Das Dämonische in der Liebe in Goethes "Faust"


Seminararbeit, 2001

17 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

HAUPTTEIL

1. Mephistos Ziel
1.1 Mephisto bereitet Faust für die Reise in "die kleine Welt" vor

2. Mephistos Strategie
2.1 Erste Begegnung zwischen Faust und Gretchen
2.2 Gretchens Welt
2.3 Weitere strategischen Erfolge Mephistos
2.4 Das erste Rendezvous
2.5 Gretchen spürt den Teufel in Mephisto
2.6 Die Tragödie

Schluss

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

In meiner Seminararbeit werde ich das Thema „Das Dämonische in der Liebe in Goethes 'Faust' “ bearbeiten.

Durch die Wette mit dem Herrn in der Szene "Prolog im Himmel" will Mephisto versuchen, den Knecht des Herren, Doktor Faust, der die eigene Wissbegierde niemals stillen kann, seine "Straße sacht zu führen!" (Z. 314), d.h. ihn vom rechten Weg abzubringen und ins Nichts zu führen. Da Mephisto sich selbst vorstellt als einen „Geist, der stets verneint!“ und dessen „eigentliches Element“ „Zerstörung, kurz, das Böse“ ist, ist es schon vorbestimmt, dass sein Einfluss auf die Liebenden, Faust und Gretchen, negativ sein wird. Auch wenn es Mephistos Verdienst ist, dass die beiden zusammenkommen, weil Faust es nicht schafft, Gretchen alleine zu umwerben, und dass aus der Verliebtheit unglücklicherweise Liebe wird, wird Mephisto sie zerstören, denn das liegt in seiner Natur. Dies geschieht vor allem, weil Mephisto nicht im Stande ist zu begreifen, was das Wort Liebe bedeutet. Er kennt nur das Sinnliche an einer Beziehung zwischen Mann und Frau und so versucht er, Faust soweit zu bringen, dass er in der sinnlichen Liebe zu Grunde geht und dass er aufhört, dem Sinn des Lebens nachzuspüren.

Der Hauptteil meiner Seminararbeit besteht aus zwei Abschnitten und jeder Abschnitt ist nochmals untergliedert.

Als Erstes werde ich zeigen, welche Rolle Mephisto beim Zusammenkommen der Verliebten spielt. Schon in der "Hexenküche" versucht Mephisto, Faust mit dem Verjüngungstrunk so zu verzaubern, dass dieser "mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe" (Z. 2604f.) sieht. Es ist also anzunehmen, dass Faust sich nur in Gretchen verliebt, weil er verhext wurde.

Der zweite Abschnitt behandelt Mephistos Strategie, Gretchen für Faust zu erobern. Weil sich aber Faust in Gretchen verliebt und vor allem umgekehrt, gerät die Sache für Mephisto außer Kontrolle und er muss zum Gegenspieler Gretchens werden. Beide streiten um Faust und die Handlung erweitert sich zur Frage, ob es Mephisto gelingen wird, Faust von seiner Geliebten zu trennen und ihre Liebe zu zerstören.

HAUPTTEIL

1. Mephistos Ziel

In der Szene "Prolog im Himmel" erfährt man, was Mephistos Vorhaben ist. Er will es schaffen zu zeigen, dass Faust "tierischer als jedes Tier" (Z. 286) ist, denn dadurch würde er dem Herrn beweisen, "daß er recht hat, daß die Schöpfung an dem entscheidenden Punkt falsch ist, wo es Menschen gibt, die vernunftbegabt sind, ohne doch göttlich zu sein... Erst wenn sich Faust nicht mehr vom Tier unterscheidet, wenn er in dem einen Moment seines Wesens, der Sinnlichkeit, völlig aufgeht, dann hätte Mephistopheles recht. Die Schöpfung hätte sich als falsch erwiesen."[1]

Denn Sinnlichkeit ist etwas, was Mephisto verstehen kann und somit auch etwas Negatives, etwas, was der normale Mensch nur in Verbindung mit der richtigen Liebe erfahren sollte. Durch die Religion, aber auch mittels eigener Vernunft und der Erkenntnis lernt der Mensch, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, und dass alles, was vom Teufel kommt oder von ihm als gut gepriesen wird, schlecht ist. Damit ist auch der reine Genuss, den Mephisto Faust schmackhaft machen will, etwas Negatives. Faust will nicht genießen können, weil der Genuss dem Menschen als solchen schon eigen ist, er aber will in das Göttliche hineindringen. Er ist jedoch verzweifelt und meint, dass er vom Leben nichts mehr Neues erwarten kann, nichts, was ihm den Genuss in immer neue Begierde verwandelt, und lässt sich mit Mephisto ein:

"Des Denkens Faden ist zerrissen,

Mir ekelt lange vor allem Wissen.

Laß in den Tiefen der Sinnlichkeit

Uns glühende Leidenschaften stillen!" (Z. 1748 ff.)

Er schließt mit Mephisto auch eine Wette: sollte er in einem Augenblick das Leben so sehr genießen, dass er zu diesem sagte: "Verweile doch! du bist so schön!", dann wäre er bereit, sich geschlagen zu geben und das eigene Schicksal Mephisto zu überlassen.

Mephisto ermutigt ihn, alles auszuprobieren:

"Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt.

Beliebt's Euch, überall zu naschen,

Im Fliehen etwas zu erhaschen,

Bekomm Euch wohl, was Euch ergetzt.

Nur greift mir zu und seid nicht blöde!" (Z. 1760 ff.)

"Naschen" und zugreifen soll Faust, denn bei Mephisto dreht sich alles um die bloße Sexualität. Schon an der Sprache lässt sich erkennen, dass Faust und Mephisto nicht auf gleichem Niveau denken und dass sie immer aneinander vorbeireden. Mephisto versteht es nicht, dass Genuss als solcher für Faust etwas Anderes bedeutet, als das rein Sexuelle. Er meint, dass Faust durch sein "übereiltes Streben" vergessen hat, dass es im irdischen Leben auch Freude geben kann:

"Den schlepp ich durch das wilde Leben,

Durch flache Unbedeutenheit,

Er soll mir zappeln, starren, kleben,

Und seiner Unersättlichkeit

Soll Speis und Trank vor gier'gen Lippen schweben;" (Z. 1860 ff.)

Er begreift auch nicht, dass sich Faust mit ihm auf die Wette nur einlässt, weil er vom Studieren der Wissenschaften und "hohem Streben" genug hat. Faust ist unersättlich, aber nicht auf die animalische Weise, wie es Mephisto meint, sondern auf eine metaphysische. Aus der Enttäuschung heraus setzt er dieses "hohe Streben" als Wettgegenstand ein, weil es ihm sowieso nichts bringt und er es nicht schafft, zu erkennen, "was die Welt / Im Innersten zusammenhält" (Z. 382 f.). Wenn er die Wette gegen Mephisto verliert, muss er ihm im Jenseits dienen. Er glaubt aber nicht an ein Leben nach dem Tod und kann damit nichts verlieren.

1.1 Mephisto bereitet Faust für die Reise in "die kleine Welt" vor

Eine Vorbereitung für die Gretchentragödie bildet die Szene "Hexenküche", wo sich Faust dem Verjüngungszauber unterzieht, denn er will sich nicht auf natürliche Weise verjüngen (vgl. "Gut! Ein Mittel, ohne Geld / Und Arzt und Zauberei zu haben: ..." Z. 2352 ff.) und als einem alten Mann fehlt ihm "die leichte Lebensart" (Z. 2056). Ein bisschen skeptisch bleibt er dabei, aber als er im Spiegel das Bildnis der schönsten Frau der Antike, Helena, sieht, ist er so fasziniert, dass er den Blick von ihr nicht abwenden kann. Damit ist auch seine Sinnlichkeit geweckt, er ist erregt und bereit, den Trank zu sich zu nehmen. Mephisto erreicht hier also, was ihm im Auerbachs Keller misslungen ist: dort haben sich die Menschen wie Tiere verhalten und Mephisto hat es nicht geschafft, Faust in "lustige Gesellschaft" zu bringen, damit er sieht "wie leicht sich's leben läßt" (Z. 2159 f.); hier ist Faust ungeduldig (vgl. "O Liebe, leihe mir den schnellsten deiner Flügel, / Und führe mich in ihr Gefild!", Z. 2431 f.) und will die Frau sofort haben. Mephisto verspricht ihm, "so ein Schätzen auszuspüren" (Z. 2445) und dass sich mit diesem Trunk der "Cupido" (Z.2598) bei ihm regen und "hin und wider" springen wird. Außerdem spricht er leise aus (Z. 2604f.), dass Faust bald in jeder Frau Helena sehen wird, was bedeutet, dass dieser nicht nur verjüngt, sondern auch verwünscht wurde. Welche Frau ihm auch immer begegnet, wird er sich wegen des Zaubertranks in sie verlieben und nicht weil sie dieses Gefühl durch ihren Charakter und ihr Erscheinungsbild in ihm hervorrufen könnte. Hier beginnt also Fausts Tragödie als Liebender.

[...]


[1] Königs Erläuterungen. Faust Teil I. S 104f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Dämonische in der Liebe in Goethes "Faust"
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V74397
ISBN (eBook)
9783638713016
ISBN (Buch)
9783638794886
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dämonische, Liebe, Goethes, Faust
Arbeit zitieren
Samra Bradaric (Autor), 2001, Das Dämonische in der Liebe in Goethes "Faust" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74397

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