Niemals in der Geschichte der Menschheit stand die Welt so nahe am nuklearen Abgrund wie während der Kuba-Krise, die am 15. Oktober 1962 begann und am 28. Oktober 1962 glimpflich endete. Die Sowjetunion löste diese Krise mit der heimlichen Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen auf Kuba aus, worauf die USA nach deren Entdeckung mit einer Blockade Kubas und der Vorbereitung einer Invasion reagierten. Heute weiß man, dass die sowjetischen Truppenführer autorisiert waren, im Falle einer amerikanischen Invasion taktische Nuklearwaffen einzusetzen , was mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem globalen nuklearen Schlagabtausch geführt hätte. Doch auch damals war man sich in der US-Administration über die möglichen Folgen einer Invasion, insbesondere für die europäischen Alliierten, im klaren. Der im Jahre 1949 in Kraft getretene Nato-Vertrag sieht in Artikel 4 klare Handlungsvorschriften für den Fall vor, dass ein Nato-Mitglied die territoriale Integrität, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit eines anderen Nato-Staats oder seiner selbst gefährdet sieht . Die vorliegende Arbeit will anhand der Quellen der Frage nachgehen, welche Haltung das Executive Committee of the United States National Security Council (ExComm) gegenüber den europäischen Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise einnahm und welche Motive die US-Administration diesbezüglich leiteten. Diese Frage ist von besonderer Relevanz, da sich gleichsam die USA als auch Europa der nuklearen Auslöschung gegenüber sahen, wobei jedoch die europäischen Alliierten nahezu vollständig vom Entscheidungsfindungsprozess durch die USA ausgeschlossen wurden. Bei den zugrunde liegenden Quellen handelt es sich um Primärquellen: Dies sind zwei Tonbandskripte vom 27. Oktober 1962, Aufnahmebeginn um 16.00 Uhr und 21:00 Uhr , welche Präsident John F. Kennedy mit Wissen seines Bruders, Robert Kennedy, anfertigte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Das ExComm
- Entscheidungsstrukturen und transatlantische Interessenkonflikte in der NATO
- Haltung des ExComm gegenüber den europäischen NATO-Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Haltung des Executive Committee of the United States National Security Council (ExComm) gegenüber den europäischen NATO-Alliierten während der Kuba-Krise. Sie analysiert, welche Motive die US-Administration in dieser Zeit leiteten und welche Rolle die europäischen Alliierten im Entscheidungsfindungsprozess einnahmen.
- Die Rolle des ExComm während der Kuba-Krise
- Die Entscheidungsstrukturen innerhalb der NATO und die damit verbundenen Interessenkonflikte zwischen den USA und den europäischen Alliierten
- Die Kommunikation und das Verhältnis des ExComm zu den europäischen NATO-Alliierten während der Kuba-Krise
- Die möglichen Folgen einer militärischen Intervention der USA für die europäischen Alliierten
- Der Einfluss der Kuba-Krise auf die transatlantische Zusammenarbeit
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt die Kuba-Krise als einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dar und beleuchtet die Gefahren eines nuklearen Krieges. Sie führt die Rolle des ExComm ein und stellt die Forschungsfrage nach der Haltung des ExComm gegenüber den europäischen Alliierten im Kontext der Kuba-Krise.
Hauptteil
Das ExComm
Dieser Abschnitt stellt die Zusammensetzung des ExComm vor und beschreibt die wichtigsten Mitglieder, die in der Analyse der Kuba-Krise eine entscheidende Rolle spielten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von John F. Kennedy und Robert Kennedy.
Entscheidungsstrukturen und transatlantische Interessenkonflikte in der NATO
Dieser Abschnitt untersucht die Entscheidungsstrukturen innerhalb der NATO im Kontext der Kuba-Krise und die damit verbundenen Interessenkonflikte zwischen den USA und ihren europäischen Alliierten. Er analysiert die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Akteure und die Herausforderungen, die sich aus den verschiedenen geopolitischen Interessen ergaben.
Haltung des ExComm gegenüber den europäischen NATO-Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise
Dieser Abschnitt analysiert die Haltung des ExComm gegenüber den europäischen Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise. Er untersucht die Kommunikation zwischen den USA und ihren europäischen Partnern sowie die möglichen Folgen einer militärischen Intervention der USA für die europäischen Alliierten.
Schlüsselwörter
Die Kuba-Krise, ExComm, NATO, transatlantische Beziehungen, nukleare Abrüstung, Interessenkonflikte, Entscheidungsfindungsprozesse, militärische Intervention, politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Was war das ExComm während der Kuba-Krise?
Das Executive Committee (ExComm) war ein Beraterstab von Präsident John F. Kennedy, der während der Kuba-Krise 1962 zur Bewältigung der nuklearen Bedrohung einberufen wurde.
Wie wurden die NATO-Alliierten in die Entscheidungen einbezogen?
Die europäischen NATO-Alliierten wurden von der US-Administration weitgehend vom eigentlichen Entscheidungsprozess ausgeschlossen, obwohl sie im Falle eines Atomkriegs direkt betroffen gewesen wären.
Welche Rolle spielten die Tonbandaufnahmen von JFK?
Präsident Kennedy fertigte heimlich Tonbandaufnahmen der ExComm-Sitzungen an, die heute als wichtige Primärquellen zur Analyse der Motive und Strategien der US-Regierung dienen.
Was sah Artikel 4 des NATO-Vertrags vor?
Artikel 4 sieht Konsultationen vor, wenn ein Mitglied die territoriale Integrität oder Sicherheit eines anderen Staates gefährdet sieht – ein Mechanismus, der in der Krise auf die Probe gestellt wurde.
Warum war die Gefahr eines nuklearen Schlagabtauschs so hoch?
Sowjetische Truppen auf Kuba waren autorisiert, im Falle einer US-Invasion taktische Nuklearwaffen einzusetzen, was fast sicher zu einem globalen Atomkrieg geführt hätte.
- Quote paper
- Robert Schütte (Author), 2002, Die Kuba-Krise: Verhalten des ExComm gegenüber Nato-Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7461