Wohl kaum eine andere Kommunikationsform steht derzeit so stark im Mittelpunkt des
multidisziplinären und wissenschaftlichen Interesses wie das Internet und seine Möglichkeiten. Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts erkannte H. Frei, dass das Aufkommen neuer kommunikativer Bedürfnisse wesentliche linguistische Veränderungen mit sich bringen würde. Diese Arbeit fokussiert nun eine dieser neuen Kommunikationsformen: den Weblog. Aufgrund der Fülle von Charakteristika dieser neuen Formen und verschiedenen Parallelen hinsichtlich der Analyse erscheint es der Autorin sinnvoll, exemplarisch anhand eines Typus der neu entstandenen Kommunikationsformen die charakteristischen Eigenschaften darzustellen und zu analysieren.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll nun einmal die linguistische Analyse von Blogs stehen, auf der anderen Seite aber auch immer wieder Bezug auf die Frage des Mündlichen und Schriftlichen genommen werden. Dabei sollen die auftretenden gattungskonstituierenden Elemente sowie Eckdaten der Entstehung von Blogs miteinbezogen werden, um zu einer vollständigen Betrachtung zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Internet
3. Blogs
3.1 Entstehungsgeschichte und Funktion von Blogs
3.2 Allgemeine Charakteristika
3.3 Struktur des Blogs
3.4 Kommunikationsstruktur – Zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit
3.5 Code parlé versus code écrit
3.6 Linguistische Charakteristika und stilistische Spezifika
4. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine linguistische Analyse von Weblogs durchzuführen und dabei insbesondere die Schnittstelle zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich die neu entstandene Kommunikationsform des Blogs sprachlich charakterisieren lässt und welche gattungskonstituierenden Elemente dabei eine Rolle spielen.
- Entwicklung und Funktionen von Weblogs als neue Kommunikationsform
- Strukturelle Merkmale und Aufbau eines Blogs
- Interaktion und Kommunikationsdynamik in virtuellen Sozialräumen
- Die Spannung zwischen mündlicher und schriftlicher Ausdrucksweise (Oralisierung der Schriftsprache)
- Linguistische Besonderheiten wie Morphologie, Syntax und Pragmatik in Blogs
Auszug aus dem Buch
3.6 Linguistische Charakteristika und stilistische Spezifika
Vorab kann festgestellt werden, dass zu den linguistischen Charakteristika eines Blogs Parallelen zu denjenigen eines Chats gezogen werden können, da bei beiden dieselben Autoren vorliegen, nämlich Jugendliche. Analog zur verwendeten Sprache in Chats ist zu beobachten, dass auch bei Blogs Hochsprache eher selten vorkommt. Zu erkennen ist vielmehr die Verwendung von Jugendsprache, also auch Jargon sowie dialektalen und soziolektalen Ausdrücken. Da der Blog vorwiegend dem Austausch mit anderen dient sowie zur Unterhaltung und als Freizeitbeschäftigung genutzt wird, ist der Sprachregister meistens informell; häufig wird zudem eine Sprache verwendet, die an Comics erinnert.
Allgemein ist zu erkennen, dass die Sätze einfach, kurz und manchmal völlig unvollständig vorliegen (Telegrafenstil). Diese Tatsache lässt sich damit erklären, dass die Autoren meistens unter einem enormen Zeitdruck stehen, da sie möglichst schnell auf einen anderen Kommentar reagieren möchten. Und da Tippen generell mehr Zeit in Anspruch nimmt als Sprechen, besteht ein großer Teil der Äußerungen aus sehr kurzen Redenzügen. Dies ähnelt also einem mündlichen Dialog, bei dem es zu einer Diskussion und einem temporeichen Schlagabtausch kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der neuen Kommunikationsform Weblog ein und definiert den Fokus auf die linguistische Analyse sowie das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
2. Internet: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsbedingungen der internetbasierten Kommunikation und die Besonderheiten der virtuellen Interaktion durch die Überwindung räumlicher Distanz.
3. Blogs: Das Hauptkapitel widmet sich detailliert der Geschichte, Struktur und den sprachlichen sowie pragmatischen Spezifika von Blogs, inklusive der Analyse von Oralisierungserscheinungen in der Schriftsprache.
3.1 Entstehungsgeschichte und Funktion von Blogs: Hier wird der Ursprung von Blogs in den neunziger Jahren erläutert und ihre Rolle als Plattform für Austausch, Unterhaltung und Selbstdarstellung beleuchtet.
3.2 Allgemeine Charakteristika: Dieses Kapitel beschreibt den informellen Grad der Sprache, den Einsatz von Netzjargon sowie die Tendenz zur Simulation mündlicher Interaktion durch schriftliche Mittel.
3.3 Struktur des Blogs: Es werden die typischen formalen Elemente eines Blogs dargestellt, wie etwa die Namensgebung, die Verwendung von Pseudonymen und die Bedeutung von Links und Kommentarbereichen.
3.4 Kommunikationsstruktur – Zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit: Der Fokus liegt auf der Simulation von Nähe im Blog sowie der Asynchronität der Kommunikation im Vergleich zu Echtzeit-Chats.
3.5 Code parlé versus code écrit: Dieses Kapitel untersucht die Umwandlung der gesprochenen Sprache in schriftliche Zeichenfolgen und die damit einhergehende Veränderung von Intonation und Pausen.
3.6 Linguistische Charakteristika und stilistische Spezifika: Dieser Abschnitt analysiert die konkrete sprachliche Ebene, einschließlich morphologischer Anglizismen, syntaktischer Ellipsen und pragmatischer Vereinfachungen.
4. Ausblick und Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und reflektiert den Einfluss von Weblogs auf die zukünftige Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf die französische Sprache.
Schlüsselwörter
Blogs, Internet, Linguistik, Netzjargon, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, digitale Kommunikation, Code parlé, Code écrit, Jugendsprache, Online-Kommunikation, Kommunikationsstruktur, Sprachwandel, virtuelle Räume, Weblog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Analyse von Weblogs als moderner Kommunikationsform und untersucht, wie diese das Verhältnis von gesprochener und geschriebener Sprache beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte von Blogs, ihre formale Struktur sowie die sprachlichen Besonderheiten im digitalen Raum, insbesondere die sogenannte Oralisierung der Schriftsprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die charakteristischen linguistischen Merkmale von Blogs anhand von Beispielen aufzuzeigen und zu analysieren, wie Nutzer in einem schriftlichen Medium mündliche Interaktion simulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine deskriptive linguistische Analyse, die verschiedene theoretische Ansätze zur Internetkommunikation heranzieht und diese anhand eines Textkorpus aus verschiedenen Blog-Beispielen illustriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Makroanalyse der Struktur, eine Betrachtung der Kommunikationssituation und eine tiefgehende Untersuchung morphologischer, syntaktischer und pragmatischer Sprachphänomene in Blogs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Blogs, Netzjargon, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Code parlé, Code écrit und digitale Kommunikation charakterisiert.
Warum ist die Anonymität in Blogs ein wichtiger Faktor?
Die Anonymität spielt eine Rolle für den interkulturellen Austausch, da sie soziale Identitätsmerkmale wie Geschlecht oder kulturellen Hintergrund zunächst in den Hintergrund rückt und einen spezifischen Kommunikationsraum schafft.
Wie wird das Phänomen „Leetspeak“ in der Arbeit beschrieben?
Leetspeak wird als ein Stilmittel identifiziert, bei dem Buchstaben durch Zahlen oder Sonderzeichen substituiert werden, um die schriftliche Kommunikation informeller oder schneller zu gestalten.
- Quote paper
- Christine Müller (Author), 2006, Das Internet als Quelle neuer Text-Gattungen. Blogs und Foren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74814