Für viele gehören Phrasen wie Globalisierung, Flexibilisierung, Deregulierung und Mobilität zu modernen Schlagwörtern, die in Politik und Medien immer wiederkehren, über deren Aktualität, Zusammenhänge und Auswirkungen sich aber die wenigsten bewusst sind. In seiner Regierungserklärung vom 16.06.1999 zum Thema „Globalisierung gemeinsam gestalten“ skizzierte Bundeskanzler Gerhard Schröder kurz und knapp, dass einerseits Globalisierung ein Prozess ist, der vor allem auf dem Wandel der Technik beruht und von diesem beschleunigt wird, andererseits dieser Veränderungsprozess jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Weltwirtschaft und Städte und Staaten außerhalb von Deutschland und Europa hat, sondern direkten Einfluss auf den Alltag der in Deutschland lebenden Bevölkerung nimmt.
Jeder ist auf unterschiedliche Weise und auf verschiedenen Ebenen mit weitreichenden oder kurzfristigen Auswirkungen in diese Wandlungsdynamik miteinbezogen, da sie in die Arbeits- und Gesellschaftsverhältnisse hineinwirkt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Veränderungen der Arbeits- und Lebensverhältnisse im Rahmen der Globalisierung darzustellen, indem wir ihre Entwicklung von der vorindustriellen Gesellschaft bis zur modernen Gesellschaft beschreiben und die Änderungen der Verhältnisse und die damit verbundenen Auswirkungen unter dem besonderen Augenmerk der Flexibilisierung und Deregulierung in Raum und Zeit hin untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wandel der Arbeitsverhältnisse
2.1 Vom Familienbetrieb zum Industrieunternehmen
2.2 Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
2.2.1 „Stabile Vergangenheit“ – Die Nachkriegszeit
2.2.1.2 Der räumliche Rahmen
2.2.1.3 Der zeitliche Rahmen
2.2.2 Flexible Gegenwart
2.2.2.1 Das Verständnis von Arbeit
2.2.2.2 Räumliche Mobilität
2.2.2.3 Zeitliche Flexibilität
2.3 Auswirkungen der veränderten Arbeitsverhältnisse auf Identität, Selbstverständnis und Lebensverhältnisse
3. Der Wandel der Lebensverhältnisse
3.1. Arbeit und die persönliche Identität
3.2. Mobilität und Flexibilität
3.3. Familienplanung und der Zwang zur Mobilität
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen der Arbeits- und Lebensverhältnisse im Kontext der Globalisierung. Dabei wird die historische Entwicklung von der vorindustriellen bis zur modernen Gesellschaft analysiert, um die Auswirkungen von Flexibilisierung und Deregulierung auf den Einzelnen und das soziale Gefüge zu beleuchten.
- Historische Entwicklung von Arbeitsstrukturen
- Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitswelt
- Räumliche Mobilität und zeitliche Flexibilität
- Veränderungen der persönlichen Identität durch Erwerbsarbeit
- Spannungsfeld zwischen Karriereanforderungen und Familienplanung
Auszug aus dem Buch
2.1 Vom Familienbetrieb zum Industrieunternehmen
Die ersten einschneidenden und Gesellschaft umwälzenden Veränderungen und Einschnitte im Arbeitsleben der in Deutschland lebenden Bevölkerung gab es mit der einsetzenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz veränderten sich nicht nur die Stellung der Familie und die Lebensverhältnisse sondern auch die Art und Weise der Arbeit.
Das Arbeitsleben der vorindustriellen Gesellschaft sah wie folgt aus: Die Familie war der Kern der Verbindung von Hausgemeinschaft und Arbeitsstätte, in der häufig drei Generationen unter einem Dach zusammenlebten, zu denen man Gesinde, Gesellen und Lehrlinge hinzurechnen musste. Es herrschte eine gewisse Arbeitsteilung, welche patriarchalisch organisiert war. Diese Arbeitsorganisation produzierte primär subsistenzwirtschaftlich.
Die Arbeit in dieser kleinen Zelle war gekennzeichnet von Familiarität, aber auch von Sicherheit und Stetigkeit und einem gewissen Ausgleich; ein Zustand, der sich mit der Phase der Industrialisierung ändern sollte. Zwar kannte man auch schon zu dieser Zeit, dass Arbeit bis zur Erschöpfung verrichtet werden musste und man vom Rhythmus der Natur abhängig und auf das Gutdünken des Grundherrn angewiesen war; auch die Not und Zwänge der Marktverhältnisse waren bekannt, jedoch konnte der Haushaltsvorstand noch zu einem gewissen Maß über Arbeitszeit und Arbeitsteilung selber entscheiden, und die Beziehung zwischen „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ war aufgrund der Familienkonstellation persönlicher und direkter.
Sowohl der zeitliche Rahmen als auch der räumliche waren recht klar abgesteckt. Man stand mit der Sonne auf und legte die Arbeit nieder, wenn die Sonne unterging. Die zu erledigende Arbeit richtete sich Jahr aus Jahr ein nach den Jahreszeiten: im Sommer arbeitete man im Garten und auf dem Feld, im Winter im Haus. Das Leben spielte sich im Dorf ab, dessen Mittelpunkt die Kirche und der Brunnen waren. Hier traf man sich, tauschte Informationen aus, bot Naturalien an und nahm am gesellschaftlichen Leben teil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Globalisierung, Flexibilisierung und Deregulierung ein und definiert das Ziel, die Entwicklung der Arbeits- und Lebensverhältnisse zu analysieren.
2. Der Wandel der Arbeitsverhältnisse: Dieses Kapitel betrachtet die historische Entwicklung von der vorindustriellen Zeit über die Nachkriegszeit bis zur Gegenwart und thematisiert die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit.
3. Der Wandel der Lebensverhältnisse: Dieses Kapitel beleuchtet, wie der Wandel der Arbeitswelt die persönliche Identität, die Mobilität und die Familienplanung der Menschen maßgeblich beeinflusst.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Arbeitsverhältnisse, Lebensverhältnisse, Flexibilisierung, Deregulierung, Mobilität, industrielle Revolution, Identität, Selbstverständnis, Erwerbsarbeit, Familienplanung, postfordistischer Kapitalismus, prekäre Beschäftigung, Netzwerkorganisation, Arbeitspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Arbeits- und Lebensverhältnisse in Deutschland unter dem Einfluss der Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Erwerbsarbeit, die zunehmende räumliche und zeitliche Flexibilität sowie die Auswirkungen dieser Prozesse auf soziale Strukturen und die Familie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse zu beschreiben und zu untersuchen, wie Flexibilisierung und Deregulierung die Lebensweise und Identität des Einzelnen verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Einbeziehung soziologischer Studien, um den Wandel der Arbeitsgesellschaft zu belegen und zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird detailliert auf die Veränderung des Arbeitsbegriffs, den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und die Auswirkungen auf Familienstrukturen eingegangen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Globalisierung, Flexibilisierung, Arbeitsverhältnisse, Mobilität, Identität, Prekarität und sozialer Wandel.
Was besagt die Theorie des "flexiblen Menschen" nach Sennett in diesem Kontext?
Die Arbeit nutzt Sennetts Konzept, um aufzuzeigen, wie das postfordistische Modell die traditionelle Loyalität und Sicherheit am Arbeitsplatz durch Kurzfristigkeit und ständige Rotation ersetzt.
Wie wirkt sich die moderne Arbeitswelt auf die Familienplanung aus?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Zwang zur räumlichen und zeitlichen Mobilität und die prekäre berufliche Situation die Sesshaftigkeit erschweren, was zu einem Konflikt mit dem Wunsch nach Familienplanung führt.
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- Lars Berghaus (Author), Steffen Engelhardt (Author), 2004, Globalisierung - Die Veränderung der Arbeits- und Lebensverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74219