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Antonin Artaud - Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“

Exposé

Title: Antonin Artaud - Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“

Seminar Paper , 2006 , 10 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anna Bockhoff (Author)

German Studies - Linguistics
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Jeder Neubeginn von Rang ist mit dem Zusammenbruch des Althergebrachten verbunden, wie uns die Paradigmenwechsel der Geschichte lehren. So auch bei dem Neubeginn, den das französische Avantgardetheater darstellt, das auf das etablierte Verständnis des Dramas verzichtete. Die Neuerungen und die damit verbundenen Theorien betreffen nicht eigentlich die Schauspielkunst, sondern die Gesamtheit der Beziehungen zwischen dem klassischen Text und seinem modernen Bezug auf sowie seiner Re-Präsentation für einen zeitgenössischen Zuschauer.
Beginnend in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stellt Atonin Artaud in seiner berühmten Textsammlung „Das Theater der Grausamkeit“ die Sprach- und Texttheorien auf, die nach dem zweiten Weltkrieg als programmatische Ausrichtung für das Avantgardetheater angesehen werden. Dieser philosophische Unterbau muss zunächst in groben Zügen nachgezeichnet werden, um das Phänomen des absurden Theaters überhaupt, und die Zielrichtung der Gedanken der vorliegenden Arbeit nachvollziehen zu können.
In Anlehnung an Jacques Derrida reiht sich daran die Diskussion, inwieweit Artaud in seinen Anstrengungen seiner eigenen Kritik am traditionellen Theater entgeht.

Diese Betrachtungen mögen eine Hilfe zur Beurteilung sein, inwieweit und in welcher Form von einer Negation der Sprache innerhalb des absurden Theaters (beispielsweise Eugen Ionescos und Samuel Becketts) gesprochen werden kann, und in welchem Grade die Avantgardisten A. Artauds (Theater-) Philosophie umzusetzen vermochten, und in welchem Maße dementsprechend letztlich wirklich von Artaudschem Gedankengut als programmatischer Ausrichtung für die Avantgardisten gesprochen werden darf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - das französische Avantgardetheater

2. Grundzüge der Artaudschen Theaterkritik

3. Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“

4. Grenzgänge oder Sackgassen - Intellektuelle Aufrichtigkeit bei Artaud

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen von Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“ und hinterfragt dessen praktische Umsetzbarkeit sowie die inhärenten Widersprüche zwischen dem Anspruch auf Unmittelbarkeit und der notwendigen Nutzung sprachlicher Repräsentationsformen.

  • Kritik an der abendländischen Sprach- und Theaterkonvention
  • Das Konzept der Körperlichkeit als Gegenentwurf zur mimetischen Repräsentation
  • Die Transformation des „Theaters der Grausamkeit“ in ein „Theater des Unbehagens“
  • Reflexion der intellektuellen Aufrichtigkeit und der metaphysischen Voraussetzungen bei Artaud

Auszug aus dem Buch

2. Grundzüge der Artaudschen Theaterkritik

Artauds Konzept ergibt sich aus der visionären Beschreibung eines Gegenpols zur überkommenen Theater- und Sprachkonzeption, den zu imaginieren er häufig an die Grenzen seiner Wortmächtigkeit gerät, da er seine Begründungen, letztlich die gesamte Beweisführung, aus dem Bereich des metaphysischen Denkens herholt, aus dem Bereich des Nichtdarstellbaren. Im Grunde will Artaud nicht das Theater revolutionieren, sondern die gesamte Tradition abendländischen Denkens, indem er die Sprache als dessen maßgeblichen Träger einer grundsätzlichen Veränderung unterzieht. So bildet nach meinem Dafürhalten sein Ansatz am traditionellen Theater lediglich einen ersten, zumindest scheinbar machbaren Angriffspunkt.

Der Grundfehler des traditionellen Theaters, eingebettet in die abendländische Zivilisation, liegt seiner Meinung nach in der Trennung der Dinge selbst von ihren Ideen und ihren Zeichen, so dass der Mensch nur noch Nachahmung und uneigentliche Wiedergabe des jeweiligen Ursprungs erfährt und somit von der „force vivante“, vom wirklichen Leben getrennt ist. Dieser „mimetische Imperativ“ führt Artaud über die Betrachtung der Bedingungen der Möglichkeit von Sprache zu der Behauptung einer wesenhaften Nachrangigkeit der menschlichen Erfahrung gegenüber der Wirklichkeit, was er versteht als eine Vorenthaltung der Begegnung des Menschen mit je aktueller unmittelbarer Lebendigkeit in einem archetypischen Sinne.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung - das französische Avantgardetheater: Einführung in die Thematik des Avantgardetheaters unter Bezugnahme auf Roland Barthes und Einordnung von Artauds Textsammlung als programmatische Ausrichtung.

2. Grundzüge der Artaudschen Theaterkritik: Analyse von Artauds Bestreben, durch die Betonung der Körperlichkeit das traditionelle, auf Sprache und Mimesis basierende abendländische Theater zu überwinden.

3. Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“: Untersuchung der Problematik, dass die Auflösung von Sprache selbst sprachlich ausgedrückt werden muss, und Herleitung einer Lösung durch die Kantische Philosophie des Erhabenen.

4. Grenzgänge oder Sackgassen - Intellektuelle Aufrichtigkeit bei Artaud: Kritische Reflexion darüber, inwiefern Artaud bei seinem Versuch, die westliche Metaphysik zu zerschlagen, selbst auf deren logisches Instrumentarium angewiesen bleibt.

Schlüsselwörter

Antonin Artaud, Theater der Grausamkeit, Avantgardetheater, Körperlichkeit, Sprachkritik, Mimesis, Metaphysik, Repräsentation, Nichtdarstellbares, Unmittelbarkeit, Jean-François Lyotard, Theater des Unbehagens, Performativität, abendländisches Denken, Kulturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit reflektiert das philosophische Konzept von Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“ und untersucht, wie dieses den Anspruch erhebt, das traditionelle westliche Theater und die Vorherrschaft der Sprache zu überwinden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kritik an der mimetischen Repräsentation, die Bedeutung des Körpers als Ausdrucksmittel im Theater und die philosophischen Spannungsfelder zwischen Sprache, Denken und unmittelbarem Erleben.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die philosophischen Begründungen von Artauds „Lehre“ aufzuzeigen und kritisch zu prüfen, ob sein Ansatz einer grundlegenden kulturellen Revolution logisch in sich schlüssig und umsetzbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Reflexion, die primär auf der Analyse von Originaltexten Artauds und deren philosophischer Einordnung durch Theoretiker wie Barthes, Derrida und Lyotard basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Untersuchung der Artaudschen Theaterkritik, die philosophische Herleitung des Übergangs zum „Theater des Unbehagens“ und die kritische Auseinandersetzung mit der intellektuellen Konsequenz von Artauds Vorhaben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Theater der Grausamkeit, Körperlichkeit, Sprachkritik, Mimesis und der Versuch einer metaphysischen Grenzüberschreitung im Theater.

Warum verwendet der Autor den Begriff „Theater des Unbehagens“?

Der Begriff markiert den pragmatischen Kompromiss: Da das „Theater der Grausamkeit“ in seiner radikalsten Form (ohne Sprache) kaum möglich ist, verwandelt sich der angestrebte absolute Anspruch in ein bleibendes „Unbehagen“ innerhalb der avantgardistischen Praxis.

Wie bewertet die Arbeit Artauds Rückgriff auf Metaphysik?

Die Arbeit stellt fest, dass Artaud trotz seiner Absicht, das abendländische Denken zu revolutionieren, paradoxerweise selbst auf die metaphysischen Instanzen und logischen Werkzeuge dieses Denkens angewiesen bleibt, was seinen Ansatz in die Nähe einer Sackgasse rückt.

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Details

Title
Antonin Artaud - Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“
Subtitle
Exposé
College
University of Paderborn
Course
Kulturwissenschaftliche Anthropologie und Performanz
Grade
1,3
Author
Anna Bockhoff (Author)
Publication Year
2006
Pages
10
Catalog Number
V74082
ISBN (eBook)
9783638681384
ISBN (Book)
9783638776066
Language
German
Tags
Antonin Artaud Grausamkeit“ Unbehagens“ Kulturwissenschaftliche Anthropologie Performanz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Bockhoff (Author), 2006, Antonin Artaud - Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbehagens“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74082
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