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Fundamentalismus im Nord-Süd-Konflikt

Title: Fundamentalismus im Nord-Süd-Konflikt

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Eike Freese (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Nimmt man die Berichterstattung in den Medien zum Maßstab, hängt das weltgesellschaftliche Wohl und Wehe vor allem von zwei Faktoren ab: Der Börse und den Bombenanschlägen islamistischer Terroristen. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und vor allem nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hat die Bedeutung des gegenwärtigen Kapitalismus und des Fundamentalismus tatsächlich zugenommen: Ihre Bedrohungen sind näher gerückt.
Dass der Fundamentalismus besonders in Ländern wie Saudi-Arabien, Ägypten, Algerien und Nigeria zu politischem Einfluss gekommen ist, also in Ländern, die der westlichen Welt historisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich eher nahe stehen, ist sicher kein Zufall: Fundamentalismus als kulturelle Defensive braucht eine kulturelle Offensive, auf die er reagieren kann.
Mit zwei Theorien über den Fundamentalismus will sich diese Arbeit kritisch auseinandersetzen: Zum einen mit der Erklärung, Fundamentalisten seien Klassenkämpfer, die den Nord-Süd-Konflikt als ökonomischen Konflikt betrachten und den Fundamentalismus als ideologisches Vehikel nutzen, um wirtschaftliche Machtverhältnisse umzukehren. Zum anderen mit der Annahme, Fundamentalisten seien bärtige Traditionalisten, die sich die Welt des Mittelalters in einem Aufstand gegen Aufklärung und Moderne zurückerkämpfen.
Stattdessen soll der Fundamentalismus als Milieu mit seinen sozialen Ursachen dargestellt werden und auf seine Funktion für den Einzelnen befragt werden. Diese Perspektive kann sein Auftreten sowohl in den Industrienationen als auch in den Ländern der Dritten Welt erhellen, unabhängig von der jeweiligen Religion seiner Anhänger.
In einem zweiten Schritt soll die islamische Welt als paradigmatischer Fall für den Fundamentalismus der Dritten Welt und als dringendstes Beispiel für die Bedrohungen durch den Fundamentalismus dargestellt werden.
Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse über revitalisierte, politisierte und radikalisierte Religion in einen weltgesellschaftlichen Rahmen gestellt, um die Zusammenhänge zwischen Nord-Süd-Konflikt und religiösem Fundamentalismus deutlicher zu machen.

Ein "Angriff auf die gesamte zivilisierte Welt" wurden die Anschläge islamistischer Fundamentalisten von 11. September 2001 genannt. Sich diese Welt zum Feind zu machen, bedarf für einen Menschen entweder guter Gründe oder starker Ursachen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sozialprofil fundamentalistischer Bewegungen

a.) Marginalisierte Mittelschichten

b.) Intellektuelle

c.) Unterschichten

III. Allgemeine Merkmale des fundamentalistischen Kulturmilieus

a.) Autoritäre und patriarchale Herrschaftsstrukturen

b.) Urbane Gesellschaft

c.) Klassenheterogenes Kulturmilieu

d.) Die Kritik an der bestehenden Gesellschaft und der „Feind“

e.) Apokalyptisches Geschichtsverständnis

f.) Politische Ambitionen

g.) Fazit

IV. Der Fundamentalismus der islamischen Welt

a) Historische Perspektive: Der Sechs-Tage-Krieg

b) Die politische Krise der islamischen Welt: Innere und äußere Konflikte

c) Die sozioökonomische Krise: Sozialer Wandel

d) Die kulturelle Krise und die Revitalisierung des Islam

V. Fundamentalismus und Nord-Süd-Konflikt

a) Globale Revitalisierung von Religion

b) Globalisierung von Kultur und Revitalisierung von lokaler Kultur

c) Die globalisierte Kultur des Nordens und die kulturelle Defensive des Südens

VI. Schluss

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die soziologische Fundierung des Fundamentalismus als ein weltweites Milieu, das primär durch kulturelle Abwehrreaktionen gegenüber der Moderne geprägt ist, und analysiert dessen Rolle innerhalb des Nord-Süd-Konflikts unter besonderer Berücksichtigung der islamischen Welt.

  • Soziale Ursachen und Trägerschichten fundamentalistischer Bewegungen
  • Strukturelle Merkmale fundamentalistischer Kulturmilieus
  • Die islamische Welt als paradigmatischer Fall für religiöse Krisenbewältigung
  • Das Spannungsfeld zwischen Globalisierung und lokaler kultureller Defensive
  • Die Funktion der Religion als Identitätsstifter in einer unsicheren Welt

Auszug aus dem Buch

a.) Autoritäre und patriarchale Herrschaftsstrukturen

Fundamentalistische Bewegungen zeichnen sich durchgehend durch eine stark autoritäre, nicht-demokratische Herrschaftsstruktur aus. Gegen einen kulturellen Relativismus und den Zerfall absoluter Werte, gegen demokratisches Chaos und sinnentleerte Bürokratie stellen Fundamentalisten „Texte und Ereignisse der Vergangenheit, auf die man sich autoritativ und mit absoluter Überzeugung verlassen könne.“ Diese Handlungsgrundlagen müssen gekannt, selektiert und vermittelt werden durch die entsprechende Institution oder die entsprechende Person: Ihr Einfluss auf das Denken und Handeln der Gruppenmitglieder wird gesteigert durch den Absolutheitsanspruch der religiösen Lehre für das Leben und die heilsgeschichtliche Dramatisierung der fundamentalistischen Lebenswelt.

Die Unterscheidung zwischen einem charismatischen und einem legalistisch-literalistischen Fundamentalismus spielt dabei für die Form der Herrschaftsstruktur nur eine unwesentliche Rolle, immer sind Geschlecht und Bildungsniveau vorrangige Kriterien für die Bildung fundamentalistischer Herrschaft: Führer sind zumeist männliche Mittelschichtsangehörige. Die traditionelle Ideologie der meisten Religionen bringt eine fundamentale Unterscheidung der Geschlechter mit sich: „Fundamentalisten, Männer wie Frauen, sind davon überzeugt, dass eine patriarchale Gesellschaftsform dem Willen Gottes entspricht.“ Die patriarchale Tradition verbindet sich mit der fundamentalistischen Notwendigkeit einer straff geführten, autoritären Führung. Gleichzeitig sind es vor allem in den Ländern der Dritten Welt Männer, die einen privilegierten Zugang zu Bildungseinrichtungen genießen und nicht zuletzt auch aufgrund der traditionellen Rollenklischees als Führer und Prediger eher ernst genommen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Problematik des Fundamentalismus als Symptom einer Krise und Abgrenzung gegen rein ökonomische Erklärungsmodelle.

II. Sozialprofil fundamentalistischer Bewegungen: Analyse der klassenübergreifenden Zusammensetzung der Anhängerschaft, unterteilt in Mittelschichten, Intellektuelle und Unterschichten.

III. Allgemeine Merkmale des fundamentalistischen Kulturmilieus: Untersuchung gemeinsamer soziologischer Charakteristika wie Autoritarismus, Apokalyptik und Kritik am moralischen Verfall.

IV. Der Fundamentalismus der islamischen Welt: Vertiefende Analyse der spezifischen historischen, politischen und sozioökonomischen Faktoren, die den islamischen Fundamentalismus begünstigen.

V. Fundamentalismus und Nord-Süd-Konflikt: Verortung der religiösen Revitalisierung als globale Gegenbewegung zur kulturellen Invasion des Nordens.

VI. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Attraktivität fundamentalistischer Ideologien in der Dritten Welt und Ausblick auf mögliche Transformationsprozesse.

Schlüsselwörter

Fundamentalismus, Nord-Süd-Konflikt, Islam, Kulturmilieu, Moderne, Identität, Soziale Ungleichheit, Globalisierung, Autoritarismus, Religionssoziologie, Traditionalismus, Politische Krise, Kulturkrise, Ideologie, Säkularisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den religiösen Fundamentalismus als weltweites soziologisches Phänomen und untersucht insbesondere dessen Verflechtung mit dem Nord-Süd-Konflikt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die sozialen Ursachen des Fundamentalismus, das Milieu seiner Anhänger, seine strukturellen Merkmale und die spezifische Ausprägung innerhalb der islamischen Welt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Fundamentalismus nicht nur als ökonomischer Klassenkampf zu verstehen ist, sondern primär als kulturelle Abwehrreaktion in einer globalisierten Welt fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kultursoziologische Analyse, um das fundamentalistische Milieu zu beschreiben und die Funktionen der Religion für den Einzelnen und die Gesellschaft zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Sozialprofils, allgemeiner Merkmale wie Herrschaftsstrukturen, eine Fallstudie zum islamischen Fundamentalismus sowie die Einbettung in den globalen Nord-Süd-Konflikt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fundamentalismus, Identität, Nord-Süd-Konflikt, kulturelle Defensive, Moderne und soziale Krise.

Warum betrachten die Autoren den Fundamentalismus im Islam als besonders drängendes Problem?

Aufgrund der großen Anzahl der betroffenen Menschen und der weltpolitischen Bedeutung ist der islamische Fundamentalismus ein zentraler Krisenherd für die politisierte Religiosität der Gegenwart.

Spielt der materielle Wohlstand eine entscheidende Rolle für die Entstehung von Fundamentalismus?

Ja, ökonomische Krisen sind ein Faktor, jedoch betonen die Autoren, dass diese Krisen durch die Fundamentalisten primär moralisch und kulturell und nicht rein ökonomisch gedeutet werden.

Was ist das „apokalyptische Geschichtsverständnis“ in diesem Kontext?

Es ist die Überzeugung der Fundamentalisten, in einer Endzeit zu leben, in der sie durch den Rückgriff auf heilige Texte und absolute moralische Werte gegen den „Verfall“ der Moderne ankämpfen müssen.

Gibt es Hoffnung auf ein Abklingen der fundamentalistischen Strömungen?

Die Autoren weisen darauf hin, dass in einigen Ländern, in denen Fundamentalismus Staatsdoktrin ist, Öffnungsbewegungen signalisieren könnten, dass eine langfristige Stabilisierung durch diese Ideologie allein nicht möglich ist.

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Details

Title
Fundamentalismus im Nord-Süd-Konflikt
College
University of Tubingen  (Institut für Soziologie)
Course
Soziale Ungleichheit und Interessenartikulation heute
Grade
1,0
Author
Eike Freese (Author)
Publication Year
2002
Pages
35
Catalog Number
V74285
ISBN (eBook)
9783638690393
ISBN (Book)
9783638776653
Language
German
Tags
Fundamentalismus Nord-Süd-Konflikt Soziale Ungleichheit Interessenartikulation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eike Freese (Author), 2002, Fundamentalismus im Nord-Süd-Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74285
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