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Zu: Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich"

Judith und Anna - Kellers Gesellschaftskritik durch seine Darstellung der Frauenfiguren

Title: Zu: Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 30 Pages , Grade: 2,00

Autor:in: Heike Esser (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Deise Arbeit setzt sich mit Kellers Darstellung der Frauenfiguren Judith und Anna aus dem Roman "Der grüne Heinrich" und der damit verbundenen umfassenden Gesellschaftskritik auseinander, die folgende Facetten aufweist: Kritisiert wird die verkommene gesellschaftliche Verkehrsform, die Zwänge auslösende calvinistische Religiosität, die unreflektierte Erfüllung der Bildungsnorm, die eine Persönlichkeitsentwicklung unterdrückende zeitgenössische Frauenrolle und die die Frauen auf Marktwert und Sexualobjekt reduzierende Geschlechterpolarisierung.

Beide Frauen haben trotz ihrer Verschiedenheit gemeinsam, dass sie beide an dem Versuch, die eigene Persönlichkeit auszuleben, vom sozialen Umfeld gehindert werden. Beide gehen an den repressiven Normen und Konventionen und den zeitgenössischen Geschlechterrollen zu Grunde und zwar jede auf ihre eigene Weise: Anna stirbt und Judith reagiert mit Auswanderung nach Amerika.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die beiden Frauenfiguren und ihr Verhältnis zum sozialen Umfeld, insbesondere zu Heinrich, zum zeitgenössischen Bild der Frauenrolle, zur Auffassung von Religiosität und der Bildungsnorm und die Frage, inwiefern Keller anhand dieser beiden Frauenfiguren Kritik an den genannten Institutionen übt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Römerbeichte – Kritik an den gesellschaftlichen Verkehrsformen

3 Kritik an der zeitgenössischen Auffassung von Religiosität

4 Kritik an den Geschlechterrollen bzw. dem zeitgenössischen Bild der Frauenrolle

4.1 Anna – Kritik der unreflektierten Erfüllung der Bildungsnormen

4.2 Judith

4.2.1 Verkörpert Judith die Figur der „Femme fatale“?

4.2.2 Die „lustige Witwe“ Judith und ihr Verhältnis zum sozialen Umfeld

4.2.3 Judiths Beziehung zu Heinrich – Eine zum Scheitern verurteilte Liebe

5 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der ersten Fassung von Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“ (1854/55), inwiefern die Darstellung der Frauenfiguren Judith und Anna als Medium für eine fundamentale Gesellschaftskritik dient. Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kellers realistische Erzählweise die negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Normen, wie etwa die starre Rollenverteilung und die Unterdrückung individueller Bedürfnisse durch bürgerliche und religiöse Konventionen, sichtbar macht.

  • Kritik an zeitgenössischen gesellschaftlichen Verkehrsformen.
  • Auseinandersetzung mit der negativen Prägung durch calvinistisch geprägte Religiosität.
  • Analyse der zerstörerischen Auswirkungen unreflektierter Erfüllung von Bildungsnormen.
  • Untersuchung der Geschlechterpolarisierung und der Reduktion der Frau auf Marktwert und Sexualobjekt.
  • Gegenüberstellung von Judith und Anna zur Verdeutlichung ihrer unterschiedlichen Formen des Widerstands und Scheiterns.

Auszug aus dem Buch

4.2.2 Die „lustige Witwe“ Judith und ihr Verhältnis zum sozialen Umfeld

Mit Judith, die gewissermaßen die real kaum vorkommende Figur der „lustigen Witwe“ verkörpert, will Keller wahrscheinlich die in der Gesellschaft herrschenden kollektiven Ängste und die aus ihnen resultierenden repressiven Regeln des Witwenstandes als rückständiges und unmenschliches Schema kritisieren.

Judith als lebenstüchtige Frau wird zumeist in Aktion gezeigt. „Dies Weib trat nun herein, vom Garten kommend, etwas zurückgebogen, da sie in der Schürze eine Last frisch gepflückter Ernteäpfel und darüber eine Masse gebrochener Blumen trug.“(231). Schon allein mit diesem Satz gelingt es Keller Judith als „Naturmanifestation“ und „personifizierte Natur“ vorzustellen. Heinrichs späterer Eindruck vervollkommnet für den Leser das Bild dieser Frauengestalt:

„Plötzlich sah ich Judith mir entgegen kommen, welche einen großen Korb mit Äpfeln gefüllt in beiden Händen vor sich her trug (...) Sie hatte ihr Kleid des nassen Grases wegen etwas aufgeschürzt und zeigte die schönsten Füße;“(504)

Aus dem Äußeren wird dem Leser ihre gesunde Lebenszugewandheit deutlich, obwohl sie als Witwe eher trauern sollte. Das ‚aufgeschürzte Kleid‘ und das ‚Zeigen der schönsten Füße‘ vermitteln ein natürliches Verhältnis zu ihrer Körperlichkeit und zeigen damit, wie sehr die Figur dem von der Gesellschaft gewünschten Verhalten einer Witwe widerspricht. Hier wird auch wieder Kellers Leistung deutlich, in kurzer Erzählzeit ein einprägsames Bild von Figuren, die in der Romanwelt mit besonderer Wirkungsabsicht agieren, entstehen zu lassen. Weiterhin zeichnet sich Judiths Verflechtung mit der Natur dadurch aus, dass diese sie der Gesellschaft entzieht: Obstgarten und Haus stehen abgesondert von der Dorfgemeinschaft und der Nebel, aus dem sie ab und an überraschend hervortritt (vgl. 504, 508) stellt die künstlerische Vervollkommnung solcher Isolation vor. Auch gesellschaftlich ist sie isoliert, denn sie pflegt keinen ausgeprägten sozialen Verkehr zu den anderen Frauen in der Dorfgemeinschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Verständnis von Realismus bei Keller als künstlerische Transformation der Wirklichkeit und führt in die Absicht ein, anhand der Frauenfiguren Judith und Anna die Gesellschaftskritik des Romans zu untersuchen.

2 Die Römerbeichte – Kritik an den gesellschaftlichen Verkehrsformen: Dieses Kapitel analysiert anhand der „Römerbeichte“ Kellers Kritik an einer Gesellschaft, die formale Korrektheit über menschliche Moral stellt und somit psychische Vernichtung sanktioniert.

3 Kritik an der zeitgenössischen Auffassung von Religiosität: Hier wird untersucht, wie Keller durch den Gegensatz zwischen Anna und Judith die von Feuerbach beeinflusste Religionskritik verarbeitet, um die Lebensfeindlichkeit puritanischer Askese bloßzustellen.

4 Kritik an den Geschlechterrollen bzw. dem zeitgenössischen Bild der Frauenrolle: Das umfangreiche Kapitel problematisiert die destruktiven Auswirkungen von Bildungsnormen und Geschlechterrollen, die Frauen entweder in die Krankheit führen oder als Außenseiterinnen stigmatisieren.

5 Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass Keller durch die Darstellung von Judith und Anna eine umfassende Kritik an repressiven gesellschaftlichen Konventionen übt, ohne dabei den literarischen Anspruch der Poesie zu verlieren.

Schlüsselwörter

Gottfried Keller, Der grüne Heinrich, Realismus, Gesellschaftskritik, Frauenrollen, Judith, Anna, Bildungsroman, Geschlechterpolarisierung, Calvinismus, Sinnlichkeit, Soziale Isolation, Femme fatale, Lustige Witwe, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die Gesellschaftskritik in der ersten Fassung von Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“. Dabei stehen die beiden weiblichen Hauptfiguren Judith und Anna im Mittelpunkt, durch deren Schicksale Keller Missstände wie unreflektierte Bildungsnormen und eine rigide Sexualmoral kritisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Kritik an bürgerlichen Konventionen, die Auswirkungen der calvinistischen Religiosität, die Problematik der weiblichen Sozialisation und die Art und Weise, wie die Gesellschaft Frauen in bestimmte Rollenmuster drängt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern durch die Darstellung von Judith und Anna Kellers Kritik an zeitgenössischen gesellschaftlichen Bedingungen deutlich wird und wie er diesen Ansprüchen innerhalb seiner ästhetischen Gestaltung gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse. Die Autorin stützt sich auf eine enge Textlektüre und den Vergleich ausgewählter Textstellen mit zeitgenössischen und literaturkritischen Diskursen, um die Gesellschaftskritik Kellers nachzuweisen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der gesellschaftlichen Verkehrsformen (Römerbeichte), die Kritik an religiösen Auffassungen sowie eine detaillierte Analyse der Figuren Anna und Judith in Bezug auf gesellschaftliche Normen und Rollenerwartungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Realismus, Gesellschaftskritik, Frauenrolle, Sozialisation, Judith, Anna und die spezifischen literarischen Motive der „Femme fatale“ sowie der „lustigen Witwe“ charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Figur der Anna im Hinblick auf ihre Sozialisation von Judith?

Anna verkörpert das Idealbild der „höheren Tochter“, die unter dem väterlichen Einfluss und einer normativ-kirchlichen Erziehung leidet, was zu ihrer Entfremdung vom eigenen Selbst und letztlich in den Tod führt. Judith hingegen agiert als selbstbestimmte, ökonomisch unabhängige Außenseiterin, die ihre Sinnlichkeit und Individualität gegen die repressiven Normen der Dorfgemeinschaft behauptet.

Warum wertet die Autorin Kellers Umgang mit der „Femme fatale“-Thematik als positiv?

Die Autorin argumentiert, dass Keller die Figur der Judith nicht als das Klischee der diabolischen Verführerin zeichnet, sondern die Zuschreibung dieser Rolle durch die Dorfbewohner als Zeichen gesellschaftlicher Unfähigkeit zur Akzeptanz moderner, selbstbewusster Frauen darstellt.

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Details

Title
Zu: Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich"
Subtitle
Judith und Anna - Kellers Gesellschaftskritik durch seine Darstellung der Frauenfiguren
College
University of Trier
Course
Hauptseminar: Realismus
Grade
2,00
Author
Heike Esser (Author)
Publication Year
2005
Pages
30
Catalog Number
V74444
ISBN (eBook)
9783638737036
ISBN (Book)
9783638737159
Language
German
Tags
Gottfried Keller Heinrich Hauptseminar Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heike Esser (Author), 2005, Zu: Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74444
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