In der vorliegenden Ausarbeitung möchte ich die wichtigsten theoretischen Aspekte der Elternbildung und der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule ansprechen und deren praktische Umsetzung näher betrachten. Dazu widme ich mich im ersten Kapitel einer allgemeinen Einführung in die Elternbildung, unter Berücksichtigung ihrer Hintergründe, Aufgaben und Ziele. Im zweiten Kapitel erfolgt ein Einblick in die tatsächliche Kontaktsituation zwischen LehrerInnen und Eltern, die die Schwierigkeiten bei der Kooperation beider Instanzen deutlich werden lässt. Das dritte und umfangreichste Kapitel problematisiert auf Basis der beiden vorangegangenen das Verhältnis von Schule und LehrerInnen einerseits und Eltern, die sozial niedrigen Schichten und dem Ausland entstammen andererseits. Dabei gehe ich anhand der sog. Ressourcentheorie auf Erklärungsversuche ungleicher Bildungschancen ein und ziehe daraus Konsequenzen für eine konkrete Anwendung in der Elternbildung und der Kooperation von Elternhaus und Schule. Das vierte und letzte Kapitel öffnet schließlich das Thema der Elternbildung nach außen hin und stellt politisch-gesellschaftliche Forderungen im Hinblick auf eine Pädagogik der Vielfalt.
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Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Von ‚Bildung heute’ zur Notwendigkeit einer Elternbildung
2.1 Bildung heute
2.2 Definition ‚Elternbildung’
2.3 Hintergründe von Elternbildung
2.4 Aufgaben und Ziele von Elternbildung
3 Umsetzung der Kooperation von Eltern und Schule
3.1 Kontaktsituationen zwischen Eltern und Schule
3.2 Probleme bei der Kooperation zwischen Eltern und Schule
4 Elternbildung von und Zusammenarbeit mit sozial Benachteiligten sowie Eltern mit Migrationshintergrund
4.1 Die Institution Schule
4.2 Die Rolle der Lehrkräfte
4.3 Die Ressourcentheorie zur Erklärung ungleicher Bildungschancen
4.4 Konsequenzen für die Elternarbeit mit sozial Benachteiligten und Eltern mit Migrationshintergrund
5 Perspektiven und Forderungen über die Elternbildung hinaus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Aspekte der Elternbildung und die praktische Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Barrieren in der Kooperation sowie der Entwicklung von Lösungsansätzen für eine gelingende Elternarbeit, besonders im Kontext sozial benachteiligter Familien und Familien mit Migrationshintergrund.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen der Elternbildung
- Analyse der Kontaktsituationen und bestehender Kooperationsprobleme
- Anwendung der Ressourcentheorie zur Erklärung von Bildungsungleichheit
- Bedeutung der Bildungserfahrung von Eltern für den Schulerfolg
- Konsequenzen und politische Forderungen für eine Pädagogik der Vielfalt
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Ressourcentheorie zur Erklärung ungleicher Bildungschancen
Die beiden französischen Soziologen Bourdieu und Passeron beschäftigten sich mit der Chancen(un)gleichheit im französischen Bildungssystem und entwickelten und publizierten gemeinsam eine – wenn man so will – prominent gewordene Ressourcentheorie um Ursachen und Wirkungsmechanismen ungleicher Bildungschancen aufzudecken. Basis dieser Theorie ist die Annahme, dass Eltern über ein auf ihrem Lebensweg angesammeltes soziales und kulturelles Kapital verfügen, das sie in Form von ‚Investitionen’ auf dem Bildungsweg ihrer Kinder nutzen können. Demnach sind die Erfolgschancen der Kinder umso größer, je mehr Kapital den Eltern in der Konkurrenz um das knappe Bildungsgut zur Verfügung steht.
Stimmt diese Theorie mit der Realität überein, so bedeutet dies, dass die nicht erst seit PISA nachweislich verminderten Bildungschancen ausländischer und Unterschichtkinder auf Ressourcenrückstände innerhalb ihrer Familien zurückzuführen sind, deren Erscheinungsformen aufgedeckt werden müssen, um gegen sie vorzugehen.
Kristen und Granato (in Blade & Bommes, 2004, S. 123-141) haben in Anlehnung an dieses Investitionsmodell Analysen über Umfang und Beschaffenheit der Bildungsressourcen in Migrantenfamilien durchgeführt. Unter dem Ressourcen- bzw. Kapitalbegriff wollten die Autorinnen „alle Eigenschaften, Positionen und Güter [vereinigt wissen], die sich die Akteure in irgendeiner Weise zunutze machen können“ (Kristen & Granato in Blade & Bommes, 2004, S. 125) und ordnen ihm Bildungserfahrungen (Wissen über Struktur des Bildungssystems, über eventuelle Fördermöglichkeiten und besonders auch Anlaufstellen zur Klärung wichtiger Fragen) im Ausbildungsland der Kinder, Bildungsqualifikationen im Umfeld der Kinder, aber auch zeitliche und finanzielle Ressourcen unter.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Aspekte der Elternbildung ein und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 Von ‚Bildung heute’ zur Notwendigkeit einer Elternbildung: Das Kapitel erläutert die Bedeutung von Bildung als Lebensvoraussetzung und definiert den Begriff der Elternbildung als fachliches Bemühen zur Unterstützung der Erziehung.
3 Umsetzung der Kooperation von Eltern und Schule: Hier werden vielfältige Möglichkeiten der Kontaktaufnahme sowie typische Hindernisse und Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule thematisiert.
4 Elternbildung von und Zusammenarbeit mit sozial Benachteiligten sowie Eltern mit Migrationshintergrund: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Rolle der Schule und der Lehrkräfte sowie die Ressourcentheorie, um Bildungsungleichheiten zu erklären und Konsequenzen für die Praxis abzuleiten.
5 Perspektiven und Forderungen über die Elternbildung hinaus: Das Abschlusskapitel formuliert Forderungen an die Politik und die Pädagogik, um eine institutionelle Pädagogik der Vielfalt zu fördern.
Schlüsselwörter
Elternbildung, Elternarbeit, Schule, Kooperation, Bildungsungleichheit, Ressourcentheorie, Sozialisation, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, Chancengleichheit, Lehrkräfte, Bildungschancen, Pädagogik der Vielfalt, Bildungsressourcen, Schulerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie und Praxis der Elternbildung unter besonderer Berücksichtigung von sozial benachteiligten Familien und Familien mit Migrationshintergrund.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Hintergründe der Elternbildung, die Gestaltung der Kooperation zwischen Schule und Elternhaus sowie die Analyse von Bildungsungleichheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Identifizierung der Ursachen für Bildungsbenachteiligung und die Ableitung konkreter Konsequenzen für eine effektive Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung soziologischer Modelle, insbesondere der Ressourcentheorie von Bourdieu und Passeron.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil?
Im Hauptteil steht die Problematisierung des Verhältnisses zwischen Schule und bildungsfernen bzw. zugewanderten Familien sowie die Anwendung des modifizierten Ressourcenmodells zur Verbesserung der Elternarbeit im Zentrum.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Elternbildung, Ressourcentheorie, Chancengleichheit, Kooperation und Pädagogik der Vielfalt.
Warum spielt die Ressourcentheorie eine so wichtige Rolle?
Sie dient als Erklärungsmodell, um zu verdeutlichen, dass Bildungserfolge stark vom in der Familie angesammelten kulturellen und sozialen Kapital abhängen.
Welche Rolle spielen MediatorInnen in der Elternarbeit?
Sie sollen als Brücke zwischen den Sprachen und Kulturen fungieren, um die Kommunikation bei Sprachbarrieren zu ermöglichen und das Vertrauen zur Institution Schule zu stärken.
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- Anna Kozok (Author), 2007, Theorie und Praxis der Elternbildung Mit besonderer Schwerpunktlegung auf sozial Benachteiligte und Familien mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74689