Auswirkungen des Teslawerks Grünheide. Die Rettung einer strukturschwachen Region?


Facharbeit (Schule), 2020

13 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Als Tesla Chef Elon Musk verkündete die Gigafactory 4 in Grünheide bei Berlin bauen zu wollen, schienen alle ganz aus dem Häuschen zu sein. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke betitelte die Entscheidung als „hervorragende Nachrichten für unser Land“. Auch viele andere Politiker und Experten erfreuten sich an dieser Nachricht. Nur etwa 150 Personen demonstrierten, ein Witz im Vergleich zu anderen Projekten dieser Größe. Es scheint, als hätte Tesla den Begriff Sympathie neu erfunden. Tesla wird die strukturschwache Region des Landkreises Oder-Spree retten so scheint es, doch ist dem wirklich so?

Oder-Spree wird als strukturschwaches Gebiet betitelt, warum?

Bei Anwendung des GRW (Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur) Indikator gilt der Landkreis Oder Spree als prädestiniertes C-Fördergebiet mit Grenzzuschlag. Dies verweist auf eine besonders strukturschwache Region, welche stark gefördert werden soll. Drei Bestandteile des GRW Indikators sind die Arbeitslosenquote, der Beitrag zum BIP des einzelnen Erwerbstätigen und der Pendlersaldo der Erwerbstätigen.

Die Arbeitslosenquote in dem Landkreis Oder-Spree lag im März 2020 bei 6 %, damit liegt diese 0.9 % über den deutschen Schnitt. Die unterdurchschnittliche Wirtschaftskraft wird besonders beim Betrachten des Beitrages eines jeden Erwerbstätigen zum BIP deutlich. Im Landkreis Oder Spree belief sich dieser im Jahre 2017 auf etwa 63.000 € jährlich, dieser Wert liegt 15 % unter dem deutschen Durchschnitt. Durch den negativen Pendlersaldo, welcher -13.000 im Jahre 2018 betrug , wird außerdem klar, dass der Landkreis Oder-Spree für etwa 20 % der dort wohnenden Erwerbstätigen nicht die richtige Jobinfrastruktur bietet. Das alles lässt auf einen wirtschaftsstrukturell schwachen Raum mit unzureichendem Beschäftigungsangebot schließen.

Diese Probleme soll Tesla Inc, ein US - amerikanisches Unternehmen, das Elektroautos sowie Stromspeicher und Photovoltaikanlagen produziert und vertreibt lösen. Ziel von Tesla ist es den Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen. Seit der Gründung im Juli 2003 durch Martin Eberhard und Marc Tarpenning ist Tesla zum größten Erbauer von Elektroautos weltweit gewachsen. Das heutige Gesicht von Tesla - Elon Musk stieg 2004 als Investor und Aufsichtsratsvorsitzender ein. In aktuell drei Gigafactories werden drei Automodelle gebaut. In der vierten Gigafactory, welche in Grünheide erbaut wird, soll ab 2021 das Model Y gebaut werden. Später folgen andere Modelle. Ziel ist es in Grünheide bis zu 500.000 Fahrzeuge jährlich zu bauen. Dafür werden in der Endstufe etwa 12.000 Mitarbeiter in einem Dreischichtsystem arbeiten. Das 300 Hektar große Baugelände kostete 43 M €.

Damit die Gigafactory von Tesla überhaupt funktionieren kann, muss eine entsprechende Anbindung für Lieferungen und Abtransporte gewährleistet sein. Tesla gibt auf ihrer Website an, die tolle Schieneninfrastruktur für Warenlieferungen und Abtransporte nutzen zu wollen. Dafür spricht unter anderem die Existenz von sehr langen Abstellgleisen und einer guten Anbindung an das Schienennetz. Allerdings haben die Gleise auf dem Tesla Gelände die besten Jahre schon hinter sich. Dieses Problem soll mithilfe von Schotterzügen, welche schon im Bau sind (18.4.20), gelöst werden.

Um den Beschäftigten den Anschluss an das Tesla

Gelände zu ermöglichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hans Leitner seinerzeit Regionalbereichsleiter der Deutschen Bahn in Potsdam geht davon aus, dass etwa 80-90% der Tesla Belegschaft mit dem Auto zur Arbeit kommt. Dafür möchte Tesla etwa 2800 Parkplätze bereitstellen. Laut Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) würden dann zum Schichtwechsel 2828 Fahrzeuge abfahren und die gleiche Anzahl ankommen. Bisher gibt es nur eine Auf- und Abfahrt von der Autobahn A10, welche ein Großteil der Tesla Mitarbeiter nutzen wird. Um der zu erwartenden Belastung standzuhalten, ist eine zweite Autobahnanschlussstelle nördlich der Ausfahrt Freienbink geplant. Diese wird dann auch für die Warenlieferung und -abholung auf dem Landweg benutzt werden. Als sinnvoll erachtet wird ein Pendelverkehr mit Bussen von Erkner zum Tesla Gelände für Mitarbeiter ,welche die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen wollen. Grünheide wird von dem durch Tesla entstehenden Verkehr kaum betroffen sein. Deshalb ist weiterer Straßenausbau nicht nötig. Des Weiteren kann ich nach einem Ortsbesuch bestätigen, dass die Straßen noch in einem sehr gutem Zustand sind.

Die Tesla Ansiedelung wird eine erhöhte Einwohnerzahl Grünheides und des Landkreises mit sich bringen. Um dieser gerecht zu werden, müssen unter anderem neue Supermärkte und Schulen errichtet werden, so viele Kommunalpolitiker.

Dieser Aufwand dürfte sich auf jeden Fall lohnen, wie der nun folgende Teil verdeutlicht.

Das neue Tesla Werk in Grünheide wird von der Firma Arikon gebaut, welche ihren Hauptsitz in Berlin hat. Unklar ist bisher, wie viel Tesla das neue Werk kosten wird. Gerechnet wird mit Baukosten von 2 Milliarden Euro, da das Werk in Shanghai als Blaupause für das Werk in Grünheide gilt und etwa so viel kostete. Was die Baufirma Arikon dabei verdient ist unklar, auf jeden Fall wird es nicht wenig sein. Schließlich ist es eines ihrer Großprojekte. Das Land Berlin wird durch die entstehenden Gewerbesteuern den größten Teil an diesem Projekt verdienen. Durch die Beauftragung von Partnerfirmen seitens Arikon werden auch andere Bundesländer an dem Bau verdienen.

Durch den Bau von Teslas Gigafactory mussten bisher rund 90 Hektar Nutzwald gerodet werden, weitere 60 kommen im Herbst dazu. Jener Nutzwald ist ökologisch gesehen von kleiner Bedeutung. Tesla wird das Dreifache der gerodeten Fläche an anderer Stelle in der Nähe nachpflanzen. Diese Nachpflanzung liegt deutlich über dem gesetzlich geregelten Ausgleich.

Die Flächen, welche für die Aufforstung vorgesehen sind, befinden sich in ganz Brandenburg. Die Hälfte der neu zu pflanzenden Bäume sollen Laubbäume sein, sodass Mischwälder entstehen, welche ökologisch wertvoller sind als der zu rodende Kiefernforst. Außerdem wurden 400 Nistplätze außerhalb des zu rodenden Waldes angelegt und die Ameisenhügel und andere Tiere von Spezialisten umgesiedelt.

Diese Rodung war von zentraler Bedeutung da es ohne jene die Tesla Fabrik und die damit verbundenen Einnahmen nicht geben wird.

Die erste richtige Einnahmequelle für Grünheide ist der Grundstückserwerb von 43 Millionen € und der damit verbundenen Grunderwerbsteuer von 2,7 Millionen €. Nun stellt sich die Frage wohin mit dem Geld. Ein erster Gedanke wäre die Aufwertung der Infrastruktur. Benötigte Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind jedoch Landkreissache. Sie kosten Grünheide also nicht direkt Geld. Nach einem Ortsbesuch in Grünheide ist mir aufgefallenen, dass Grünheide sehr gepflegt wirkt. Es waren keine gröberen Mängel in der Infrastruktur zu entdecken. Viele Straßen sind in einem sehr guten Zustand, um nur ein Beispiel zu nennen. Somit bleibt Grünheide fast das ganze Geld aus dem Grundstücksverkauf für andere Maßnahmen.

Als sinnvoll erachten würde ich ein Ausbau des Tourismusstandorts Grünheide. Gerade für einen Aktivurlaub eignet sich die Region Grünheide unter anderem durch die Anbindung an verschiedene Seen, über welche man sogar nach Berlin auf dem Wasserweg gelangen kann. Das 448 Hektar große Naturschutzgebiet Löcknitztal eignet sich für eine Anzahl an Aktivitäten. Grünheide bringt also gute Voraussetzungen als Urlaubsort mit. Dies bestätigen auch die Übernachtungszahlen vom August 2017 welche sich auf 32.2011 Übernachtungen beliefen. Mit den Einnahmen von dem Grundstücksverkauf kann Grünheide sein Potenzial ausschöpfen und zu einem Konkurrenten für den Kurort Bad Saarow mit 48.8012 Übernachtungen im August 2017 am Scharmützelsee werden. Die Übernachtungszahlen werden auch durch Besucher und Leiharbeiter des Tesla Werkes weiter steigen, da jene eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen. Die höhere Übernachtungsanzahl wird in einem Ausbau der Hotelkapazitäten, der Freizeitangebote und der Gastronomie resultieren. Dies schafft neue Arbeitsplätze, welche auch für Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss sehr interessant sein können. Vo m Gebäudereiniger bis zum Securitypersonal, auch auf dem Tesla Gelände werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Die so entstandenen Arbeitsplätze werden durch die Erwirtschaftung von Einkommen wieder für Steuereinnahmen sorgen. Außerdem wird die Arbeitslosenzahl reduziert, da gerade nicht so hochqualifizierten Bürgern eine Chance gegeben wird Geld zu verdienen. Ich gehe von einem hohen Anteil lokaler Unternehmen bei der Erbringung dieser Leistungen aus. Somit kommen die Unternehmenssteuern wieder der Gemeinde und dem Land Brandenburg zugute, ein Devisenabfluss wird verhindert. So schön diese Entwicklung auch klingt, hat der statistische Wohlstandszuwachs auch negative Folgen. Eine dieser Folgen wird die Erhöhung des Quadratmeterpreises für Grundstücke und Wohnflächen als auch eine Erhöhung der Mieten sein. Das hat eine gewisse Gentrifizierung zur Folge. Diese Überlegung am Beispiel Grünheide kann auch auf andere Regionen Oder-Sprees, in welche Geld fließen wird, übertragen werden. Damit diese indirekten Arbeitsplätze entstehen, muss Tesla erst einmal Mitarbeiter anstellen und das Werk zum Laufen bringen. Im Moment ist noch unklar, woher Tesla seine Mitarbeiter rekrutieren kann. Natürlich eignet sich Berlin als Standort mit einer großen Anzahl an hochqualifiziertem Personal. Allerdings wird dieses Potential nicht reichen, so Experten. Da Tesla viele Fachkräfte benötigt, wird Tesla durch attraktive Stundenlöhne versuchen jene Fachkräfte abzuwerben. Dies könnte dann den Fachkräftemangel in anderen Regionen noch verstärken. Interessant ist außerdem, dass eine wichtige Voraussetzung für einen Arbeitsplatz bei Tesla gute Englischkenntnisse sind. Dadurch werden die Arbeitsplätze auch für internationale Fachkräfte interessant. Brandenburgs Wirtschaftsminister geht davon aus, dass Tesla eine internationale Belegschaft haben wird. Dies wird zu einem Zuzug nach Grünheide und Berlin führen. Man rechnet mit vielen jüngeren Mitarbeitern, für welche vor allem Berlin ein interessanter Ort zum Leben sein wird. Grünheide ist für Familien der attraktivere Wohnort. In jedem Fall wird es zu einer Bevölkerungszunahme in Grünheide und dem Landkreis kommen. Damit gehen dann wiederum auch höhere Steuereinnahmen für Grünheide und den Landkreis einher.

Diese könnten noch einmal durch einen Zuzug von anderen Unternehmen, die als Zulieferer für Tesla fungieren oder eine ähnliche Unternehmensphilospohie wie Tesla verfolgen, gesteigert werden. Ein denkbares Unternehmen wäre Michelin, da alle Tesla Modelle serienmäßig auf Reifen dieser Marke stehen. Bei 500.000 Autos im Jahr werden 2 Millionen Reifen benötigt. Bei dieser Menge ist durchaus eine eigene Fabrik denkbar. Dies hätte den Vorteil der extrem kurzen Wege zwischen Hersteller und Kunde. Gerade bei Reifen ist der Transport sehr teuer, da sie bedingt durch ihre Form viel Platz verbrauchen.

Ein gutes Beispiel für eine solche Entwicklung ist das Saarland, wo heute über 44.000 Arbeitsplätze an der Autobranche hängen. Angefangen hat alles mit der Eröffnung des Ford Werkes in Saarlouis im Jahre 1968. Mit etwa 6000 Arbeitsplätzen. 2018 macht Ford nur etwa 12 % der Beschäftigten im Automobilsektor im Saarland aus.

Wenn dieser Fall eintritt, würde Grünheide und dem Land Brandenburg noch einmal eine ganz andere Bedeutung im Rahmen der Automobilindustrie zukommen.

Um die bisher angesprochenen Faktoren nach ihrer Wirksamkeit bewerten zu können, nehme ich im Folgenden eine Modellrechnung vor.

Eckpunkte/Annahmen:

1. Für die Modellrechnung betrachten wir das Jahr 2023.
2. Außerdem gehen wir davon aus das Tesla Berlin-Brandenburg seinen Sitz aufgrund der geringen Steuerbelastung in Grünheide haben wird.
3. Die Mitarbeiter produzieren 300.000 Fahrzeuge im Jahre 2023. Einem Fahrzeug liegt ein Verrechnungspreis von je 25.000 € zugrunde, bei der angestrebten Produktionsmenge werden Fahrzeuge von 7.500 M € produziert.
4. Die 7.500 Mitarbeiter kosten Tesla 750 Millionen € jährlich. Ein Mitarbeiter kostet Tesla dabei T€ 100 jährlich. Diese Summe setzt sich zusammen aus dem Lohn von etwa 70.000 € 3 und einem Nebenkostenfaktor von 1,4. 4.1 Berechnet auf ein Einkommen von 70.000 € p.a. wird ein Steuersatz von 25 % 4 zugrunde gelegt. Das bedeutet, dass pro Mitarbeiter

[...]


1 https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/stat_berichte/2017/ SB_G04-08-00_2017m08_BB.pdf S. 7

2 https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/stat_berichte/2017/ SB_G04-08-00_2017m08_BB.pdf S. 8

3 In der Automobilindustrie verdient man als Fach- und Führungskraft im Schnitt T€68 jährlich https:// www.welt.de/wirtschaft/karriere/article199612650/Gehaeltervergleich-So-gut-zahlt-die-Autoindustrie.html

4 setzt sich aus einem Steuersatz von 30% (nicht verheiratete) und 20% (verheiratete) zusammen

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Details

Titel
Auswirkungen des Teslawerks Grünheide. Die Rettung einer strukturschwachen Region?
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V741689
ISBN (eBook)
9783346216915
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tesla: Tesla Gigafactory 4, Tesla Berlin
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Anonym, 2020, Auswirkungen des Teslawerks Grünheide. Die Rettung einer strukturschwachen Region?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/741689

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