieder anders geschrieben werden, z.B.: Nekromantie ® Nigromantie, oder Alchemie ® Alchimie.

Hinsichtlich der Literatur lassen sich noch folgende Bemerkungen machen: Sowohl der erste, der zweite als auch der dritte Abschnitt bereiteten im Hinblick auf Forschungsliteratur eher wenig Schwierigkeiten. Der vierte Abschnitt, in dem es darum geht das Verhältnis von Wissenschaft und Christentum der frühen Neuzeit zu beleuchten, bereitete im Hinblick auf adäquate Literatur Probleme. Offenbar existiert keine Monographie, die sich in historischer Dimension mit diesem Themenbereich beschäftigt. Dies liegt aller Wahrscheinlichkeit nach daran, dass kirchenhistorisch die zeitgleich stattfindende Reformation das Inte­resse der Forschung bündelt und bisher wenig Freiraum für weitere Untersuchungen bot. Folglich sind die dort präsentierten Ergebnisse, Produkt einer weitreichenden Kompilierungsarbeit aus verschiedensten Standardwerken zur Kirchen- und Wissenschaftsgeschichte und geriet an der einen oder anderen Stelle inhaltlich unvermeidlich etwas sprunghaft.

Natürlich bewegen sich die meisten der hier geschilderten Zusammenhänge im Rahmen der bisherigen Historia-Forschung. Anderseits bieten die folgenden Ausführungen sicherlich den einen oder anderen neuen Gedanken, der in der Lage sein wird, das Bild von der „Historia von D. Johann Fausten“ um einige neue Facetten zu bereichern und somit einer tieferen Erkenntnis des Gebotenen Vorschub leistet.

2. Die „Historia von D. Johann Fausten“

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die „Historia von D. Johann Fausten“. Im Gegensatz zu Goethes Bearbeitung des „Faust-Themas“, die ca. 200 Jahre später erschienen ist, haben wir es in diesem Fall nicht mit einem „Drama“ im klassischen Sinne zu tun, sondern mit einem „Volksbuch“ (dass diese Gattungsbezeichnung jedoch nicht genau zutrifft, wird noch gezeigt). Die „Historia“ ist zwar nicht die älteste bekannte Bearbeitung dieses Stoffes – es existiert eine Handschrift („Wolfenbüttler Handschrift“), die allem Anschein nach wenige Jahre zuvor entstanden ist – sie gilt aber dennoch als das erste wichtige literarische Zeugnis einer Person namens „Faust“, da es durch seine gedruckte Form massenhafte Verbreitung finden konnte und fand. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Person des Faust im Rahmen der „Historia“ nicht als fiktiv zu verstehen ist. Der unbekannte Verfasser schildert das Leben einer historischen Person, die zum Protagonisten eines weit reichenden Sagenschatzes der Menschen dieser Zeit geworden ist; natürlich nicht ohne ein bestimmtes Ziel dabei zu verfolgen.

Der eigentliche Kern dieser Arbeit ist die „Historia“ selbst. Doch bevor auf Inhalt und Wirkung dieses Werkes eingegangen wird, soll ein kurzer historischer Überblick dazu dienen, ein Gefühl dafür zu bekommen, unter welchen Einflüssen die „Historia“ entstanden ist. Da sich Inhalt und Schilderung auf eine Person bezieht, die tatsächlich gelebt haben soll, wird im Anschluss an den literarischen Faust, im Sinne einer Komplettierung des Faustbildes, auch auf den historischen Faust eingegangen.

2.1. Die Zeit des historischen und literarischen Faust

Die Zeit des historischen Faust und seiner literarischen Rezeption in der „Historia von D. Johann Fausten“ war eine Zeit radikaler Umwälzungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Umreißt man den für diese Darstellung erforderlichen Zeitrahmen von der Geburt des historischen Faust (ca. 1480) und der Veröffentlichung der „Historia“ (1587), kommt man ungefähr auf einen Zeitraum von 100 Jahren. Um ein Gefühl für diese Zeit zu entwickeln soll ein kurzer Über­blick über diese Zeit gegeben werden. Da es sich bei dem Folgenden gewisser­maßen um „Allgemeinwissen“ handelt, habe ich i.d.R. auf Quellen­angaben verzichtet.

Im Jahre 1492 entdeckte Kolumbus die Neue Welt und legte den Grundstein für die Kolonisierung Amerikas und die Expansion der europäischen Kultur weit über die Grenzen Europas hinaus. Diese historische Leistung wäre zu diesem Zeitpunkt aber wohl nicht möglich gewesen, wäre es nicht zuvor zu einer geistigen Bewegung, wie der Renaissance, gekommen.

Die Bewegung der Renaissance griff zurück auf Kunst und Kultur der Antike und verdrängte das mittelalterliche Denken aus vielen Bereichen des gesellschaft­lichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens. Einher mit der Renaissance ging der Humanismus. Diese Geistesströmung der frühen Neuzeit setzte sich zum Ziel, die antiken Autoren und deren Schriften, die während des Mittelalters verschollen, oder nur in schlecht übersetzten Fassungen vorhanden waren, „wiederzuentdecken“. Die Neubeschaffung und Neuübersetzung antiker Werke führte wiederum zu neuen und teils revolutionären Ansichten in den Wissenschaften.

Kopernikus setzte im Jahre 1453 mit seiner Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne, in Gang, was knapp 200 Jahre später in der Auseinandersetzung zwischen Galilei und der römisch katholischen Kirche vorerst endete: Die weitestgehende Spaltung von Wissenschaft und Christentum.

Das Christentum hatte zu dieser Zeit jedoch nicht nur mit den Wissenschaften zu kämpfen. Die einsetzende Reformation trug noch viel bedrohlichere Züge. Luthers Veröffentlichung der 95 Thesen im Jahre 1517 setzte eine Entwicklung in Gang, an dessen Ende die Spaltung der europäischen Christenheit stand. Die Menschen reagierten sehr verunsichert auf diese Entwicklung, bestimmte doch die christliche Lehre maßgeblich das gesellschaftliche Zusammenleben und letztlich auch das Weltbild der Menschen dieser Zeit. Die Abspaltung eines Teils der Christenheit musste maßgebliche Zweifel in den Köpfen der Menschen über die Verlässlichkeit und Richtigkeit der kirchlichen Lehre aufkommen lassen. Die Reformation bewirkte jedoch nicht nur die Spaltung der Christenheit, sie gilt auch als Auslöser gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Die Bauernkriege der Jahre 1522-1525 haben ihre Ursache sowohl in der Reformation, als auch in den zunehmenden Fehlentwicklungen innerhalb des mittelalterlichen-feudalistischen Systems. Der an Länge und Grausamkeit kaum zu überbietende 30 jährige Krieg (1618-1648) hatte letztlich viele Ursachen, er begann aber als Auseinandersetzung zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union und steht somit in engem Zusammenhang mit der Reformation.

Die Zeit des Faust und der „Historia“ ist ebenfalls die Zeit der großen Hexen­verfolgungen in Europa, der an die 100.000[3] Menschen, meist Frauen, zum Opfer fielen. Grundlage für dieses dunkle Kapitel der europäischen Geschichte war vor allem das magische Weltbild dieser Zeit. Magie war zur Zeit des Faust und der „Historia“ ein alltägliches Phänomen. Viele Erscheinungen des Alltags, aber auch in den Wissenschaften konnte man sich lediglich aufgrund magischer Vorstellungen erklären.

Die Zeit des historischen und literarischen Faust war eine Zeit großer und tief greifender Veränderungen. Im Gegensatz zum Hoch- und Spätmittelalter war die frühe Neuzeit eine Periode großer Verunsicherung. Das klar gegliederte Weltbild des Mittelalters zerbrach und wurde ersetzt durch das Weltbild der Neuzeit. Der Mensch rückte aus dem Zentrum des Weltgeschehens in die scheinbare Peripherie. Es war aber auch die Zeit großer Persönlichkeiten, die sich dieser Entwicklung annahmen und stellten. Zusammenfassend lässt sich festhalten:

„Es war die größte progressive Umwälzung, die die Menschheit bis dahin erlebt hatte, eine Zeit, die Riesen brauchte und die Riesen zeugte, Riesen an Denkkraft, Leidenschaft, und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit[…]“[4]

Diese Zeit ist die Zeit des Faust, sie bildet gleichzeitig den Rahmen für die „Historia“, die im Zentrum dieser Arbeit steht.

2.2. Der literarische Faust

Am Ausgangspunkt dieser Arbeit steht der literarische Faust. Die im Jahre 1587 erschienene „Historia von D. Johann Fausten“ berichtet von D. Faustus, der mit Hilfe des Teufels und der schwarzen Magie, „[…] alle Gruend am Himmel vnd Erden erforschen […]“ will und schließlich für diesen Hochmut, anders als bei vielen nachfolgenden Autoren, mit der Höllenfahrt bezahlen muss. Die „Historia“ ist nicht zu verstehen als „Lebensweg“ des historischen Faust, sondern eher als Abstraktion des am Glauben Zweifelnden und nach gewagten Erkenntnissen strebenden Menschen.[5] Bevor wir uns allerdings mit der Wirkung, die dieses Werk auf seine Zeitgenossen ausgeübt hat, beschäftigen, soll zunächst der Inhalt der „Historia“ in seinen groben Zügen wiedergegeben werden.

2.2.1. Inhalt der „Historia von D. Johann Fausten“

Der komplette Titel der „Historia“ lautet:

Historia Von D. Johann Fausten / dem weitbeschreyten Zauberer vnnd Schwartzkuenstler / Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben / Was er hierzwischen fuer seltzame Abentheuwer gesehen / selbs angerichtet vnd getrieben / biß er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auß seinen eygenen hinterlassenen Schriften / allen hochtragenden / fürwitzigen und Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel / abscheuwlichen Exempel / vnd treuwherziger Warnung zusammen gezogen / vnd in den Druck verfertigt.

Iacobi IIII. Seyt Gott vnderthaenig / widerstrebet dem Teuffel / so fleuhet er von euch.“[6]

Dem eigentlichen Text vorangestellt sind zwei Vorreden. Die erste wendet sich an „den ehrenhaften, Wohlachtbaren vnnd Fürnemmen Caspar Kolln, Churfürstlichem Meyntzischen Amptschreiber, vnd Hieronymo Hoff, Theutmeistern in der Grafschaft Königsstein“[7]. Die zweite trägt den Titel „Vorred an den Christlichen Leser“. Diese „Vorred“ dient dem unbekannten Verfasser dazu, dem Leser von vornherein unmissverständlich klarzumachen, wie die von ihm verfasste „Historia“ zu verstehen ist, nämlich als Warnschrift vor der „Zauberey“ und „Schwartzkuenstlerey“:

„Ohn allen zweiffel aber ist die Zauberey vnd Schwartzkuenstlerey die groeste vnd schwereste Suende fuer Gott und fuer alle Welt.“[8]

„Zauberey“ und „Schwartzkuenstlerey“ sind die „groeste vnd schwereste Suende“, weil sie für den Autor den Abfall von Gott darstellen:

„Abgoetterey vnd Zauberey / dadurch sich ein Mensch aller dings von Gott abwendet / sich den Goetzen und Teuffeln ergibt / vnd denselben an Gottes statt mit gantzem Willen vnnd Ernst dienet.“[9]

Das Streben nach „Zauberey“ und „Schwartzkuenstlerey“ beinhaltet für den Verfasser der „Historia“ zwangsweise die Zuwendung zum Teufel und die Abkehr von Gott. Folglich wird der Leser davor gewarnt, sich mit dem Teufel einzulassen:

„[…] so laesset doch der Teuffel nit nach / dem menschlichen Geschlecht nachzustellen / vnnd sie zu allen Suenden / zeitlicher vnnd ewiger Straf zu reitzen.“[10]

Im Kern geht es dem Autor darum, den Leser vor der größten Sünde überhaupt, dem Abfall von Gott, zu warnen. Dieser Abfall vollzieht sich nicht direkt über die Hinwendung zum Teufel, sondern besteht für ihn in der Hinwendung zu „Zauberey“ und „Schwartzkuenstlerey“. Der Teufel ist in dieser Konstellation nur Mittel zum Zweck. „Zauberey“ und „Schwartzkuenstlerey“ ist nach Meinung des Verfassers nur mit Hilfe des Teufels möglich.

Als warnendes Beispiel für einen solchen Abfall von Gott dient dem Autor dabei die Person des D. Johann Fausten, von dessen Schicksal die „Historia“ berichtet. Der eigentliche Text besteht aus 68 Kapiteln, die wiederum in drei Abschnitte zusammengefasst werden können.

Im ersten Teil (Kapitel 1 – 17) erfahren wir, dass Faust der Sohn eines Bauern aus Roda bei Weimar gewesen sein soll. Ein wohlhabender Vetter aus der Lutherstadt Wittenberg machte ihn zum Erben und ermöglicht Faust das Studium der Theologie. Nachdem er sein Theologiestudium mit einem Doktortitel abge­schlossen hat, erfahren wir, dass Faust sich von der Theologie abwendet und sich der „Speculation“ hingibt:

„[…] war also Doctor Theologiae. Daneben hat er auch einen thummen / vnsinnigen vnnd hoffertigen Kopff gehabt / wie man jn denn allezeit den Speculierer genennet hat / Ist zur bösen Gesellschaft geraten / hat die heilige Schrifft ein weil hinder die Thuer vnnd vnter die Banck gelegt / ruch <-> vnd gottlos gelebt[…].“[11]

Faust wandelt sich in der Folgezeit vom Theologen zum Weltmenschen. Wir erfahren, dass er sich fortan „D. Medicinae“ nennt und sich mit der Astrologie und der Mathematik beschäftigt und als Arzt tätig gewesen sein soll.

„Das gefiel D. Fausto wol / speculiert vnd studiert Nacht vnd Tag darinnen / wolte sich hernacher keinen Theologum mehr nennen lassen / ward ein Weltmensch / nandte sich ein D. Medicinae / ward ein Astrologus und Mathematicus / vnd zum Glimpff ward er ein Arzt / halff erstlich vielen Leuten mit der Arzteney / mit Kraeutern / Wurzeln / Wassern / Traenken vnd Clistiern […]“[12]

Im zweiten Kapitel wird dem Leser mitgeteilt, dass Faust beginnt,

„[…] das zulieben / das nicht zu lieben / dem trachtet er Tag vnd Nacht nach / name an sich Adlers Fluegel / wolte alle Gruend am Himmel vnd Erden erforschen / dann sein Fuerwitz / Freyheit vnd Leichtfertigkeit stache vnnd reitzte jhn also / dass er auff eine Zeit etliche zaeuberische vocabula / figuras / characteres vnd coniurationes / damit er den Teuffel vor sich moechte fordern / ins Werck zusetzen / vnd zu probiern jm fürname […]“[13]

Darauf beschwört Faust den Teufel zum ersten Mal in einem Wald. Bei dieser ersten Beschwörung kommt es jedoch noch nicht zu dem für ihn verhängnisvollen Teufelspakt. Auch die zweite Zusammenkunft bleibt zunächst folgenlos. Erst als der Geist, der sich erst jetzt als „Mephostophiles“ zu erkennen gibt, zum dritten Mal auf Faust trifft, kommt es zum Pakt zwischen Faust und dem Teufel, dessen Diener Mephostophiles ist. Die Dauer des Paktes beträgt 24 Jahre. Sind die 24 Jahre vorüber, so wandert die Seele des Faust in die Hölle. Durch den Pakt erhält Faust folgendes:

„Erstlich / daß er auch ein Geschickligkeit / Form vnnd Gestalt eines Geistes moechte an sich haben vnd bekommen.

Zum anderen / das der Geist alles das thun sollte / was er begert / vnd von jhm haben wolt.

Zum dritten / daß er jm gefliessen / unterthaenig vnd gehorsam seyn wollte / als ein Diener.

Zum vierdten / daß er sich allezeit / so offt er jn forderte vnd beruffte / in seinem Hauß solte finden lassen.

Zum fuenfften / daß er in seinem Hause woelle vnsichtbar regieren / vnd sich sonsten von niemandt / als von jm sehen lassen / es were denn sein Will vnd Geheiß.

Vnd letztlich / daß er jhm / so offt er jhn forderte / vnnd in der Gestalt / wie er jhm aufferlegen wuerde / erscheinen solt.“[14]

Mephostophiles hingegen forderte folgendes von Faust ein:

„Erstlich / daß er / Faustus / verspreche vnd schwere / daß er sein / deß Geistes / eygen seyn wollte.

Zum anderen / daß er solches zu mehrer Bekraefftigung / mit seinem eygen Blut woelle bezeugen / vnd sich darmit also gegen jm verschreiben.

Zum dritten / daß er allen Christglaeubigen Menschen woelle feind seyn.

Zum vierdten / daß er den Christlichen Glauben woelle verleugnen.

Zum fuenfften / daß er sich nicht woelle verfuehren lassen / so jhne etliche woellen bekehren.“[15]

Schließlich unterschreibt Faust den Vertrag, mit seinem eigenen Blut:

„Johann Faustus / der Erfahrne der Elementen / vnd der Geistlichen Doctor.“[16]

Im Folgenden erscheint Mephostophiles Faust in einem grauen Mönchsgewand und führt Faust und seinem Schüler Wagner recht belanglose „Gauckelspiele“ vor, die aber bei Faust und seinem Schüler großen Eindruck hinterlassen.[17]

Im zehnten Kapitel äußert Faust den Wunsch zu heiraten, dieser wird ihm aber vom leibhaftigen Teufel durch eine Schrecken erregende Vorstellung wieder ausgetrieben. Mephostophiles aber bietet Faust im Gegenzug an:

„so wil ich dir alle Tag vnd Nacht ein Weib zu Bett fuehren […].“[18]

Hier beginnt, was sich durch die ganze Historia hindurchzieht: Fausts „sündige Buhlschaften“ mit dem weiblichen Geschlecht.

Der erste Teil endet mit „Disputationen“ zwischen Faust und Mephostophiles. In diesen Gesprächen möchte Faust mehr erfahren von der Hölle und wie Lucifer letztendlich zum Teufel wurde. Mephostophiles erzählt Faust die Geschichte von der Hölle und dem Fall des Erzengels. Voller Erschrecken erkennt Faust sich in der Rolle des gefallenen Engels Lucifer wieder und bemerkt, dass sein Schicksal nun unwiderruflich dasselbe sein wird: Die Fahrt in die Hölle. Seine Reaktion darauf:

„[…] leget sich auff sein Beth / hub an bitterlich zu weinen vnd (42) seufftzen / vnd in seinem Herzen zu schreyen… vnd wenn er nit so Trotzig vnd Hochmuetig wieder Gott gewesen […]“[19]

Die Reue, die Faust zu zeigen scheint, wird vom Autor jedoch als „Judas- und Cainsreue“ bezeichnet, da sie zwar vom Herzen komme, er aber an der Gnade Gottes zweifle. Seine Reue ist somit nicht echt und wird als nicht „echte“ Reue herabqualifiziert:

„Aber sein Reuw war Cains vnd Jude Reuw vnd Buß / (49) dawohl ein Reuw im Hertzen war / aber er verzagte an der Gnade Gottes / vnnd war jm ein vnmoeglich Ding / daß er wieder zur Hulde Gottes kuendte kommen.“[20]

Auch auf die Nachfrage Fausts, ob es denn keine Möglichkeit der Sünden­ver­gebung gäbe, antwortet ihm Mephostophiles in unerbittlicher Schärfe, dass es für Faust kein Zurück gäbe. Sein Platz sei die Hölle.

„Du fragest letztlich / ob die Verdampten wider zur Hulde vnnd Gnade Gottes kommen können? Darauf antworte ich / Neyn.“[21]

Der zweite Teil der „Historia“ (Kapitel 18-32) beschäftigt sich mit „Fausti Abenthewren vnd andern Fragen“. Hier geht es vor allem um den wissbegierigen Faust. Der Leser erfährt von seiner Tätigkeit als Kalendermacher und Astrologe.

„[…] Fienge demnach an Calender zu machen / ward also derselben Zeit ein guter Astronomus oder Astrologus / gelehrt und Erfahren / von seinem Geist in der Sternkunst…“[22]

Und ist dabei so erfolgreich, dass er sogar Fürsten und „großen Herren“ mit seinem Rat zur Seite steht:

„So stimpten auch seine Practicken / die er Fuersten vnnd grossen Her(67)ren dedicierte / vbereyn […]“[23]

Nachdem Faust sich zwei Jahre mit dem Kalendermachen beschäftigt hat, fragt er Mephostophiles, was es mit der Astrologie und der Mathematik auf sich habe. Darauf antwortet ihm Mephostophiles, dass es sich hierbei um Werke Gottes handele, die von keinem Menschen erkannt werden könnten.

„Es hat ein solch Judicium / daß alle Sternseher vnd Himmelgucker nichts sonderliches gewiß Practicieren koennen / Denn es sind verborgene Werck Gottes / welche die Menschen nicht / wie wir Geister / die wir im Lufft / vnter dem Himmel schweben / die Verhaengnuß Gottes sehen / vnd abnemmen / ergruenden koennen.“

Nach weiteren „naturwissenschaftlichen“ Befragungen über die Ursachen von Winter und Sommer und über die Entstehung des Himmels, fragt Faust nach der Entstehung der Welt und der Entstehung des Menschen, bekommt aber von Mephostophiles lediglich einen „falschen“ Bericht:

„Der Geist gab Doctor hierauff ein Gottlosen vnd falschen Bericht / sagte / die Welt / mein Fauste / ist vnerboren vnnd vnsterblich / So ist das Menschliche Geschlecht von Ewigkeit hero gewest / vnd hat anfangs kein Vrsprung gehabt […]“[24]

Im achten Jahr seines Teufelsbündnisses möchte Faust die Hölle besuchen. Mephostophiles ruft daraufhin den Beelzebub. Dieser gaukelt ihm allerdings die Höllenfahrt vor. Wieder einmal erlangt Faust nicht wahre Erkenntnis, sondern wird vom Teufel getäuscht.

„Nu hoeret / wie jn der Teuffel verblendet / vnnd ein Affenspiel macht / daß er nit anders gemeinet / denn er seye in der Helle gewest.“[25]

Darauf folgt eine als „Originalbericht“ des wahren (historischen) Faust deklarierte Erzählung über die Fahrt in den Himmel (Weltall). Auf seiner Reise bis zur Sonne erfährt der Leser verschiedenes über die Planeten, deren Größe und deren Entfernung zueinander, über die Anordnung der Kontinente auf der Erde und über die Größe von Sonne und Mond.[26]

In Kapitel 26 unternimmt Faust eine große Reise. Er besucht die Orte: „Trier“, „Pariß“, „Meyntz“, „Neapolis“, „Venedig“, „Padua“, „Meylandt“, „Florentz“, „Leon“, „Coelln“, „Ach“, „Basel“, „Costnitz“, „Vlm“, „Wirtzburg“, „Nuernberg“, „Augspurg“, „Regenspurg“, „Muenchen“, „Salzburg“, „Wien“, „Prag“, „Cracaw“, „Alkair“, „Sabatz“, „Magdenburg“, „Luebeck“, „Erdfurt“. Zwei Orten widmet der Autor dabei seine besondere Aufmerksamkeit.

In Rom besucht Faust den Palast des Papstes und stellt dabei allerhand Dinge fest:

„Pfuy / warum hat mich der Teuffel nicht auch zu einem Bapst gemacht. D. Faustus sahe auch darinnen alle seines gleichen / als vbermut / stoltz / Hochmut / Vermessenheit / fressen / saufen / Hurerey / Ehebruch / vnnd alles Gottloses Wesen deß Bapstes vnd seines (104) Geschmeiß / also / daß er hernach weiters sagte: Jch meynt / ich were ein Schwein oder Saw des Teuffels / aber er muss mich laenger ziehen. Diese Schwein zu Rom sind gemaestet / vnd alle zeitig zu Braten vnd zu Kochen.“[27]

Bevor sich Faust dann aus Rom verabschiedet, treibt er in Geistesgestalt noch allerhand „Schabernack“ mit dem Papst, stört ihn beim Essen und klaut ihm mit Hilfe von Mephostophiles Wein und kostbares Silberbesteck.[28]

In „Constantinopel“ besucht er den türkischen Kaiser Solimanno und spielt ihm, ähnlich wie dem Papst in Rom, allerhand Streiche. Er führt ein „Affenspiel“ auf, während der Kaiser an der Tafel sitzt und treibt als falscher Prophet Mohammed am Hof sein Unwesen.

„D. Faustus / wie auch vor sein Geist / namen solche gestalt vnd wesen an / vnd gab sich vor den Mahomet auß […][29]

Als Prophet Mohammed zaubert er sechs Tage lang einen dicken Nebel in den Palast und vergnügt sich unbehelligt mit dem gesamten Harem des türkischen Kaisers.

„Der Tuerck nam solchs fuer ein großes Geschenk an / daß (119) er jm seine Weiber beschlaffen / fraget auch hierauff die Weiber / ob er auch eine gute Prob / als er sie beschlaffen / bewiesen? […] Die Priester beredten den Tuercken / er solle es nit glauben / daß es der Mahomet were / sonder ein gespaenst. Die Weiber aber sagten: Es seye ein gespaenst oder nit / er hette sich freundtlich zu jnen gehalten / vnd zu Nacht einmal oder sechs / vnd je mehr sein Prob meisterlich bewiesen[…]“[30]

Auf diesen Reisebericht folgt in Kapitel 27 ein kurzer Abstecher nach „Britannia“ und auf die Spitze des „Berg Caucasus“. Von hier aus sieht er die „Jnsel Creta“ und meint das „Paradeiß“ hinter einem „Fewerstromen“ zu erkennen. Von Mephostophiles erhält Faust folgenden Kommentar:

„[…] vnd auff diese fewrige Mawren ist der Engel Cherubin mit einem flammenden Schwert / solches alles zuverwaren geordnet / Aber weder du / ich / noch kein Mensch kann dazu kommen.“[31]

In den letzen Kapiteln des zweiten Abschnittes wendet Faust seine gewonnenen „Erkenntnisse“ an und belehrt seine Mitmenschen über die verschiedensten Vorgänge am Himmel. Einem guten Freund erklärt er die Entstehung eines „Cometen“, einen „Doctor“ klärt er über die Sterne am Himmel und die Geister auf und in Wittenberg steht er mit anderen „Medicis“ zusammen und erläutert den Donner eines Gewitters.[32]

Der dritte und letzte Teil der Historia handelt „von D. Fausti Abenthewer / was er mit seiner Nigromantia an Potentaten Hoefen gethan vnd gewircket. Letztlich auch von seinem „jaemmerlichen End vnnd Abschiedt.“[33]

Zunächst wird berichtet, dass Faust sich am Hof Kaiser Karls V. aufhielt. Hier zeigt er sein nekromantisches Können, nachdem ihn der Kaiser bittet, Alexander den Großen nebst seiner Gemahlin erscheinen zu lassen.

„wil ich / so viel ich von mei(135)nem Geist vermag / dieselbige sichtbarlich erscheinen lassen / doch sollen Ew. May. wissen / daß jre sterbliche Leiber nicht von den Todten aufferstehen / oder gegenwertig seyn können […]“[34]

Am Abend des gleichen Tages zaubert er einem schlafenden Ritter, während der Hof zu Tisch sitzt, zur Freude Karls V., ein Hirschgeweih auf den Kopf.[35]

Als Faust auf dem Weg nach Gotha war, trifft er auf einen Bauern. Nach einem Streit, wer denn jetzt wem Platz auf der engen Landstraße machen müsse, kommt es zu folgender Begebenheit:

„D. Faustus verblendet jn hierauff nicht anders / denn daß der Bauwer meynete / er hette ein Maul so groß als ein Zuber / vnnd fraß vnnd verschlang am ersten die Pferdt / darnach das Haew vnd den Wagen.“[36]

Faust erlebt im Weiteren allerhand Abenteuer und skurrile Situationen. Er transportiert drei vornehme Grafen aus Wittenberg durch die Luft nach München zu einer Hochzeit. Er leiht sich von einem Juden Geld und gibt ihm als Pfand seinen Fuß, den er sich vor den Augen des Juden „absägt“. Ein weiteres Mal „verspeist“ er einen Fuder Heu und hat weitere Begegnungen mit Bauern und Studenten. Er zaubert der schwangeren Frau des Fürsten von Anhalt mitten im Herbst frische Trauben und Obst herbei und feiert wie der Weingott „Bacchus“ ein vier Tage andauerndes Fastnachtsfest mit Studenten. Am „weißen Sonntag“ besuchen ihn die Studenten erneut. Man „disputiert“ über schöne Frauen, woraufhin Faust die antike Helena herbeizaubert. Erneut legt Faust sich mit einem Bauern an und verzaubert dessen Wagen. In Frankfurt trifft Faust vier Zauberer, die sich gegenseitig die Köpfe abschlagen um sie kurz darauf wieder auf den Hals zu setzen. Der Erfolg dieser Zauberei hängt ab von Lilien, die unweit in Wasser getränkt waren. Als der oberste Zauberer den Kopf abgeschlagen bekam, zerstört Faust aus Wut über diese Gotteslästerung(!) die Lilie des Zauberers, sodass er nicht mehr gerettet werden kann.[37]

In Kapitel 52 wird Faust von einem frommen und gottesfürchtigen Arzt zum Essen eingeladen. Dieser Arzt möchte Faust bekehren.

„[…] wolan mein Herr / es ist noch nichts versaumpt / wenn jhr allein wieder vmbkehret / bey Gott vmb Gnad vnd verzeihung ansuchet […] ja zu allen Suendern spricht Christus der Herr: Kompt her zu mir alle die jr muehselig und beladen seyt / ich will euch erquicken. Vnd im Propheten Ezechiel: Jch beger nicht den todt des Suenders / sonder daß er sich bekehr vnd lebe […] mein Herr / lasst euch zu Hertzen gehen / vnd bittet Gott vmb Verzeihung (184) vmb Christi willen / stehet darneben von ewerm boesen fuernemmen ab / dann die Zauberey ist wider die Gebott Gottes […] “[38]

Faust wird nachdenklich und nimmt sich vor:

„[…] Er wollte Buß thun / vnnd sein (185) versprechen dem Teuffel wieder auffsagen…“[39]

Daraufhin sucht ihn Mephostophiles heim und erinnert ihn daran, dass er versprochen hätte, „Gott vnd allen Menschen feind zusyen“. Sollte Faust nicht zu dem Versprechen des Paktes zurückkehren, droht ihm Mephostophiles: „woelle er jn zu stuecken zerreissen.“[40]

Daraufhin unterschreibt Faust im mittlerweile 17. Jahr seines Paktes einen zweiten Pakt, der die Versprechen des ersten wiederholt und bekräftigt.[41]

Die folgenden Jahre verbringt Faust damit, einem adligen Studenten ein „Weib“ zur Hochzeit zu beschaffen und seinen Garten mitten im Dezember in einen grünen Sommergarten zu verwandeln.

Im 19. und 20. Jahr des Paktes,

„Als D. Faustus sahe / daß die Jahr seiner Versprechung von Tag zu Tag zum Ende lieffen / hub er an ein Saeuwisch vnnd Epicurisch leben zu führen […] Dann er fuhr inn viel Koenigreich mit seinem Geist / darmit er alle Weibsbilder (197) sehen moechte / deren er 7. zuwegen brachte / zwo Niderlaenderin / eine Vngerin / eine Engellaenderin / zwo Schwaebin / vnd ein Fraenckin […] mit denselbigen Teuffelischen Weibern triebe er Vnkeuschheit / biß an sein Ende.“[42]

Im 22. Jahr wird Faust als Alchemist tätig. Auf Geheiß des Mephostophiles findet Faust in einer alten „Capelle“ einen Schatz, der allerdings aus einfachen Kohlen besteht. Faust nimmt diese Kohlen mit nach Hause und verwandelt diese in „Golt“.[43]

Im letzen Jahr seines Teufelspaktes fordert Faust von seinem Geist, die schöne Helena herbeizuzaubern, die ihm fortan seine Konkubine sein solle. Faust aber verliebt sich in Helena und zeugt mit ihr einen Sohn:

„Als nun D. Faustus solches sahe / hat sie jhm sein Hertz dermassen gefangen / daß er mit jhr anhube zu Bulen / vnd fuer sein Schlaffweib bey sich behielt / die er so lieb gewann / daß er schier kein Augenblick von jr seyn konnte / Ward also in dem letzten jar Schwangers Leibs von jme / gebar jm einen Son / dessen sich Faustus hefftig frewete / vnd jhn Iustum Faustum nennete.“[44]

Sowohl Helena, als auch sein Sohn verschwinden später in dem Moment, als Faust nach 24 Jahren vom Teufel geholt wird.

Der vierte und letzte Abschnitt (Kapitel 60-68) handelt vom letzten Jahr des Paktes und vom grausamen Tod des D. Faustus.

In seinem Testament vermacht er all seinen Besitz seinem Schüler Wagner. Mit Hilfe von Faust erhält auch Wagner einen Geist, der in Form eines Affen erscheint und ihm helfen soll, die Geschichte seines Mentors nach dessen Tod aufzuschreiben. Einen Monat vor Ablauf des Paktes und somit seiner Fahrt in die Hölle verfällt Faust in großes „Weheklag“. Voller Selbstmitleid gibt er von sich:

„Ach Fauste / du verwegenes vnnd nicht werdes Hertz / der du deine Gesellschaft mit verfuehrest in ein Vrtheil deß Feuwers / da du wol hettest die Seligkeit haben koennen / so du jetzunder verleurest / Ach Vernunft vnd freyer Will / was zeihestu meine Glieder / so nichts anders zu versehen ist / dann beraubung jres Lebens […]“[45]

Daraufhin erscheint ihm Mephostophiles, der ihn aufgrund seiner Hoffahrt und Kühnheit, den Pakt geschlossen zu haben, verspottet und verhöhnt.[46]

Fausts Angst vor den Folgen seines Paktes gehen soweit, dass er sich wünscht ein „Vieh“ zu sein, da dieses ja keine „Seel“ besitzt, die in der Hölle landen kann. Voller Verzweifelung sucht er nach einem Ausweg, doch er findet ihn nicht einmal bei Gott:

„[…] Wessen darff ich mich troesten? Der seligen Gottes nicht / dann ich schaeme mich / sie anzusprechen / mir wuerde keine Antwort folgen / sondern ich muss mein Angesicht vor jnen verhuellen […]“[47]

Am Tage seines Todes versammelt Faust seine vertrauten Studenten um sich und hält mit ihnen ein festliches Mahl. In seiner Abschiedsrede warnt er die Studenten davor seinem Weg zu folgen.

„Be(221)sucht fleissig vnd embsig die Kirchen / sieget vnd streitet allezeit wieder den Teuffel / mit einem guten Glauben an Christum / vnd Gottseligen Wandel gericht.“[48]

Bevor er in seinem Schlafgemach verschwindet, das er nicht wieder verlassen wird, richtet er noch folgende Worte an die Studenten:

„Dann ich sterbe als ein boeser vnnd guter Christ / ein guter Christ / darumb daß ich eine hertzliche Reuwe habe / vnd im Hertzen jmmer umb Gnade bitte / damit meine errettet moechte werden / Ein boeser Christ / daß ich weiß / daß der Teuffel den Leib will haben / vnnd will jhme den gerne lassen / er laß mir aber nur die Seele zu frieden.“[49]

Die Studenten flehen Faust an, sich doch noch zu Gott zu bekehren, doch er glaubt nicht, dass ihm Gnade widerfahren wird und erwidert:

„er wollte beten / es wolte jhme aber nit eingehen / wie dem Cain / der auch sagte: Seine Suende weren groesser / denn daß sie jhme moechten verziehen werden.“[50]

In der Nacht hören die Studenten ein „greuwliches Pfeiffen vnnd Zischen“ und wenig später einen verzweifelten Hilferuf. Am nächsten Morgen betreten sie das Zimmer,

„sie sahen aber keinen Faustum mehr / vnd nichts / dann die Stuben voller Bluts gespruetzet / Das Hirn klebte an der Wand / weil jn der Teuffel von einer Wandt zur andern geschlagen hatte. Es lagen auch seine Augen vnd etliche Zaeen allda / ein greulich vnd erschrecklich Spectackel. […] Letztlich aber funden sie seinen Leib heraussen bey dem Mist liegen / welcher greuwlich anzusehen war / dann jhme der Kopf vnnd alle Glieder schlotterten.“[51]

Die Studenten sorgen für ein Begräbnis und finden in Fausts Haus seine „Historia“, welche dann von ihnen um den noch fehlenden Schluss, vervollständigt wird.

Anschließend kommt der Autor noch einmal auf das von ihm schon in der Vorrede deutlich gemachte Anliegen zurück:

„Also endet sich die gantze warhafftige Historia vnd Zaeuberey Doctor Fausti / darauß jeder Christ zu lernen / sonderlich (227) aber die eines hoffertigen /stoltzen / fuerwitzigen vnd trotzigen Sinnes vnnd Kopffs sind / Gott zu foerchten / Zauberey / Beschwerung vnnd andere Teuffelswerke zu fliehen / so Gott ernstlich verbotten hat / vnd den Teuffel nit zu Gast zu laden / noch jm raum zu geben / wie Faustus gethan hat […].“[52]

2.2.2. Die „Historia“ als literarisches Werk

Die „Historia“ selbst nennt keinen Autor. Man weiß lediglich, dass der Verleger Spies berichtet hat, dass ihm der Text von einem guten Freund aus Speyer zuge­schickt worden sei.[53]

Drei Personen gelten heute als mögliche Verfasser der „Historia“. Berthold und Lind favorisieren den Rektor des Speyerischen Ratsgymnasiums, Andreas Frei. Blume sieht den möglichen Autor im Umkreis Wilhelm Werners von Zimmern. Möglich wäre für ihn auch, dass der persönliche Schreiber von Herrn von Zimmern, nämlich Johannes Müller, der Autor ist.[54] Der aktuellste Vorschlag ist der von Häuser, der den Autor in der Person eines Sebastian Brenner vermutet.[55]

Im Gegensatz zum Autor ist der Verleger der „Historia“ sehr wohl bekannt. Johannes Spies war ein Verleger aus Frankfurt, der sich auf die Veröffentlichung christlicher Mahnliteratur lutherischer Prägung spezialisiert hatte.[56] Spies gilt als seriöse und vielseitige Verlegerpersönlichkeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Für die orthodox-lutherische Gesinnung des Autors lassen sich folgende Argumente anführen: Als die Stadt Frankfurt die Annahme des Konkordienbuchs[57] von 1580 ablehnte, verlegte er seinen Verlag nach Heidelberg und publizierte das besagte Buch dort.[58] Des Weiteren verlegte Spies Werke des wohl ranghöchsten lutherischen Theologen nach Melanchthon, dem Anhänger der orthodox-lutherischen Lehre Luthers, Aegidius Hunnius. Auch Werke des wegen seiner lutherischen Gesinnung von der Heidelberger Universität vertriebenen Timotheus Kirchner führte Spies in seinem Programm.[59]

Im Vergleich zu vielen ihrer Nachfolger, allen voran Wolfgang von Goethes „Faust“, hat es die „Historia“ in literarischer Hinsicht schwer. Lediglich einzelnen Passagen wird eine wirkliche Könnerschaft zuerkannt. So spricht z.B. Erich Schmidt von der Helenaepisode als einem „Edelstein in bleierner Fassung“.[60]

Während man der „Historia“ zum einen eine gewisse literarische Bedeutung zuerkannte, sprach man ihr diese zum anderen auch wieder ab. Noch heute gilt sie vorwiegend als ein recht einfaches auf den Publikumsgeschmack ausgerichtetes „Machwerk“, dessen Autor lediglich ein ungeschickter Kompilator von bereits vorhandenem gewesen sein muss.[61] Georg Ellinger stellt fest, dass der Autor aus einer Reihe von Werken schlicht und einfach abgeschrieben habe, was wiederum für die Talentlosigkeit des Verfassers spräche.[62]

Auch Hans Henning bemerkt, dass die literarische Gestaltung der „Historia“ eine „sehr einfache, anspruchslose, manchmal sogar kunstlose oder ungekonnte ist.“[63] Er stellt aber auch klar, dass die „Historia“ den Vergleich mit anderen litera­rischen Werken seiner Zeit nicht zu scheuen brauche. Der Vorwurf, es sei ein elendes Machwerk, wäre nicht berechtigt, vor allem dann nicht, wenn man es mit dem Gestaltungsvermögen von Autoren des 18. Jahrhunderts misst. Die „Historia“ stelle sogar „in mancherlei Hinsicht einen absoluten Fortschritt in der erzählenden Prosa dar.“[64]

Günther Mahal pflichtet Henning gewissermaßen bei und hält fest: „[…] daß mit der „Historia“ nicht ´reine´ Dichtung intendiert war, auch kein bloßer Unterhaltungsroman, sondern Zweckprosa, funktionale, instrumentale Literatur, final auf Glaubenssicherung ausgerichtet, am Ausformen ästhetischer Reize jedoch kaum oder nicht interessiert.“[65] Außerdem müsse laut Roloff beachtet werden, dass ein „schlecht gemachter“ Text kaum einen solchen Erfolg gehabt hätte.[66]

Nicht nur die literarische Qualität der „Historia“ ist ein Streitfall, auch die Zuweisung zu einer literarischen Gattung sorgt für Zündstoff in der wissenschaftlichen Diskussion. Den Befürwortern eines „frühen Romans“ oder einer „Erzählung“ hält Hans Henning entgegen, dass dies schon daran scheitere, dass die Handlung nicht von Kapitel zu Kapitel voranschreite.[67] Des Weiteren könne ein Roman noch nicht in dieser Frühform der bürgerlichen Gesellschaft entstehen.[68]

Auch die vielfach vorgenommene Bezeichnung als „Volksbuch“ ist sehr problematisch. Werner Wunderlich belegt dies in einer ausführlichen Unter­suchung. Als Ergebnis hält er fest: „Die Faust-Historia von 1587 gehört zu der schier unüberschaubaren Fülle literarischer Typen und Formen von Erzählliteratur des 16. Jahrhunderts, für die auch ein Begriff wie „früher deutscher Prosaroman“ eher Ausdruck einer Hilflosigkeit systematisierung­swilliger Germanistik denn erkenntnisfördernde und im vorliegenden Fall zutreffende Klassifizierung ist. Da ist es dann immer noch hilfreicher, den historischen „Gattungsbegriff“ zu wählen, den sich das Faust-Buch selbst gibt: Historia.“[69]

Die Bezeichnung „Historia“ beinhaltet dabei die Bedeutung einer sowohl bei­spielhaften als auch unterhaltsamen Erzählung, die von historischen oder dafür ausgegebenen Personen berichtet.[70] Dieses Muster hält die „Historia“ jederzeit durch. Sie ist sowohl Unterhaltungsliteratur als auch Warnschrift und bezieht sich auf eine geschichtliche Person.[71]

2.2.3. Die „Historia“ und ihre konfessionelle Tendenz

Obwohl der Verfasser als auch der Verleger als streng orthodox-lutherische Personen gelten, ist die Frage, ob die „Historia“ eine lutherische oder katholische Tendenz besitze, die sich an bestimmten Stellen gegen die jeweils andere Konfession entlädt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Gestritten wird in der Literatur über die Deutung der Darstellung des Mephostophiles als Mönch, über die Auslegung der zugrunde liegenden Gnadenlehre und über die Möglichkeit des freien Willens. Im Rahmen dieser Arbeit können diese Punkte leider nicht vertieft werden. Ein paar Bemerkungen zu den einzelnen Positionen sollen aber gegeben werden.

Den Grundstein für diese Debatte legte Erich Schmidt. Für ihn sind die vielen Parallelen zwischen Äußerungen Luthers und dem Volksbuch der nachhaltigste Beweis dafür, dass es sich um eine Mahnschrift lutherischer Prägung und antikatholischer Tendenzen handele.[72] „Das der Verfasser, […] ein entschiedener Protestant, ein Mann von ausgeprägten theologischem Interesse war, kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen.“[73]

Eugen Wolff hält dagegen und legt die „Historia“, als eine Satire auf das Luthertum aus.[74] Wolff kam zu dem Ergebnis: „[…] dass sich alle Züge des Faust-Bildes im Volksbuch mit dem katholischen Luther-Bild, wie es sich im fünften Sechstel des sechzehnten Jahrhunderts abschließend formte, überraschend decken.“[75]

Die Tatsache aber, dass die „Historia“ von Johann Spies publiziert wurde, der ja ausschließlich streng lutherische Werke veröffentlichte, leitet Hans Henning dazu, wiederum die antikatholische Tendenz des Werkes zu unterstreichen.[76] Gustav Milchsack stellt sogar die These auf, der Faust der „Historia“ beziehe sich auf Melanchthon[77], der den strengen Lutheranern zunehmend suspekt wurde. Diese Variante würde bedeuten, die „Historia“ besäße eine protestantische (lutherische) Tendenz gegen einen Teil des protestantischen Lagers.[78] Schließlich hält Hartmut Rudolph fest: „Trotz aller gut belegbaren äußeren Bezugspunkte zum Luthertum scheint diese Differenz im Menschen-, Teufels-, und Gottesbild sowie im Sündenverständnis u. a. sachlich zu gravierend zu sein, als daß man ohne weiteres von einem streng lutherischen Hintergrund der theologischen Implikate der Historia sprechen könnte.“[79]

Eine endgültige Auflösung des Problems ist nicht in Sicht, fest steht allerdings, dass die Mehrzahl der Autoren, die sich mit der „Historia“ beschäftigt haben und immer noch beschäftigen, eher dazu neigen, der protestantischen Tendenz der „Historia“ Glauben zu schenken.

2.2.4. Wirkung auf die Zeitgenossen

Die „Historia“ erschien im Verlag des Johann Spies neben Büchern, die ebenfalls der Förderung der „waren“ Religion dienen sollten. Man kann die „Historia“ ohne weiteres als „Religionsdidaktische Lehrschrift“ bezeichnen. Sie schildert anhand des Beispiels Faust, was mit Menschen passieren wird, die sich der Zauberei und der Magie verschreiben.[80] „Faust: war der Paradefall dafür, wie man es nicht machen sollte, wollte man über die irdischen Runden kommen und sich seinen Sessel im Himmel erhalten.“[81]

Dennoch ist das Buch und sein Inhalt von den Zeitgenossen unterschiedlich aufgenommen worden. Die enorme Wirkung, die die „Historia“ auf ihre Zeitgenossen ausgeübt haben muss, kann schon daran abgelesen werden, dass bis in das Jahr 1598 insgesamt 22 Drucke bzw. Auflagen erschienen sind.[82]

Es gab aber auch ablehnende Reaktionen. So beschwerte sich der Kirchenkonvent in Straßburg beim Stadtrat über die „Historia“. Der protestantische Konvent war wegen der außerordentlichen Beliebtheit des Buches besorgt und monierte dessen jugendgefährdende Inhalte. Daraufhin hat der Stadtrat allen Druckern und Buchhändlern verboten, das Buch weder zu drucken, noch zu verkaufen.[83] Auch in Basel wurde das Verbreiten der „Historia“, unter Zuhilfenahme der gleichen Argumente, unter Strafe gestellt.[84] In Tübingen wurden Studenten in Haft genommen, weil sie sich mit der „Historia“ beschäftigten.[85] Der Hintergrund für die Forderung nach einem Verbot der „Historia“ lag wohl in der Befürchtung, gerade junge Menschen könnten sich Faust zum Vorbild nehmen und dem Teufel verfallen. Anlass für diese Befürchtungen gaben vermehrt aufkommende Berichte über wahrhaftig geschlossene Teufelspakte. So wurde am 11. Dezember 1596 der Medizinstudent David Lipsus verhaftet, weil er selbstständig ein Schriftstück aufsetzte, das den Pakt mit dem Teufel besiegeln sollte. In einem „Verhör“ gestand Lipsus, den Pakt aufgesetzt zu haben, um seine finanziellen Probleme mit Hilfe des Teufels zu lösen. Melanchthon berichtete von ähnlichen Vorkom­mnissen, in denen sich Studenten zwecks Lösung finanzieller Probleme im Teufelspakt übten.[86]

Auch der Autor des Werkes „Christlich bedencken vnd erjinnerung von Zauberey“, Lerchheimer von Steinfelden, wendet sich gegen die Historia. Er stellt vor allem angeblich sachliche Fehler richtig, entrüstet sich als gestandener Protestant über die Behauptung, Faust hätte an der Universität Wittenberg studiert und sieht ebenfalls eine jugendgefährdende Tendenz der „Historia“.[87]

Der Verleger Spies muss solcherart Angriffe auf sein Werk befürchtet haben. So weist er im Dedikationsschreiben der „Historia“ darauf hin, dass man „gott lob wegen des sonderlichen ernst vnd Eiffer zu Gott, der waren Religion und, Christlicher Bekändtnuß, vnd gehorsam“ keiner solchen Verwarnung bedürfe.[88]

2.3. Der historische Faust

Die „Historia“ beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer wahren Person. Um die „Historia“ selbst und den Kontext, in dem sie steht, besser verstehen zu können, soll im Folgenden die historische Person „Faust“ beleuchtet werden. Vor allem die Fragen nach seiner Person und seiner Wirkung auf die Zeitgenossen geben hilfreiche Aufschlüsse hinsichtlich der Absicht der „Historia“.

2.3.1. Die Person

Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt der „Historia“ eine reale Person zugrunde. Letzte Gewissheit besteht aber auch hier nicht. Fest steht aber, dass genau neun zeitgenössische Dokumente existieren, die über eine Person mit dem Namen „Faust“ berichten, die obendrein mit magischen, astrologischen und mantischen Praktiken zu tun gehabt hat. Diese neun Quellen sind aber sehr kurz und von einer nur schwer zu messenden Aussagekraft.[89]

Zudem besteht das Problem, dass die genannten Quellen auf unterschiedliche Geburtsorte schließen lassen, was wiederum zu zwei verschiedenen Personen führen würde. Hans Henning favorisiert unter Zuhilfenahme einer Äußerung Melanchthons den Vornamen Johannes, der in Knittlingen geboren wurde.[90] Frank Baron hält dagegen und beruft sich auf Urkunden, Briefstellen und Tagebucheintragungen von Zeitgenossen, die wiederum zum Vornamen Georg führen, der nicht, wie Johannes Faust in Knittlingen geboren wurde, sondern in Helmstett.[91] Von Interesse ist diese Frage deshalb, da mit ihr die Antwort darauf zusammenhängt, ob der historische Faust ein abgeschlossenes Studium besaß und sogar eine Lehrtätigkeit an der Universität ausübte - das würde Barons Ansatz unterstreichen - oder ob er eher als Hochstapler ohne wissenschaftliche Ausbil­dung zu sehen ist (Hennings Ansatz).[92] Zu einer befriedigenden Antwort in diesem Punkt kam es bis heute nicht.

Das Geburtsjahr des historischen Faust wird ungefähr auf das Jahr 1480 geschätzt, wobei Günther Mahal triftige Belege gefunden haben will, nach denen Faust schon 1478 das Licht der Welt erblickt haben soll.[93] Faust starb vermutlich um 1540 in Stauffen im Breisgau.[94] Auch über die Art des Todes gibt es vielerlei Spekulationen. Ist der historische Faust durch eine Explosion gestorben, die sich während alchemistischer Tätigkeiten ereignete, oder war es gar ein Mörder, der die wissenschaftlichen Aufzeichnungen des Faust stehlen wollte, oder war es letztendlich einfach Altersschwäche? Auch diese Hypothesen konnten bis heute nicht erwiesen werden und wären somit in das weite Feld der Spekulation zu übergeben.[95]

Als recht gesichert, weil durch Quellen belegt, gelten aber folgende Aufent­haltsorte: 1506 Gelnhausen, 1507 Kreuznach, 1513 Erfurt, 1520 Bamberg, 1528 Ausweisung aus Ingolstadt, 1532 Nürnberg.[96]

Aus einem Brief des Trithemius, Abt des Klosters Sponheim, kennen wir auch den Titel, den Faust zu Lebzeiten geführt haben mag. Dieser lautet:

[...]


[1] Goethe, J. W.: Faust – Der Tragödie erster Teil (ed.), Stuttgart, 2004, S. 13 (Textgrundlage: Goethes Werke, Stuttgart/Tübingen, 1828)

[2] siehe auch: Intelligent Design – Mit Gott gegen die Evolution, in: „P.M.“, Ausgabe Mai 2006, S. 36-42; oder: Darwins Werk, Gottes Beitrag, in: Der Spiegel, Ausgabe 52/2005, S. 136 - 147 (2005) www.spiegel.de: Kreationismus: Britischer Bischof fordert Bio statt Bibelkunde, 22. März 2006, 15:27; oder: www.spiegel.de: Umfrage: Mehrheit der Briten zweifelt an Evolution, 26. Januar 2006, 17:25,

[3] Ältere Schätzungen gehen noch von „Millionen“ Opfern der Hexenverfolgungen aus, neuere Erkenntnisse beschränken aber die Anzahl der Toten auf unter 100.000., siehe auch: Levack, B. P.: Hexenjagd – Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa (Übs.: Scholz, U.), München, 1995

[4] Engels, F.: Die Zeit, die Riesen brauchte und Riesen zeugte, in: Völker, K.: Faust, ein deutscher Mann – Die Geburt einer Legende und ihr Fortleben in den Köpfen – Ein Lesebuch von Klaus Völker, Berlin, 1991, S. 9

[5] vgl.: Henning, H.: Das Faust-Buch von 1587 – Seine Entstehung, Seine Quellen, Seine Wirkung, in: Zeitschrift für Deutsche Literaturgeschichte, Jahrgang VI (Heft 1-3), Weimar, 1960, S. 27

[6] Füssel, S., Kreutzer, H. J.: Historia von D. Johann Fausten – Text des Druckes von 1587 (kritische Ausgabe), 1998, Stuttgart, S. 3

[7] a. a. O.: S. 5-7

[8] a. a. O.: S. 8

[9] ebd.

[10] a. a. O.: S. 9

[11] a. a. O.: S. 14

[12] a. a. O.: S. 15

[13] ebd.

[14] a. a. O.: S. 20

[15] ebd.

[16] a. a. O.: S. 23

[17] a. a. O.: S. 24f.

[18] a. a. O.: S. 29

[19] a. a. O.: S. 33

[20] a. a. O.: S. 36

[21] a. a. O.: S. 40

[22] a. a. O.: S. 44

[23] ebd.

[24] a. a. O.: S. 48

[25] a. a. O.: S. 52

[26] vgl. a. a. O.: S. 56ff.

[27] a. a. O.: S. 62

[28] vgl. a. a. O.: S. 62f.

[29] a. a. O.: S. 69

[30] a. a. O.: S. 70

[31] a. a. O.: S. 72

[32] vgl. a. a. O.: S. 73-76

[33] a. a. O.: S. 77

[34] a. a. O.: S. 78

[35] vgl. a. a. O.: S. 79f.

[36] a. a. O.: S. 81

[37] a. a. O.: S. 81-101

[38] a. a. O.: S. 102

[39] a. a. O.: S. 103

[40] ebd.

[41] vgl. a. a. O.: S. 104

[42] a. a. O.: S. 109

[43] vgl. a. a. O.: S. 109f.

[44] a. a. O.: S. 110

[45] a. a. O.: S. 113f.

[46] vgl. a. a. O.: S. 116f.

[47] a. a. O.: S. 118

[48] a. a. O.: S. 120

[49] a. a. O.: S. 121

[50] a. a. O.: S. 122

[51] a. a. O.: S. 122f.

[52] a. a. O.: S. 123

[53] vgl.: Henning, H.: Das Faust-Buch von 1587 – Seine Entstehung, Seine Quellen, Seine Wirkung, in: Zeitschrift für Deutsche Literaturgeschichte, Jahrgang VI (Heft 1-3), Weimar, 1960, S.49

[54] vgl.: a. a. O.: S. 50

[55] vgl.: Häuser, H.: Sebastian Brenner, Bearbeiter der Historia?, in: Mahal, G. (Hg.): Die Historia von D. Johann Fausten (1587) – Ein wissenschaftliches Symposium anlässlich des 400jährigen Buchjubiläums (Knittlingen 10./11. Oktober 1987), Vaihingen an der Enz, 1988, S. 37ff.

[56] vgl.: Jasper, W.: Faust und die Deutschen, Berlin, 1998, S. 35

[57] Das Konkordienbuch ist die wichtigste Sammlung, der im 16. Jahrhundert entstandenen Bekenntnisschriften des Luthertums und besitzt in den meisten lutherischen Kirchen bis heute formelle Gültigkeit. Siehe auch: Baur, J.: Konkordienformel, Konkordienbuch, in: Evangelisches Kirchenlexikon (EKL), Band 2, Göttingen, 19893, 1395f.

[58] vgl.: Roloff, H. G.: Artes et Doctrina – Struktur und Intention des Faustbuches von 1587, in: Matzel, K., Roloff, H.-G. (Hg.): Festschrift für Herbert Kolb zu seinem 65. Geburtstag, Bern 1989, S. 528f.

[59] vgl.: Rudolph, H.: Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang, in: Auernheimer, R., Baron, F. (Hg.): Das Faustbuch von 1587 – Provokation und Wirkung, München, 1991, S. 42f.

[60] vgl.: Schmidt, E.: Faust und das 16. Jahrhundert, Charakteristiken, 19022, S. 31, in: Könnecker, B.: Faust-Konzeption und Teufelspakt im Volksbuch von 1587, in: Burger, H.-O., von See, K. (Hg.): Festschrift Gottfried Weber – Zu seinem 70. Geburtstag überreicht von Frankfurter Kollegen und Schülern, Bad Homburg; Berlin; Zürich, 1967, S. 162

[61] vgl.: Könnecker, B.: Faust-Konzeption und Teufelspakt im Volksbuch von 1587, in: Burger, H.-O., von See, K. (Hg.): Festschrift Gottfried Weber – Zu seinem 70. Geburtstag überreicht von Frankfurter Kollegen und Schülern, Bad Homburg; Berlin; Zürich, 1967, S. 160

[62] vgl.: Ellinger, G.: Zu den Quellen des Faustbuches, in: Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte und Renaissance-Literatur, Band 1, 1887, S. 158

[63] vgl.: Henning, H.: Faust im 16. Jahrhundert, in: Henning, H.: Faust-Variationen – Beiträge zur Editionsgeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Paris, 1993, S. 103

[64] vgl.: ebd.

[65] Mahal, G.: Ungeordnetes zu einem unordentlichen Buch, in: Mahal, G. (Hg.): Faust: Untersuchungen zu einem zeitlosen Thema, Neuried, 1998, S. 127

[66] vgl.: Roloff, H. G.: Artes et Doctrina […], 1989, S. 533

[67] vgl.: Henning, H.: Faust im 16. Jahrhundert […], 1993, S. 103

[68] vgl.: Henning, H., Faust in fünf Jahrhunderten – Ein Überblick zur Geschichte des Faust-Stoffes vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Halle (Saale), 1963, S. 20

[69] Wunderlich, W. (St. Gallen): Das Volksbuch über den D. Faust – Zur Tauglichkeit eines literarhistorischen Urteils, in: Mahal, G. (Hg.): Die Historia von D. Johann Fausten (1587) – Ein wissenschaftliches Symposium anlässlich des 400jährigen Buchjubiläums (Knittlingen 10./11. Oktober 1987), Vaihingen an der Enz, 1988, S. 28

[70] vgl.: Füssel, S., Kreutzer, H. J.: Historia von D. Johann Fausten […], S. 181

[71] vgl.: Wohlers, F. M.: Ein Mythos wird begründet: Vom Volksbuch bis zum Fräulein Faust, in: Möbus, F., Möbus, F. S., Unverfehrt, G. (Hg.): Faust – Annäherung an einen Mythos, Göttingen, 1996, S. 59

[72] vgl.: Joestel, V.: Doktor Faustus, Wittenberg und Martin Luther – Zum 400. Jahrestag des Erscheinens des Volksbuches vom Dr. Faust, in: Schriftenreihe der staatlichen Lutherhalle Wittenberg, Wittenberg, 1987,3, S. 12

[73] Schmidt, E.: Faust und Luther, in: Sitzungsberichte der preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Band 25, 1896, S. 569

[74] vgl.: Joestel, V.: Doktor Faustus […], 1987,3, S. 12ff.

[75] Wolff, E.: Faust und Luther – Ein Beitrag zur Entstehung der Faust-Dichtung, Halle a. S., 1912, Vorwort (ohne Seitenangabe)

[76] vgl.: Henning, H.: Faust im 16. Jahrhundert […], 1993, S. 107

[77] Melanchton war neben Luther der wohl bedeutendste Reformator. Als Mitstreiter Luthers, war Melanchton an allen wichtigen Ereignissen der Reformation beteiligt. In Einklang mit Luther hat er das christlich-humanistische Bildungswesen geschaffen. Siehe auch: Scheible, H.: Melanchton, in: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG), Band 5, Tübingen, 20024, 1002ff.

[78] vgl.: Rudolph, H.: Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen […], 1991, S. 43

[79] a. a. O.: S. 56

[80] vgl.: Auernheimer, R., Baron, F.: Vorwort, in: Auernheimer, R., Baron, F (Hg.): Das Faustbuch von 1587 – Provokation und Wirkung, München, 1991, S. VIIIf.

[81] Mahal, G.: Erzzauberer, Paktierer, Höllenbraten – Ein vorläufiger Überblick, in: Faust: Untersuchungen zu einem zeitlosen Thema, Neuried, 1998, S.10

[82] vgl.: Henning, H., Faust in fünf Jahrhunderten […], 1963, S. 22f.

[83] vgl.: Baron, F.: Provozierende Elemente im Faustbuch des Johann Spies und ihre Folgen, in: Iwasaki, E. (Hg.): Begegnung mit dem Fremden: Grenzen – Traditionen – Vergleiche; Akten des VIII. Internationalen Germanistik-Kongresses, Band 11, Tokyo, 1990, S. 27

[84] vgl.: Baron, F., Faustus on Trial – The Origins of Johann Spies’s „Historia“ in Age an Age of Witch Hunting, Tübingen, 1992, S. 53

[85] vgl.: Henning, H., Faust in fünf Jahrhunderten […], 1963, S. 23

[86] vgl.: Baron, F.: Provozierende Elemente […], 1990, S. 28

[87] vgl.: Henning, H., Faust in fünf Jahrhunderten […], 1963, S. 23

[88] vgl.: Henning, H.: Das Faust-Buch von 1587 […], 1960, S. 55

[89] vgl.: Mahal, G.: Faust – Spuren eines geheimnisvollen Lebens, Hamburg, 1995, S. 12

[90] vgl.: Baron, F.: Faustus – Geschichte, Sage, Dichtung, München, 1982, S. 10

[91] vgl.: Henning, H.: Nach 500 Jahren – unsere Kenntnisse vom historischen Faust, in: Henning, H.: Faust-Variationen – Beiträge zur Editionsgeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Paris, 1993, S. 50

[92] vgl.: ebd.

[93] vgl.: a. a. O.: S. 45

[94] vgl.: Mahal, G.: Faust – Spuren […], 1995, S. 20

[95] vgl.: Hucke, K. H.: Figuren der Unruhe – Faustdichtungen, Tübingen, 1992, S. 6f.

[96] vgl.: Joestel, V.: Doktor Faustus […], 1987,3, S. 6

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Die "Historia von D. Johann Fausten" zwischen Wissenschaft und Christentum der frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
107
Katalognummer
V74053
ISBN (eBook)
9783638683470
ISBN (Buch)
9783638685276
Dateigröße
1792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Historia, Johann, Fausten, Wissenschaft, Christentum, Neuzeit
Arbeit zitieren
Daniel Kellersmann (Autor), 2006, Die "Historia von D. Johann Fausten" zwischen Wissenschaft und Christentum der frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74053

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