Migration im neuen Europa - Chance oder Problem anhand des Beispiels Frankreich


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Historischer Blick auf europäische Migration
1.2 Chancen für Europa

2 Frankreich
2.1 Einwanderungsgeschichte Frankreich
2.2 Grundzüge der französischen Einwanderungspolitik
2.3 Probleme bei Integration in Frankreich

3 Arbeit als Integrationsfaktor

4 Schluss

1 Einleitung

Im heutigen Europa ist die Frage danach, wie man mit dem Thema Migration umgeht aktueller denn je. Die romantische Vorstellung einer friedlichen Multikulti-Gesellschaft scheint überlebt[i], die Unruhen in Frankreich haben ganz Europa erzittern lassen, frei nach dem Motto “Wer ist als nächstes dran?”. Die einen sprechen von Leitkultur, andere von kultureller Abgrenzung. Rechtspopulistische Parteien machen mit steigendem Zuspruch die Migranten zu Sündenböcken allen Übels, aber auch der derzeitige Innenminister Wolfgang Schäuble ist der Meinung “Die Migration ist heute eines der großen, die Stabilität bedrohenden Themen unserer globalisierten Welt”[ii].

Sind wir also ernsthaft kurz vor dem unausweichlichen Höhepunkt der europäischen Migrationsgeschichte angelangt, dem Punkt an dem die Migranten unsere Kultur durch ihre ersetzen und uns keine andere Möglichkeit bleibt, als tatenlos dabei zuzusehen?

Zugegeben, diese Frage ist überspitzt formuliert, soll aber zugleich die Polemik der aktuellen Migrationsdebatten verdeutlichen, als auch eine Antithese bilden, zu meiner Herangehensweise an die Fragestellung, ob Migration eine Chance oder ein Problem für Europa darstellt. Wichtig zur Bearbeitung dieses Themas, als auch in der generellen Migrationsdebatte, ist ein Wechsel des Standpunkts. Statt zwanghaft und immer wieder zu problematisieren, sollte man sich zunächst einmal verdeutlichen, welche Errungenschaften in der europäischen Gesellschaft ohne die Mithilfe der Migranten nicht möglich gewesen wären und welche Chancen ihre Teilnahme an der Gesellschaft für die Zukunft bietet. Nur unter ständiger Berücksichtigung dieser Leistung, kann man die Diskussion angemessen aufziehen und beginnen punktuell über Integrationsfragen und Einwanderungspolitik zu diskutieren.

Deshalb möchte ich bei der Einteilung meines Argumentationsgangs zunächst im ersten Teil entlang meines Referatthemas “Migration als europäischer Normalfall”, verdeutlichen, dass Migranten sowohl die wirtschaftliche, als auch die kulturelle Entwicklung Europas positiv beeinflusst haben. Im zweiten Teil werde ich mich dann dem Thema Integration widmen und am Beispiel Frankreich zunächst die nationale Integrationsweise untersuchen und dann einen theoretischen Ansatz dazu liefern, welche Faktoren für das Gelingen und das Scheitern der Integration von Migranten verantwortlich sind. Dieser Teil liefert das Fundament für den dritten Teil, der versuchen soll beispielhaft die entscheidenden Fehler in der französischen Integrationspolitik zu benennen, die deutlich sichtbar wurden, als es Ende 2005 zu den Unruhen in ganz Frankreich kam.

Um die Antwort auf die Frage des Titels vorweg zu nehmen: Migration, sowohl innerhalb Europas, als auch Immigration von außerhalb, ist nicht bloß eine Chance, sondern eine Notwendigkeit zum Erhalt unserer Gesellschaft und unserer Kultur. Gleichzeitig ist das Thema Integration eine wichtige Aufgabe und ernst zu nehmende Herausforderung für alle europäischen Gesellschaften, da Migration sonst tatsächlich zu dem werden kann, als das es immer wieder diskutiert wird: Einer Bedrohung oder einem Problem.

1.1 Historischer Blick auf europäische Migration

In Europa hat immer Migration stattgefunden. Wie Karl Schlögel in seinem Buch Planet der Nomaden treffend beschreibt, scheint es etwas zu geben, das den Menschen auf Wanderschaft hält. “Nicht Sesshaftigkeit, sondern Wanderung scheint der Normalfall zu sein”[iii] Zwei der ausschlaggebenden Gründe, die jährlich viel Millionen Menschen dazu bewegen ihre Heimat aufzugeben und ein neues Leben in der Ferne zu beginnen, sind einerseits die Suche nach Arbeit und einem höheren Lebensstandard und auf der anderen Seite Flucht vor Kriegen und Verfolgung. Das heutige Europa ist entstanden durch Grenzverschiebungen, Kriege, Neugründung und Auflösung von Staaten. Schon immer gab es Minderheiten, die vertrieben wurden und in einem anderen Land Zuflucht gesucht haben, sowie andere Menschen die freiwillig auswanderten, in der Hoffnung in einem anderen Land ihren Lebensstandard verbessern zu können.

Neben der innereuropäischen Migration nahm gerade in den letzten Jahrzehnten die Einwanderung von außereuropäischen Ländern zu, und so ist Europa heute, neben Amerika, das Hauptziel aller Migranten weltweit. Reichtum, Arbeit, Kultur und demokratische Freiheit, also die Eckpfeiler der europäischen Kultur, sind die Magnete die jährlich viele Millionen Menschen dazu veranlassen, ihr Leben in der Heimat aufzugeben und ein neues Leben im „fremden“ Europa zu beginnen. Aber auch die innereuropäischen Differenzen haben bereits viele Wanderungsbewegungen ausgelöst. Wichtige Anziehungspunkte waren auch in diesem Fall wirtschaftliches Wachstum, also Arbeitsplätze, sowie Schutz vor Krieg und Verfolgung durch die Gewährung von politischem Asyl.

Die wichtigsten Wanderungsbewegungen des letzten Jahrhunderts sind laut Werner Schiffauer:

„Umsiedlungen und Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg, […] die Ströme der Arbeitsmigranten, die zunächst aus den ehemaligen Kolonie in die jeweiligen Mutterländer, dann aus den Anwerbeländern nach Deutschland, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und Frankreich kamen. Den Arbeitsmigranten folgten ihre Familien. In den achtziger und Anfang der neunziger Jahre explodierten die Zahlen der Asylbewerber. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen die Aussiedler hinzu.“[iv]

1.2 Chancen für Europa

Welche Chancen sich durch die stattfindende Migration für Europa eröffnet haben, ließe sich an vielen Orten messen und an unzähligen Beispielen belegen. Von der türkischen Imbissbude in Deutschland, bis zur Aufnahme von Flüchtlingsströmen vom Balkan, kann man individuelle Chancen und Vorteile genauso heranziehen, wie Chancen, die sich für gesamte Völker ergeben haben. Das Phänomen Migration lässt sich an unterschiedlichsten Orten und Schnittstellen untersuchen. Nachfolgend möchte ich auf zwei ganz grundsätzliche Formen der Wanderung eingehen und deren Bedeutung für Europa erläutern.

Wirtschaftlich gab es auf dem „Kontinent der Differenzen“[v] immer Unterschiede zwischen den Nationen, und die Wanderarbeiter haben im Wesentlichen dazu beigetragen, das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen. Keine Gesellschaft kann auf einen durch wirtschaftlichen Aufschwung bedingten, rasant steigenden Bedarf an Arbeitern durch heranziehen eigener Kinder reagieren. Bis dahin wäre die Wachstumsphase längst vorüber. Ein gutes Beispiel hierfür ist die entscheidende Rolle der Gastarbeiter beim deutschen Wirtschaftswunder. Rein wirtschaftlich können wir also schon einmal behaupten, dass Arbeitsmigration das wachsende Europa, in einem sich selbst regulierendem Prozess flexibel gemacht hat. Indem die wandernden Arbeiter den Mangel an Arbeitskraft kompensierten, ermöglichten sie Europa auf schnelles Wachstum ebenso schnell zu reagieren.

Ebenfalls wichtig für das heutige Europa ist das Thema Flüchtlingsmigration. Die Notwendigkeit dieser Wanderungsform lässt sich nicht so einfach in Zahlen und Bilanzen messen, da sie faktisch zunächst keinen wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringt, wie es bei der Arbeitsmigration der Fall ist.

Entscheidend für die Aufnahme von Flüchtlingen ist zunächst die ethische Grundhaltung der europäischen Länder. Spätestens mit Beschluss der Genfer Flüchtlingskonvention wurde den Millionen verstoßenen und vertriebenen Menschen auf der Welt ein Gesicht gegeben, vor allem aber Rechte auf Schutz vor Verfolgung. Das Europa also, egal ob bei der Migration innerhalb Europas oder von außerhalb, Verfolgten Menschen Asyl gewährt hat, ist in gewisser Weise eine Manifestierung der demokratischen Freiheitswerte Europas.

[...]


[i] Vgl. Schlögel: 2006, S 16

[ii] Die Zeit, 10.11.2005, S 5

[iii] Schlögel: 2006, S 101

[iv] Schiffauer: 2006, S 95

[v] Vgl. Kaschuba

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Migration im neuen Europa - Chance oder Problem anhand des Beispiels Frankreich
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Migration im neuen Europa
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V74168
ISBN (eBook)
9783638685955
ISBN (Buch)
9783656628002
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit diskutiert, inwiefern das Thema Migration in Europa als Chance oder Problem angesehen werden kann. Zunächst wird anhand der europäischen Migrationsgeschichte belegt, dass das heutige Europa wirtschaftlich und kulturell nur durch Migrstion enstehen konnte. Der zweite Teil widmet sich Frankreich als Negativbeispiel dafür, welche Faktoren eine Integrationspolitik zum Scheitern bringen kann. Der Schluss beleuchtet nocheinmal speziell das Thema Arbeit als wichtigsten Integrationsfakto
Schlagworte
Migration, Europa, Chance, Problem, Beispiels, Frankreich, Migration, Europa
Arbeit zitieren
Daniel Kalthoff (Autor:in), 2007, Migration im neuen Europa - Chance oder Problem anhand des Beispiels Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74168

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