Die Arbeit versucht Nachweise dafür zu finden, dass das Italienische Madrigal seine ersten wichtigen Ansätze bereits noch vor den 1520er Jahren bei einem heute fast unbekannten Florentiner Meister gefunden hat und nicht erst von Philippe Verdelot und weiteren dort ansässigen Nordeuropäern völlig neu konzipiert wurde. Viele Hinweise drängen sich auf, dass Pisano das Madrigal zumindest entscheident vorgeprägt hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Entstehung des Madrigals – Forschungsgeschichte
2. Die Werke im Überblick
3. Texte
3.1. Thematik
3.2. Textdichter
3.3. Formen
4. Musikalische Darstellung
4.1. Text und musikalische Form
4.2. Die musikalische Figur
4.3. Satztechnische Darstellungsmittel
4.4. Die rhythmische Behandlung des Verses
4.5. Melodiebildung
4.6. Madrigalismen
5. Satzstruktur
5.1. Tonart
5.2. Imitation
5.3. Klangstruktur
5.4. Kadenzen
6. Einzelanalysen
6.1. „Chiare, fresche, e dolci acque“
6.2. “Son io, donna”
Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Florentiner Musikers Bernardo Pisano bei der Entstehung des Madrigals zu Beginn des 16. Jahrhunderts, um zu erörtern, inwiefern seine weltlichen Vokalwerke als Vorläufer dieser Gattung fungieren können.
- Analyse der Entstehungsgeschichte des Madrigals in Florenz
- Untersuchung der musikalischen Struktur und Textbehandlung bei Bernardo Pisano
- Vergleich von Pisanos Werken mit zeitgenössischen Gattungen wie der Frottola
- Identifikation stilistischer Merkmale des frühen Madrigalismus
Auszug aus dem Buch
4.1. Text und musikalische Form
Die folgende Analyse bezieht sich hauptsächlich auf die Vertonung des Madrigals “De‘ perché in odio mai” eines anonymen Dichters. Der Text weist folgendes Reimschema auf, dem die der Analyse gemäße musikalische Form gegenübergestellt sei.
Tatsächlich verwendet Pisano hier einige seiner soggetti wieder – wie noch zu sehen sein wird – entweder identisch, auf anderer Tonstufe oder in einer anderen Stimme. Jedoch folgt er dabei nicht dem an sich losen Reimschema. Offenbar hat die Textform schon für die frühesten Madrigalisten im Gegensatz zu den Frottolisten (auch noch in Pisanos Frottolen) schon keine Bedeutung mehr für die Vertonung.
Sind einerseits die Verszeilen innerhalb der Einzelstimmen durch Kadenzen klar voneinander abgegrenzt – wie es für die Frottolen der älteren Florentiner typisch ist –, bewirkt die Durchimitation und Überlappung der Versanfänge und -schlüsse innerhalb der Stimmen wiederum die einheitliche Durchformung des Satzes. Die meist verdeckte – manchmal auch offen gekennzeichnete – Wiederholung der letzten Verszeile soll trotz angestrebter Durchkomposition das Madrigal das 16. Jahrhundert hindurch kennzeichnen. Das Mittel der Textwiederholung – die in der letzten Verszeile fast immer auch musikalisch geschieht – soll wichtige Stellen hervorheben. In der Regel enthält die letzte Verszeile die Pointe des ganzen Textes, die als Höhepunkt und Hauptaussage sowohl textlich als auch musikalisch hervorgehoben werden soll. Aber auch andere Textstellen können Betonungen erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas und Eingrenzung der Fragestellung zur Rolle Bernardo Pisanos bei der Genese des Madrigals.
1. Die Entstehung des Madrigals – Forschungsgeschichte: Überblick über verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Herkunft des Madrigals aus der Frottola oder als florentinische Neuerung.
2. Die Werke im Überblick: Biografische Einordnung Pisanos und Analyse des Erhaltungszustands sowie der Datierung seiner Kompositionen.
3. Texte: Untersuchung der thematischen Ausrichtung der Lyrik sowie der dichterischen Gattungen wie Ballata, Kanzone und Madrigal.
4. Musikalische Darstellung: Systematische Untersuchung musikalischer Parameter wie Textvertonung, Figurenlehre und rhythmischer Gestaltung.
5. Satzstruktur: Analyse der tonalen Organisation, Imitationstechniken und des Aufbaus der Klangstruktur bei Pisano.
6. Einzelanalysen: Detaillierte Betrachtung spezifischer Werke wie „Chiare, fresche, e dolci acque“ und „Son io, donna“.
Schluss: Zusammenfassende Bewertung von Pisanos Beitrag als Vorreiter des Madrigalstils.
Schlüsselwörter
Bernardo Pisano, Madrigal, Frottola, Florenz, 16. Jahrhundert, Petrarchismus, Satzstruktur, Textvertonung, Imitation, Musikgeschichte, Kanzone, Ballata, Vokalmusik, Renaissance, Musikalische Figuren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Werk Bernardo Pisanos und seine Bedeutung als Pionier des frühen Madrigalismus im Florenz des frühen 16. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Übergang von der Frottola zum Madrigal, die Analyse musikalischer Satzstrukturen und die textliche sowie musikalische Formgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu bestimmen, ob und inwieweit Pisano als Vorreiter des Madrigalstils gelten kann, noch vor anderen bekannten Komponisten wie Verdelot oder Festa.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Analyse der weltlichen Vokalwerke Pisanos unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und moderner musikwissenschaftlicher Monografien angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Textdichtung, musikalischer Darstellung, Satzstruktur sowie spezifische Einzelanalysen von Kompositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bernardo Pisano, Madrigal, Florentiner Musik der Renaissance, Satzstruktur und musikalische Imitation charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Frottola und Madrigal eine Rolle?
Die Unterscheidung ist entscheidend, um den stilistischen Wandel von der volkstümlichen Gebrauchsmusik hin zu hochstilisierten, durchkomponierten Madrigalen nachzuvollziehen.
Was zeigen die Analysen von "Chiare, fresche, e dolci acque"?
Die Analyse verdeutlicht, wie Pisano die Textform strukturell in der Musik abbildet und wie er imitatorische Prinzipien einsetzt, während er zugleich eine traditionelle Satzstruktur wahrt.
- Quote paper
- Ulrike Stürzkober (Author), 2005, Bernardo Pisano (1490-1548) - Ein Florentiner Musiker als Vorreiter des frühen Madrigalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74116