"Der König von Narnia" als Projekt für den Religionsunterricht


Seminararbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Medium Film
2.1 Filme im Unterrichtsalltag
2.2 Film als Basis eines Lernprozesses
2.3 Medienkompetenz

3. „Der König von Narnia“ als Projekt im Religionsunterricht
3.1 Didaktische und methodische Grundbedingungen des Projekts „Der König von Narnia“
3.2 Gruppe 1: Wer ist Gott?
3.3 Gruppe 2: Sünde und Verrat

4. Unterrichtsausarbeitungen der beiden Gruppen.
4.1 Gruppe 1: Wer ist Gott?
4.2 Gruppe 2: Sünde und Verrat

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Religionsunterricht in der Sekundarstufe [1] soll Orientierungshilfe bei essentiellen Fragen sein: Probleme wie der Ursprung der Dinge, der Sinn des Lebens und der Tod als das Ende des Lebens werden vom evangelischen Religionsunterricht, zusammen mit dem katholischen Religionsunterricht und dem Philosophieuntericht wahrgenommen und behandelt. Dabei wird der evangelische Religionsunterricht den im Grundgesetz verankerten Ansprüchen auf freie Persönlichkeitsentfaltung[1] Art. 2,1 GG) und Religionsfreiheit[2] (Art. 4,1 GG) insofern gerecht, als dass er sich mit den Grundlagen, Bedingungen und Möglichkeiten menschlicher Existenz in Ansehung von christlich-evangelischen Traditionen beschäftigt, sie aber bewusst nur als möglichen und nicht einzigen Zugang zu den behandelten Problemen versteht. Der evangelische Religionsunterricht sieht sich also als Angebot, sich grundlegenden Fragen des Lebens auf christlich-evangelischen Bahnen zu nähern – als Angebot, das für alle Schülerinnen und Schüler frei und ohne Verpflichtung, inhaltlich aber klar definiert ist.

Fundament des Unterrichts und damit Grundlage und Quelle christlich-evangelischer Traditionen sind das Evangelium und die reformatorischen Bekenntnisse.

Diese dem Lehrplan[3] für die Sekundarstufe [1] entnommene Charakterisierung macht deutlich, dass biblische Texte als Träger christlicher Traditionen als Unterrichtsgegenstand unumgänglich sind.

Die Aktualität biblischer Texte ist gerade für Schülerinnen und Schüler jüngeren Alters oft nicht ohne weiteres nachzuvollziehen – biblische Geschichten bergen für Kinder viele Hürden, nicht zuletzt sprachliche. Dass biblische Motive in vielen Lebensbereichen zu finden sind, unter anderem auch in einem modernen Fantasy-Film ist nicht nur eine erfrischende Erkenntnis für Kinder, sondern auch eine Vorlage, die sich zur Verwendung im Religions- oder Konfirmandenunterricht förmlich aufdrängt.

Das zuerst verfasste Buch der von C.S. Lewis verfassten Reihe „Die Chroniken von Narnia“ wurde im Jahre 2005 von Disney Pictures verfilmt. „Der König von Narnia“ war im Jahre 2005 der weltweit dritterfolgreichste Film und wurde 2006 mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar für das beste Makeup, der BAFTA-Award 2006 für Makeup und Haar und die Saturn-Awards für Makeup und Kostümdesign.[4]

Er führt die Protagonisten Peter, Susan, Edmund und Lucy, die während des zweiten Weltkrieges im Zuge der Kinderlandverschickung im Anwesen des Professors Digory Kirke die deutschen Bombenangriffe abwarten sollen, in eine andere Welt, die sie durch einen zufällig entdeckten Wandschrank betreten. In Narnia, einem winterlichen Märchenland, geraten sie in den Konflikt zwischen der weißen Hexe Jadis, die das Land verzaubert und in ihrer Gewalt hat und Aslan, dem König von Narnia, mit dem sie versuchen, den Fluch der Hexe zu brechen und Narnia zu befreien.

Obwohl Lewis sich deutlich davon distanzierte, die „Chroniken von Narnia“ als Werkzeug, Kindern das Christentum näherzubringen, geschaffen zu haben, ist die Fülle an theologischen Themen und christlichen Symbolen im Buch wie im Film kaum zu übersehen.[5]

In einer Zeit, in der das Medium Film an Popularität gewinnt und unter Jugendlichen immer weniger gelesen wird, ist davon auszugehen, dass ein mit religiösen Symbolen aufgeladener Film wie „Der König von Narnia“ für manche Jugendliche die erste Begegnung mit christlichen Grundbegriffen und Motiven sein kann.

Die optisch aufwändige Disney-Verfilmung aus dem Jahre 2005 ist im Gegensatz zur mehrbändigen Buchreihe gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler leicht zugänglich.

In dieser Arbeit sollen nach einer grundlegenden didaktischen Bewertung des Mediums Film, speziell für den Schulunterricht, geeignete Motive, die im Film auftauchen und eine biblische Vorlage haben für einen möglichen Einsatz des Filmes im Religionsunterricht herausgearbeitet, kritisch diskutiert und schließlich in Form von konkreten Unterrichtsvorbereitungen verarbeitet werden.

Es bietet sich an, den „König von Narnia“ in der Schule Schülerinnen und Schülern vorzuführen, die der Zielgruppe des Films entsprechen, also 10-15 Jahre alt sind. Ältere Schüler könnten von der einfachen und schnell durchschaubaren Geschichte unterfordert und gelangweilt werden.

Die Eignung für eher jüngere Schüler ist kein Qualitätskriterium, sondern einfach eine Eigenschaft des Films „Der König von Narnia“, der eindeutig als Kinderfilm konzipiert ist.

Will man religiöse Thematiken im Film mit älteren Schülerinnen und Schülern im Unterricht aufgreifen, bieten sich andere Filme an.

2. Das Medium Film

2.1 Filme im Unterrichtsalltag

Betrachtet man das Medium Film als Zugang zu Problemfeldern, die im Schulunterricht behandelt werden sollen, ist zunächst anzumerken, dass ein Film aufgrund seiner Länge in der schulischen Praxis nur schwer handhabbar ist. Allein das Anschauen eines Films verschlingt mindestens zwei, wahrscheinlich eher drei Schulstunden. Nach der bloßen Rezeption des Films folgt die Verarbeitung und Diskussion der im Film gewonnenen Eindrücke, was wiederum, je nach Film und Thematik, mindestens die selbe Zeit in Anspruch nimmt. Eine weitere Schwierigkeit, die bei der Benutzung des Mediums Film im Unterricht zu bedenken ist, sind die langen Pausen, die auftreten, wenn der Film nicht an einem Stück gezeigt werden kann und das unterrichtete Fach kein Hauptfach ist, also im schlimmsten Fall erst wieder in einer Woche auf dem Stundenplan steht. Durch den großen Zeitraum, der dann zwangsläufig zwischen den Unterrichtsstunden entsteht, gehen Eindrücke verloren und müssen vor dem Anschauen der zweiten Filmhälfte mühsam rekonstruiert werden, um einen sinnvollen Anschluss an diese zu ermöglichen, was wiederum wertvolle Minuten kostet. Sofern man nicht den ganzen Film, sondern nur einzelne Szenen zum Unterrichtsgegenstand machen will, bietet sich hier die DVD als Format an, das den schnellen und bequemen Zugriff auf Einzelszenen ermöglicht.

Für einen kompletten Film als Gegenstand des Unterrichts ist der ideale Einsatzort ein projektartiges Unterrichtsformat, das lange Zeiträume ohne Pausen bietet, so dass der Film möglichst selten unterbrochen werden muss.

Die Verwendung des Mediums Film bringt neben der Problematik des Zeitmanagements auch noch die Möglichkeit mit sich, in Verdacht zu geraten, Unterrichtszeit möglichst einfach füllen zu wollen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es diesen Missbrauch durchaus gibt.

Allerdings ist damit über die Eignung des Mediums nichts ausgesagt – wenn die auf einem Film basierende Unterrichtseinheit pädagogisch und didaktisch durchdacht ist, kann das Zeigen eines Spielfilms den Unterricht durchaus bereichern, nicht zuletzt in methodischer Hinsicht.

Um dem Verdacht des „bequemen Pädagogen“ zu begegnen und den Einsatz eines Filmes im Unterricht zu einem Erfolg werden zu lassen, ist die besagte pädagogische und didaktische Strukturierung der Unterrichtseinheit unbedingt notwendig. Konkret bedeutet das: Die Schüler/Innen dürfen sich nicht nur „berieseln“ lassen, sondern sollten Arbeitsaufträge bekommen und auf bestimmte Thematiken oder Zeichen im Film besonders achten. Die Ergebnisse dieser Arbeitsaufträge müssen dann später zur Basis der Arbeit mit dem Film im Unterricht werden.

2.2 Film als Basis eines Lernprozesses

Traditionsgemäß ist das Medium Film, insbesondere der Spielfilm, als Unterrichtsgegenstand verpönt und wird oft als „seichte Unterhaltung“ abgestempelt, die dem Gehalt und der Vielschichtigkeit von Literatur in Buchform nicht das Wasser reichen kann. Ohne noch grundlegender auf die Legitimation des Films im Schulunterricht und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Film und Literatur einzugehen, soll hier kurz angemerkt sein, dass ein Film genau wie ein Buch durch die Freude am Schauen, an der Bewegung, an Farben und Musik ein ästhetisches Gesamterlebnis bieten kann, zu dem der Zugang gerade für Schüler/Innen leicht und attraktiv ist, die kein gutes und einfaches Verhältnis zu Literatur haben. Im besten Fall gibt der Film die Anregung, das dazugehörige Buch zur Hand zu nehmen.

Und dieses ästhetische Gesamterlebnis ist umso wertvoller für den Lernprozess, je mehr Unterrichtsteilnehmer es haben und sich dadurch auf gleichem Niveau aktiv beteiligen können.

Natürlich ist die Untersuchung eines Films in der Schule keine einfache und vollwertige Alternative zum Literaturunterricht, dennoch hat er, wenn er geeignet ist, als „Vehikel“ zu bestimmten Themen durchaus seinen Platz im Unterricht.

2.3 Medienkompetenz

Ein weiteres Argument für die Verwendung des Mediums Film im Schulunterricht ist der in der Öffentlichkeit immer lauter werdende Ruf nach Medienkompetenz. Neben dem in den Lehrplänen grundsätzlich verankerten Ziel, mit den behandelten Stoffen vertraut zu sein (Fachkompetenz), ist die Fähigkeit, zu einem sicheren Umgang mit den allgegenwärtigen Medien in der Lage zu sein, ein nicht zu vernachlässigendes Lernziel. Dieses Lernziel kann in der Schule nur dann erreicht werden, wenn das Medium Film nicht als notorischer „Buhmann“ abgestempelt, sondern zum Gegenstand des Unterrichts und kritischer Betrachtung gemacht wird. Soll Schulunterricht also zum sicheren Umgang mit Filmen befähigen, ist ein Spielfilm als Unterrichtsobjekt ein nützlicher, wenn nicht sogar notwendiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.

3. „Der König von Narnia“ als Projekt im Religionsunterricht

3.1 Didaktische und methodische Grundbedingungen des Projekts „Der König von Narnia“

Dass eine halbwegs sinnvolle und zusammenhängende Verwendung eines Spielfilmes nur im Rahmen eines projektartigen Unterrichtsformates möglich ist, wurde oben bereits erläutert. Deswegen soll ein Projekt im Religionsunterricht, das sich mit dem Film „Der König von Narnia“ beschäftigt und zusammenhängende Unterrichtszeiten bietet, hier als Grundlage der Überlegungen dienen. Als Projektteilnehmer werden hier Schülerinnen und Schüler der fünften bis siebten Klasse angenommen. Diese Gruppe wurde ausgewählt, um der Zielgruppe des Films zu entsprechen.

Die didaktische Grundabsicht dieses Projektes kann nur sein, der Lerngruppe eine Auswahl der im Film auftauchenden christlichen Motive und Symbole zu präsentieren und sie die Ähnlichkeiten zwischen Filmmotiv und biblischer Vorlage erarbeiten, bewerten und verarbeiten zu lassen. Die Anbindung an den Lehrplan für Evangelische Religion – Sekundarstufe I ist vor allem an verschiedenen Stellen im Themenbereich [3] (Die Frage nach Gott)[6] denkbar.

Angestrebtes Lernziel des Projektes soll nicht nur das Wissen um die bearbeiteten Begriffe sein, sondern auch Sensibilität dafür, dass ein moderner Fantasyfilm kulturelle Ausdrucksmöglichkeit dieser Begriffe sein kann.

Im Verlauf des Projektes sollen zwei oder mehr Gruppen eingeteilt werden, die sich auf jeweils einen Begriff und sein Auftauchen im Film konzentrieren sollen. Um Analogien zwischen biblischen und filmischen Motiven überhaupt erkennen und einen Vergleich zwischen ihnen anstellen zu können, müssen die biblischen Motive bei der Lerngruppe bekannt sein. Da nicht davon auszugehen ist, dass alle Mitglieder der Lerngruppe die gleiche oder überhaupt irgendeine biblische Vorkenntnis besitzen, müssen die biblischen Vorlagen auch im Rahmen des Projekts behandelt werden, da Kenntnis von ihnen ein essentieller Baustein für den später anstehenden Vergleich zwischen Bibelstellen und Film ist. Damit die biblischen Geschichten nicht neben dem visuell aufwändigen und teilweise auch betäubend eindrucksvollen Film verblassen, schlage ich eine Bearbeitung der Bibelstellen vor dem Anschauen des Filmes vor, deren Ergebnisse am besten schriftlich gesichert werden sollten und damit gleichzeitig eine Art Schablone darstellen, auf die sich die jeweiligen Gruppen während und auch nach der Betrachtung des Films stützen können.

Die von den verschiedenen Gruppen zu bearbeitenden Themen müssen im Vorhinein analysiert werden. Grundsätzlich ist hier anzumerken, dass die Tiefe der Sachanalyse auf einem Niveau gehalten ist, auf dem sie als erster Schritt einer Unterrichtsvorbereitung für die Sekundarstufe 1 dienen kann. Die theologischen Implikationen und Symbole in „Der König von Narnia“ können in weitaus abstrakteren Ebenen gefunden werden, wären dann aber für die angepeilte Altersstufe zu schwierig.

[1]Deutscher Bundestag: Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Bonn/Berlin 1998, S. 13

[2]Grundgesetz, S. 13

[3]Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Lehrplan SEK I, Evangelische Religion (PDF-Dokument http://lehrplan.lernnetz.de/intranet1/links/materials/1107161177.pdf), abgerufen am 28.1.2007

[4]Siehe International Movie Database: (http://www.imdb.com/title/tt0363771/awards), abgerufen am 8.2.07

[5]Vgl. Mühling, Markus, Gott und die Welt in Narnia, Göttingen 2005, S .

[6]Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Lehrplan SEK I, Evangelische Religion (PDF-Dokument http://lehrplan.lernnetz.de/intranet1/links/materials/1107161177.pdf), S. 24, abgerufen am 28.1.2007

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Der König von Narnia" als Projekt für den Religionsunterricht
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Didaktisches Seminar: Die Chroniken von Narnia - Theologische Implikationen kritisch beleuchtet
Note
1-
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V74389
ISBN (eBook)
9783638741613
ISBN (Buch)
9783638742023
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem 2005 veröffentlichen Disney-Film "Der König von Narnia" und seine Eignung für den Religionsunterricht.
Schlagworte
König, Narnia, Projekt, Religionsunterricht, Didaktisches, Seminar, Chroniken, Narnia, Theologische, Implikationen
Arbeit zitieren
Asmus Green (Autor:in), 2007, "Der König von Narnia" als Projekt für den Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74389

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