Technikdarstellung in den Medien – Qualitative Inhaltsanalyse der Solarenergie-Berichterstattung in überregionaler Tages- und Wochenpresse


Diplomarbeit, 2006
141 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsübersicht

Danksagung

Kurzdarstellung

Abstract

Inhaltsübersicht

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung - Thema und Ziel der Diplomarbeit

2 Solarenergie
2.1 Relevanz der Solarenergie
2.2 Technische Grundlagen
2.2.1 Energie
2.2.2 Photovoltaik
2.2.3 Solarthermie
2.2.4 Solarkraftwerke
2.2.5 Speichermöglichkeiten
2.3 Die Begriffe Technik, Technologie und Wissenschaft
2.3.1 Technik und Technologie
2.3.2 Technik als soziotechnisches System (nach Ropohl 1999)
2.3.3 Technik und (Natur-)Wissenschaft

3 Technikberichterstattung
3.1 Problematik: Experten-Laien-Kommunikation
3.1.1 Fachsprachenmodelle
3.1.2 Techniken und Strategien der Vermittlung von Wissenschaft
3.2 Technikjournalismus/ Wissenschaftsjournalismus
3.2.1 Was ist Wissenschaftsjournalismus?
3.2.2 Abgrenzung zum Fachjournalismus
3.2.3 Kritik und Forderungen
3.2.4 Zwei Perspektiven des Wissenschaftsjournalismus
3.2.5 Nachrichtenfaktoren und journalistische Qualitätsfaktoren
3.2.6 Zwei Welten-Technikjournalismus in der vorliegenden Arbeit
3.3 Forschung zur Technik- und Wissenschaftsberichterstattung
3.3.1 Forschungsansätze
3.3.2 Einordnung der vorliegenden Arbeit

4 Methode und Fragestellung
4.1 Inhaltsanalyse
4.2 Fragestellungen und Hypothesen
4.3 Untersuchungsgegenstand und Forschungsdesign

5 Ergebnisse
5.1 Technikdarstellung
5.1.1 Photovoltaik
5.1.2 Solarthermie
5.1.3 Nutzung der Solarenergie allgemein
5.1.4 Fazit Technikdarstellung
5.2 Politik und Wirtschaft
5.2.1 Energiepolitik 2000
5.2.2 Energiepolitik 2004
5.2.3 Kritische Artikel
5.2.4 Fazit Politik und Wirtschaft
5.3 Sprache und Verständlichkeit
5.3.1 Mangelnde Abgrenzung von Photovoltaik und Solarthermie
5.3.2 Nachrichtenfaktoren
5.3.3 Aktualität
5.3.4 Publikumsgerechte Vermittlung
5.3.5 Verteilung der Artikel auf Ressorts
5.3.6 Aufmerksamkeit gewinnen
5.3.7 Fazit Sprache und Verständlichkeit

6 Diskussion
6.1 Fazit der Untersuchung
6.2 Einschränkungen
6.3 Ausblick

7 Literatur

8 Anhang A

Anhang 1: Verteilung der Artikel auf Ressorts

Anhang 2: Artikellisten

Artikelliste SZ 2000

Artikelliste SZ 2004

Artikelliste FAZ 2000

Artikelliste FAZ 2004

Artikelliste DER SPIEGEL 2000

Artikelliste DER SPIEGEL 2004

Artikelliste DIE ZEIT 2000

Artikelliste DIE ZEIT 2004

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Marcel Norbey für die Unterstützung bei meiner Arbeit und die angenehme und unkomplizierte Betreuung bedanken. Herrn Prof. Dr. Dr. Alfred Kirpal danke ich für den Anreiz und die Möglichkeit dieses Thema an seinem Fachgebiet zu bearbeiten.

Besonders danke ich meinen Freunden Johanna Elster, Daniel Kexel, Rainer Wachtelborn und Volker Wiegand für ihre praktische Hilfe und emotionale Rückenstärkung.

Schließlich möchte ich meiner Familie für ihre Unterstützung während des gesamten Studiums großen Dank ausdrücken.

Kurzdarstellung

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Technikdarstellung in den Medien am Beispiel der Berichterstattung über die Nutzung der Solarenergie. Der theoretische Rahmen der Arbeit ist die Annahme eines unsystematischen Wissenstransfers in den Massenmedien.

Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse der Darstellung der Solartechnik, sowie der Darstellung ihrer politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ferner werden Sprache, Verständlichkeit und der Einsatz formaler Elemente betrachtet. Mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse werden insgesamt 157 Artikel aus der Süddeutschen Zeitung (SZ), der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), sowie der ZEIT und dem SPIEGEL in den Jahren 2000 und 2004 untersucht. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Darstellung der Solartechnik in den untersuchten Medien wie vermutet unsystematisch und oft undifferenziert erfolgt. Die unterschiedlichen Arten der Nutzung der Solarenergie (Photovoltaik und Solarthermie) werden darin selten voneinander abgegrenzt. Eine Erklärung physikalisch-technischer Grundlagen findet nicht statt. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden relativ umfassend dargestellt, doch auch dabei fehlt die Differenzierung nach jeweiliger Solartechnik. Die Sprache ist publikumsgerecht und oft sehr bildlich. Die Verständlichkeit der Artikel ist zum Großteil gegeben. Der Einsatz von Überschriften und Fotos unterstützt die Anschaulichkeit.

Die Berichterstattung über Solarenergie findet ressortunabhängig nach konventionellen journalistischen Kriterien statt. Die Darstellung ist zwar weitgehend akzeptabel, aber in einigen Punkten noch ausbaufähig.

Abstract

This diploma thesis deals with the representation of technologies in the media. This has been analysed at the example of the press coverage about using solar energy. The theoretical frame is the presumption of unsystematic knowledge transfer in mass media.

In intention of the survey is to analyse the depiction of solar technology as well as the depiction of its political and economic conditions. Furthermore language, comprehensibility and the use of formal elements have been examined. Using a qualitative content analysis altogether 157 newspaper articles of the „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), the „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), the „ZEIT” and the „SPIEGEL” in the years 2000 and 2004 have been explored. As a result of this investigation one can say, that the representation of solar technologiy is unsystematic and undifferentiated as presumed. The different possibilities to use solar energy (photovoltaics and solar thermal heating) are barely confined. The physical and technical basics haven’t been explained. The description of the political and economic conditions is sufficient, but also the confine of solar technologies is missing. The articles mostly are well articulated and comprehensible. The language is often figurative. Titles and photographs are used to enhance clearness. The press coverage about solar energy doesn’t depend on newspaper sectors and it is geared to common journalistic criteria.

The depiction is acceptable but as well it could be improved in some points.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Flächenbedarf für eine solare ‚Vollversorgung’“ (Witzel/ Seifried 2004:13)

Abbildung 2: „Primärenergieverbrauch und erneuerbare Energien in Deutschland 2005 (Wirkungsgradmethode) (BMU 2006a: 40)

Abbildung 3: „Globalstrahlung in Deutschland“ (BMU 2006a: 72)

Abbildung 4: Entwicklung der installierten Leistung (in MWp) der Photovoltaik von 1990-2005, Zahlen aus BMU 2006c: 12

Abbildung 5: Entwicklung der installierten Leistung (in MW) der Solarthermie von 1990-2005, Zahlen aus BMU 2006c: 12

Abbildung 6: "Die Silizium-Solarzelle" (Witzel/ Seifried 2004: 37)

Abbildung 7: links: Flachkollektor, rechts: Vakuum-Röhren-Kollektor (Bayer. LfU 2003: 7)

Abbildung 8: Solarthermische Kraftwerke: a) Dish-Stirling b) Solarturm c) Parabolrinne; (Pitz-Paal 2004: 13)

Abbildung 9: Technik als soziotechnisches System (Kirpal/ Norbey 2006: 14 nach Ropohl 1999)

Abbildung 10: "Dimensionen und Erkenntnisperspektiven der Technik" (Ropohl 1999: 32)

Abbildung 11: "Phasen der technischen Ontogenese" (Ropohl 1999: 259)

Abbildung 12: "Frame-Strukur für Wissenstransferprozesse" (Jahr 2004: 35)

Abbildung 13: Phasenmodell zum Verhältnis qualitativer und quantitativer Analyse (Mayring 1997: 20)

Abbildung 14: 1/ ZEIT 2004 „Boom für Solarstrom. Installierte Leistung der Fotovoltaik-Anlagen in Deutschland (Megawatt)“

Abbildung 15: Verteilung der Artikel auf Ressorts

Abbildung 16: „Kopf-Solarfähre auf dem Bodensee“ (1/ SPIEGEL 2000)

Abbildung 17: „Die Stadt steht unter Sonnenstrom“ (12/ SZ 2000)

Abbildung 18: „Sonne satt“ (4/ SZ 2004)

Abbildung 19: „Mit Solardächern in die Selbständigkeit“ (6/ FAZ 2000)

Abbildung 20: „Der Markt für Solaranlagen wächst rasant“ (1/ FAZ 2004)

Abbildung 21: „WASSER, WIND UND SONNE sollen den Strom für die Erzeugung von Wasserstoff liefern“ (4/ ZEIT 2000)

Abbildung 22: „Grüne Wiese, rotes Tuch“ (5/ ZEIT 2004)

Abbildung 23: „Geld von Gates“ (2/ SPIEGEL 2000); Foto: „Solarunternehmer Asbeck: Traum von einem sicheren Milliardenmarkt“; Diagramm links: „SolarWorld. Kurs in Euro.“ Nov-Mai; Diagramm rechts: „Photovoltaikmarkt weltweit. Alle Angaben in Megawatt pro Jahr“

Abbildung 24: „Sonniger Profit“ (1/ SPIEGEL 2004)

Abbildung 25: „Mission Solar“ (2/ SPIEGEL 2004)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge 1965 zitiert nach Lublinski 2004:80

Tabelle 2: Nachrichtenfaktoren nach Kepplinger 1984 zitiert nach Staab 1990: 205

Tabelle 3: Überblick der analysierten Tages- und Wochenpresse

Tabelle 4: Anzahl der analysierten Artikel für jedes Medium

1 Einleitung - Thema und Ziel der Diplomarbeit

Albert Einstein bekam 1921 für seine Theorie zum Licht den Nobelpreis und konnte damit den schon 1839 von Becquerel entdeckten fotoelektrischen Effekt erklären - die Grundlage für die Umwandlung von Solarenergie in elektrischen Strom, Photovoltaik genannt. Aber erst mit der Entwicklung der Silizium-Solarzelle im Jahre 1954 wurde die kommerzielle Nutzung der Photovoltaik denkbar.1 Die Nutzung der thermischen Energie der Sonne, d.h. ihrer Wärme, ist im Prinzip noch viel älter: Brenn- und Hohlspiegel gibt es schon seit der Antike.2Gebäude werden in heißen Klimazonen traditionell zum Schutz vor direkter Sonnenstrahlung gebaut, und in kalten Klimazonen baut man Häuser, welche so wenig Wärmeverluste wie möglich aufweisen. Den ersten Sonnenkollektor baute Horace de Saussure im Jahre 1767.3

Die Nutzung der Solarenergie ist folglich keine neue Idee. Dennoch erlangte sie in den letzten 30 Jahren besondere Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und somit auch in den Medien. Im Zusammenhang mit der Verknappung von fossilen Energien, der Klimagefährdung und den Risiken der Nutzung von Kernenergie stellte sich die Frage nach Alternativen.4So wird öffentlich die Rolle der erneuerbaren Energien für die zukünftige Energiegewinnung diskutiert. Die Nutzung der Sonnenenergie besitzt in dieser Debatte große Bedeutsamkeit, da sie als viel versprechende Energietechnik5gilt.

In der vorliegenden Arbeit soll betrachtet werden, welches Bild die Medien von der Nutzung der Solarenergie entwerfen. Dabei soll besonderes Augenmerk auf die Technikdarstellung6 gelegt werden. Auch die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung und die Verwendung der Technik sollen analysiert werden7. Zudem werden die Verwendung der Sprache, die Beachtung von Verständlichkeit und die Nutzung formaler Elemente beurteilt.8

Vorher soll herausgearbeitet werden, welche Modelle und Strategien es zur Vermittlung von technischem Wissen gibt.9 Weiterhin werden bisherige Forschungsarbeiten im Bereich der Technik- bzw. Wissenschaftsberichterstattung dargestellt und die vorliegende Arbeit in das Forschungsfeld eingeordnet und abgegrenzt.10 Da es sich bei der analysierten Tages- und Wochenpresse um journalistisch angelegte Kommunikationsmittel handelt, wird betrachtet, inwiefern der darin gefundene Technikjournalismus nach journalistischen Kriterien zu bewerten ist.11

Ziel der Arbeit ist es, mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse zu untersuchen, wie die Technik der Solarenergie in der überregionalen Tages- und Wochenpresse beschrieben wird.12

2 Solarenergie

2.1 Relevanz der Solarenergie

Die erneuerbaren Energien13und dementsprechend auch die Solarenergie erlangten in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen besondere Aufmerksamkeit bei Politik, Wirtschaft, aber auch Wissenschaft und Umweltorganisationen. Vor allem durch die Abkehr von fossilen Energieträgern und der Kernenergie aus Gründen der Verfügbarkeit, der Umweltschädigung und der Sicherheit erfuhren die erneuerbaren Energien eine verstärkte Beachtung und eine Auseinandersetzung mit ihrer Nutzung. Der Politik und der Wirtschaft wurde spätestens bei der ersten Ölkrise 1973 bewusst, dass die fossilen Energievorräte begrenzt sind. Kohle, Erdöl und Erdgas werden sich erschöpfen. Es gibt unterschiedliche Schätzungen wie lange die jeweiligen Energieträger noch reichen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat konventionelles Erdöl eine Reichweite von ungefähr 43 Jahren, Erdgas reicht noch circa 64 Jahre und Kohle 200 Jahre.14 Auch der Rohstoff Uran ist für die Kernenergie-Nutzung nicht unendlich vorhanden.15 Erneuerbare Energien hingegen sind jedoch praktisch unbegrenzt verfügbar.

Neben der begrenzten Verfügbarkeit fossiler Energieträger ist die Kohlendioxid- Emission ein weiterer Punkt, der ausschlaggebend für das Überdenken ihrer Nutzung ist. Durch die Verbrennung fossiler Energieträger entsteht unter anderem Kohlendioxid - ein so genanntes Treibhausgas. Treibhausgase tragen dazu bei, dass der natürliche Treibhauseffekt verstärkt wird. Dieser indirekt vom Menschen verstärkte Treibhauseffekt wird „anthropogener Treibhauseffekt“ genannt. Eine als sicher angenommene Theorie ist, dass der anthropogene Treibhauseffekt in den nächsten Jahrzehnten immer weiter eine globale Erwärmung und damit einen Klimawandel bewirken wird16: „Von allen Klimagasen weist das Kohlendioxid die weitaus höchste Konzentration und damit die höchste Klimawirksamkeit auf“17. Bei der Nutzung erneuerbarer Energien entsteht kein Kohlendioxid, oder zumindest nur soviel, wie vorher über die Pflanzen gebunden wurde (zum Beispiel bei der Nutzung der Biomasse-Energie).

Weiterhin ist das Abrücken von der Kernenergie (nicht nur in Deutschland18) als ein Grund zu nennen, der nach anderen Alternativen zur Energieerzeugung suchen lässt. In Deutschland wurde der Atomausstieg im Jahr 2000 beschlossen. Die „ungelöste Entsorgungsfrage des Atommülls und die Möglichkeit von Reaktorunfällen“19waren Gründe dafür. Die erneuerbare Energien hinterlassen keine „strahlende Altlast“20und bergen keine Risiken die mit Reaktorkatastrophen vergleichbar wären (auch wenn diese statistisch gesehen recht unwahrscheinlich sind). Doch muss die bisher geleistete Versorgung nach Abschalten der Kernkraftwerke ersetzt werden. Dabei sollten die erneuerbaren Energien eine wichtige (wenn nicht sogar die wichtigste) Rolle spielen, da ein Ersatz der Kernkraftwerke durch fossil betriebene Kraftwerke aufgrund ihrer Kohlendioxid-Emission sehr ungünstig wäre.

Im Angesicht dieser Gegebenheiten (begrenzte Vorräte, Treibhauseffekt, Atomausstieg) wird eine Energiewende immer notwendiger. Eine Energiewende meint die Neuorientierung des gesamten Energiesystems, d.h. die Veränderung von Energiepolitik und Energiewirtschaft: Neben der Begrenzung der KohlendioxidEmission und dem Einsparen von Energie, gehört zur Energiewende auch die Alternativensuche zu den fossilen Energien und der Kernenergie.

Um die Energiewende einzuleiten, müsste eine drastische Einsparung an Energie einsetzen. Die Menschheit wird noch längere Zeit auf fossile Energieträger angewiesen sein und die regenerativen Energieformen können mittelfristig nur einen kleinen Anteil an der weltweiten Energieversorgung erreichen. Dabei wird der weltweite Energieverbrauch trotz aller Bemühungen aber sehr wahrscheinlich noch ansteigen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer werden sich weiter entwickeln und ihr Energieverbrauch zunehmen.21Durch technischen Fortschritt, Steigerung der Energieeffizienz und Einsparung von Energie kann die Kohlendioxid-Emission gemindert aber nicht verhindert werden: „Eine Konstanz oder gar Abnahme der CO2- Konzentration kann sowieso nur dann erreicht werden, wenn überhaupt keine fossilen Brennstoffe mehr eingesetzt würden“22. Kohlendioxid-Emissionen zu verringern, könnte auch eine weitere Nutzung der Atomenergie bedeuten. Darüber wird aber heftig gestritten. Dem Bestreben die Kohlendioxid-Emissionen zu vermindern, ist das Vorhaben, Atomkraftwerke abzuschalten prinzipiell nicht förderlich.23

Als weiterer Schritt zur Energiewende muss die fossile Energiewirtschaft durch eine nachhaltige (und dezentralisierte) Energiewirtschaft ersetzt werden, die auf erneuerbaren Energiequellen beruht.24Noch ist die Energiewirtschaft zentralistisch organisiert, da zum Beispiel Lagerstätten von Erdöl und Erdgas nur in bestimmten Gegenden der Erde vorkommen. Kohle ist zwar weiter gestreut, aber die wirtschaftlich abbauwürdigsten Bestände sind ebenfalls auf bestimmte Regionen beschränkt.25Durch diese Zentrierung von Ressourcen auf bestimmte Gebiete und Länder entstehen wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten. Dabei sei zum Beispiel an die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) gedacht, die Öl-Förderquoten und den Ölpreis festlegt. Die Öl importierenden Länder sind wirtschaftlich abhängig vom Öl der OPEC-Staaten. Hinzu kommt dass ein großer Teil der OPEC-Länder politisch krisengeschüttelt ist, was sich auf die Ölförderung und den weltweiten Ölpreis auswirken kann. Für die Wirtschaft und die Politik Öl importierender Länder ist ein stabiler Ölpreis im zentralisierten Energiesystem äußerst wichtig.

Eine dezentralisierte Energiewirtschaft mindert die Gefahr der Abhängigkeit von Ländern und ihren Ressourcen. Die erneuerbaren Energien wären dabei eine gute Option. Sie können weltweit lokal gewonnen und genutzt werden.

Die Nutzung der Solarenergie26wird bei der Energiewende eine große Rolle spielen. Erstens ist sie emissionsfrei und zweitens ist ihr theoretisches Potential sehr hoch.27 Rein theoretisch strahlt die Sonne jedes Jahr das 7000fache des weltweiten Energieverbrauchs (2004) auf die Erde. Berechnungen zu Folge könnte der Weltenergiebedarf bei einer Nutzung der Solarstrahlung mit einem Wirkungsgrad von 10 Prozent auf einer Fläche in der Sahara von 700 km x 700 km gedeckt werden (siehe Abb.1).28

Abbildung 1: „Flächenbedarf für eine solare ‚Vollversorgung’“ (Witzel/ Seifried 2004: 13)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Momentan sind die Anteile der Solarenergie am weltweiten Energieverbrauch aber noch sehr gering (siehe Abb.2). Der Anteil der Photovoltaik betrug im Jahr 2005 erst 0,6% vom weltweiten Primärenergieverbrauch, die Solarthermie deckte 1,6%.

Abbildung 2: „Primärenergieverbrauch und erneuerbare Energien in Deutschland 2005 (Wirkungsgradmethode) (BMU 2006a: 40)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein großer Nachteil der Solarenergie ist ihre geringe Energiedichte.29 Dadurch benötigen Solaranlagen vergleichsweise große Flächen. Dies ist aber kein Hindernis für die breite Nutzung solarer Techniken. In der Abbildung 3 ist die durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Deutschland zu sehen.

Abbildung 3: „Globalstrahlung in Deutschland“ (BMU 2006a: 72)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Auch in einem Industrieland wie der BRD liefert die Sonne noch ein Vielfaches dessen, was an Energie benötigt wird“30. Zwar ist der Ertrag niedriger als zum Beispiel in den Ländern der Subtropen, dafür fallen aber keine Transportprobleme oder - kosten an. Daneben können auch die anderen erneuerbaren Energien einen wichtigen Beitrag zur Energiewende liefern.

Die Energie- und Klimapolitik Deutschlands zielt auf die Förderung der erneuerbaren Energien ab, darunter auch die Solarenergie, und den Atomausstieg. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), welches ausführlich „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ heißt, trat am 1.April 2000 in Kraft.31Es regelt die Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien durch die Netzbetreiber, wie zum Beispiel die Vergütung des mittels Solarenergie gewonnen Stroms (Photovoltaik). Vorläufer war das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) von 1991.32Das EEG von 2000 wurde später überarbeitet und am 1.August 2004 trat die EEG-Novelle in Kraft.33Die Vergütung von Solarstrom wurde dabei im Photovoltaik-Vorschaltgesetz zum EEG vom 1. Januar 2004 geregelt. Für Sonnenstrom muss im Vergleich zu den anderen erneuerbaren Energien von den Netzbetreibern am meisten ausgezahlt werden, seit 2004 nämlich mindestens 45,7 Cent pro Kilowattstunde. Ein Windanlagen-Betreiber bekommt 8,8 Cent/kWh Anfangsvergütung.

Neben dem Kernstück, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, gibt es noch zahlreiche andere Fördermöglichkeiten. Das 100.000-Dächer-Programm der Bundesregierung förderte von 1999 bis 2003 die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern mit günstigen Krediten.34Seit dem Auslaufen des 100.000-Dächer-Programmes im Jahr 2003 können über das KfW-Programm (Kreditanstalt für Wiederaufbau) „Solarstrom erzeugen“ Darlehen zum Bau von Photovoltaik-Anlagen beantragt werden.

Die KfW gewährt ebenfalls günstige Kredite zum Bau von Anlagen zur thermischen Nutzung der Solarenergie (Solarthermie).35Zudem fördert das Marktanreizprogramm der Bundesregierung seit Zuschüssen, berechnet nach Kollektorfläche.36

Die umfangreiche Förderung der Solaranlagen durch die Bundesregierung, Länder und Kommunen zeigte ihre Wirkung:

„Die Stromerzeugung aus Sonnenenergie mit Solarzellen hat sich durch die Förderung im Rahmen des EEG innerhalb von zwei Jahren verdreifacht. Rund eine Milliarde Kilowattstunden Solarstrom wurde 2005 erzeugt. Technische Innovationen und wachsende Märkte werden auch weiterhin dazu führen, dass Strom aus Fotovoltaik- Anlagen mit jedem Jahr kostengünstiger wird. Sonnenkollektoren erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Rund 1 Million Anlagen unterstützen in Deutschland die Erwärmung von Brauch- und Heizungswasser. Die Kosten für Solarkollektoranlagen konnten in den vergangenen 12 Jahren halbiert werden. Hohe Öl- und Gaspreise und die Förderung im Rahmen des Marktanreizprogramms des Bundes werden auch weiterhin den Einbau solarthermischer Anlagen voranbringen“37.

In den Abbildungen 4 und 5 ist die Entwicklung der installierten PhotovoltaikAnlagen bzw. die Entwicklung der installierten Solarthermie-Anlagen zu sehen.

Abbildung 4: Entwicklung der installierten Leistung (in MWp38) der Photovoltaik von 1990-2005, Zahlen aus BMU 2006c: 12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der installierten Leistung der Solarthermie (in MW) von 1990-2005, Zahlen aus BMU 2006c: 12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben der nationalen Energie- und Klimapolitik zeigt auch die weltweite Politik das Bestreben, die Emissionen von klimawirksamen Gasen zu mindern und einer Klimaveränderung entgegenzuwirken.

Schon 1979 fand unter Führung der Vereinten Nationen (UN) die erste Weltklimakonferenz in Genf statt. 1990 folgte dann die zweite Weltklimakonferenz. Die Weltklimakonferenzen legten fest, dass die Vertragsstaaten ihre Emissionen von klimaschädlichen Gasen um festgelegte Werte senken sollen.39Im Jahre 1992 wurde die „Klimarahmenkonvention“ der UN auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro verfasst. Diese soll dazu beitragen, die Treibhausgaskonzentration der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren.40Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat für alle Staaten der Erde Klimaziele festgelegt.41Bis 2005 gab es Schwierigkeiten bei der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls: erst Anfang 2005 trat das Protokoll durch die Ratifizierung Russlands Ende 2004 in Kraft. Einige Staaten, wie zum Beispiel die USA und Australien, haben das Protokoll zwar unterzeichnet, aber bis heute nicht ratifiziert.42

Es ist also festzustellen, dass die erneuerbaren Energien und damit die Solarenergie eine bedeutende Rolle in der aktuellen Energiepolitik einnehmen und auch in der Zukunft beibehalten werden. Energiesparen und eine nachhaltige Energiewirtschaft mit Unterstützung der Solarenergie werden Eckpfeiler für die Energiezukunft sein. Die Analyse der Berichterstattung zur Solarenergie wird zeigen, inwiefern die Medien das Verhältnis von Politik und Wirtschaft zur Solarenergie beschreiben.43

2.2 Technische Grundlagen

In der vorliegenden Arbeit wird die Solarenergie-Berichterstattung untersucht. Dazu sollen vorher technisch-physikalische Grundlagen geklärt werden, um einen Überblick zu bekommen, was unter Solarenergie und ihrer Nutzung zu verstehen ist. So ist die Möglichkeit gegeben die Berichterstattung verstehen und einschätzen zu können.

2.2.1 Energie

Unter Energie wird „die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten“44verstanden. Energie kann in verschiedenen Formen vorliegen, zum Beispiel mechanische, thermische, elektrische Energie oder auch Strahlungsenergie, und kann von einer Energieform in eine andere umgewandelt werden. Energie kann im Prinzip weder erzeugt werden noch verbraucht werden. Sie kann nur umgewandelt werden. Die Energiemenge bleibt dabei gleich (Energieerhaltungssatz).45

Umgangssprachlich werden sehr oft Begriffe wie „Energieverbrauch“, „Energieverschwendung“ und „Energieerzeugung“ benutzt. Damit sind aber meist der „Verlust“ oder die „Gewinnung“ von technisch leicht nutzbaren Energieformen gemeint. So wandelt beispielsweise ein Kraftfahrzeug chemische Energie in kinetische bzw. thermische Energie um. Die entstandene kinetische und thermische Energie kann danach technisch nur schwer weiter genutzt werden. Die chemische Energie ist „verbraucht“ worden.

Unterschieden werden kann Energie in Primärenergie, in Sekundärenergie und wenn nötig noch in Endenergie und Nutzenergie. Unter Primärenergie wird die Energie verstanden, „die noch nicht umgewandelt oder verarbeitet worden ist. […] Primärenergie umfasst also alle Formen von Energieträgern, die in der Natur vorkommen“46. Sekundärenergie „entsteht durch die Umwandlung von Primärenergie in die für den Verbraucher bestimmte Form“47, wie zum Beispiel Elektrizität.

Mit Endenergie wird die Energie bezeichnet, die durch Umwandlung der Sekundärenergie entsteht und letztendlich an den Endnutzer geliefert wird. Dazu zählen zum Beispiel Fernwärme, Elektrizität, Heizöl oder auch Treibstoffe. Unter Nutzenergie versteht man die Art und Weise, in der die Energie schließlich vom Verbraucher genutzt wird: „Dieser Begriff umfasst alle Dienstleistungen, die von Energie erbracht werden. Dazu gehören beispielsweise die Bereitstellung von Wärme, Kälte, Licht, Kraft (d.h. mechanische Arbeit zum Beispiel von Motoren), Kommunikation und Datenverarbeitung“48.

Als Solarenergie wird die von der Sonne erzeugte Strahlungsenergie (Solarstrahlung) bezeichnet. Die Solarstrahlung wird durch die Erdatmosphäre teilweise absorbiert und gestreut. Der Rest der auf der Erde auftreffenden Solarstrahlung wird Globalstrahlung genannt.49

Es kann zwischen direkter und indirekter Nutzung der Solarenergie unterschieden werden. Unter die direkte Nutzung fällt die Umwandlung der Solarenergie in elektrische Energie (Photovoltaik) und auch die Nutzung der thermischen Energie der Solarstrahlung (Solarthermie). Unter der indirekten Solarenergie kann die Energie aus Wind, Wasser und Biomasse verstanden werden.50

In der vorliegenden Arbeit soll die Berichterstattung über die direkte Nutzung der Solarenergie untersucht werden - also die Darstellung der Photovoltaik und Solarthermie.

2.2.2 Photovoltaik

Der Grundbestandteil für die Photovoltaik ist die Solarzelle. Die Strahlungsenergie der Sonne wird in der Solarzelle in elektrische Energie, und zwar in Gleichstrom umgewandelt. Die erste Solarzelle aus Silizium wurde 1954 von den amerikanischen Bell Laboratories präsentiert. Auch heute bestehen noch etwa 90 Prozent der Solarzellen aus diesem Halbleitermaterial.51

Der so genannte photoelektrische Effekt ist die Grundlage für die Umwandlung von Solarstrahlung in elektrische Energie. Dazu werden in einer Solarzelle zwei Schichten von Halbleitern benötigt: eine positiv dotierte Schicht und eine negativ dotierte Schicht (siehe Abb.6). In der positiv dotierten Schicht haben die Atome Elektronen- Fehlstellen („Löcher“); die negativ dotierte Schicht hat einen Elektronen-Überschuss. Werden diese zwei unterschiedlich dotierten Schichten zusammengeführt, bildet sich eine Grenzschicht, der so genannte p-n-Übergang: „Trifft nun Licht auf diese Solarzelle, so bewirkt die Lichtenergie, dass Ladungsträger (Elektronen) von einer Schicht in die andere wechseln“52. So entsteht an den äußeren Kontakten eine Spannung. Bei Anschluss eines Verbrauchers fließt dann elektrischer Strom.

Abbildung 6: "Die Silizium-Solarzelle" (Witzel/ Seifried 2004: 37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Doch die elektrische Spannung von nur einer Solarzelle wäre zu gering. Technisch verwertbare Spannungen werden erst beim Zusammenschalten einer größeren Anzahl von Solarzellen zu so genannten Photovoltaik-Modulen erreicht. Die Photovoltaik-Module53 wiederum werden in Photovoltaik-Anlagen mit anderen Komponenten (wie zum Beispiel dem Wechselrichter) zusammengeführt.54 Der Wirkungsgrad von Solarzellen liegt heute bei 6 bis 20 Prozent, je nach Material und Aufbau. Im Labor können höhere Wirkungsgrade erreicht werden. Der Wirkungsgrad von Solar-Großanlagen liegt um 10 Prozent.55

Unterschieden werden können Solarzellen unter anderem nach Struktur (kristallin, amorph), nach Materialdicke (Dickschichtzellen, Dünnschichtzellen) und nach Material (Silizium, Cadmiumtellurid CdTe, Galliumarsenid GaAs, Kupfer-Indium- Diselenid CIS).56

Unter den klassischen Solarzellen, auch Dickschichtzellen genannt, sind die monokristallinen Silizium-Solarzellen am weitesten verbreitet. Sie haben die höchsten Wirkungsgrade, sind aber auch vergleichsweise teuer. Weiter gibt es polykristalline bzw. multikristalline Silizium-Solarzellen. Diese sind billiger als die monokristallinen Zellen, allerdings ist auch der Wirkungsgrad geringer. Außerdem gibt es amorphe Silizium-Solarzellen, die bedeutend billiger sind, dafür ist ihr Wirkungsgrad niedriger.57

Weiterhin gibt es Dünnschichtzellen. Bei der Dünnschichttechnik können aufgrund der Bauweise Einsparungen beim Material und eine Kostenreduzierung erreicht werden. Vorwiegend bestehen Dünnschichtzellen aus Silizium. Neuere Dünnschichtzellen verwenden andere Halbleitermaterialien, wie zum Beispiel Kupfer-Indium-Diselenid (CIS), Cadmiumtellurid (CdTe) oder Galliumarsenid (GaAs). Die aufwendig hergestellte Tandemsolarzelle besteht aus mehreren Schichten unterschiedlicher Halbleitermaterialien, um dadurch verschiedene Wellenlängen- bereiche des Lichts zu nutzen.58

Wie schon erwähnt werden viele Solarzellen in Photovoltaik-Modulen bzw. Photovoltaik-Anlagen zusammengeschaltet, um mehr Leistung zu erzielen. Dabei kann zwischen netzgekoppelten und netzfernen Anlagen unterschieden werden. Das Hauptmerkmal von netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen ist deren Anbindung an das öffentliche Stromversorgungsnetz. Dabei ist die vorherige Umwandlung der erzeugten Gleichspannung in Wechselspannung mit Hilfe eines Wechselrichters Voraussetzung. Netzferne Anlagen (so genannte Inselsysteme) kommen überall dort zum Einsatz, wo eine Leitungsverlegung unwirtschaftlich oder nicht möglich wäre. Diese Anlagen arbeiten mit einem Stromspeicher, zum Beispiel in Form eines Akkumulators, der die Stromversorgung auch in sonnenarmen Zeiten gewährleistet.59

2.2.3 Solarthermie

Die thermische Energie der Solarstrahlung wird in der Solarthermie nutzbar gemacht. Dabei gibt es die aktive und die passive Nutzung der thermischen Energie der Solarstrahlung.

Die passive Nutzung spielt bei Gebäuden eine Rolle. Durch gezielte bauliche Maßnahmen kann die Wärme der Sonne ohne technische Apparate ausgenutzt werden, zum Beispiel durch entsprechend ausgerichtete Fenster und Dämmung des Gebäudes.

Die aktive Nutzung der Sonnenwärme erfolgt mit Hilfe von Sonnenkollektoren. Das sind entsprechend konstruierte Absorberflächen, die die Solarstrahlung aufnehmen und eine Flüssigkeit (Wärmeträger) erhitzen. Die erhitzte Flüssigkeit wird dann entweder direkt ihrer Nutzung zugeführt, zum Beispiel der Erhitzung von Brauchwasser, oder die Wärme wird gespeichert. Absorber werden aus Alu-, Kupfer- oder Stahlblechen hergestellt und ihre Wirkung durch so genannte selektive Farbschichten erhöht.60

Der einfachste Kollektortyp ist der so genannte „Schwimmbad-Absorber“. Dies sind meist schwarze Absorbermatten ohne jegliche Wärmedämmung, welche die Solarwärme aufnehmen. Dieses einfache System eignet sich nur dort, wo eine

Erwärmung um wenige Grad ausreicht (wie zum Beispiel in Freibädern).61

Die am weitesten verbreiteten Sonnenkollektoren sind der Flachkollektor und der Vakuum-Röhren-Kollektor (siehe Abb.7).

Flachkollektoren bestehen aus einer transparenten Abdeckung, einem Absorber, den Wärmeträgerrohren und der Wärmeisolierung (siehe Abb.7, links). Sie nutzen zur Isolierung herkömmliche Materialien (zum Beispiel hitzebeständige Kunststoffe). Flachkollektoren erreichen Temperaturen von 80 Grad Celsius und haben einen Wirkungsgrad von ungefähr 80 Prozent.62

Bei Vakuum-Röhren-Kollektoren ist der Absorber in ein luftleeres Glasrohr eingebaut (siehe Abb.7, rechts). Dieses Vakuum dient der thermischen Isolierung. Dadurch besitzt der Vakuum-Röhren-Kollektor einen höheren Wirkungsgrad, insbesondere bei großen Temperaturdifferenzen zwischen Außenluft und Absorber. Je größer die Differenz, umso höher ist der Wirkungsgrad im Vergleich zum Flachkollektor.63

Abbildung 7: links: Flachkollektor, rechts: Vakuum-Röhren-Kollektor (Bayer. LfU 2003: 7)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Je nach Kollektor können unterschiedliche Temperaturen erreicht werden. Neben der Nutzung zur Brauchwassererwärmung und für die Heizung, wobei relativ niedrige Temperaturen ausreichen, ist auch die großtechnische Nutzung möglich. Dabei kann die Solarwärme zum Beispiel bei industriellen Prozessen oder als Primärenergie in Wärmekraftwerken genutzt werden. Auch die Umwandlung der thermischen Energie in elektrische Energie in solarthermischen Kraftwerken ist möglich.64

2.2.4 Solarkraftwerke

Es wird zwischen Photovoltaik-Kraftwerken und solarthermischen Kraftwerken unterschieden.

Als Photovoltaik-Kraftwerke werden solare Großanlagen bezeichnet. Das sind Anlagen mit einer Leistung von 100 kW bis zu einigen Watt. Unter „Very Large Scale Photovoltaic Systems“65werden Anlagen von 10 Megawatt bis zu einigen Gigawatt verstanden.

Solarthermische Kraftwerke besitzen Kollektoren die das Sonnenlicht konzentrieren. Im Brennpunkt entstehen dabei sehr hohe Temperaturen. Dort wird eine Flüssigkeit (Wärmeträger) erhitzt. Mit dieser Flüssigkeit wird Dampf erzeugt. Der Dampf treibt wie in einem konventionellen Öl- oder Kohlekraftwerk Turbinen an, wodurch Strom erzeugt wird. Das Sonnenlicht wird also nicht direkt in Strom umgewandelt, sondern auf dem Umweg über Dampferzeugung und Turbine.66

Es können drei Typen von solarthermischen Kraftwerken unterschieden werden: Parabolrinnen-Kraftwerke (Solarfarm-Kraftwerke), Solarturm-Kraftwerke und DishStirling-Anlagen (dish [engl.]= Schüssel).

Bei den Parabolrinnen-Kraftwerken sind die Spiegel „in Form einer (Parabol-)Rinne gebogen und lenken damit die Sonnenstrahlen auf ein Rohr, das in der Brennlinie verläuft“67. Dort wird die Flüssigkeit erhitzt.

Bei Solarturm-Kraftwerken wird das Sonnenlicht auf einen Punkt konzentriert. Durch Spiegel, die der Sonne nachgeführt werden, wird das Sonnenlicht auf die Spitze eines Turmes gelenkt, wo der Wasserdampf erzeugt wird.68 Die Dish-Stirling-Anlagen bestehen aus einem großen, schüsselartigen drehbar gelagerten Hohlspiegel, der das Sonnenlicht auch auf einen Punkt konzentriert. Ein Stirling-Motor erzeugt mit der dort entstehenden Hitze Strom.69

Die verschiedenen Möglichkeiten von solarthermischen Kraftwerken sind in Abbildung 8 ersichtlich.

Abbildung 8: Solarthermische Kraftwerke: a) Dish-Stirling b) Solarturm c) Parabolrinne; (Pitz-Paal 2004: 13)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.5 Speichermöglichkeiten

Für die Speicherung von Wärmeenergie bieten sich folgende Speichermöglichkeiten an. Als Kurzzeitspeicher können Warmwasserbehälter für Brauchwasser genutzt werden. Als Langzeitspeicher (saisonale Speicher) werden sehr große Speicherbehälter genutzt, die sich zum Teil in der Erde befinden. Die Wärme wird im Sommer gespeichert und kann mit mehr oder wenigen großen Verlusten im Winter genutzt werden. Dabei ist von den Gebäuden zum Speicher ein kompliziertes Leitungssystem nötig. Weiterhin gibt es so genannte Latent-Wärmespeicher, bei dem latente Wärme (verborgene Wärme) durch Schmelzen und wieder Erstarren eines Mediums (zum Beispiel Natriumacetat) zurück gewonnen wird. Auch thermoschemische Speicherverfahren werden erprobt.70

Bei solarthermischen Kraftwerken ist es möglich einen Teil des erhitzten Arbeitsmediums in einen Speicher zu überführen. In sonnenscheinarmen Zeiten wird das Medium wieder in den Kesselkreislauf des Kraftwerkes eingeführt. Die Speicherkapazität ist allerdings sehr begrenzt und nur für eine kurzzeitige Überbrückung geeignet.71

Die Speicherung von elektrischer Energie ist problematischer als die Speicherung von Wärme. Möglich ist die direkte Speicherung in Akkumulatoren (Batterien), wobei die Speicherkapazität eher gering ist. Ideen zur Schwungrad-Speicherung, zur Druckluft- Speicherung (eher bizarrer Vorschlag) oder zur elektrostatischen Speicherung gibt es zwar, doch die Speicherung von größeren Strommengen ist so nicht möglich.

Eine weitere Möglichkeit wäre die indirekte Speicherung. So könnte Strom genutzt werden, um speicherbare Energieformen herzustellen. So basiert die so genannte Brennstoffzellentechnik auf dem Energieträger Wasserstoff, welcher solar erzeugt werden könnte. Damit würde die Strahlungsenergie der Sonne in gespeicherte chemische Energie umgewandelt werden.72

2.3 Die Begriffe Technik, Technologie und Wissenschaft

Um die Nutzung der Solarenergie als Technik zu betrachten, ist es sinnvoll, den Begriff der Technik zu klären. Die Solartechnik soll des Weiteren als soziotechnisches System nach Ropohl (1999) verstanden werden. Außerdem wird der enge Zusammenhang von Technik, Technologie und Wissenschaft aufgezeigt, der auch in der später analysierten Berichterstattung augenscheinlich wird.

2.3.1 Technik und Technologie

Ursprünglich beruht der Begriff Technik auf dem griechischen Wort téchnē, welches mit „Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit; Wissenschaft“73übersetzt wird. Die heute gebräuchliche Form Technik geht auf das neulateinische Wort technica zurück, das mit „Kunst, Künste“ und auch „Anweisung zur Ausübung einer Kunst oder Wissenschaft“74erklärt wird.

Der Begriff Technologie wird vielfach synonym zum Begriff Technik benutzt. Doch Technologie ist vom Begriff Technik abzugrenzen, da er eher auf die „technischen Prozesse in einem Fertigungsbereich“75abzielt. Die Technologie bezeichnet heute, abgeleitet vom neulateinischen technologia, die „Wissenschaft und Lehre von der handwerklich-praktischen Fertigung“76. So beschreibt Ropohl (1999) die Technologie „als die Wissenschaft von der Technik“77, womit auch den etymologischen Wurzeln des Wortes entsprochen wird. Demnach versteht er unter Technologie die wissenschaftlich systematisierten Aussagen über Technik.78

In der englischen Sprache gibt es die Differenzierung von Technik und Technologie in dieser Art nicht. Technology besitzt im Englischen eine viel breitere Bedeutung und umfasst auch das, was im Deutschen als Technik bezeichnet wird

2.3.2 Technik als soziotechnisches System (nach Ropohl 1999)

Es gibt verschiedene Definitionen der Technik. Eine Möglichkeit ist, sie über ihre Reichweite zu definieren. Ropohl (1999) zeigt die unterschiedlichen Reichweiten auf und beschreibt in seinem Buch „Allgemeine Technologie“ eine der bekanntesten Begriffsbestimmungen mit mittlerer Reichweite. Zunächst beschreibt Ropohl warum ein Technikbegriff mit mittlerer Reichweite, und nicht mit einer weiten oder engen Reichweite, am sinnsvollsten ist.

Der weite Technikbegriff umfasst „[…] jede Art von kunstfertiger Verfahrensroutine in beliebigen menschlichen Handlungsfeldern“79. Doch unter diese sehr weit gefasste Sichtweise würde fast jede menschliche Handlung fallen und es findet keine engere Begrenzung statt. Darum stellt Ropohl zudem auch einen engen Technikbegriff dar, der „[…] allein die gegenständliche Welt der Maschinen und Apparate meint; nicht menschliches Handeln mit zweckmäßigen Mitteln steht im Vordergrund, sondern das künstlich gemachte Gebilde, das Artefakt“80. Aber auch dieser Technikbegriff ist laut Ropohl für ein angemessenes Technikverständnis nicht geeignet, „weil dann die gemachten Sachen als eine vom Menschen abgelöste Eigenwelt erscheinen würden“81. Ropohl schlägt daher einen Technikbegriff mit mittlerer Reichweite vor und rät „nur dann, von ‚Technik’ zu sprechen, wenn Gegenstände von Menschen künstlich gemacht und für bestimmte Zwecke verwendet werden“82. Schließlich definiert Ropohl Technik folgendermaßen:

„Technik umfasst (a) die Menge der nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde (Artefakte oder Sachsysteme), (b) die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und (c) die Menge menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden“83.

Kurz gesagt besteht Technik also aus den Gegenständen (den Artefakten/ Sachsystemen), deren Entstehung und deren Verwendung.

Um dem Begriff Technik noch näher zu kommen, beschreibt Ropohl die Technik als soziotechnisches System (siehe Abb.9). Das bedeutet, dass das Sachsystem Technik (das Artefakt) mit dem menschlichen Handlungssystem (Entstehung und Verwendung) verknüpft werden.

Abbildung 9: Technik als soziotechnisches System (Kirpal/ Norbey 2005: 14 nach Ropohl 1999)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Beziehungsgeflecht aus technischem Artefakt (Sachsystem) sowie dessen Verwendung und Entstehung besitzen zudem eine naturale, eine humane und eine soziale Dimension (siehe Abb.10).84

Abbildung 10: "Dimensionen und Erkenntnisperspektiven der Technik" (Ropohl 1999: 32)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die naturale Dimension von Technik ist darin zu sehen, dass Technik aus natürlichen Dingen besteht. Die Technik sind Dinge, welche wie „Naturdinge“ räumlich und zeitlich existieren und Na7turgesetzen unterworfen sind. Die naturale Dimension ist unter anderem also in ingenieurwissenschaftlichen, physikalischen, chemischen, biologischen und ökologischen Aspekten zu finden.

Mit der humanen Dimension von Technik wird berücksichtigt, dass der Mensch es ist, der die Technik fertigt und für seine Zwecke verwendet. Damit fallen alle ästhetischen, ethischen, anthropologischen, psychologischen und physiologischen Gesichtspunkte mit in die Betrachtung der Technik hinein.

Unter der sozialen Dimension sind alle Aspekte zu betrachten, die mit der Gesellschaft zusammenhängen. Dazu gehört zum Beispiel die politologische, soziologische, ökonomische, historische und juristische Perspektive.85

Ropohl fasst die Beschreibung der Technik als soziotechnisches System folgendermaßen zusammen:

„Technik ereignet sich zwischen der Natur, dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft. Diese Dimensionen stellen die Bedingungen, denen die Technik unterliegt, und sind ihren Folgen ausgesetzt“86.

So kann jede Energietechnik und deren Artefakte als Technik im Sinne eines soziotechnischen Systems nach Ropohl (1999) beschrieben werden - ebenso die Nutzung der Sonnenenergie mittels Solartechnik. Solartechnik als soziotechnisches System sind die solartechnischen Anlagen, sowie deren Entstehung und Verwendung.

Technik und Wissenschaft hängen eng miteinander zusammen. Dies wird auch in Kapitel 3.2 sichtbar, wenn es um die Begriffe Wissenschaftsjournalismus und Technikjournalismus geht. Die Verflechtung der Begriffe soll im Folgenden kurz erläutert werden.

2.3.3 Technik und (Natur-)Wissenschaft

Unter dem Begriff Wissenschaft werden im weitesten Sinne des Wortes, die Naturwissenschaften, die Geisteswissenschaften, die Logik und Mathematik umfasst. Dabei ist die Wissenschaft „jede intersubjektiv überprüfbare Untersuchung von Tatbeständen und die auf ihr beruhende, systematische Beschreibung und - wenn möglich - Erklärung der untersuchten Tatbestände“87.

Wenn von Wissenschaft die Rede ist, werden aber häufig nur die Naturwissenschaften gemeint, vor allem im Zusammenhang mit Technik. Die Geisteswissenschaften werden vielmals nicht mit einbezogen.

Das enge Verhältnis von (Natur-)Wissenschaft und Technik ist unter anderem in der Vorgehensweise der Technik begründet: „Die Techniken bedienen sich logisch- systematischer, begründender, also wissenschaftlicher Methoden, sie richten sich aber nicht ausschließlich auf das theoretische Erkennen, sondern auf die praktische Weltbewältigung aus“88.

Der Zusammenhang kann auch damit erklärt werden, dass einer technischen Entwicklung bzw. technischen Ontogenese (siehe Abb.11), zumeist eine wissenschaftliche Entdeckung oder wissenschaftliche Forschung (Kognition) vorweg geht. Der Kognition folgt die technische Konzipierung (Invention), die technischwirtschaftliche Realisierung (Innovation) und die allgemeine Verbreitung und Verwendung einer Technik (Diffusion).89

Abbildung 11: "Phasen der technischen Ontogenese" (Ropohl 1999: 259)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verflechtung von Technik und Naturwissenschaften zeigt sich auch darin, dass versucht wird, für technische Probleme wissenschaftlich fundierte Lösungsprinzipien zu finden. Zudem werden die technischen Anwendungsmöglichkeiten von naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen erschlossen.90 Wissenschaft und Technik sind daher in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen oder Universitäten häufig eng verknüpft.

Dennoch sind Technik und Naturwissenschaft hinsichtlich ihrer Akzente und Ziele zu unterscheiden. Technik kann nicht einfach als angewandte Naturwissenschaft betrachtet werden. Besonders die Ausrichtung auf den Zweck - die Lösung von praktischen Problemen - verdeutlicht den Unterschied.

Während „die wissenschaftliche Forschung theoretische Tiefe, Präzision, Reichweite, riskante Neuansätze sucht, prämiert die technologische Entwicklung praktische Bewährtheit, Haltbarkeit, Sicherheit, Verläßlichkeit, Standardisierung, Routinisierung, Empfindlichkeit, Schnelligkeit, Kostenminimierung, Nutzwert, Effektivität und Effizienz der Verfahren“91. Die Wissenschaft zielt also eher ab auf Hintergründe, Genauigkeit und manchmal auch „gewagte neue Wege“; die Technik setzt zumeist auf Routine, Praxis und Zuverlässigkeit.

Die enge Verbindung von Wissenschaft und Technik findet sich im Kapitel 3 „Technikberichterstattung“ wieder. Die Begriffe Wissenschaftsjournalismus und Technikjournalismus sind oft gemeinsam zu finden und können nicht losgelöst voneinander betrachtet werden.

Genauso wenig kann die Technik getrennt von ihrer Entstehung und Verwendung betrachtet werden. Deshalb wird Technik in der vorliegenden Arbeit als soziotechnisches System aufgefasst. Somit gehören zur Technikberichterstattung neben der Berichterstattung über die Technik selbst, auch die Berichterstattung über die Entstehungsbedingungen sowie über die Folgen ihrer Verwendung.

3 Technikberichterstattung

3.1 Problematik: Experten-Laien-Kommunikation

Allgemein kann der Austausch von technischen oder wissenschaftlichen Inhalten als Technikkommunikation bzw. Wissenschaftskommunikation bezeichnet werden. Je nach Art der Kommunikatoren, der Rezipienten und deren Ziele zeigen sich Unterschiede in den Kommunikationsvorgängen.92

Informationen die z.B. von Fachwissenschaftlern (Experten), an Fachwissenschaftler gerichtet sind, unterscheiden sich von Informationen, die an Nicht-Fachleute (Laien) gerichtet sind. So ist davon auszugehen, dass sich die kommunizierten Inhalte und die Form der Darstellung je nach Art der Technikkommunikation unterscheiden.93Für die Rezipientengruppe der Laien, die keine Fachleute des jeweiligen Gebietes sind, müssen technische und wissenschaftliche Inhalte in verständlicher Form aufbereitet werden. Inhalte müssen so angepasst werden, dass sie dem Vorwissen und Interessen der Rezipienten entsprechen.94Experten-Experten-Kommunikation läuft demzufolge anders ab als Experten-Laien-Kommunikation.

Es kann differenziert werden in

(1) fachinterne oder interfachliche Kommunikation: Kommunikation von Wissenschaftlern gleichen Fachgebietes oder angrenzender Fachgebiete und in
(2) fachexterne Kommunikation: Kommunikation von Experten an Laien.95

Auch Niederhauser (1999) unterscheidet die fachinterne Kommunikation in der „scientific community“ von der fachexternen Kommunikation, die an ein breiteres Publikum gerichtet ist. Das Interesse der fachexternen Kommunikation liegt bei aktuellen Ereignissen, ihrem Bezug zur Alltagswelt des Publikums und der Auswahl der Inhalte anhand journalistischer Gesichtspunkte.96

3.1.1 Fachsprachenmodelle

Die Fachsprachenforschung hat einige Modelle zur Einordnung fachlicher Kommunikation und ihrer Erscheinungsformen je nach Grad der Fachlichkeit entwickelt. Zu den bekanntesten zählen unter anderem das Fachsprachenmodell von Hoffmann (1987) und das Frame-Schema des Wissenstransfers von Jahr (2004).

Fachsprachenmodell von Hoffmann (1985) Das Fachsprachenmodell von Hoffmann, unterteilt die fachliche Kommunikation in fünf Hauptschichten:

(A) Sprache der theoretischen Grundlagenwissenschaften (höchste Abstraktionsstufe),
(B) Sprache der experimentellen Wissenschaften (sehr hohe Abstraktionsstufe),
(C) Sprache der angewandten Wissenschaften und der Technik (hohe Abstraktionsstufe),
(D) Sprache der materiellen Produktion (niedrige Abstraktionsstufe),
(E) Sprache der Konsumtion (sehr niedrige Abstraktionsstufe).97

Der Nachteil dieser Aufteilung in Schichten besteht in der „definitorischen Trennschärfe“98. Kirpal und Norbey (2005) schlagen vor, die Schichten A, B und C zur wissenschaftlichen Fachsprache zu vereinen.99Ferner ordnen Kirpal und Norbey ihre Untersuchung zur Darstellung der Transistorelektronik in populärwissenschaflichen Artikeln der Ebene E1 sowie deren Darstellung in noch allgemeineren Artikeln der Ebene E2 zu.

Die in der vorliegenden Arbeit untersuchten Artikel zur Solarenenergie- Berichterstattung können demgemäß am ehesten der Schicht E (bzw. E2), der Sprache der Konsumtion zugeordnet werden. Sie zeichnet sich durch eine sehr niedrige Abstraktionsstufe, eine natürliche Sprache mit einigen Fachtermini und ungebundener Syntax aus. Allerdings ist anzumerken dass es sich in den analysierten Pressetiteln (SZ, FAZ, SPIEGEL, ZEIT) vorwiegend nicht um populärwissenschaftliche Artikel handelt. Die Artikel können eher einem allgemeinen Allround-Journalismus zugeordnet werden, da die Journalisten der analysierten Tages- und Wochenpresse eher weitläufige Themengebiete abdecken und nicht auf einen Bereich spezialisiert sind. Sie verfügen über kein Spezialwissen wie zum Beispiel Fachjournalisten.100Insofern handelt es sich bei den AllroundJournalisten nicht um Experten im eigentlichen Sinne. Die Zuordnung zur Schicht E im Fachsprachenmodell von Hoffmann ist insofern zulässig, da es sich um Vermittlung von Expertenwissen handelt, die auf einer niedrigen Abstraktionsstufe mittels einer natürlichen Sprache an Laien erfolgt.

Frame-Schema des Wissenstransfers von Jahr (2004)

Die Transferwissenschaft widmet sich den praktischen Aspekten, wie verständliches fachexternes Kommunizieren gelingen kann und wie Wissenstransfer möglich ist. Dabei können Technik- und Wissenschaftskommunikation als Wissenstransfer betrachtet werden, der durch Massenmedien stattfindet.101Antos (2001) sieht die Aufgabe des Wissenstransfers darin, „die beste(n) Kommunikationsform(en) und damit auch die medienspezifisch beste Darstellung zu ermitteln“102.

Der Transferwissenschaft liegt ein Frame-Modell zu Grunde, welches die Wissenstransferprozesse als Kommunikationsprozesse in Wissenschaft und Technik beschreibt. Es schließt die verschiedenen Inhaltsbereiche, Personengruppen und Ziele mit ein, und berücksichtigt verschiedene Abstraktionsebenen.103

Bei Silke Jahr (2004) gliedert sich das Schema (siehe Abb.12) vertikal in (1) Experten,

(2) Fachleute, (3) Laien und (4) Öffentlichkeit/ Gesellschaft. Auf horizontaler Ebene finden sich Spezifika der am Wissenstransferprozess Beteiligten: Ort, Personen, Vermittler, Vermittlungsform und -strategien, Medium. Für die Öffentlichkeit spielen Erwartungen (z.B. Vertrauen in Experten), Relevanz von Wissensinhalten, Nachhaltigkeit (Nutzen/ Schaden), Vernetzungsfähigkeit (Umfang, Probleme) und die Macht einzelner Interessengruppen (Politik, Parteiinteressen) eine gesonderte Rolle.104Die Öffentlichkeit wird in dieser Frame-Struktur von den Laien insgesamt gebildet.

[...]


1vgl. Singh 1998: 157

2vgl. Singh 1998: 123

3vgl. Schmidt 2000: 9

4vgl. Kapitel 2.1 „Relevanz der Solarenergie“

5vgl. Kapitel 2.2 „Technische Grundlagen“

6 vgl. Kapitel 3 „Technikberichterstattung“

7vgl. Kapitel 5.2 „Politik und Wirtschaft“

8vgl. Kapitel 5.3 „Sprache und Verständlichkeit“

9vgl. Kapitel 3.1 „Problematik: Experten-Laien-Kommunikation“

10vgl. Kapitel 3.3 „Forschung zur Technik- und Wissenschaftsberichterstattung“

11vgl. Kapitel 3.2 „Technikjournalismus/ Wissenschaftsjournalismus“

12 vgl. Kapitel 4 „Methode und Fragestellung“

13„Erneuerbar oder regenerativ im Wortsinne ist eigentlich nur die aus den Energiepflanzen gewonnene Energie. Die Pflanzen können immer wieder neu angebaut werden. Die Wasserkraft, die Windkraft, die Sonnenstrahlung wie auch die Erdwärme sind permanent vorhanden, sie braucht nicht ‚erneuert’ zu werden. Die Bezeichnung regenerative Energien hat sich aber allgemeingültig durchgesetzt“ (Staab 2001: 39).

14vgl. BMU 2006a: 11; ähnliche Zahlen: vgl. Staab 2001: 9: Kohle würde noch etwa 200 Jahre reichen, Erdöl und Erdgas ca. 50-80 Jahre. Es gibt Hoffnungen auf bisher unentdeckte Vorräte an Kohle oder Erdöl, Erdgas. Auch der Abbau von unkonventionellem Erdöl in Sand, Schiefer und anderem Gestein wird erwogen. Dabei ist aber mit hohen Kosten zu rechnen.

15 Laut BMU reichen die Uran-Vorräte der Welt noch für 65 Jahre, eher 30 bis 40 Jahre. Uran wäre damit schneller erschöpft als Erdöl und Erdgas (vgl. BMU 2006b: 5)

16vgl. BMU 2006a: 13-14

17Staab 2001:13

18Auch Länder wie z.B. Schweden, Spanien, Schweiz und Belgien haben einen Ausstiegsbeschluss. Italien ist schon ausgestiegen. Finnland, Großbritannien oder Frankreich haben keinen Atomausstiegsbeschluss (vgl. BUND 2006).

19BMU 2006a: 31

20 BMU 2006a: 20

21vgl. Staab 2001: 10

22Staab 2001: 18

23vgl. Staab 2001: 2-7

24vgl. Staab 2001: 2

25 vgl. Staab 2001: 6

26In der vorliegenden Arbeit ist bei der „Nutzung der Solarenergie“ die „Nutzung der direkten Solarenergie (Solarstrahlung)“ gemeint. Zur indirekten Solarenergie gehören im Prinzip auch Energie aus Wind, Wasser, Biomasse, und wenn man es ganz genau nimmt auch die fossilen Energien.

27 Beim Potential einer Energieform wird unterschieden zwischen dem „theoretischen Potential“ (Gesamtangebot), „dem technischen Potential“ (praktisch nutzbar), „dem wirtschaftlichen Potential“ (wirtschaftlich sinnvolle Nutzung) und dem „erschließbaren Potential“ (der tatsächlich zu erwartende Beitrag) (vgl. Staab 2001: 38-39).

28 vgl. Witzel/ Seifried 2004: 12

29 vgl. Witzel/ Seifried 2004: 12

30Witzel/ Seifried 2004: 12

31vgl. BMU 2000

32vgl. BMU 2006b: 44

33vgl. BMU 2004

34vgl. BMU 2003

35vgl. BMU 2006b: 45 1999 den Bau von solarthermischen Anlagen mit

36vgl. BMWi 2006

37BMU 2006c: 9

38 MWp- Mega Watt peak; Der Index p steht für die international genormte Spitzenleistung eines Solarmoduls unter einer Sonnenlichtbestrahlung von 1kW/m².

39vgl. Staab 2001: 17

40vgl. Staab 2001: 17

41vgl. Staab 2001: 17

42 Da die USA 22,9% des weltweiten Primärenergiebedarfs verbraucht (im Jahr 2004) und damit der weltweit größte Energieverbraucher ist, ist die Nicht-Ratifizierung des Kyoto-Protokolls sehr kritisch zu sehen. (vgl. BP 2005: 39)

43vgl. Kapitel 5.2 „Politik und Wirtschaft“

44Laumanns 2005: 47

45 vgl. Laumanns 2005: 47; Weitere Grundbegriffe in Zusammenhang mit der Energie sind Leistung und Arbeit: Leistung ist Arbeit pro Zeit. Die Leistung wird mit der Einheit Watt (W) angegeben. Arbeit ist Leistung mal Zeit und trägt die entsprechende Einheit Watt-Stunde (Wh).

46Laumanns 2005: 49

47Laumanns 2005: 49

48Laumanns 2005: 49; Hervorhebung im Original

49vgl. Hadamovsky/ Jonas 2004: 19-20

50 vgl. Witzel/ Seifried 2004: 7-8

51vgl. Witzel/ Seifried 2004: 36; Halbleiter sind Materialien, die im „normalen“ Zustand nicht leitend sind; unter Energiezufuhr werden Halbleiter aber leitend. Da die Elektronenbindungen zu den Atomrümpfen in Halbleiter nur schwach sind, kann Energiezufuhr die Bindungen lösen. Dabei werden Elektronen frei und Ladung kann transportiert werden. (vgl. Hadamovsky/ Jonas 2004: 25)

52 Witzel/ Seifried 2004: 36

53auch Solargenerator genannt

54vgl. Witzel/ Seifried 2004: 39

55vgl. Staab 2001: 68

56vgl. Hadamovsky/ Jonas 2004: 27-38

57vgl. Bayer. LfU 2003: 12-13

58 vgl. Hadamovsky/ Jonas 2004: 27-38; vgl. auch Witzel/ Seifried 2004: 44

59vgl. Staab 2001: 70-71; vgl. auch Hadamovsky/ Jonas 2004: 51-78

60 vgl. Bayer. LfU 2003: 7-8; vgl. auch Witzel/ Seifried 2004: 24-25, Staab 2001: 64

61vgl. Witzel/ Seifreid 2004: 24

62vgl. Witzel/ Seifried 2004: 24

63vgl. Witzel/ Seifried 2004: 24; vgl. auch Bayer. LfU 2003: 7-8

64 vgl. Staab 2001: 63

65Gabler/ Mohring 2002: 1

66vgl. Witzel/ Seifried 2004: 34-35

67Witzel/ Seifried 2004: 34

68vgl. Witzel/ Seifried 2004:34-35

69 vgl. Witzel/ Seifried 2004: 34-35

70vgl. Staab 2001: 85-87

71 vgl. Staab 2001: 85-87

72vgl. Staab 2001: 88-90

73Duden Herkunftswörterbuch 2001: 840

74Duden Herkunftswörterbuch 2001: 840

75Duden Herkunftswörterbuch 2001: 840

76Duden Herkunftswörterbuch 2001: 840-841

77 Ropohl 1999: 31

78vgl. Ropohl 1999: 31-32

79Ropohl 1999: 29

80Ropohl 1999: 30

81Ropohl 1999: 30

82Ropohl 1999: 30

83 Ropohl 1999: 31

84 vgl. Ropohl 1999: 32-47

85vgl. Ropohl 1999: 32-39

86 Ropohl 1999: 43

87Körner 1992: 726

88Lenk 1992: 623

89 vgl. Ropohl 1999: 258-261

90vgl. Lenk 1992: 625

91 Lenk 1992: 626

92vgl. Kirpal/ Norbey 2005:15

93vgl. Kirpal/ Norbey 2005:15

94vgl. Kirpal/ Norbey 2005:16

95vgl. Kirpal/ Norbey 2005: 16 f. und Niederhauser 1999: 38

96 vgl. Niederhauser 1999: 38

97vgl. Hoffmann 1985:70

98Kirpal/ Norbey 2005: 18

99 vgl. Kirpal/ Norbey 2005: 19 und Gläser 1990: 8 ff.

100vgl. zur Abgrenzung von Fachjournalisten, Wissenschaftsjournalisten und Allround-Journalisten auch Kapitel 3.2 „Technikjournalismus/ Wissenschaftsjournalismus“

101vgl. Kirpal/ Norbey 2005: 21

102Antos 2001: 25

103 vgl. Kirpal/ Norbey 2005: 21

104 vgl. Jahr 2004: 35

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
Technikdarstellung in den Medien – Qualitative Inhaltsanalyse der Solarenergie-Berichterstattung in überregionaler Tages- und Wochenpresse
Hochschule
Technische Universität Ilmenau  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Note
1,9
Autor
Jahr
2006
Seiten
141
Katalognummer
V74758
ISBN (eBook)
9783638690331
Dateigröße
3863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Technikdarstellung, Medien, Qualitative, Inhaltsanalyse, Solarenergie-Berichterstattung, Tages-, Wochenpresse
Arbeit zitieren
Dipl.-Medienwissenschaftlerin Eva-Maria Karich (Autor), 2006, Technikdarstellung in den Medien – Qualitative Inhaltsanalyse der Solarenergie-Berichterstattung in überregionaler Tages- und Wochenpresse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74758

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