Skinheads: Wurzeln, Selbstbild/ Fremdbild


Seminararbeit, 2001
22 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Die Wurzeln
1.1 Standesbewusstsein
1.2 Rassismus
1.3 Musik als soziales Medium
1.4 Ursprüngliche Bekleidung und Haartracht
1.5 Aktivitäten der Skinheads und das Ende „der ersten Generation“
1.6 Einfluss des Punk- erneutes Aufleben der Skins
1.7 Rechtsgerichtete Ideologien
1.8 „Echte Skinheads“
1.9 Skins außerhalb Englands

2.) Die Skins als Gruppe
2.1 Organisation und Zielsetzung

3.) Die Szene: Selbstbild-Fremdbild
3.1 Bild des Mannes, Bild der Frau
3.2 Übersteigerung des Selbstwertes durch Einsatz von Alkohol und Drogen
3.3 Die Szene
3.4 Insider-Argumente
3.5Sozialstruktur der Gruppe
3.6 Spezifische Medien: szeneeigene und externe
3.7 Kleidung
3.7.1 ...in den Anfängen
3.7.2 Kopfbedeckung und Haartracht
3.7.3 ...spätere Entwicklungsformen
3.7.4 Bilder zur Darstellung der Entwicklung
3.8 „Getarnte Skins“ gibt es nicht

4.) Herausbildung eigentümlicher Zeichen und Symbole
4.1 Haare
4.2 Tätowierungen

5.) Literatur

1.) Die Wurzeln

Beschäftigt man sich eingehender mit dem Begriff Skinhead, stößt man meist schon zu Beginn auf das Problem, dass vielerorts der Begriff „Skinhead“ als Synonym für Nazi gebraucht wird, ohne sich der weiteren Hintergründe bewusst zu sein. Natürlich ist die rechte Ideologie unter diesen Jugendlichen häufiger an zu treffen als unter anderen, doch gibt es einige, die sich deutlich davon distanzieren und sich gegen die Stigmatisierung durch den Begriffes Skinhead wehren.

Tatsächlich handelt es sich um eine der ältesten Jugend und Subkulturen.

In seiner Arbeit zum Thema „Skinheads in den Medien“ Arbeitet M. Willie Wildgrube die Wurzeln der Skinbewegung auf. So erwuchs erste Generation der Skinheads 1968/69 in Großbritannien. Kleine Gangs bildeten sich aus anderen Jugendkulturen, die das Straßenbild und die nächtlichen Clubs vor allem in London beherrschten:

- Mods – Jugendliche aus der britischen Mittel- und Unterschicht,
- Rude Boys – Gangs aus jamaikanischen Einwandererkindern,
- Boot Boys – rivalisierende Fußballgangs.[1]

Zumeist waren die Skins in kleinen Straßengangs formiert, die meisten Mitglieder waren männlich und deutlich unter 18 Jahren alt. Sie pflegten ein martialisches Auftreten und adaptierten teilweise Kleidungsstile der o. g. Gruppierungen. Skins waren geprägt vom Working-class-Bewusstsein oder waren einfach unpolitisch. „Skinhead-Sein“ bedeutete einfach, einer rebellischen Jugendkultur anzugehören.

1.1 Standesbewusstsein

Das working class -Selbstverständnis stellt weniger ein revolutionäres Klassenbewußtsein dar, eher meint es das Gefühl der Selbstachtung der Jugendlichen aus unteren Mittelschichten: Stolz behaupten sie den eigenen Wert gegen die Ausgrenzung und die Arroganz gesellschaftlicher Eliten.[2]

Skinheads, so Wildgrube, verstanden sich auch als Gegenpol zur – von Studenten geprägten, friedlichen – Flower Power -Bewegung, zu den Söhnen und Töchtern der etablierten Mittelschicht.

Deren Weltbild war den Jugendlichen der proletarischen Unterschicht fremd.[3]

1.2 Rassismus

Rassismus war nicht mehr oder weniger vorhanden als in anderen Gesellschaftsschichten auch. Eine gängige Meinung zum Thema Rassismus war: Der schwarze Fließbandarbeiter neben mir hat mehr mit mir gemein als ein weißer Bankangestellter.

1.3 Musik als soziales Medium

Die Musik (Ska, Mitte der Siebziger kam Streetpunk hinzu) hatte als sozialisierendes Medium innerhalb der Szene eine große Bedeutung.

Farbige Skinheads waren damals in England keine Seltenheit. Gemeinsam mit den Söhnen der jamaikanischen Einwanderer gingen sie abends in die britischen Clubs und tanzten deren Musik, den Ska – eine Urform des Reggae.[4]

Aber als der Rastakult immer beliebter wurde und die Texte sich mitunter gegen die „Weiße Welt“ wandten, konnten sich die Jugendlichen nicht mehr damit identifizieren. Es kam eine neue Mischung aus schwarzen Bluebeat und weißem Punkrock auf: die sogenannte Oi!-Musik (Gebildet aus den letzten beiden Buchstaben des Wortes J oy) Die Musik wurde zum Sprachrohr einer Generation.[5]

1.4 Ursprüngliche Bekleidung und Haartracht

Durch die andauernde Rationalisierung und Modernisierung veränderte sich die Arbeitswelt und führte zu einem Abbau der vertrauten Sozialstruktur. Als Aufschrei des Protests entwickelten die Arbeiterkinder ausgeprägten Stolz auf ihre Herkunft. Das neue Selbstbewusstsein wurde unter anderem durch ein einheitliches „sauberes“, aber auch provozierendes Aussehen verkörpert. Man versuchte absichtlich, sich von den Bessergestellten abzuheben, indem man robuste die Kleidung bevorzugte, die später immer mehr zum Statussymbol wurde: klobige Stiefel mit oder ohne Stahlkappen, Fliegerjacken- offen getragen über einem Karohemd- und Hosenträger. Die Gruppenbezeichnung Skinhead war noch nicht gebräuchlich, da der Glatze noch nicht diese Bedeutung beigemessen wurde, die sie heute hat.[6]

1.5 Aktivitäten der Skinheads und das Ende „der ersten Generation“

Die Politik Großbritanniens richtete sich eindeutig gegen die Imigranten, und die gewaltgeladene Jugend schien ein Feindbild entdeckt zu haben

Zu Beginn beschränkten sich die Skinhead-Aktivitäten hauptsächlich auf Besuche von Konzerten und Fußballspielen. Schon hier kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die aber vorerst eher auf soziale als auf politische Motive zurück zu führen war.

Die erste Skinheadbewebung schlief zu Beginn der 70er ein.[7]

1.6 Der Einfluss des Punk- erneutes Aufleben der Skins

Mit dem Entstehen des Punk in der zweiten Hälfte der 70er erlebte die Skinheadbewegung einen neuen Höhepunkt: Wegen der rasanten kulturellen Vereinnahmung desselben suchten viele Punks eine neue Plattform. Sie fanden sie in der Wiederbelebung des Skinheadstils mit den typischen Erscheinungen wie Straßengangs, Fußballgewalt und martialischem, streng proletarischem Image. Im Zusammenhang mit Punk fand der Skinheadkult zum ersten Mal eine starke Verbreitung über die Grenzen Großbritanniens hinaus.[8]

1.7 Rechtsgerichtete Ideologien kommen ins Spiel

Als die Medien nach mehreren spektakulären Fußballschlachten die Skinheads als neues, gewaltbereites Feindbild der Gesellschaft entdeckten, dauerte es nicht lange, bis organisierte Gruppierungen versuchten, politisch zu agitieren und Skinheads für ihre Zwecke zu rekrutieren. Da der Aufschwung der rechtsextremistischen “National Front” am Ende der siebziger Jahre zeitlich mit der neuen Skinheadgeneration zusammenfiel, diente das als gutes Argument für die Gleichsetzung von Skinheads mit Neonazis.[9]

Für einen Teil der Skinheadbewegung stimmte dies immerhin. Sie gaben sich den heute kaum noch populären Namen Bonehead (engl. Holzkopf) und bekannten sich meist offen zu einer rechtsextremistischen Weltanschauung; ansonsten übernahmen sie das Erscheinungsbild der ursprünglichen Skinheads. Auch das rechte “British Movement” entstand unter Beteiligung tonangebender nationalistisch eingestellter Skinheads.[10]

Einen großen Anteil hatte die gezielte Förderung rechtsextremer Skinheadbands. Analog zu den “Rock Against Racism”-Festivals (Rock gegen Rassismus), die als Antwort auf den Aufschwung von rechter Parteien und Vereinigungen ins Leben gerufen wurden, veranstaltete eine Bewegung innerhalb der “National Front” Konzerte unter der Überschrift “Rock against Communism”. Daraus entstand 1986 nach dem Leitspruch der Waffen-SS “Blut und Ehre” die Blood & Honour -Bewegung, die heute als Sammelbecken gewaltbereiter Neonazis weltweit aktiv ist.
Vorerst fühlten sich hauptsächlich Jugendliche angezogen die das Gefühl des Zusammenhalts, klarer Strukturen oder Stärkegefühl vermissten, so suchen jetzt immer mehr Jugendliche Zugang, die mit dem rechten Gedankengut sympathisierten.[11]

1.8 ”Echte Skinheads”

Gegen dieses Bild von Nazis mit kurzgeschorene Haaren gehen seit Ende der 80er viele Skins vor. Es entstand die SHARP Bewegung (Skinheads against racial prejudice). Sie versuchen einen klaren Trennstrich zwischen sich und den rechts eingestellten Skinheads zu ziehen. Sie wollen sich als Skin bezeichnen dürfen, ohne auch nur das Geringste mit Nazis zu tun haben zu wollen. Dies war notwendig, da sie den Skinkult behalten, aber nicht als Rechtsradikale eingestuft werden wollten. Die von ihnen gestalteten Buttons und Aufnäher waren auch bei Punks und „langhaarigen“ Autonomen beliebt. Es wäre absurd sich für schwarze Musik (neben Ska gehören auch Soul und Reggae zum typischen Musikspektrum) zu begeistern und gleichzeitig die Musiker wegen ihrer Hautfarbe und Kultur angreifen zu wollen. Es wäre sicher verfehlt, nicht rechtsextrem orientierte Skinheads als antirassistisch einzustufen: Skinheads definieren sich ausdrücklich über Ungleichheiten anderen gegenüber. Aber es gibt unter Skinheads genauso viele verschiedene Ansichten hinsichtlich Politik wie in anderen Gesellschaftsgruppen oder Subkulturen auch.[12]

1.9 Skins außerhalb Englands

In anderen Ländern, vor allem in Deutschland, fasste die Bewegung weniger durch soziale Not hervorgerufen, Fuß, als Protesthaltung gegen gesellschaftliche Missstände wurde ihr mehr Bedeutung zugemessen.

[...]


[1] M. Willie Wildgube, Skinheads in Medien

http://www.hausarbeiten.de/cgi-bin/superDBdruck.pl/archiv/soziologie/soz-skins-medien.shtml Stand 10.01.01

[2] Klaus Farin, Skinhead- A Way Of Life (Hamburg) 118.

[3] IDGR Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Stichwort Skinheads

http://www.idgr.de/lexikon/stich/s/skinheads/skinheads.html Stand 10.01.01

[4] Wildgube, Skinheads in Medien

[5] Elissa Pernu, Phillip Hermann, Rechtsradikale Jugendsubkulturen

http://www.hlc.unimelb.edu.au/CALL/German/Rechtsrad.html Stand 10.01.01

[6] IDGR Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Stichwort Skinheads

[7] Farin, Skinhead- A Way Of Life 67.

[8] Wildgube, Skinheads in Medien

[9] Farin, Skinhead- A Way Of Life (Hamburg) 67.

[10] Manfred Novak, Hooligans und Skinheads (Wien 1994) 49.

[11] ebd. 87.

[12] Wildgube, Skinheads in Medien

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Skinheads: Wurzeln, Selbstbild/ Fremdbild
Hochschule
Universität Wien  (Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V7445
ISBN (eBook)
9783638147064
ISBN (Buch)
9783638639927
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Wurzeln, Selbstbild/, Fremdbild
Arbeit zitieren
Angelika Zojer (Autor), 2001, Skinheads: Wurzeln, Selbstbild/ Fremdbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7445

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