Gerade für eine Lehramtsstudentin ist es sicher ungewöhnlich, sich im Rahmen der Examensarbeit mit dem Thema Zölibat zu beschäftigen. Wurde ich während der Entstehungsphase danach gefragt, hat meine Antwort oft Verwunderung hervorgerufen. Dennoch habe ich die Arbeit als sehr interessant empfunden und viele neue Aspekte kennen gelernt, die mir bisher entweder nicht bewusst oder nicht in diesem Zusammenhang geläufig waren. So konnte ich auch meine Vorstellungen vom Zölibat und meine bisherige Argumentation zu diesem Thema durch viele neue Erkenntnisse bereichern und überdenken. Dennoch hat mir die Arbeit gezeigt, dass mit dem Zölibat zwar zum einen viele positive Erfahrungen verbunden werden, zum anderen aber auch viel Leid. Junge Menschen legen sich schon früh darauf fest, ein Leben in Ehelosigkeit zu führen. Zu diesem Zeitpunkt haben viele, die ihr Leben lang davon geträumt haben, Priester zu werden, noch keine näheren Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht und kennen Frauen nur aus dem Familien- und Bekanntenkreis. Um eine bewusste Entscheidung zu treffen ist es aber unter Umständen sinnvoll, zu wissen, worauf man verzichtet. Viele junge Männer verlieben sich erst im Laufe ihrer Tätigkeit als Priester und haben dann nur noch die Wahl, ihr Amt und somit alles, wofür sie bisher gelebt haben, niederzulegen, oder die Liebe zu dieser Frau zu verleugnen. Der Zölibat auf Basis einer Empfehlung oder aber als freiwillige Entscheidung könnte hier Abhilfe schaffen und denen, die wirklich darunter leiden, neue Hoffnung geben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Begriff „Zölibat“
2. Geschichte des Zölibats
2.1 Das Alte Testament
2.2 Das Neue Testament
2.3 Von der Zeit der Apostel bis zum 2. Laterankonzil (1139)
2.4 Vom 2. Laterankonzil (1139) bis zur Gegenwart
3. Die Gegenwärtige Diskussion
3.1 Grundfragen
3.1.1 Die Diskussion um „Lebensentscheidungen“
3.1.2 Zölibat und Beziehungsreichtum
3.1.3 Das Charisma des Zölibats
3.2 Zölibat der Ordensleute
3.2.1 Klöster und Orden als Orte zölibatären Lebens
3.2.2 Ehelosigkeit im Ensemble der drei evangelischen Räte
3.2.2.1 Die Räte im Einzelnen:
3.2.2.1.a) Keuschheit
3.2.2.1.b) Armut
3.2.2.1.c) Gehorsam
3.2.3 Zusammenleben zölibatärer und nicht-zölibatärer in neuen geistlichen Gemeinschaften
3.3 Zölibat der Priester
3.3.1 Priestermangel
3.3.2 Ehe als Erfahrungshorizont und Grundlage seelsorgerischer Kompetenz
3.3.3 Verfügbarkeit / Ungebundenheit durch den Zölibat
3.3.4 Freiwilligkeit als Grundlage einer reifen Entscheidung
3.3.5 Praxis der Ostkirche
3.3.6 Einsamkeit als Quelle und Qual
3.3.7 Zölibat als unverstandenes Zeichen
3.3.7.1 Tugendhaftes Leben
3.3.7.2 Dienst am Reiche Gottes
4. Auswertung und Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik und die gegenwärtige Relevanz des Zölibats für Priester und Ordensleute in der katholischen Kirche. Das primäre Ziel ist es, den Zölibat durch eine historische Herleitung sowie eine Analyse der aktuellen Diskussion kritisch zu hinterfragen und die unterschiedlichen Anforderungen an Priester und Ordensleute zu differenzieren.
- Historische Entwicklung des Zölibats von der Urkirche bis zur Neuzeit
- Soziologische und theologische Aspekte der Ehelosigkeit
- Unterscheidung zwischen Priesteramt und Ordensleben
- Konfliktfelder wie Priestermangel und die Frage der Freiwilligkeit
- Die Rolle des Zölibats als symbolisches Zeichen in einer modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Diskussion um „Lebensentscheidungen“
In unserer Gesellschaft ist es nicht leicht, sich für einen zölibatären Lebensweg zu entscheiden. Während der Priester früher meist ein hohes Ansehen hatte muss sich der Priesteramtskandidat heute insbesondere vor seinen Alterskameraden, aber auch vor seiner Familie und seinem gesamten Umfeld häufig für seinen Entschluss rechtfertigen. Sexualität spielt eine immer größere Rolle in Medien und Gesellschaft, den freiwilligen Verzicht darauf können die Wenigsten nachvollziehen.
In Anbetracht der heutigen Scheidungsrate, aber auch der hohen Anzahl von Priestern und Priesteramtskandidaten, die sich gegen den Zölibat und somit gegen das Priesteramt entscheiden, stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, sich zu einem so frühen Zeitpunkt für einen bestimmten Lebensweg zu entscheiden. Auch Eheschließungen finden heute wie es scheint im Durchschnitt nicht mehr so früh statt, wie in früheren Generationen. Immer mehr Paare wählen zudem zunächst die Form der standesamtlichen Hochzeit und entscheiden sich erst nach einer längeren Zeit für eine Eheschließung vor Gott. Immer mehr Bindungen gehen auseinander. Für viele ist selbst die Institution der Ehe in Frage gestellt, da teilweise davon ausgegangen werden kann, dass jede zweite Ehe wieder geschieden wird. Lebensbindungen in Ehe und Familie sowie bei Priestern und Ordensleuten scheitern und der Priesteramtskandidat kann beinahe ein solches Risiko mit einkalkulieren. Es stellt sich also schnell die Frage, ob man es riskieren kann, eine so weitreichende Entscheidung wie die für den Zölibat zu treffen, wenn doch alle anderen Lebenswege als einfacher erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin legt die persönliche Motivation dar, sich mit dem Zölibat zu befassen, und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit, die von der Begriffsdefinition über die historische Einordnung bis hin zur kritischen Auswertung führt.
Der Begriff „Zölibat“: Dieses Kapitel liefert eine allgemeine Definition des Zölibats als bewusste, ehelose Lebensform, die auf religiösen Motiven basiert und im Gegensatz zum triebgesteuerten Verhalten des Tieres eine kulturelle und bewusste Entscheidung des Menschen darstellt.
2. Geschichte des Zölibats: Hier wird die Entwicklung der Ehelosigkeit von biblischen Zeiten über die Kirchenkonzilien bis zur modernen Zeit nachgezeichnet, wobei deutlich wird, dass der Zölibat keine ursprüngliche Bedingung für den Klerus war, sondern sich durch synodale Beschlüsse und asketische Strömungen festigte.
3. Die Gegenwärtige Diskussion: Dieses Hauptkapitel analysiert die aktuelle Kritik am Zölibat, differenziert zwischen Priestertum und Ordensstand und beleuchtet zentrale Aspekte wie Freiwilligkeit, Verfügbarkeit und die seelsorgerische Bedeutung des Zölibats.
4. Auswertung und Stellungnahme: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert dafür, den Zölibat nicht als absolutes Dogma, sondern als eine von mehreren möglichen Lebensformen zu betrachten, um dem Priestermangel zu begegnen und die Glaubwürdigkeit kirchlicher Ämter zu sichern.
Schlüsselwörter
Zölibat, Priesteramt, Ordensleben, Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit, Kirchengeschichte, Priestermangel, evangelische Räte, Seelsorge, Sexualität, Lebensentscheidung, Glaubwürdigkeit, Charisma, Askese, Freiwilligkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit dem Zölibat auseinander, beleuchtet seine historischen Wurzeln und analysiert, warum er in der heutigen Zeit zunehmend in die Diskussion geraten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Ehelosigkeit im kirchlichen Dienst, die Bedeutung der evangelischen Räte im Ordensleben sowie die Herausforderungen des Zölibats in einer säkularen, modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum der Zölibat für Priesteramtskandidaten heute eine hohe Hürde darstellt, und zu prüfen, ob eine Entkoppelung von Priesteramt und Pflichtzölibat zu einer positiven Entwicklung beitragen könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die kirchengeschichtliche Quellen, päpstliche Enzykliken sowie theologische und sozialwissenschaftliche Fachliteratur heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die soziologischen und psychologischen Aspekte des Zölibats diskutiert, die Unterschiede zwischen Ordensleuten und Weltpriestern erörtert sowie Argumente wie Verfügbarkeit und seelsorgerische Kompetenz abgewogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe Zölibat, Priesteramt, Ehelosigkeit, Charisma, Seelsorge und Reformdiskussion charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der Zölibat im Ordensleben von dem der Priester?
Ordensleute entscheiden sich für ein gemeinschaftliches Leben und ein Gelübde (Keuschheit, Armut, Gehorsam), in dem der Zölibat ein integraler Bestandteil einer gewollten Lebensweise ist, während er für Weltpriester oft als kirchenrechtliche Zulassungsvoraussetzung für das Amt erfahren wird.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Priestermangels?
Die Autorin argumentiert, dass die starre Koppelung von Priesteramt und Zölibat viele fähige Männer vom Priesterberuf abhält und schlägt vor, neue Formen der Priesterberufung – etwa durch die Möglichkeit einer verheirateten Priesterschaft – in Erwägung zu ziehen.
- Arbeit zitieren
- Katrin Krimphove (Autor:in), 1998, Der Zölibat in der gegenwärtigen Diskussion kontrovers diskutiert am Zölibat der Priester und der Ordensleute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7413