Der Wohnsuburbanisierungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland und seine Folgen für die Kernstädte


Essay, 2004
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Wohnsuburbanisierungsprozess

Folgen und Probleme des Wohnsuburbanisierungsprozesses

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ein zentrales und konstantes Grundmuster bundesdeutscher Raumentwicklung ist der anhaltende Prozess der Wohnsuburbanisierung (Wsu.). Dieser intraregionale Dekonzentrationsprozess der Bevölkerung zugunsten eines Wanderungsgewinns des Umlandes gegenüber der Kernstadt[1]zeichnet sich seit Beginn der neunziger Jahre durch eine steigende Dynamik, eine verstärkten Diversifizierung und eine zunehmende soziale Heterogenität aus. Dabei stellt der Wohnsuburbanisierungsprozess die Kernstädte vor eine Vielzahl von Problemen, die sowohl ökonomischer und ökologischer, als auch soziodemographischer Natur sind. Die Entwicklungsdynamik des Wohnsuburbanisierungsprozesses, die daraus resultierenden Probleme für die Kernstädte, sowie mögliche Maßnahmen um diesen Problemen entgegenzuwirken sollen in den Fokus dieses Essays gestellt werden.

Der Wohnsuburbanisierungsprozess

Der Prozess der Wsu. umfasst die Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt, dem ländlichen Raum oder anderen metropolitanen Gebieten in das städtische Umland, bei gleichzeitiger Reorganisation der Verteilung von Nutzungen und der Bevölkerung in der gesamten Fläche des metropolitanen Gebietes[2]. Wsu. im Speziellen ist dabei als die Suburbanisierung der Bevölkerung unter dem Aspekt des Wohnens zu verstehen, also die Verlagerung der Wohnungsfunktion in das städtische Umland. Die direkte Randwanderung aus der Kernstadt in das städtische Umland ist bei der Betrachtung des Wohnsuburbanisierungsprozesses jedoch als zentraler, aller unter ihr stattfindenden Wanderungsprozesse, zu verstehen. Obwohl der Wohnsuburbanisierungsprozess hier im Zentrum der Betrachtung steht, muß man sich vergegenwärtigen, daß die verschiedenen Suburbanisierungsprozesse meist nicht unabhängig voneinander stattfinden, sondern vielmehr einander bedingen, beeinflussen und auch verstärken können.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Wohnsuburbanisierungsprozess erstmals zu Beginn der sechziger Jahre deutlich und hielt bis Anfang der siebziger Jahre an. Die Konzentration der Bevölkerung in den Großstädten, hervorgerufen durch ein starkes Bevölkerungswachstum, führte zu einem hochverdichteten Wohnen. Die überdurchschnittlich expandierende Wirtschaft wiederum bewirkte nicht nur die Konzentration ökonomischer Aktivitäten in den Innenstädten, sondern führte darüber hinaus zu einem hohen Anstieg der Grundstückspreise und Mieten in der Stadt, da die gewerbliche Nutzung des in den Innenstädten stark begrenzten Bodens höhere Renditen versprachen. Die Folge der zunehmenden räumlichen Enge war die Verdrängung bezahlbarer und ausreichender Wohnungsflächen aus den Kernstädten. Diese Entwicklung kann als Auslöser des Suburbanisierungsprozess der sechziger und siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland gewertet werden. Eine nicht weniger wichtige Voraussetzung in diesem Zusammenhang war die zunehmende Motorisierung der Bevölkerung, welche die räumliche Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz weiter begünstigte[3].

Erst mit Beginn der neunziger Jahre zeichnete sich in den Alten Bundesländern ein neuerlicher Wohnsuburbanisierungstrend ab, der sich in seiner Qualität und Dynamik im Vergleich zu dem der sechziger und siebziger Jahre jedoch deutlich gewandelt hatte. Während für den Wohnsuburbanisierungsprozess der sechziger und siebziger Jahre eine hohe soziale Selektivität charakteristisch war, die in der vornehmlichen Abwanderung von jungen überdurchschnittlich verdienenden Familien mit Kindern und dem Wunsch nach Erwerb von Eigenheimen zum Ausdruck kam, ist die Phase seit Beginn der neunziger Jahre durch stark diversifizierte Haushaltsstrukturen und zunehmende soziale Heterogenität gekennzeichnet[4]. Der Wandel der Haushaltsstrukturen hin zu Zweipersonen- und Singlehaushalten ist dabei nicht nur auf eine Veränderung der Wohnortpräferenzen zurückzuführen, sondern vielmehr auch auf eine generelle Veränderung der Haushaltsstrukturen. Ein weiterer Unterschied ist auch bei der Wohnform und dem Wohnstatus auszumachen. Die Abwanderung in das städtische Umland ist nicht mehr primär mit dem Erwerb von Eigenheimen verbunden, denn die überwiegende Zahl von Suburbaniten zieht mittlerweile zur Miete in Mehrfamilienhäuser oder Wohnungen und sieht diesen Weg als kostengünstige Alternative oder als Zwischenlösung auf dem Weg zum Erwerb eines Eigenheims. Mit der größeren Streuung des Wohnraumangebots ist auch die zunehmende soziale Heterogenität zu erklären, da nunmehr auch ein größeres Spektrum der Bevölkerung aus den Kernstädten angesprochen wird. Charakteristisches Kennzeichen für die ansteigende Wsu. in den neunziger Jahren ist die Radiuserweiterung des Umlandes[5], also eine intraregionale Suburbanisierungstendenz[6], gekennzeichnet durch die Abwanderung von vorwiegend Suburbaniten der zweiten Generation in das weitere Umland.

[...]


[1]Dangschat, J. / Herfert, G. 1997: Wohnsuburbanisierung im Umland von Oberzentren 1993-1995; in: Atlas BRD Pilotband, Institut für Länderkunde (Hrsg.), Leipzig, 1997; S.58

[2]Friedrichs, J. 1995: Stadtsoziologie; Opladen; S. 99

[3]Friedrichs, J. 1983: Stadtanalyse: Soziale und räumliche Organisation der Gesellschaft; S.182

[4]Brake, K. / Dangschat, J. / Herfert, G. (Hrsg) 2001: Suburbanisierung in Deutschland; Opladen; S. 43

[5]Brake, K. / Dangschat, J. / Herfert, G. (Hrsg) 2001: Suburbanisierung in Deutschland; Opladen; S. 46/47

[6]Böltken, F. 1995: Muster räumlicher Mobilität in Stadtregionen. In: Verband Deutscher Städtestatistiker (Hrsg): Jahrebericht 1995,

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Wohnsuburbanisierungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland und seine Folgen für die Kernstädte
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Grundkurs
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V74318
ISBN (eBook)
9783638712712
ISBN (Buch)
9783656235248
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohnsuburbanisierungsprozess, Bundesrepublik, Deutschland, Folgen, Kernstädte, Grundkurs
Arbeit zitieren
Christian Blume (Autor), 2004, Der Wohnsuburbanisierungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland und seine Folgen für die Kernstädte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74318

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