Diese Arbeit versucht der Fragestellung nach einer Kontanten in der religiösen Dimension des Christen- und Judentums im bezug auf Sehen und Auge in seiner Bedeutung für die Entwicklung der neuen Sehkultur miteingeschlossen die Photographie nachzuspüren. Existiert eine derartige Konstante? Ist die Entwicklung nicht eher durch Brüche und Diskontinuitäten gekennzeichnet?
Bereits im ersten Gliederungspunkt wird der Diskonsens in der historischen Betrachtung zur Genese der Photographie dargelegt, indem einige ausgewählte Positionen vorgestellt werden.
Ein zweiter Punkt befasst sich mit dem Sehen und Auge in verschiedenen Dimensionen analysiert anhand von Bibel, Talmud und in der rabbinischen Theologie als eine mögliche Basis für die einsetzende Entwicklung zur Sehkutltur in ihrer heutigen Physiognomie.
Im Ausblick stehen wissenschaftliche Folgen im Mittelpunkt. Die Arbeit wird mit der Fragestellung nach dem Einfluss der religiösen Dimension in ihrer Relation zur Sehkultur schließen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Verschiedene Positionen in der Wissenschaft
C. Diverse Dimensionen des Sehens und der Definition des Auges in Bibel, Talmud und der rabbinischen Theologie
I. Vorbemerkungen
II. Die göttliche Dimension: Das prophetische Sehen
II.1. Christliche Prophetie
II.2. Das jüdische Verständnis
III. Die menschliche Ebene: das Auge
III:1. Das Neue Testament
III. 2. Der Talmud
III.3. Die rabbinische Reflexion
III.4. Das Verhältnis Wort und Bild im Judentum
D. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob es innerhalb der religiösen Dimension des Christentums und Judentums eine Konstante im Verständnis von Sehen und Auge gibt, die einen Einfluss auf die Genese der modernen Sehkultur und der Photographie ausübt. Ziel ist es, diese religiösen Konzepte kritisch auf ihr Potenzial zu prüfen, diese Entwicklung entweder zu fördern oder zu hemmen.
- Historische Analyse der Photographie und ihrer Einordnung in die visuelle Kultur
- Untersuchung des prophetischen Sehens als göttliche Dimension
- Analyse des Auges und Sehens in Bibel, Talmud und rabbinischer Theologie
- Vergleich des Wort- und Bildverhältnisses im christlichen und jüdischen Kontext
- Kritische Reflexion über den Einfluss religiöser Traditionen auf die moderne Visualistik
Auszug aus dem Buch
C. Diverse Dimensionen des Sehens und der Definition des Auges in Bibel, Talmud und rabbinischer Theologie
“Ich bin Josef, euer Bruder!” Mit diesen Worten begrüsste Papst Johannes XXIII 1960 jüdische Besucher im Vatikan. Er spielte sicherlich auf seinen Taufnamen an, rief aber primär die biblische Erzählung aus dem AT ins Gedächtnis. Hier beendeten diese Worte eine massive Entfremdung zwischen den Brüdern. Die Geisteshaltung in den Worten des Papstes bekundet wurde später im Zweiten Vatikanum in die Tat umgesetzt, welches ein weltweites Echo fand. (1). Die Erklärung dieses Konzils “Nostra Aetate” ist von relevanter Bedeutung, stellt es doch einen Meilenstein in der wechsel- und oft sehr leidvollen Beziehungsgeschichte der christlich - jüdischen Auseinandersetzung dar.
Der nun neu einsetzende Dialog mit den Juden erlebte im Synagogenbesuch des Papstes in Rom 1986 eine Gipfelsituation: Der Oberrabbiner und der Papst reichten sich brüderlich die Hand. (2). In dem Dokument “Nostra Aetate” ist der Punkt No 4 (3) von Bedeutung. Zu dieser Erklärung wurden zwei weitere offizielle Dokumente verfasst, von denen ich das Schriftstück “Richtlinien für die Durchführung der Konzilserklärung “ aufgreife, um den didaktischen wichtigen Aspekt zu demonstrieren. (4). Dieses Dokument wurde am 1.12. 1974 veröffentlicht. Es beginnt mit einigen grundsätzlichen Überlegungen und einem Appell , sämtliche Formen des Antisemitismus und der Diskriminierung zu überwinden. Danach folgt ein 4 - Punkte - Programm zur möglichen Realisierung.(5).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Macht des Bildes in der modernen Wissenschaft und stellt die Forschungsfrage nach den religiösen Ursprüngen unserer heutigen Sehkultur.
B. Verschiedene Positionen in der Wissenschaft: In diesem Kapitel werden unterschiedliche wissenschaftliche Thesen zur Genese der Photographie vorgestellt, die von technischen Entwicklungen bis hin zu kollektiven menschlichen Wünschen reichen.
C. Diverse Dimensionen des Sehens und der Definition des Auges in Bibel, Talmud und der rabbinischen Theologie: Das zentrale Kapitel analysiert die christlichen und jüdischen Konzepte von Sehen, Prophetie und dem Verhältnis von Wort und Bild als mögliche Grundlagen für eine neue Sehkultur.
D. Ausblick: Der Ausblick zieht das Fazit, dass sich kein direkter fördernder Einfluss religiöser Einflüsse auf die Entstehung der Photographie nachweisen lässt und diese Dimension in der modernen Wissenschaft weitgehend negiert wird.
Schlüsselwörter
Photographie, Sehkultur, Christentum, Judentum, Auge, Prophetie, Bildverbot, Wortreligion, Nostra Aetate, Visualistik, Bild-Wort-Verhältnis, Theologie, rabbinische Reflexion, moderne Wissenschaft, religiöse Dimension
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den geschichtlichen und theologischen Ursprung unserer heutigen Sehkultur und fragt nach dem Einfluss christlicher und jüdischer Traditionen auf die Entwicklung der Photographie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Photographie, theologische Konzepte des Sehens in Bibel und Talmud, das Bildnisverbot im Judentum sowie den christlich-jüdischen Dialog.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob es eine religiöse Konstante im Verständnis von Sehen und Auge gibt, die die Herausbildung einer neuen Sehkultur und den Aufstieg der Photographie entweder begünstigt oder gehemmt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Analyse durchgeführt, bei der sowohl wissenschaftliche Fachliteratur als auch zentrale religiöse Dokumente und Schriften ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition der Prophetie, das Verständnis des Auges im Neuen Testament und im Talmud, die rabbinische Anthropologie sowie das Verhältnis von Wort und Bild im Judentum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Photographie, Sehkultur, Bildverbot, Wort-Bild-Verhältnis, christlich-jüdischer Dialog und theologische Anthropologie geprägt.
Inwiefern beeinflusst das Bildverbot im Judentum die Entwicklung der Photographie?
Die Arbeit argumentiert, dass das jüdische Bildverbot eher eine hemmende und zensurfördernde Rolle einnimmt, da es die Angst vor Machtausübung durch das Abbilden verstärkt und eine Dynamik der Entwicklung verhindert.
Wie unterscheidet sich die Auffassung des Göttlichen zwischen Christentum und Judentum in Bezug auf das Medium des Sehens?
Die Arbeit verweist auf den Historiker Heinrich Grätz, wonach das Heidentum und teils das Christentum das Göttliche durch das Auge schaut, während sich das Göttliche im Judentum primär durch das Medium des Ohres – also das Hören – offenbart.
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- Philumena Reiser (Author), 2002, Die mögliche Genese der Photographie aus dem christlichen und jüdischen Verständnis zur Seh- und Bildkultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7458