Seminararbeit zum Thema „Das Dämonische in der Liebe in Goethes 'Faust' “
Durch die Wette mit dem Herrn in der Szene "Prolog im Himmel" will Mephisto versuchen, den Knecht des Herren, Doktor Faust, der die eigene Wissbegierde niemals stillen kann, seine "Straße sacht zu führen!" (Z. 314), d.h. ihn vom rechten Weg abzubringen und ins Nichts zu führen. Da Mephisto sich selbst vorstellt als einen „Geist, der stets verneint!“ und dessen „eigentliches Element“ „Zerstörung, kurz, das Böse“ ist, ist es schon vorbestimmt, dass sein Einfluss auf die Liebenden, Faust und Gretchen, negativ sein wird. Auch wenn es Mephistos Verdienst ist, dass die beiden zusammenkommen, weil Faust es nicht schafft, Gretchen alleine zu umwerben, und dass aus der Verliebtheit unglücklicherweise Liebe wird, wird Mephisto sie zerstören, denn das liegt in seiner Natur. Dies geschieht vor allem, weil Mephisto nicht im Stande ist zu begreifen, was das Wort Liebe bedeutet. Er kennt nur das Sinnliche an einer Beziehung zwischen Mann und Frau und so versucht er, Faust soweit zu bringen, dass er in der sinnlichen Liebe zu Grunde geht und dass er aufhört, dem Sinn des Lebens nachzuspüren.
Welche Rolle spielt Mephisto beim Zusammenkommen der Verliebten? Schon in der "Hexenküche" versucht Mephisto, Faust mit dem Verjüngungstrunk so zu verzaubern, dass dieser "mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe" (Z. 2604f.) sieht. Es ist also anzunehmen, dass Faust sich nur in Gretchen verliebt, weil er verhext wurde.
Mephistos hat eine Strategie, um Gretchen für Faust zu erobern. Weil sich aber Faust in Gretchen verliebt und vor allem umgekehrt, gerät die Sache für Mephisto außer Kontrolle und er muss zum Gegenspieler Gretchens werden. Beide streiten um Faust und die Handlung erweitert sich zur Frage, ob es Mephisto gelingen wird, Faust von seiner Geliebten zu trennen und ihre Liebe zu zerstören.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
HAUPTTEIL
1. Mephistos Ziel
1.1 Mephisto bereitet Faust für die Reise in "die kleine Welt" vor
2. Mephistos Strategie
2.1 Erste Begegnung zwischen Faust und Gretchen
2.2 Gretchens Welt
2.3 Weitere strategischen Erfolge Mephistos
2.4 Das erste Rendezvous
2.5 Gretchen spürt den Teufel in Mephisto
2.6 Die Tragödie
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wirken des Dämonischen in der Liebesbeziehung zwischen Faust und Gretchen in Goethes „Faust“. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit es Mephistopheles gelingt, durch den Missbrauch menschlicher Sinnlichkeit und Verführungsstrategien die Liebenden zu entzweien und in den Untergang zu treiben.
- Die Rolle von Mephistopheles als treibende Kraft zur Zerstörung der Liebe.
- Die psychologische und metaphysische Dimension der Verführung Fausts durch Mephisto.
- Gretchen als moralischer Gegenpol zu Mephistos destruktiven Zielen.
- Der Konflikt zwischen echter menschlicher Liebe und teuflischer Manipulation.
- Die Bedeutung von Schuld und moralischer Standhaftigkeit im tragischen Ausgang.
Auszug aus dem Buch
2.5 Gretchen spürt den Teufel in Mephisto
In der nächsten Szene, in "Marthens Garten" findet Gretchen durch mehrmaliges Nachfragen heraus, dass Faust nicht religiös ist und dass er an Gott nicht glaubt. Damit zeigt sie noch einen weiteren Unterschied zwischen ihnen auf. Dann aber wechselt sie das Thema und rät Faust, sich von Mephisto fernzuhalten, weil sie kein gutes Gefühl bei diesem hat. Hier wird dem Zuschauer klar, "wer die eigentlichen Gegenspieler in diesem Menschheitsdrama um Faust sind."8 Gretchen spürt instinktiv, dass Mephisto nichts Gutes im Sinne hat:
" Man sieht, daß er an nichts keinen Anteil nimmt; Es steht ihm an der Stirn geschrieben, Daß er nicht mag eine Seele lieben." (Z. 3488 ff.)
Sie sieht, dass er gegen ihre Liebe zu Faust ist und befürchtet, dass er sie von Faust trennen und damit ihre Liebe zerstören will ("Daß, wo er nur mag zu uns treten, / Mein ich sogar, ich liebte dich nicht mehr.", Z. 3496 f.). Deshalb möchte sie, dass er sich von Mephisto abwendet. Faust ist aber unentschlossen und will nur nicht, dass sie hinter sein Geheimnis kommt. Hier sieht man auch klar, warum Mephisto Gretchen nichts antun kann, mit Faust jedoch seine Spielchen treiben kann. Gretchen entscheidet sich ganz klar gegen Mephisto und deshalb kann er keine Macht über sie ausüben. Nur ihre hingebungsvolle Liebe zu Faust wird sie dazu verleiten, das Falsche zu tun, d.h. Schuld auf sich zu laden. Deshalb verabredet sie sich auch mit ihm für dieselbe Nacht und tut alles, was Faust möchte: um mit ihm die Nacht verbringen zu können, ist sie bereit, nach Fausts Wunsch, ihre Mutter mit Schlafmittel zu betäuben. Im letzten Abschnitt der Szene deutet Mephisto Gretchens Worte über Religion um: Gretchen will nicht unbedingt, dass sie beide sich bezüglich der Religion einig sind, sondern er sieht darin nur den Wunsch aller Frauen, die einen frommen Mann zum Ehemann haben wollen, weil sie einen solchen besser unter Kontrolle haben können. Mephisto meint, dass er Gretchen durchschaut hat, und will sie Faust madig machen. Er freut sich auf die Liebesnacht, versteht aber nicht, dass es für Faust dabei nicht nur um den bloßen Sex geht. Auch Faust liebt Gretchen, aber auf seine Weise.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Mephisto durch die Wette im "Prolog im Himmel" dazu motiviert ist, Fausts Wissbegierde in sinnliche Destruktion umzuwandeln und dessen Beziehung zu Gretchen zu zerstören.
HAUPTTEIL: Der Hauptteil analysiert strukturiert Mephistos Vorgehensweise, beginnend bei seiner psychologischen Manipulation durch den "Verjüngungstrunk" bis hin zur tragischen Zuspitzung, in der Gretchen als moralische Gegenspielerin des Teufels agiert.
1. Mephistos Ziel: Dieses Kapitel erläutert Mephistos Absicht, Fausts menschliches Streben in reine Sinnlichkeit umzulenken, um die göttliche Schöpfung als prinzipiell fehlbar zu beweisen.
1.1 Mephisto bereitet Faust für die Reise in "die kleine Welt" vor: Der Abschnitt beschreibt die "Hexenküche" als auslösenden Moment der Verzauberung, durch den Fausts Begehren auf jede Frau projiziert wird.
2. Mephistos Strategie: Hier wird der strategische Plan Mephistos zur Verkupplung und späteren Zerstörung der Beziehung zwischen Faust und Gretchen dargelegt.
2.1 Erste Begegnung zwischen Faust und Gretchen: Das Kapitel analysiert die erste Begegnung auf der Straße, bei der Fausts aufdringliches Verhalten und Mephistos steuernde Einflüsse bereits erste Konfliktlinien ziehen.
2.2 Gretchens Welt: Diese Analyse beleuchtet das Eindringen Fausts und Mephistos in Gretchens harmonisches, bürgerliches Leben, das durch die Schmuck-Geschenke in Unruhe gerät.
2.3 Weitere strategischen Erfolge Mephistos: Hier wird die Rolle der Nachbarin Marthe als Werkzeug Mephistos untersucht, um Faust und Gretchen räumlich und sozial zusammenzuführen.
2.4 Das erste Rendezvous: Das Garten-Rendezvous wird als kontrastreiches Treffen dargestellt, bei dem Faust und Gretchen eine emotionale Verbindung suchen, während Mephisto und Marthe das Geschehen auf eine rein sexuelle Ebene herabziehen.
2.5 Gretchen spürt den Teufel in Mephisto: Dieses Kapitel arbeitet heraus, warum Gretchen instinktiv vor Mephisto warnt und warum sie trotz ihrer Liebe zu Faust erkennt, dass Mephisto ihr natürlicher Gegenspieler ist.
2.6 Die Tragödie: Der abschließende Teil des Hauptteils behandelt den sozialen Abstieg Gretchens, das durch Mephisto provozierte Duell mit Valentin und die endgültige Eskalation bis zum Kerkerbesuch.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Mephisto zwar als Sieger aus dem "Spiel um Faust" hervorgeht, Gretchen jedoch ihre moralische Integrität und damit einen geistigen Sieg gegen das Dämonische behauptet.
Schlüsselwörter
Goethes Faust, Mephisto, Gretchen, Das Dämonische, Liebe, Sinnlichkeit, Verführung, Wette, Hexenküche, Schuld, Moral, Tragödie, Erlösung, Metaphysik, Weltbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Wirken von Mephistopheles in Goethes „Faust I“ und analysiert, wie er das Konzept der Liebe im Leben von Faust und Gretchen zu zerstören versucht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Themen Verführung, die Rolle der Sinnlichkeit, der Kampf zwischen Teufelsmacht und religiöser Moral sowie die moralische Verantwortung Fausts für das Schicksal Gretchens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das "Dämonische" – personifiziert durch Mephisto – gezielt versucht, die Liebe zwischen zwei Menschen zu unterwandern und durch den Missbrauch des Triebhaften in den Untergang zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, indem sie primär den Text des „Faust“ untersucht und durch Sekundärliteratur zu Goethes Werk stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Mephistos Zielen, insbesondere der Wette mit Gott, und eine chronologische Analyse seiner Strategie, die von der ersten Begegnung im "Garten" bis zur Katastrophe im Kerker reicht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Sinnlichkeit", "dämonische Zerstörung", " moralische Integrität" und "strategische Manipulation" definiert.
Warum spielt der „Verjüngungstrunk“ in der Hexenküche eine so entscheidende Rolle für Faust?
Der Trank weckt Fausts Sinnlichkeit und verhext ihn derart, dass er in jeder Frau Helena sieht, was den Startpunkt für seine unreflektierte Begierde und das darauffolgende tragische Schicksal markiert.
Inwiefern unterscheidet sich Gretchens Liebe von der Fausts?
Die Arbeit argumentiert, dass während Gretchen eine aufrichtige, "natürliche" Liebe empfindet, Fausts Streben stärker durch seine unersättliche metaphysische und sinnliche Begierde geprägt ist, die Mephisto geschickt zu manipulieren versteht.
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- Samra Bradaric (Author), 2001, Das Dämonische in der Liebe in Goethes "Faust" , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74397