Die Klausur im Mittelalter - Geschichte, Bedeutung, Leben und Arbeiten


Seminararbeit, 2004
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Zum Begriff der Klausur

3. Geschichte der Klausur
3.1 Allgemein
3.2 Entwicklungen und Reformen von Klausur und Kloster
3.2.1 Die Anfänge der Klöster
3.2.2 Ablehnung gegen Frauen und Trennung von Frauen- und
Männerklöstern
3.2.3 Klausurreformen im 15. Jh
3.3 Kloster und Welt
3.3.1 Klöster und Stifte
3.3.2 Von der Nichteinhaltung der Klausur und klösterlichen Regeln

4. Religiöse Bewegungen im Mittelalter – Die Beginen
4.1 Definition und Begründung des Beginentums
4.2 Leben der Beginen im Vergleich zu einem Leben in Klausur und Kloster

5. Die Klausur im Mittelalter
5.1 Die Bedeutung
5.1.1 Gott begegnen
5.1.2 Ehelos leben
5.1.3 Ort der Bildung
5.1.3.1 Allgemein
5.1.3.2 Die Bildung der Dominikanerinnen im 13. – 15. Jahrhundert
5.2 Leben in der Klausur
5.2.1 Die „architektonische“ Klausur
5.2.2 Alltag im Kloster
5.2.2.1 Tagesablauf, Hauptbeschäftigung
5.2.2.2 Weitere Aufgaben und Arbeiten im Kloster
5.2.3 Ämter im Kloster
5.2.3.1 Die Äbtissin
5.2.3.2 Die Novizenmeisterin
5.2.3.3 Die Bibliothekarin
5.2.3.4 Die Kellnerin
5.2.4 Außenkontakte
5.2.5 Die Klausnerinnen

6. Kurzer Vergleich zu den Männerklöstern

7. Was hat sich geändert? – Ein persönliches Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Klausur in Frauen- und Männerklöstern hat eine lange Geschichte. Diese Geschichte soll hier in kurzer Form dargestellt werden, ebenso wie die Bedeutung der Klausur und das Leben mit Aufgaben, Diensten und Ämtern in Frauenklöstern. Es wird zuerst auf den Begriff der Klausur eingegangen, anschließend auf die Geschichte und kurz auf die Beginen und ihr Leben, schließlich auf die Bedeutung und das Leben in Kloster und Klausur. Zum Abschluss folgen ein kurzer Vergleich zu der Klausur und der Bildung in Mönchsklöstern und abschließend eine kurze Darstellung der Klausur in heutiger Zeit aus eigener Erfahrung.

2. Zum Begriff der Klausur

Der Begriff Klausur kommt aus dem Lateinischen ‚claudere’ und bedeutet schließen.1 Weiterhin bezeichnet das lateinische Wort ‚claustra’, von dem sich ‚claudere’ ableitet, „sowohl Vorrichtungen zum Verschließen an Türen (Schloß, Riegel) als auch durch ein natürl. oder künstl. geschaffenes Hindernis abgesperrte Räume im weitesten Sinne (...).“2 Schließlich wurde seit dem 9.Jh. das Wort ‚claustrum’ für den Bereich des Kreuzganges und der Gesamtkomplex eines Klosters verwendet3 und mit ‚clausura’ „wurde die Grenze des allein den Mönchen und Nonnen vorbehaltenen Bereichs bezeichnet, schließlich dieser Bereich selbst (...).“4 Unterschieden wird zwischen aktiver und passiver Klausur, wobei unter der aktiven Klausur zu verstehen ist, dass die Mönche und Nonnen den Klosterbereich nicht verlassen dürfen. Die passive Klausur hingegen verbietet Außenstehenden den Klosterbereich zu betreten.5

Heike Uffmann führt in einem Aufsatz zwei weitere Bedeutungen des Begriffs der Klausur nach Johannes Meyer an. Für ihn gäbe es neben der passiven und aktiven Klausur eine leibliche und eine geistliche: „Die geistliche Klausur verweise auf ein tugendhaftes Leben und die leibliche auf die Klausur nach Ordensgewohnheit. (...) Meyer spricht also von der zweifachen Klausur einer jeden Dominikanerin: die äußere, die die klösterliche Lebensweise bietet, und die innere, die eine jede Schwester für sich selbst errichten muss.“6

3. Geschichte der Klausur

3.1 Allgemein

„Das Konzil v. Chalkedon (451) legte den Grundstein allg. Anordnungen für die päpstl. K. u. erließ Strafbestimmungen bei Handlungen gg. die K.“7 Für die Frauengemeinschaften führte Papst Bonifaz VIII. 1298 [mit der Konstitution Periculosa]8 die strenge Klausur ein und 1317 wurde dieses Gebot von Papst Clemens V. auf alle religiösen Frauen, dazu gehörten auch die Beginen und die Angehörigen der Drittorden, ausgeweitet.9 Für die Männerorden wurden 1566 mit der Konstitution Regularium und 1570 mit dem Decret Decet von Papst Pius V. strenge Klausurbestimmungen erlassen.10 Immer wieder wurden in den Jahren bis 1983 neue Klausurbestimmungen von Päpsten und Konzilien eingeführt bzw. abgeschafft. Zu nennen sind die Konstitution Regularis, in der Benedikt XIV. 1742 Klausur-Privilegien aufhob und die Apostolische Konstitution Sponsa Christi, mit der Pius XII. 1950 den Unterschied zwischen einer kleinen und einer großen päpstlichen Klausur beschrieb.11 „Den Abschluss der Entwicklung bilden die Neuregelungen im c. 667 des CIC/1983 u. im c.477 des CCEO.“12 Diese Bestimmungen verlangen u.a., dass ein Mindestmaß an Klausur bestehen soll, d.h. es soll einen Bereich im Kloster geben, der allein den Ordensmitgliedern vorbehalten ist.13

3.2 Entwicklungen und Reformen von Klausur und Kloster

3.2.1 Die Anfänge der Klöster

„Die Anfänge des weiblichen wie männlichen Klosterlebens erfolgten im Bereich der lateinischen Kirche seit der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts.“14 Anfangs gab es Hausgemeinschaften, in denen sich zölibatär lebende Frauen, Witwen, Sklaven und Freunde und Verwandte trafen. Im dritten Jahrhundert wurden diese in die Kirche integriert.15 es wird weiterhin von riesigen Wüstengemeinschaften von ca. jeweils 2000 Nonnen und Mönchen berichtet, die sich zu Klöstern entwickelten.16 „In Gallien erfolgten die ersten Gründungen von Frauenklöstern seit der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert, (...).“17 Zumeist wurden die Klöster in Städten angesiedelt, da sie geschützter waren, als auf freiem Land.18 Nachdem im 7. Jahrhundert Stifte, die vor allem Bedeutung für einzelne Familien hatten, z.B. als Grablege, gegründet worden, betrug der Anteil an Frauenklöstern schließlich nur ca. 8%, im 7. Jahrhundert waren es noch ca. 30%.19

3.2.2 Ablehnung gegen Frauen und Trennung von Frauen- und Männerklöstern

Aus vielen Quellen lässt sich entnehmen, dass es im Mittelalter sehr viele Frauen gab, die sehr religiös waren und ein religiöses Leben führten, bzw. führen wollten, was vor allem daran deutlich wird, dass es eine große religiöse Frauenbewegung gab.20 Lange Zeit konnten die Frauen in Klöstern oder Klostergemeinschaften leben, teilweise auch in sogenannten Doppelklöstern, wo Frauen und Männer getrennt lebten, aber zum Gottesdienst zusammenkamen21, doch die Zahl derer, die ein klösterliches Leben wollten, stieg.22 Und so hatten es die Frauen nicht immer einfach diesen Wunsch verwirklichen zu können. Es gibt Beispiele, in denen uns mitgeteilt wird, dass die Frauen nicht mehr aufgenommen wurden in Klöstern und ihnen verweigert wurde neue Frauengemeinschaften zu gründen. So z.B. der Dominikanerorden. Im Jahre 1228 erließ das Generalkapitel einen Beschluss, nachdem die Aufnahme weiterer Frauengemeinschaften und Betreuung dieser untersagt wird.23 Ein zweites Beispiel ist im Zusammenhang mit dem Zisterzienserorden zu nennen. Im 12. Jahrhundert hatten auch sie eine ablehnende Haltung gegenüber den Frauen. Es wird berichtet von „grundsätzlichen Ablehnungsbeschlüssen“24 gegen Frauen. Erst um 1200 wurde diese Ablehnung gänzlich aufgehoben.25

Zunehmend wurden schließlich auch die Doppelklöster aufgelöst: „Die allmähliche Auflösung der Doppelklöster bzw. der gemeinsamen männlich-weiblichen Einrichtungen seit dem 12. Jahrhundert erfolgte aufgrund männlicher Vorbehalte, aber auch wegen tatsächlicher Schwierigkeiten im alltäglichen Zusammenleben von Männern und Frauen in einer geistlichen Gemeinschaft am gleichen Ort.“26 Jedoch waren teilweise die Männerklöster auf die Frauen angewiesen. Ein Beispiel dafür ist der Prämonstratenserorden in Klosterrath im 12. Jahrhundert. Anfangs wurde die Zahl der Nonnen auf 8 beschränkt und, wie es heißt „strenger Klausur unterworfen“.27 1140 wurden viele Nonnen versetzt, doch 1141 viele wieder aufgenommen, weil diese Kleider für die Mönche anfertigten.28

Ein weiterer Grund für die Trennung und die Unterwerfung der Frauen unter strenge Klausur ist auch der, dass Frauen Lasterhaftigkeit und Verführung nachgesagt wurde, wovor es die Männer zu schützen galt.29

Letztendlich ist es zu einer Seltenheit geworden, dass Männer- und Frauenklöster am gleichen Ort bestehen.

3.2.3 Klausurreformen im 15. Jh.

Im 15. Jahrhundert sind in allen Orden Reformbestrebungen nachzuweisen, die einerseits auf eine strenge Observanz abzielten30, andererseits „waren die Rückkehr zu ursprünglichen monastischen Idealen, wie zur strengen Klausur, Armut und zum gemeinsamen Leben (das heißt gemeinsamer Tisch und Gemeinbesitz)“31 Ziele der Reformen.

In der schon benannten Papstbulle von 1298 wurde erstmals auch der Unterschied gemacht zwischen aktiver und passiver Klausur. So sollten die Nonnen die Klausur nur verlassen, wenn ein triftiger Grund vorlag und dann auch nur in Begleitung.32 Es gab gerade im architektonischen Bereich neue Bestimmungen, nach denen die Abtrennung zur Außenwelt verstärkt wurde, dafür im Inneren der Klausur wiederum Gärten angelegt wurden.33

Zu den inneren und äußeren Bedingungen des Klosterlebens soll an anderer Stelle noch Auskunft gegeben werden.

Abschließend zu diesem Punkt ist jedoch festzustellen, dass die Klausur, besonders in Frauenklöstern zur Zeit der Reformen eine besondere Rolle spielte.

[...]


1 Vgl. Henseler, Klausur, 118.

2 Dubois, Klausur, 1196.

3 Vgl. ebd., 1196.

4 Ebd., 1196.

5 Vgl. Henseler, Klausur, 118.

6 Uffmann, Raum und Klausur, 205.

7 Henseler, Klausur, 119.

8 Vgl. ebd., 119.

9 Vgl. Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 39.

10 Vgl. Henseler, Klausur, 119.

11 Vgl. ebd., 119.

12 Ebd., 119.

13 Ebd., 119.

14 Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 17.

15 Vgl. ebd., 17.

16 Vgl. Utrio, Evas Töchter, 117.

17 Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 17.

18 Vgl. ebd. 17.

19 Vgl. ebd., 17-18.

20 Vgl. Ennen, Frauen im Mittelalter, 112.

21 Vgl. ebd., 113.

22 Vgl. Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 37.

23 Vgl. ebd., 39.

24 Ennen, Frauen im Mittelalter, 113.

25 Vgl. ebd., 113.

26 Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 34.

27 Ennen, Frauen im Mittelalter, 113.

28 Vgl. ebd., 113.

29 Fößel/Hettinger, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, 30.

30 Vgl. Uffmann, Raum und Klausur, 190.

31 Ebd., 191.

32 Vgl. ebd., 193.

33 Vgl. ebd., 203.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Klausur im Mittelalter - Geschichte, Bedeutung, Leben und Arbeiten
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V74665
ISBN (eBook)
9783638716185
ISBN (Buch)
9783638718578
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klausur, Mittelalter, Geschichte, Bedeutung, Leben, Arbeiten
Arbeit zitieren
Sabine Rödiger (Autor), 2004, Die Klausur im Mittelalter - Geschichte, Bedeutung, Leben und Arbeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74665

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