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Kommunikationsformen im "Frauendienst"

Über die Verbindung von Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Körperlichkeit

Title: Kommunikationsformen im "Frauendienst"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Caroline Deckert (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Der „Frauendienst“ Ulrichs von Lichtenstein, entstanden um 1255, ist eine stilisierte Autobiographie des Autors, in der er sein Leben bezüglich seines Diensts als Minneritter beschreibt. Das Werk zeigt exemplarisch den vorbildlichen höfischen Ritter Ulrich, wie er den Minnedienst an zwei verschiedenen Damen leistet.

Die als Tatsachen dargestellten Episoden sind durchaus nicht immer ernst zu nehmen, übertreibt der Autor doch stark seine Verehrung der ersten Dame, deren Handwaschwasser er zu trinken vorgibt und der er zum Beweis für die Aufrichtigkeit seines Minnediensts seinen abgeschlagenen Finger zukommen lässt, eingebunden in ein Buch mit Minneliedern. An solchen und ähnlichen Stellen wird deutlich, dass der Autor selbst das Konzept der hohen Minne nicht ohne Ironie gesehen hat. Dieses sah vor, dass ein Adeliger mit dichterischen und kämpferischen Mitteln um eine Dame von höherem Stand als dem eigenen warb - mit dem einzigen Ziel, das eigene Ansehen und das ihre zu vermehren. Nahm die Dame den Dienst an, bedeutete das zugleich eine soziale Aufwertung des Minneritters. War er wiederum erfolgreich bei Turnieren, die er in ihrem Namen besuchte, wurde sein Ruhm automatisch auch ihr zuteil usw. So gesehen handelte es sich für beide Seiten um eine Zweckbeziehung. Die wirkliche Minneerfüllung war nicht Teil des Konzepts, da ansonsten der Kreislauf von wechselseitiger Ehrvermehrung unterbrochen worden wäre. Einen weiteren wichtigen Aspekt der hohen Minne stellte die vollkommene Idealisierung der jeweiligen Minneherrin dar, die demnach reine Tugend, Keuschheit und Schönheit in einem verkörperte.

Die Aufgabe dieser Hausarbeit soll jedoch nicht sein, das Minnekonzept anhand des „Frauendiensts“ zu erläutern; es soll vielmehr etwas untersucht werden, das der Minne zugrunde liegt – die Kommunikation. Zu Zeiten Ulrichs von Lichtenstein, besonders im Minnekontext, wurde meist auf indirektem Wege kommuniziert. Dies erfolgte zum Beispiel über Briefe, Boten oder Büchlein. Sie dienten dazu, Distanz zu überbrücken und körperliche Anwesenheit zu ersetzen. Welche kommunikative Bedeutung hatten sie? Wie eng waren Schriftlichkeit und Körperlichkeit im Mittelalter miteinander verknüpft? Warum konnte die Schrift das Wort ersetzen, sowie der Körper die Schrift? Im Folgenden sollen am Beispiel des „Frauendiensts“ verschiedene Formen der Kommunikation, deren Bedeutung und ihre Verwebung miteinander untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Brief

3. Die Minne

4. Die face-to-face-Kommunikation

5. Der Bote

6. Das Büchlein

7. Der Körper

7.1 Der fremdbestimmte Körper

7.2 Der textualisierte Körper

8. Die Minnelieder

9. Sakralisierung

10. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Kommunikationsformen im „Frauendienst“ Ulrichs von Liechtenstein und analysiert, wie Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Körperlichkeit im höfischen Kontext des 13. Jahrhunderts miteinander verschmelzen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, welche Rolle diese Medien bei der Überbrückung von Distanz und bei der Inszenierung des Minnedienstes spielen.

  • Die Rolle von Briefen, Boten und Büchlein als Kommunikationsmedien.
  • Die stilisierte Verbindung von Körperlichkeit und Schriftlichkeit.
  • Die Funktion der „Frau Minne“ als Instanz der Selbstmotivation und Kommunikation.
  • Die Bedeutung des Körpers als Zeichensystem und Instrument der Beglaubigung.
  • Sakrale Elemente und Memorialfunktionen im Minnedienst.

Auszug aus dem Buch

7. Der Körper

In der höfischen Gesellschaft des Mittelalters nimmt die körperliche Repräsentation eine so bedeutende Stellung in der Kommunikation ein, dass man sie als gleichberechtigt neben Mündlichkeit und Schriftlichkeit ansiedeln kann.

Ulrichs Minne- und Körpergeschichte beginnt während seiner Erziehungszeit am Hof der ersten vrowe, die gleichzeitig immer in seiner Nähe und doch unberührbar ist. Der junge Verehrer muss sich an sich an Substitute halten, um einen Körperkontakt mit der Geliebten zumindest imaginieren zu können, zum Beispiel als er ihr Handwaschwasser trinkt.

Nach Verlassen des Hofes, also der räumlichen Trennung von seiner Dame, unterscheidet das Ich nun in Bezug auf sich selbst zwischen herze und lîp: „Min lîp der schie von danne sa, / daz herze min beleip alda“ (27, 1f).

Während der Körper von der Dame getrennt ist, bleibt das Herz bei ihr. An dieser Stelle vollzieht sich eine Entfremdung vom eigenen Leib, die die folgende Hingabe desselben an den Minnedienst mit all seinen Verstümmelungen ermöglicht, um wiederum auf paradoxe Weise der Dame nahe sein zu können. Deren Körper bleibt jedoch nur in Substitutionen zugänglich, ebenso wie der eigene Körper immer nur Mittel zum Zweck bleibt, reduziert auf seine Funktion als Instrument der Beglaubigung, und der nicht wieder Teil der eigenen Identität wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die stilisierte Autobiographie Ulrichs von Liechtenstein ein und skizziert die zentrale Fragestellung zur Rolle der Kommunikation in seinem Werk.

2. Der Brief: Dieses Kapitel thematisiert den Brief als Werk im Werk, der in der höfischen Welt die unmittelbare Sprechsituation ersetzt und die Grenzen zwischen mündlicher und schriftlicher Form verwischt.

3. Die Minne: Hier wird untersucht, wie die personifizierte Frau Minne als Instanz der Selbstmotivation und als kommunikatives Sprachrohr fungiert.

4. Die face-to-face-Kommunikation: Das Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten direkter Kommunikation und wie diese durch Selbstreflexion sowie nonverbale Zeichensysteme substituiert wird.

5. Der Bote: Es wird die wichtige Funktion des Boten analysiert, der Distanz überbrückt und als Vertrauensperson zwischen Sender und Empfänger agiert.

6. Das Büchlein: Hier steht die Verkörperung des Buchs im Mittelpunkt, sowohl auf der Ebene der Rezeption als auch der Produktion, wobei Buch und Körper miteinander verschmelzen.

7. Der Körper: Dieses Kapitel untersucht die Fremdbestimmung und Textualisierung des Körpers, der im Minnedienst zum Instrument der Beglaubigung und zum Zeichenträger wird.

8. Die Minnelieder: Die Minnelieder werden als Medium betrachtet, das Rittertaten stilisieren und amouröse Absichten in der höfischen Kommunikation vermitteln soll.

9. Sakralisierung: Hier wird aufgezeigt, wie Aspekte des Minnedienstes durch religiöse Muster und die Autosakralisierung des Körpers sakral aufgeladen werden.

10. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Frauendienst, Ulrich von Liechtenstein, Minnedienst, Kommunikation, Körperlichkeit, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Brief, Bote, Büchlein, Frau Minne, Identität, höfische Literatur, Sakralisierung, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die verschiedenen Kommunikationsformen in Ulrichs von Liechtensteins „Frauendienst“ unter dem besonderen Fokus auf die Verknüpfung von Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Körperlichkeit.

Welche thematischen Schwerpunkte setzt die Untersuchung?

Zentrale Schwerpunkte sind die Rolle von Medien wie Briefen und Boten, die Funktion der Frau Minne als Vermittlungsinstanz sowie die Rolle des Körpers als Instrument des Minnedienstes.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die kommunikative Bedeutung der verschiedenen Formen im „Frauendienst“ zu untersuchen und aufzuzeigen, wie diese Medien zur Distanzüberbrückung und zur Inszenierung von Minne eingesetzt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des „Frauendiensts“ unter Heranziehung fachwissenschaftlicher Literatur zu kommunikationstheoretischen Modellen des Mittelalters.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den einzelnen Kommunikationsmedien (Brief, Bote, Büchlein), die Funktion von Frau Minne, die Besonderheiten der face-to-face-Kommunikation sowie die symbolische Bedeutung des Körpers als textualisiertes oder sakralisiertes Medium.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe wie Minnedienst, Körperlichkeit, Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Kommunikation spiegeln die wissenschaftliche Ausrichtung der Arbeit wider.

Warum fungiert der Bote als Machtinstanz?

Da der Bote die Botschaft überbringt, kann er Rollen einnehmen, taktische Tricks anwenden und die Distanz zwischen Minneritter und Minnedame aktiv gestalten, wodurch er eine ambivalente Machtposition erhält.

Inwiefern wird der Körper im „Frauendienst“ sakralisiert?

Ulrich nutzt Körperteile, wie etwa seinen Finger als Reliquie, um die Wahrhaftigkeit seines Dienstes zu bezeugen. Diese „Autosakralisierung“ überlagert weltliche Minneerfahrung mit religiösen Mustern wie dem Märtyrertum.

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Details

Title
Kommunikationsformen im "Frauendienst"
Subtitle
Über die Verbindung von Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Körperlichkeit
College
University of Mannheim
Grade
2,0
Author
Caroline Deckert (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V74420
ISBN (eBook)
9783638714785
ISBN (Book)
9783638715089
Language
German
Tags
Kommunikationsformen Frauendienst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Caroline Deckert (Author), 2006, Kommunikationsformen im "Frauendienst", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74420
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