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Die Militarisierung der Bevölkerung im Kaiserreich

Title: Die Militarisierung der Bevölkerung im Kaiserreich

Term Paper , 2006 , 26 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Peter Karin (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Einleitung

„Mein liebster treuer Freund, Ja! Jetzt geht’s aufs Ganze. Schade, dass es so spät kam – gut, dass es nicht später gekommen ist.(1)“ Schrieb Feldmarschall von der Goltz kurz nach dem Kriegsausbruch an einen Kameraden. Wie auch schon Heinrich Mann in seinem Werk „Der Untertan“ (1918) kritisiert, wurde vor allem in der Zeit Wilhelm II. die freiheitlich-demokratischen Prinzipien aufgrund von Weltmachtsbestrebungen und Militarismus missachtet. Offensichtlich bestand nach dem ersten Weltkrieg ein enormer Bedarf an Aufklä-rung in Bezug auf die Rolle des Militärs innerhalb der Gesellschaft, was die Verkaufszah-len von „Der Untertan“ - 100 000 Exemplare in den ersten sechs Wochen – belegen(2).
Mit seiner Einstellung war von der Goltz nicht allein. Viele Mitglieder des Offizierkorps teilten seine Meinung, hatten sie doch die lange Zeit des Zuwartens auf den Krieg gehasst. Hinter dieser Einstellung stand das tiefgreifende Welterklärungsmodell des Sozialdarwinismus. Es basiert auf der Überzeugung, dass sich jedes Volk in einem ständigen „Kampf ums Dasein“ befindet und nur das stärkste überleben könne(3). Der Schweizer Historiker Burckhardt verstand den Krieg als eine „Völkercrisis“, als ein „notwendiges Moment höherer Entwicklung“ und das Volk lerne „seine volle Nationalkraft nur im Kriege […] kennen“(4). Der Krieg wurde demnach als „biologische Notwendigkeit“ gesehen, der „biologisch gerecht entscheidet“(5), wie Friedrich von Bernhardi emphatisch feststellte.
[...]
_______
(1) Zitiert nach: Wette, Wolfram (Hg): Schule der Gewalt. Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945, (Berlin 2005), Seite 53
(2) Ulrich, Bernd/ Jakob Vogel / Benjamin Ziemann (Hg): Untertan in Uniform. Militär und Militarismus im Kaiserreich 1871 – 1914. Quellen und Dokumente (Frankfurt am Main 2001), Seite 9 - 10
(3) Wette, Schule der Gewalt, Seite 56
(4) Jansen, Christian (Hg): Der Bürger als Soldat. Die Militarisierung europäischer Gesellschaften im langen 19. Jahrhundert: ein internationaler Vergleich, Frieden und Krieg, Beiträge zur historischen Friedensforschung, Band 3 (Essen 2004), Seite 26
(5) Zitiert nach: De Jong, Albert/ Müller-Lehning, Arthur: Die soziale Revolution und die antimilitaristische Taktik, o.O. 1987, Seite 53 in: Wette, Schule der Gewalt, Seite 53

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Formen des Militarismus

1. Der konservative Militarismus

2. Der bürgerliche Militarismus

III. Von Preußen über das Kaiserreich in den Krieg: Die Militarisierung der Bevölkerung

IV. Der wilhelminische Militarismus in der Kunst: Der Hauptmann von Köpenick

V. Schluss

Zielsetzung und Thematik der Arbeit

Diese Hausarbeit untersucht die facettenreiche Entwicklung des Militarismus im deutschen Kaiserreich und analysiert, auf welche Weise und in welchem Ausmaß die zivile Gesellschaft bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs durch militärische Denkweisen, Strukturen und Erziehungsziele durchdrungen wurde.

  • Die begriffliche Abgrenzung und Definition des Militarismus im historischen Kontext.
  • Die Unterscheidung zwischen konservativen und bürgerlichen Ausprägungen des Militarismus.
  • Die Rolle der allgemeinen Wehrpflicht als Instrument zur militärischen Sozialisation.
  • Die Bedeutung des Nationalismus als integrierender Faktor in der wilhelminischen Gesellschaft.
  • Die literarische Verarbeitung und kritische Reflexion des Militarismus am Beispiel des "Hauptmanns von Köpenick".

Auszug aus dem Buch

Die allgemeine Wehrpflicht als geistig-moralische und physische Lebensschule

„Jeder Deutsche ist wehrpflichtig“60 eröffnet das Handbuch für Heer und Flotte 1911. Demnach erstreckte sich die Wehrpflicht vom 18. bis zum 46. Lebensjahr und beinhaltete die aktive Dienstpflicht, die Reservepflicht, Landwehrpflicht und Ersatzreservepflicht.61 Die ersten beiden Jahre waren die Mannschaften zu „ununterbrochenem Dienst bei der Fahne verpflichtet.“62

Der Gedanke des „Bürgersoldaten“ richtete sich vor allem in Frankreich gegen die Bedrohung einer Revolution und kam 1789 in die Diskussion. Nach der erfolgreichen Revolution, sah man sich der Aufgabe gegenüber, eine neue Armee aufzubauen, um innerstaatliche Konfliktsituationen zu vermeiden und um die „alte Armee“ abzuwehren. Der erste Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht war geboren63. Hierzu äußerte sich der Militärreformer Dubois Crancé, dass von nun an „[…] tout citoyen doit être soldat & tout soldat doit être citoyen, ou nous n’aurons jamais de constition.“64

„Durch das Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht zur Verteidigung des Landes und seiner gesetzlichen Ordnung hat die Armee neben der militärischen Ausbildung eine andere nicht minder wichtige Aufgabe erhalten, nämlich: die junge Kraft des ganzen Volkes zu erhalten, zu entwickeln, zu vermehren […]“65 erklärt der Militärarzt Dr. Nütten 1867. Aus Sicht des Militärideologen sollte die allgemeine Wehrpflicht nicht nur der körperlichen Ertüchtigung dienen, sondern die Rekruten zu „ordentlichen“ Gliedern der Gesellschaft heranziehen66, „[…] denn nicht bloß körperlich, sondern auch moralisch gekräftigt soll der junge Mann zu seiner Familie zurückkehren […]“67.

Auch Familie und Schule bemühten sich, der heranwachsenden Generation die militärischen Tugenden wie die Disziplin und den uneingeschränkten Respekt vor der Autorität zu vermitteln. Es herrschte eine stillschweigende Übereinkunft, dass alle Erwachsenen – nicht nur die Eltern – zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin der Jugend aktiv beitragen sollten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Verankerung des Militarismus im Kaiserreich und die Problematik seiner Definition vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen vor 1914.

II. Formen des Militarismus: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen dem konservativen Militarismus, der auf den Erhalt der monarchischen Strukturen fokussiert ist, und dem bürgerlichen Militarismus, der eine quantitative Aufrüstung vor dem Hintergrund eines drohenden Zweifrontenkrieges anstrebte.

III. Von Preußen über das Kaiserreich in den Krieg: Die Militarisierung der Bevölkerung: Hier wird analysiert, wie militärische Prinzipien durch die Wehrpflicht und die soziale Integration in die ländliche Gesellschaft eindrangen und zur Stabilisierung des Systems beitrugen.

IV. Der wilhelminische Militarismus in der Kunst: Der Hauptmann von Köpenick: Anhand von Carl Zuckmayers Werk wird verdeutlicht, wie Zeitgenossen den blinden Gehorsam gegenüber Uniformen ironisierten und hinterfragten.

V. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie das Militär als integraler Bestandteil der wilhelminischen Kultur fungierte und durch den Nationalismus einen gesellschaftlichen Konsens für eine Politik der Stärke schuf.

Schlüsselwörter

Militarismus, Kaiserreich, Preußen, Wehrpflicht, Sozialdarwinismus, Nationalismus, Offizierkorps, Wilhelminismus, Volkserziehung, Sozialisation, Generalstab, Hauptmann von Köpenick, Gesellschaft, Autorität, Kameradschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der weitreichenden Militarisierung der deutschen Bevölkerung im Kaiserreich und untersucht, wie militärische Werte und Strukturen den zivilen Alltag durchdrangen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von konservativem und bürgerlichem Militarismus, der Rolle der allgemeinen Wehrpflicht, dem Einfluss des Nationalismus und der kulturellen Wahrnehmung dieser Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu ergründen, warum und auf welche Weise sich die deutsche Gesellschaft unter die Doktrin des Militarismus unterwarf und wie dieser den Weg in den Ersten Weltkrieg begleitete.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Standardwerken, zeitgenössischen Quellen und Dokumenten sowie literarischen Reflexionen basiert.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden die verschiedenen Erscheinungsformen des Militarismus analysiert, die Auswirkungen der Wehrpflicht als "Lebensschule" und die ideologische Kraft des Nationalismus hinterfragt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Begriffe wie Militarismus, Sozialdarwinismus, Wehrpflicht, Nationalehre und gesellschaftliche Integration stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.

Welche Rolle spielte der "Hauptmann von Köpenick" für die Argumentation?

Das Werk dient als Fallbeispiel, um die gesellschaftliche Fixierung auf Uniformen, den blinden Gehorsam und die kritische Distanz gegenüber dem militärischen Übergewicht im wilhelminischen Zeitalter zu illustrieren.

Warum wird die Trennung zwischen konservativem und bürgerlichem Militarismus vorgenommen?

Die Trennung verdeutlicht unterschiedliche Motivationen: Während der konservative Militarismus den Erhalt monarchischer Machtstrukturen verfolgte, trieb der bürgerliche Militarismus die Aufrüstung aufgrund geopolitischer Sicherheitsängste voran.

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Details

Title
Die Militarisierung der Bevölkerung im Kaiserreich
Grade
1,8
Author
Peter Karin (Author)
Publication Year
2006
Pages
26
Catalog Number
V74166
ISBN (eBook)
9783638685948
ISBN (Book)
9783640860975
Language
German
Tags
Militarisierung Bevölkerung Kaiserreich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Karin (Author), 2006, Die Militarisierung der Bevölkerung im Kaiserreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74166
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