Zu: John Locke "Über den menschlichen Verstand, II, Kapitel XXI: Von der Kraft"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Lockes Problem

Lockes Erkenntnisinteresse

Lockes Methode

Der Wille als Initiator einer Handlung

Freiheit des Willens? – Freiheit des Menschen?

Freiheit und Willensäußerung

Was bestimmt den Willen

Beweggründe einer Entscheidung

Der Inhalt der Begierde

Worin besteht die Freiheit?

Fazit – Freiheit des Menschen und aktive Kraft

Handout

Einleitung

Diese Arbeit ist die schriftliche Version des Referates, welches ich am 10. Mai 2004 in dem vorne bezeichneten Seminar gehalten habe. Das Referat behandelte das XXI. Kapitel "Von der Kraft“ aus John Lockes Buch „Über den menschlichen Verstand“[1]. Sowohl das Referat als auch diese Arbeit versucht, die These Lockes vorzustellen und seine Argumentation zu analysieren. Die schriftliche Version wird ausführlicher als das Referatspapier sein – kann aber dennoch nur eine verkürzte Darstellung von Lockes Gedanken und der Diskussion im Plenum der Veranstaltung während meines Referates bleiben. Biografische Daten von John Locke befinden sich in der Anlage dieser Arbeit, ebenso das Referatspapier, welches die anwesenden Kommilitonen ausgehändigt bekamen.

Lockes Problem

Locke stellt [2] fest, dass Prozesse in der Außenwelt uns durch Sinneseindrücke mitgeteilt werden. So sehen wir, wie sich Dinge bewegen oder bewegt werden. Durch Beobachtung entdecken wir eine Gleichmäßigkeit und Regelmäßigkeit der Veränderungen durch bestimmte Ursachen, denen bestimmte Wirkungen zugeordnet werden, und schreiben so diesen Prozessen ein Kausalprinzip zu. Das vermittelnde Moment, welches ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis bestimmt, ist nach Locke die Kraft.[3] Diese Kraft ist nicht ein in der Natur vorfindliches Element, sondern eine Inskription des Menschen in von ihm selbst beobachtete Vorgänge in der Natur. „Durch die Sinne erhält der Geist täglich Kunde von der Veränderung jener einfachen Ideen, die er in den Dingen der Außenwelt beobachtet“[4]. „…endlich zieht er aus der Beobachtung bisheriger regelmäßiger Vorgänge den Schluss, dass auch in Zukunft bei den gleichen Dingen durch dieselben Ursachen und auf dem nämlichen Weg die gleichen Veränderungen zustande kommen werden;…“[5]. „Auf diese Weise gelangt er zu der Idee, die wir Kraft nennen.“[6]

Lockes Erkenntnisinteresse

Die Frage, der Locke in diesem Kapitel „Über die Kraft“ nachgeht, ist nicht die Frage nach dem Ursprung dieser Kraft, sondern wie wir diese Kraft erkennen, wie wir uns einen Begriff davon machen. Die Frage nach dem Ursprung der Kraft ist für Locke nicht möglich, da er bereits feststellte, dass die Kraft nur eine Idee des Menschen ist.

Ihn treibt keine naturwissenschaftliche, sondern eine erkenntnistheoretische Frage um: „Doch will ich mich jetzt auf diese Frage nicht einlassen, weil ich hier nicht zu untersuchen beabsichtige, wo der Ursprung der Kraft liegt, sondern wie wir zu ihrer Idee gelangen.“[7]

Lockes Methode

Locke bemerkt, dass nur die Beobachtung der Außenwelt uns keine eindeutige Erkenntnis der Kraft vermittelt. Wir beobachten zwar, dass Kräfte in der Welt übertragen werden (wie z.B. eine Billardkugel eine andere in Bewegung setzt), niemals aber, dass sie erzeugt werden.[8] Kein Prozess der Bewegung in der Natur fängt ohne äußeren Anstoß an, stets ist eine Ursache verantwortlich. „…; denn wir beobachten nur, dass Bewegung übertragen, nicht aber dass sie erzeugt wird.“[9]

„Gleichwohl finden wir, wenn wir es genau betrachten, dass uns die Körper durch unsere Sinne keine so klare und deutliche Idee von der aktiven Kraft vermitteln, wie wir sie durch die Reflexion auf die Operationen unseres Geistes gewinnen.“[10] Locke versucht, durch die Analyse der Geistes-Operationen zu der Idee der Kraft zu gelangen. Für ihn gibt es nur zwei Arten von Tätigkeiten: Denken und Bewegung. „Da sich nämlich alle Kraft auf eine Tätigkeit bezieht…“[11] und wir keine Anzeichen erkennen können, dass die Körper in der Außenwelt denken, noch dass sie von selbst eine Bewegung beginnen, hält es Locke für erlaubt, eine Reflexion unseres eigenen Denkens anzustellen, um eine Idee von der aktiven Kraft zu gewinnen.

„Die Idee des Beginnens einer Bewegung erhalten wir nur durch die Reflexion auf das, was in uns selbst vorgeht, wo wir durch die Erfahrung finden, dass wir allein durch einen Willen, allein durch einen Gedanken des Geistes, die Glieder unseres Körpers, die sich vorher in Ruhe befanden, bewegen können.“[12] So können wir am besten die Kraft und gleichsam den Beginn eines Prozesses, der durch die Kraft ausgelöst wird, erkennen.

Der Wille als Initiator einer Handlung

Für Locke ist es folgerichtig, durch die Untersuchung der Operationen unseres Geistes eine Idee von der aktiven Kraft gewinnen. „Das eine erscheint mir jedenfalls einleuchtend, dass wir in uns die Kraft vorfinden, verschiedene Tätigkeiten unseres Geistes und Bewegungen unseres Körpers zu beginnen oder zu unterlassen, fortzusetzen oder abzuschließen, und zwar lediglich durch einen Gedanken oder eine Bevorzugung von seiten des Geistes, der die Ausführung oder Nichtausführung dieser oder jener Einzelhandlung anordnet oder gleichsam befiehlt.“[13] Diese Kraft, die die Initiierung einer Handlung vermag, wird von Locke als der Wille bezeichnet. Das besondere des Willens ist, dass er keine äußere Ursache braucht, um betätigt zu werden. Die Billardkugel braucht einen Impuls, um sich in Bewegung zu setzen; der Geist ist unabhängig. „Die tatsächliche Betätigung dieser Kraft durch Anordnen oder Unterlassen einer Einzelhandlung nennen wir Willensäußerung oder Wollen.“[14] Die Ausführung einer Handlung[15], die der Wille initiiert hat, bezeichnet Locke als willkürlich. Führt man jedoch eine Handlung aus, ohne den Willen befragt zu haben, handelt man unwillkürlich, die Handlungen stehen somit nicht mehr unter der Kontrolle des Geistes.[16] Er bezeichnet den Willen als Fähigkeit des Geistes, eine bestimmte Handlung vor ihrer Negation zu bevorzugen.

Freiheit des Willens? – Freiheit des Menschen?

Locke ist der Ansicht, dass die Frage nach der Freiheit des Willens eine sinnlose Frage sei. Stellt man nämlich die Frage, so unterstellt man, der Wille sei eine Substanz, ein reales, handelndes Wesen im Menschen, welches über ihn bestimme.[17] Für Locke ist der Wille jedoch eine Fähigkeit und keine Substanz, der Eigenschaften (wie z.B. frei) zugeschrieben werden können. „Ebenso deutlich wird meiner Meinung nach jeder, der die Sache recht betrachtet, einsehen, dass die Freiheit, die nur eine Kraft ist, lediglich handelnden Wesen zukommt und nicht ein Attribut oder eine Modifikation des Willens sein kann, der gleichfalls nur eine Kraft ist.“[18] Locke stellt also nicht die Frage nach der Freiheit des Willens, sondern nach der Freiheit des Menschen.[19] Ihn interessiert, wann und inwiefern der Mensch frei ist: „…; folglich ist der Mensch insoweit frei, als er die Kraft hat, gemäß der Wahl oder Bestimmung des eigenen Geistes zu denken oder nicht zu denken, sich zu bewegen oder nicht zu bewegen.“[20] Kann der Mensch in der Handlung dem Entschluss des Willens folgen, so ist er nach Locke frei. „Freiheit ist also nicht eine Idee, welche die Willensäußerung oder das Vorziehen betrifft; sie betrifft vielmehr die Person, in deren Macht es steht, gemäß der Wahl oder Verfügung des Geistes etwas zu tun oder zu unterlassen.“[21] Freiheit liegt vor, wenn die äußeren Umstände dem Menschen erlauben, gemäß seinem Wollen zu handeln.

„Der Wille ist demnach nichts anderes als eine solche Kraft. Freiheit dagegen ist die Macht, die der Mensch hat, eine bestimmte Handlung zu tun oder zu unterlassen, je nachdem das eine oder andere in seinem Geist tatsächlich den Vorzug genießt; das heißt, mit anderen Worten ausgedrückt, je nachdem wie er es selbst will.“[22] Möchte der Wille etwas, was nicht in der Macht des Menschen steht (z.B. fliegen, 15 Meter hoch springen – ohne Hilfsgeräte), so ist er nicht frei, da er das von ihm gewollte nicht ausführen kann.

Locke meint, ein verwirrender Sprachgebrauch hätte die Frage nach dem freien Willen erst möglich gemacht. Er vermutet, dass die Frage nach dem freien Willen eher die Frage ist, ob der Mensch die Freiheit hat, zu wollen. „…, der Mensch sei überhaupt nicht frei, falls es ihm nicht ebenso freisteht zu wollen als zu tun, was er wolle. So wirft man denn bezüglich der menschlichen Freiheit noch die weitere Frage auf, ob der Mensch die Freiheit habe zu wollen. Das ist wohl auch der Sinn der Streitfrage, ob der Wille frei sei.“[23] Dies sei jedoch auch nicht die treffende Frage, da die Freiheit nur darin besteht, das Gewollte zu tun, und nicht darin, überhaupt etwas zu wollen oder nicht zu wollen.[24] „…; wir müssen notwendigerweise das eine oder das andere wollen;…“[25] Selbst wenn man sich entschlösse, nicht zu wollen, so läge diesem Entschluss eine Willensäußerung zu Grunde, nämlich: nicht zu wollen. Und diese Willensäußerung, sich nicht entscheiden zu wollen, ob man will oder nicht will, hat wiederum einen Akt der Wahl als Voraussetzung, so dass man in einen infiniten Regress gerät. In dieser Hinsicht schreibt auch Locke dem Menschen keine Freiheit zu. Für ihn ist diese Frage aber nicht von Bedeutung für sein Erkenntnisinteresse. „Der Geist hat in diesem Fall nicht die Kraft, das Wollen zu unterlassen; er kann nicht umhin, irgendeine Entscheidung zu treffen; ja, mag die Überlegung auch noch so kurz sein, der Gedanke sich noch so schnell vollziehen, er belässt den Menschen entweder in dem Zustand, in dem er sich vor der Überlegung befand, oder er verändert denselben, er lässt die Handlung fortdauern oder bringt sie zum Abschluss. Daraus ergeht klar hervor, dass der Geist das eine anordnet und bestimmt unter Bevorzugung oder auf Kosten des andern und dass dadurch entweder das Beharren oder der Wechsel unvermeidlich zu etwas Willkürlichem wird.“[26]

Freiheit und Willensäußerung

Die Freiheit besteht nach Locke nicht darin, ob wir eine Handlung oder ihr Gegenteil vorziehen, sondern ob die Handlung, welche wir vorziehen, auch durchgeführt werden kann. Wollen wir eine Handlung und können sie realiter ausführen, so sind wir frei. Wollen wir die gleiche Handlung und können sie nicht ausführen, so können wir uns nicht als frei bezeichnen. „Erstens ist sorgfältig festzuhalten, dass die Freiheit in der Abhängigkeit der Existenz oder Nichtexistenz einer Handlung von unserer Willensäußerung besteht, nicht aber in der Abhängigkeit einer Handlung oder ihres Gegenteils von unserm Vorziehen.“[27] Das Wollen, also das Vorziehen einer Handlung gegenüber ihrem Gegenteil ist nach Locke eine Willensäußerung, welche „neutral“ ist, also lediglich ein Akt des Geistes ist und noch kein Ausdruck von Freiheit oder Unfreiheit. Sein Focus ist zwar eine Handlung, welche die Willensäußerung hervorbringen möchte, aber das Wollen an sich ist in seinen Möglichkeiten unbegrenzt. Der Geist kann viele Handlungen wollen, ob sie nun durchführbar sind oder nicht. „Zweitens müssen wir festhalten, dass die Willensäußerung oder das Wollen ein Akt des Geistes ist, der sein Denken auf die Hervorbringung einer Handlung richtet und dadurch seine Kraft, sie hervorzubringen, entfaltet.“[28] Die Frage nach der Freiheit stellt sich für Locke erst in der Folge, also wenn es um die Realisierung der Willensäußerung geht.

Was bestimmt den Willen

Locke fragt, was das Wollen beeinflusse. Er identifiziert den Geist als das bestimmende Moment des Willens. „Denn dasjenige, was das allgemeine Entscheidungsvermögen zu dieser oder jener besonderen Entscheidung veranlasst, ist nichts anderes als das handelnde Wesen selbst, das die Kraft, die es besitzt, in dieser besonderen Weise betätigt.“[29] Wenn er vorhin feststellte, dass der Wille nur eine Fähigkeit des Geistes ist, so muss folgerichtig der Geist „der Herr“ des Willens sein. Der Geist setzt den Willen ein, damit dieser eine Wahl zwischen einer Handlung oder ihrer Negation trifft.

Beweggründe einer Entscheidung

Das wichtigste Moment, welches auf den Willen des Entscheidungsträgers einwirkt, ist das Unbehagen. „Der Beweggrund für ein Verharren in demselben Zustand oder für die Fortsetzung derselben Tätigkeit ist lediglich die damit verknüpfte gleichzeitige Befriedigung; der Beweggrund zu einer Veränderung ist immer irgendein Unbehagen; denn nichts treibt uns zur Veränderung eines Zustandes oder zu einer neuen Handlung als eben ein solches Unbehagen.“[30] Ein als negativ empfundener Zustand regt also den Willen an, einen anderen, besseren Zustand zu wünschen. So kommt es zu einer Willensäußerung, die eine Handlung motiviert, welche dem negativen Zustand abhelfen soll.

„Nach wiederholtem Nachdenken neige ich zu der Annahme, dass es nicht, wie man gewöhnlich annimmt, das in Aussicht stehende größere Gut ist, sondern irgendein (und zwar meist das drückenste) Unbehagen, das man gegenwärtig empfindet.“[31]

Der Inhalt der Begierde

Ein für das handelnde Individuum unbefriedigender Zustand verursacht ein Gefühl des Unbehagens. Die logische Folge ist nach Locke das Begehren nach einem Zustand, der dem Unbehagen Linderung verschafft. Dieses Begehren richtet sich Lockes Meinung nach auf das Glück. Dies sei der einzige Motor, der den Menschen zum Handeln veranlasst. „„Fragt man weiter, was das Begehren hervorrufe, so antworte ich: das Glück, und zwar nur dieses.“[32] Das Begehren nach Glück richtet sich jedoch nicht auf ein allgemeines, ein moralisch anerkanntes Gut, sondern nur auf ein unmittelbares, individuelles Glück. Der Handelnde strebt nach Glück, aber: „…; dies geschieht vielmehr nur in dem Umfang und insoweit, als der Mensch es als notwendigen Bestandteil seines Glückes ansieht.“[33]

Worin besteht die Freiheit?

Es gibt täglich unzählige Zustände, die Unbehagen hervorrufen und an deren Abschaffung der Mensch interessiert ist. Der Willen müsste also ununterbrochen damit beschäftigt sein, Handlungen zu entwerfen, die der Abschaffung eines aktuellen unbehaglichen Zustandes dienen. So hätten wir nicht die Möglichkeit, ein abwesendes, zukünftiges Gut zu betrachten. Gerade darin aber besteht nach Locke unsere Freiheit: „Da der Geist, wie die Erfahrung zeigt, in den meisten Fällen die Kraft besitzt, bei der Verwirklichung und Befriedigung irgendeines Wunsches innezuhalten und mit allen anderen Wünschen der Reihe nach ebenso zu verfahren, so hat er auch die Freiheit, ihre Objekte zu betrachten, sie von allen Seiten zu prüfen und gegen andere abzuwägen. Hierin besteht die Freiheit, die der Mensch besitzt und aus deren falschen Gebrauch die ganze Fülle von Missgriffen, Irrtümern und Fehlern stammt, in die wir in unserer Lebensführung hineingeraten, wenn wir unsere Willensentscheidung überstürzen und vorschnell ohne rechte Prüfung zu handeln beginnen.“[34] Der Mensch hat also die Fähigkeit, selbst wenn ihn momentan ein Unbehagen plagt, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Er ist nicht auf sofortige Bedürfnisbefriedigung angewiesen. Locke benutzt eine aussagekräftige Metapher: „Es ist dies Stillstehen, wo man den Weg nicht genügend kennt.“[35] Locke warnt davor, durch vorschnelle und unüberlegte Entscheidungen Fehler zu begehen. Diese Fähigkeit des Menschen, innezuhalten, hat einen Zweck: „Er hatte die Kraft, seine Entscheidung hinauszuschieben, sie war ihm gegeben, damit er prüfen, für sein Glück sorgen und sich vor Täuschungen hüten könne.“[36] Der Mensch ist also angehalten, nicht nur – auch wenn es aktuell angenehmer ist – nach dem vor Augen liegende und leicht zu erreichende Glück zu streben, sondern durch Voraussicht und Planung auch zukünftiges Glück oder moralisch Gutes in Betracht zu ziehen und die notwendigen Schritte dafür einzuleiten. Die Fähigkeit der aufgeschobenen Befriedigung unterscheidet uns von nicht denkenden Individuen: „Es steht also in unseren Kräften, durch reifliche Erwägung und Prüfung eines vorgestellten Gutes unser Begehren in einem richtigen Verhältnis zu dem Werte dieses Gutes zu erwecken, so dass es zu seiner Zeit und an seinem Platz dazu gelangen mag, auf den Willen einzuwirken und erstrebt zu werden.“[37] Die Freiheit, deren sich der Mensch bedienen kann, um frei zu sein, ist die Prüfung des Wunsches durch den Verstand und das Urteil der Vernunft.[38] Wer, bevor er entscheidet, nicht diese Schritte vollzieht, der handelt nicht frei. „Ja, wenn wir durch etwas anderes bestimmt würden als durch das Endergebnis, zu dem unser eigener Geist bei seinem Urteil über das Gute oder Üble einer Handlung gelangt, dann wären wir nicht frei,…“[39] Man kann dann davon ausgehen, dass der Akteur notwendig handelt, also ein unwillkürliche Tat durchführt.

Die Kriterien, nach denen der Verstand prüfen und die Vernunft urteilen soll, werden durch die Erkenntnis geliefert. „Da nämlich der Wille voraussetzt, dass ihn die Erkenntnis bei seiner Wahl leite, so ist das einzige, was wir tun können, dass wir unsern Willen indifferent halten, bis wir das Gute und Üble dessen, was wir begehren, geprüft haben.“[40] So muss der Handelnde stets bemüht sein, damit sein Verstand angemessen prüfen kann, umfassende Erkenntnis über den Gegenstand seiner Untersuchung zu gewinnen. Da das nicht immer möglich ist, kann es geschehen, dass Menschen aus Unwissenheit eine falsche Entscheidung treffen. Locke schlägt vor, die Entscheidung über eine Handlung so lange hinauszuzögern, bis geprüft wurde, welche die effektivste zur Erreichung des Guten ist. Er geht davon aus, dass bei intensiver Bemühung die Wahrheit herauszufinden sei, die Welt - so wie sie ist – zu erfassen möglich sei.

Fazit – Freiheit des Menschen und aktive Kraft

Lockes Ausgangsfrage dieses Kapitels war diejenige nach der aktiven Kraft in den Dingen der Außenwelt. Er wollte durch eine Reflexion auf die Operationen des Denkens herausfinden, wie wir zu der Idee der aktiven Kraft gelangen. Der Weg der Reflexion führte ihn über die Frage der Freiheit des Willens bzw. des Menschen und seiner Kraft, Prozesse beginnen zu lassen: „Freiheit ist eine Kraft, entsprechend der Weisung des Geistes zu handeln oder nicht zu handeln. Die Kraft, die Fähigkeiten des Wirkens in den einzelnen Fällen zur Bewegung oder zu Ruhe zu veranlassen, nennen wir den Willen.“[41] Wir stellen also in uns selbst eine Kraft fest, die Prozesse in der Außenwelt in Gang setzt. Das ist ein entscheidendes Moment unserer Freiheit. „Das Ergebnis unseres Urteils nach einer solchen Prüfung ist das, was letztlich den Menschen bestimmt, der nicht frei sein könnte, wenn sein Wille durch irgend etwas anderes als durch sein vom eigenen Urteil geleiteten Begehren bestimmt wäre.“[42] Wir stellen also in uns selbst eine Kraft fest, die Prozesse in der Außenwelt verursachen kann, die aber gleichsam eine Voraussetzung hat: „…, denn keinem wirkenden Wesen wird die Fähigkeit zur Freiheit anders zugeschrieben als unter der Voraussetzung, dass es denkt und urteilt.“[43] Die Übertragung der Idee einer aktiven Kraft in die Dinge der Außenwelt ist für Locke nicht legitim. „Gleichwohl ist aber die Bewegung in jener festen Substanz recht betrachtet, nur Erleiden,…“[44] So kann man nicht mehr von einer aktiven Kraft sprechen. Dies trifft nur bei frei handelnden Wesen zu, nur sie haben die Fähigkeit, aus einem Ruhezustand in einen aktiven Zustand ohne äußeren Anstoß überzugehen. „Zuweilen versetzt sich die Substanz oder das handelnde Wesen selbst durch seine eigene Kraft in Tätigkeit; das ist im eigentlichen Sinne aktive Kraft. Die aktive Kraft der Bewegung ist also in keiner Substanz vorhanden, die nicht im Ruhezustand in sich selbst oder in einer anderen Substanz eine Bewegung beginnen kann.“[45]

Die Idee, es gäbe in den Dingen der Außenwelt eine aktive Kraft, ist durch eine falsche Übertragung entstanden. Wir können zwar Prozesse in der Welt veranlassen, aber die Bewegungen in der Außenwelt haben stets einen äußeren Anstoß. Nur weil es Menschen nicht immer möglich war, die naturwissen-schaftlichen Vorgänge präzise zu bestimmen und sie als passive Kräfte (also ein Erleiden oder Zwang von Bewegung) zu erkennen, ist die falsche Idee entstanden, in der Natur wäre die aktive Kraft vorzufinden. Locke hat in seinem Kapitel versucht aufzuzeigen, auf welchem Wege es zu diesem Irrtum kommen konnte. Er hat festgestellt, dass nur Wesen, die zum Denken und Urteilen fähig sein, diese aktive Kraft besitzen können. Er kann also eine aktive Kraft in den Dingen der Außenwelt ausschließen.

Handout

Biografischer Grundriss John Locke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Problem

Locke stellt fest, dass uns durch Sinneseindrücke Prozesse in der Außenwelt mitgeteilt werden. Durch Beobachtung entdecken wir die Gesetzmäßigkeit dieser Veränderungen durch bestimmte Ursachen und schreiben diesen Prozessen eine Kraft[46] als Kausalprinzip zu.

„Durch die Sinne erhält der Geist täglich Kunde von der Veränderung jener einfachen Ideen, die er in den Dingen der Außenwelt beobachtet“ (S. 276)

„…endlich zieht er aus der Beobachtung bisheriger regelmäßiger Vorgänge den Schluß, dass auch in Zukunft bei den gleichen Dingen durch dieselben Ursachen und auf dem nämlichen Weg die gleichen Veränderungen zustande kommen werden;…“ (S. 276f)

„Auf diese Weise gelangt er zu der Idee, die wir Kraft nennen.“ (S. 277)

Frage

Die Frage, die Locke in diesem Kapitel nachgeht, ist nicht die Frage nach dem Ursprung der Kraft, sondern wie wir diese Kraft erkennen können, wie wir uns davon einen Begriff machen können.

„Doch will ich mich jetzt auf diese Frage nicht einlassen, weil ich hier nicht zu untersuchen beabsichtige, wo der Ursprung der Kraft liegt, sondern wie wir zu ihrer Idee gelangen.“ (S. 277)

Methode

Locke bemerkt, dass allein die Beobachtung der Außenwelt uns keine eindeutige Erkenntnis der Kraft vermittelt. Wir beobachten, dass Kräfte in der Außenwelt zwar übertragen, aber nicht erzeugt werden.[47] Er ist der Ansicht, durch Betrachtung der eigenen Geistestätigkeit eine Idee der aktiven Kraft und besonders des Beginnens eines Prozesses gewinnen zu können.[48]

„…; denn wir beobachten nur, dass Bewegung übertragen, nicht aber dass sie erzeugt wird.“ (S. 279)

„Gleichwohl finden wir, wenn wir es genau betrachten, dass uns die Körper durch unsere Sinne keine so klare und deutliche Idee von der aktiven Kraft vermitteln, wie wir sie durch die Reflexion auf die Operationen unseres Geistes gewinnen.“ (S. 279)

„Die Idee des Beginnens einer Bewegung erhalten wir nur durch die Reflexion auf das, was in uns selbst vorgeht, wo wir durch die Erfahrung finden, dass wir allein durch einen Willen, allein durch einen Gedanken des Geistes, die Glieder unseres Körpers, die sich vorher in Ruhe befanden, bewegen können.“ (S. 280)

Der Wille als Initiator einer Handlung

Für Locke ist die [49] Untersuchung der Operationen des Geistes folgerichtig, um eine Idee der Kraft zu erhalten.

„Das eine erscheint mir jedenfalls einleuchtend, dass wir in uns die Kraft vorfinden, verschiedene Tätigkeiten unseres Geistes und Bewegungen unseres Körpers zu beginnen oder zu unterlassen, fortzusetzen oder abzuschließen, und zwar lediglich durch einen Gedanken oder eine Bevorzugung von seiten des Geistes, der die Ausführung oder Nichtausführung dieser oder jener Einzelhandlung anordnet oder gleichsam befiehlt.“ (S. 280)

Diese Kraft bezeichnet Locke als den Willen.

Er bietet folgende Definitionen für Wollen, willkürlich und unwillkürlich an:

„Die tatsächliche Betätigung dieser Kraft durch Anordnen oder Unterlassen einer Einzelhandlung nenne wir Willensäußerung oder Wollen.

Die Unterlassung jener Handlung gemäß einem solchem Befehl oder gemäß einer solchen Anweisung des Geistes nennen wir willkürlich.

Jede Handlung, die ohne einen derartigen Gedanken des Geistes vollzogen wird, heißt unwillkürlich.“ (S. 281)

Freiheit des Willens? – Freiheit des Menschen?

Locke meint, die Frage nach der Freiheit des Willens sei ein sinnlose Frage. Stellt man die Frage, geht man von dem Irrglauben aus, der Wille sei eine Substanz[50], ein reales Wesen im Menschen, welches über ihn bestimme. Locke bezeichnet den Willen als eine Fähigkeit des Geistes.

„Ebenso deutlich wird meiner Meinung nach jeder, der die Sache recht betrachtet, einsehen, dass die Freiheit, die nur eine Kraft ist, lediglich handelnden Wesen zukommt und nicht ein Attribut oder eine Modifikation des Willens sein kann, der gleichfalls nur ein Kraft ist.“ (S. 287)

„…; folglich ist der Mensch insoweit frei, als er die Kraft hat, gemäß der Wahl oder Bestimmung des eigenen Geistes zu denken oder nicht zu denken, sich zu bewegen oder nicht zu bewegen.“ (S. 283)

„Freiheit ist also nicht eine Idee, die die Willensäußerung oder das Vorziehen betrifft; sie betrifft vielmehr die Person, in deren Macht es steht, gemäß der Wahl oder Verfügung des Geistes etwas zu tun oder zu unterlassen.“ (S. 284)

„Der Wille ist demnach nichts anderes als eine solche Kraft. Freiheit dagegen ist die Macht, die der Mensch hat, eine bestimmte Handlung zu tun oder zu unterlassen, je nachdem das eine oder andere in seinem Geist tatsächlich den Vorzug genießt; das heißt, mit anderen Worten ausgedrückt, je nachdem wie er es selbst will.“ (S. 288)

„Denn Kräfte sind Relationen, nicht handelnde Wesen; nur das, was die Kraft zu wirken besitzt oder nicht besitzt, ist frei oder nicht frei; die Kraft selbst ist es nicht. Denn Freiheit oder Unfreiheit kann nur dem zukommen, was die Kraft zu handeln besitzt oder nicht besitzt.“ (S. 290)

„Handelnde Wesen, die überhaupt kein Denken und keine Willensäußerung haben, sind in jedem Fall notwendig handelnde Wesen.“ (S. 286)

Nach Locke hat ein verwirrender Sprachgebrauch die sinnlose Frage nach dem freien Willen erst möglich gemacht. Viel eher sieht er in der Frage nach dem freien Willen die Frage nach der Freiheit des Menschen.

„…, der Mensch sei überhaupt nicht frei, falls es ihm nicht ebenso freisteht zu wollen als zu tun, was er wolle. So wirft man denn bezüglich der menschlichen Freiheit noch die weitere Frage auf, ob der Mensch die Freiheit habe zu wollen. Das ist wohl auch der Sinn der Streitfrage, ob der Wille frei sei.“ (S. 293)

„…; wir müssen notwendigerweise das eine oder das andere wollen;…“ (S. 294)

„Soviel ist also klar, dass der Mensch nicht die Freiheit hat, etwas, das in seiner Macht liegt, worauf er erst einmal sein Denken richtet, zu wollen oder nicht zu wollen. Denn die Freiheit besteht in der Kraft zu handeln oder das Handeln zu unterlassen, und zwar nur darin.“ (S. 294)

Selbst wenn man sich entschlösse, nicht zu wollen, liegt diesem Entschluss eins Willensäußerung zugrunden. Und die Willensäußerung, sich nicht entscheiden zu wollen, ob man will oder nicht, hat wiederum einen Akt der Wahl als Vorraussetzung.(Regressus ad infinitum) In dieser Hinsicht wird man also dem Menschen keine Freiheit zusprechen können.[51]

„Der Geist hat in diesem Fall nicht die Kraft, das Wollen zu unterlassen; er kann nicht umhin, irgendeine Entscheidung zu treffen; ja, mag die Überlegung auch noch so kurz sein, der Gedanke sich noch so schnell vollziehen, er belässt den Menschen entweder in dem Zustand, in dem er sich vor der Überlegung befand, oder er verändert denselben, er lässt die Handlung fortdauern oder bringt sie zum Abschluss. Daraus ergeht klar hervor, dass der Geist das eine anordnet und bestimmt unter Bevorzugung oder auf Kosten des andern und dass dadurch entweder das Beharren oder der Wechsel unvermeidlich zu etwas Willkürlichem wird.“ (S. 295f)

Was bedeutet Freiheit und Willensäußerung?

„Erstens ist sorgfältig festzuhalten, dass die Freiheit in der Abhängigkeit der Existenz oder Nichtexistenz einer Handlung von unserer Willensäußerung besteht, nicht aber in der Abhängigkeit einer Handlung oder ihres Gegenteils von unserm Vorziehen.“ (S. 297)

„Zweitens müssen wir festhalten, dass die Willensäußerung oder das Wollen ein Akt des Geistes ist, der sein Denken auf die Hervorbringung einer Handlung richtet und dadurch seine Kraft, sie hervorzubringen, entfaltet.“ (S. 297)

Was bestimmt den Willen?

Locke identifiziert den Geist als das bestimmende Moment des Willens.

„Denn dasjenige, was das allgemeine Entscheidungsvermögen zu dieser oder jener besonderen Entscheidung veranlasst, ist nichts anderes als das handelnde Wesen selbst, das die Kraft, die es besitzt, in dieser besonderen Weise betätigt.“ (S. 298)

Welches sind die Beweggründe für eine Entscheidung?

Als wichtigstes Motiv, welches auf den Willen des Entscheidungsträgers einwirken kann, ist für Locke das Unbehagen.

„Der Beweggrund für ein Verharren in demselben Zustand oder für die Fortsetzung derselben Tätigkeit ist lediglich die damit verknüpfte gleichzeitige Befriedigung; der Beweggrund zu einer Veränderung ist immer irgendein Unbehagen; denn nichts treibt uns zur Veränderung eines Zustandes oder zu einer neuen Handlung als eben ein solches Unbehagen.“ (S. 298)

„Nach wiederholtem Nachdenken neige ich zu der Annahme, dass es nicht, wie man gewöhnlich annimmt, das in Aussicht stehende größere Gut ist, sondern irgendein (und zwar meist das drückenste) Unbehagen, das man gegenwärtig empfindet.“ (S. 300)

Der Mensch empfindet Unbehagen, damit der „Wille zur Selbsterhaltung und zur Fortpflanzung der Gattung“ (S. 302) angeregt wird. Ohne das Unbehagen würden wir in einem zustand völliger Zufriedenheit und damit Untätigkeit verharren. Solch ein Zustand machte die Freiheit obsolet.

Welches ist der Inhalt der Begierde?

Unbehagen hat ein Begehren zur Folge. Der Zustand, der Unbehagen bereitet, ruft ein Begehren nach einem anderen Zustand hervor.

„Fragt man weiter, was das Begehren hervorrufe, so antworte ich: das Glück, und zwar nur dieses. (S. 309)

„…; dies geschieht vielmehr nur in dem Umfang und insoweit, als der Mensch es als notwendigen Bestandteil seines Glückes ansieht.“ (S. 311)

Worin besteht die Freiheit?

Es gibt tagtäglich unzählige Zustände, die Unbehagen bereiten und an deren Abschaffung wir interessiert sind. Die Bestimmung unseres Willens durch so viele Unbehagen lässt kaum Raum für die Betrachtung eines entfernten Guten. Nur manchmal, sollte es uns gelingen, eine Zeit lang von nicht so vielen Unbehagen geplagt zu werden, kann ein abwesendes Gut unserem Geist näher zu kommen und gewisses Begehren hervorzurufen.

„Es steht also in unseren Kräften, durch reifliche Erwägung und Prüfung eines vorgestellten Gutes unser Begehren in einem richtigen Verhältnis zu dem Werte dieses Gutes zu erwecken, so dass es zu seiner Zeit und an seinem Platz dazu gelangen mag, auf den Willen einzuwirken und erstrebt zu werden.“ (S. 314)

„Da der Geist, wie die Erfahrung zeigt, in den meisten Fällen die Kraft besitzt, bei der Verwirklichung und Befriedigung irgendeines Wunsches innezuhalten und mit allen anderen Wünschen der Reihe nach ebenso zu verfahren, so hat er auch die Freiheit, ihre Objekte zu betrachten, sie von allen Seiten zu prüfen und gegen andere abzuwägen. Hierin besteht die Freiheit, die der Mensch besitzt und aus deren falschen Gebrauch die ganze Fülle von Missgriffen, Irrtümern und Fehlern stammt, in die wir in unserer Lebensführung hineingeraten, wenn wir unsere Willensentscheidung überstürzen und vorschnell ohne rechte Prüfung zu handeln beginnen.“ (S. 315)

„Es ist dies Stillstehen, wo man den Weg nicht genügend kennt.“ (S. 318)

„…,dass der Verstand ungehindert prüfen, die Vernunft unbeeinflusst urteilen kann, so sollten wir hierauf in ersten Linie unsere Sorge und unsere Bemühungen richten.“ (S. 321)

„Ja, wenn wir durch etwas anderes bestimmt würden als durch das Endergebnis, zu dem unser eigener Geist bei seinem Urteil über das Gute oder Üble einer Handlung gelangt, dann wären wir nicht frei,…“ (S. 317)

„Er hatte die Kraft, seine Entscheidung hinauszuschieben, sie war ihm gegeben, damit er prüfen, für sein Glück sorgen und sich vor Täuschungen hüten könne.“ (S. 325)

„Da nämlich der Wille voraussetzt, dass ihn die Erkenntnis bei seiner Wahl leite, so ist das einzige, was wir tun können, dass wir unsern Willen indifferent halten, bis wir das Gute und Üble dessen, was wir begehren, geprüft haben.“ (S. 320)

Fazit – Freiheit des Mensch und aktive Kraft

Locke fragte zu Beginn seines Kapitels nach der aktiven Kraft in den Dingen der Aussenwelt. Durch die Reflexion auf die Operationen des Denkens versuchte er zu einer Idee der Kraft zu gelangen. Dieser Weg der Reflexion führte ihn über die Frage der Freiheit des Willen bzw. des Menschen und seiner Kraft, Prozesse beginnen zu können.

„Freiheit ist eine Kraft, entsprechend der Weisung des Geistes zu handeln oder nicht zu handeln. Die Kraft, die Fähigkeiten des Wirkens in den einzelnen Fällen zur Bewegung oder zu Ruhe zu veranlassen, nennen wir den Willen.“ (S. 341)

„Das Ergebnis unseres Urteils nach einer solchen Prüfung ist das, was letztlich den Menschen bestimmt, der nicht frei sein könnte, wenn sein Wille durch irgend etwas anderes als durch sein vom eigenen Urteil geleiteten Begehren bestimmt wäre.“ (S. 342)

„…, denn keinem wirkenden Wesen wird die Fähigkeit zur Freiheit anders zugeschrieben als unter der Voraussetzung, dass es denkt und urteilt.“ (S. 342)

Und was ist nun mit der aktiven Kraft in den Dingen der Außenwelt? War ja seine Ausgangsfrage!

„Zuweilen versetzt sich die Substanz oder das handelnde Wesen selbst durch seine eigene Kraft in Tätigkeit; das ist im eigentlichen Sinne aktive Kraft.“ (S. 345)

„Gleichwohl ist aber die Bewegung in jener festen Substanz recht betrachtet, nur Erleiden,…“ (S. 345)

„Die aktive Kraft der Bewegung ist also in keiner Substanz vorhanden, die nicht im Ruhezustand in sich selbst oder in einer anderen Substanz eine Bewegung beginnen kann.“ (S. 345)

Locke kann also ausschließen, dass es in den Dingen der Außenwelt eine aktive Kraft gibt, da sie nicht zum Denken und Urteilen fähig sind. Nur frei handelnde Wesen haben eine aktive Kraft, die es ihnen ermöglicht, Prozesse ohne äußeren Anstoß zu beginnen.

[...]


[1] Originaltitel: „An essay concerning human understanding“

[2] Die Überschriften der einzelnen Abschnitte folgen der Gliederung des Referates.

[3] Locke unterscheidet zwischen aktiver und passiver Kraft. „So gesehen ist das Vermögen eine zweifache, nämlich das Vermögen, eine Veränderung herbeizuführen oder eine solche zu erleiden. Das eine können wir die aktive, das andere passive Kraft nennen.“ (S. 277)

[4] John Lo>

[5] Ebd.; S. 276f.

[6] Ebd.; S. 277.

[7] Ebd.; S. 277.

[8] Für Locke ist der Begriff der Kraft nicht ausreichend, wenn er sich nicht auch auf die Erzeugung eines Prozesses bezieht. „Denn das ist nur eine sehr undeutliche Idee der Kraft, die sich nicht auch auf die Erzeugung einer Tätigkeit erstreckt, sondern nur bis zum Fortdauern eines Erleidens reicht.“ (S. 279)

[9] Ebd.; S. 279.

[10] Ebd.; S. 279.

[11] Ebd.; S. 279.

[12] Ebd.; S. 280.

[13] Ebd.; S. 280.

[14] Ebd.; S. 281.

[15] Locke versteht unter Handlung „…auch die Unterlassung einer uns vorschwebenden Handlung… . Stillsitzen oder Schweigen, wenn Umhergehen oder Reden angeregt wird, sind zwar bloße Unterlassungen; erfordern aber ebenso gut eine Willensentscheidung und haben oft ebenso schwerwiegende Folgen wie die entgegengesetzten Handlungen und können in dieser Hinsicht auch ihrerseits sehr wohl als Handlungen gelten.“ (S. 298)

[16] „Die Unterlassung jener Handlung gemäß einem solchem Befehl oder gemäß einer solchen Anweisung des Geistes nennen wir willkürlich. Jede Handlung, die ohne einen derartigen Gedanken des Geistes vollzogen wird, heißt unwillkürlich.“ (S. 281)

[17] „Wer die Frage so stellt (nämlich ob der Wille frei sei), fragt mithin in Wirklichkeit, ob der Wille eine Substanz, ein handelndes Wesen sei; oder er setzt dies zumindest voraus, da die Freiheit, genau genommen, nichts anderem zugeschrieben werden kann.“ (S. 288)

[18] Ebd.; S. 287.

[19] „Denn Kräfte sind Relationen, nicht handelnde Wesen; nur das, was die Kraft zu wirken besitzt oder nicht besitzt, ist frei oder nicht frei; die Kraft selbst ist es nicht. Denn Freiheit oder Unfreiheit kann nur dem zukommen, was die Kraft zu handeln besitzt oder nicht besitzt.“ (S. 290)

[20] Ebd.; S. 283.

[21] Ebd.; S. 284.

[22] Ebd.; S. 288.

[23] Ebd.; S. 293.

[24] „Es ist somit klar, dass der Mensch in den meisten Fällen nicht die Freiheit hat zu wollen oder nicht zu wollen…“ (S. 296)

[25] Ebd.; S. 294.

[26] Ebd.; S. 295f.

[27] Ebd.; S. 297.

[28] Ebd.; S. 297.

[29] Ebd.; S. 298.

[30] Ebd.; S. 298.

[31] Ebd.; S. 300.

[32] Ebd.; S. 309.

[33] Ebd.; S. 311.

[34] Ebd.; S. 315.

[35] Ebd.; S. 318.

[36] Ebd.; S. 325.

[37] Ebd.; S. 314.

[38] „…,dass der Verstand ungehindert prüfen, die Vernunft unbeeinflusst urteilen kann, so sollten wir hierauf in ersten Linie unsere Sorge und unsere Bemühungen richten.“ (S. 321)

[39] Ebd.; S. 317.

[40] Ebd.; S. 320.

[41] Ebd.; S. 341.

[42] Ebd.; S. 342.

[43] Ebd.

[44] Ebd.; S. 345.

[45] Ebd.

[46] Locke unterscheidet zwischen aktiver und passiver Kraft. „So gesehen ist das Vermögen eine zweifache, nämlich das Vermögen, eine Veränderung herbeizuführen oder eine solche zu erleiden. Das eine können wir die aktive, das andere passive Kraft nennen.“ (S. 277)

[47] Für Locke ist der Begriff der Kraft nicht ausreichend, wenn er sich nicht auch auf die Erzeugung eines Prozesses bezieht. „Denn das ist nur eine sehr undeutliche Idee der Kraft, die sich nicht auch auf die Erzeugung einer Tätigkeit erstreckt, sondern nur bis zum Fortdauern eines Erleidens reicht.“ (S. 279)

[48] Die Kraft kann sich nach Locke nur auf eine Tätigkeit beziehen. Da nur Denken und Bewegung Tätigkeiten sind, und ein Körper in der Außenwelt uns keine Idee vom Denken vermittelt – die können wir nur durch eigene Reflexion erhalten-, und er uns ebenso wenig eine Idee der Erzeugung einer Kraft vermittelt, bleibt uns, um zu einer klaren Idee der aktiven Kraft zu gelangen, nur der Weg der Reflexion auf unser eigenes Denken. Hier können wir am besten die Kraft und gleichsam den Beginn eines Prozesses, der durch die Kraft ausgelöst wird, erkennen.„1.Vom Denken vermitteln uns die Körper überhaupt keine Idee; wir gewinnen eine solche nur durch Reflexion. 2.Ebensowenig erhalten wir durch die Körper eine Idee von dem Beginn einer Bewegung.“ (S. 279)

[49] Locke versteht unter Handlung „…auch die Unterlassung einer uns vorschwebenden Handlung… . Stillsitzen oder Schweigen, wenn Umhergehen oder Reden angeregt wird, sind zwar bloße Unterlassungen; erfordern aber ebenso gut eine Willensentscheidung und haben oft ebenso schwerwiegende Folgen wie die entgegengesetzten Handlungen und können in dieser Hinsicht auch ihrerseits sehr wohl als Handlungen gelten.“ (S. 298)

[50] „Wer die Frage so stellt (nämlich ob der Wille frei sei), fragt mithin in Wirklichkeit, ob der Wille eine Substanz, ein handelndes Wesen sei; oder er setzt dies zumindest voraus, da die Freiheit, genau genommen, nichts anderem zugeschrieben werden kann.“ (S. 288)

[51] „Es ist somit klar, dass der Mensch in den meisten Fällen nicht die Freiheit hat zu wollen oder nicht zu wollen…“ (S. 296)

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Zu: John Locke "Über den menschlichen Verstand, II, Kapitel XXI: Von der Kraft"
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Freiheit und Determinismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V74506
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit ohne Sekundärliteratur (Anm. der Red.)
Schlagworte
John, Locke, Verstand, Kapitel, Kraft, Freiheit, Determinismus
Arbeit zitieren
Edith Marpoder (Autor), 2004, Zu: John Locke "Über den menschlichen Verstand, II, Kapitel XXI: Von der Kraft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74506

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