Die Kontinuität in der Ausarbeitung der Staatstheorie von Friedrich Engels und Karl Marx zu Lenin wird besonders deutlich in der Schrift von Lenin „Staat und Revolution“, die er unmittelbar vor der Oktoberrevolution im August 1917 verfasst hat. In ihr legt er u. a. unter Berufung auf Analysen von Marx und Engels seine Theorien über die Funktion von Regierungen und deren Rechtssysteme dar und diskutiert die Notwendigkeit des Aufbaus eines proletarischen Diktaturstaats, der in einem lang andauernden Prozess das „Einschlafen“ jedweder Staatlichkeit und somit das „Absterben des Staates“ einleitet, an dessen Ende die Geburt einer vollkommenen kommunistischen Gesellschaft ohne jeglichen Staat im eigentlichen Sinne steht.
In der vorliegenden Arbeit wird nun anhand der folgenden Leitfragen versucht, auf diese Theorien bezüglich der Funktion und des Wesens des Staats aus der Sicht von Lenin näher einzugehen und die wichtigen Aspekte zu thematisieren:
a) Wodurch sind Staaten zustande gekommen?
b) Was ist das Ergebnis der politischen Revolution?
c) Was ist das Ergebnis des Prozesses, der nach Lenin, nach der politischen Revolution in Gang gesetzt wird, und was ist die „Diktatur des Proletariats“?
Im ersten Teil der Arbeit wird auf die Entstehung des Staats eingegangen und dessen Rolle in der bürgerlichen Gesellschaft thematisiert. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Rolle der bürgerlichen Demokratie als Organ der Klassenversöhnung. Im letzten Teil werden dann die Phasen, die nach der politischen Revolution eintreten und schließlich das „Einschlafen“ des Staats einleiten, eingehend erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Die Entstehung und die Rolle des Staates
II Zur Rolle der bürgerlichen Demokratie als Organ der Klassenversöhnung
III Zerschlagung des Staatsapparates nach der politischen Revolution
1 Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus und die Bedeutung der Diktatur des Proletariats
2 Absterben des Staates
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Lenins Staatstheorie, wie sie in seiner Schrift „Staat und Revolution“ unmittelbar vor der Oktoberrevolution 1917 dargelegt wurde. Ziel ist es, das Wesen und die Funktion des Staates, die Notwendigkeit der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates sowie den theoretischen Prozess der Diktatur des Proletariats und das schließliche Absterben des Staates zu analysieren.
- Die Entstehung des Staates aus unversöhnlichen Klassengegensätzen
- Die Kritik an der bürgerlichen Demokratie als Herrschaftsinstrument
- Die Zerschlagung des alten Staatsapparates als notwendiger revolutionärer Akt
- Die Bedeutung und Funktion der Diktatur des Proletariats
- Der theoretische Entwicklungsprozess hin zum Absterben des Staates
Auszug aus dem Buch
I Die Entstehung und die Rolle des Staates
"Der Staat entsteht dort, dann und insofern, wo, wann und inwiefern die Klassengegensätze objektiv nicht versöhnt werden können. Und umgekehrt: Das Bestehen des Staates beweist, dass die Klassengegensätze unversöhnlich sind" (Zitat: Lenin, Staat und Revolution, in: W. I. Lenin Werke, Bd. 25, 4. Aufl., Berlin, 1974, S. 398).
Es wird in diesem Zitat deutlich, welche Auffassung Lenin vom Staat und seiner Entstehung vertritt. Dies ist für Lenin auch ökonomisch begründbar, indem er auf die geschichtliche Analyse von Engels zurückgreift, die besagt, dass der Staat keineswegs eine der Gesellschaft von außen aufgezwungene Macht ist. Er ist, entgegen der hegelschen Behauptung, auch keine Wirklichkeit der sittlichen Idee und der Vernunft. Vielmehr ist er ein Produkt der Gesellschaft auf einer bestimmten Entwicklungsstufe und das Eingeständnis, dass diese Gesellschaft sich in einen unlösbaren Widerspruch mit sich selbst verwickelt, sich in unversöhnliche Gegensätze gespalten hat, die zu bannen sie ohnmächtig ist.
Damit aber diese Gegensätze, Klassen mit widerstreitenden ökonomischen Interessen, nicht sich und die Gesellschaft in fruchtlosem Kampf verzehren, ist eine scheinbar über der Gesellschaft stehende Macht nötig geworden, die den Konflikt dämpfen, innerhalb der Schranken der Ordnung halten soll. Und genau diese, nach der Auffassung von Engels, aus der Gesellschaft hervorgegangene, jedoch sich über sie stellende, sich ihr mehr und mehr entfremdende Macht ist der Staat (Lenin, Staat und Revolution 1974, S. 398). Hier lässt sich also festhalten, dass der Staat aus dem Bedürfnis entstanden ist, Klassengegensätze im Zaume zu halten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert den theoretischen Kontext von Lenins Schrift „Staat und Revolution“ und definiert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich Staatsfunktion und politischer Transformation.
I Die Entstehung und die Rolle des Staates: Das Kapitel analysiert die Entstehung des Staates als Produkt unversöhnlicher Klassengegensätze, der als Machtinstrument über der Gesellschaft steht.
II Zur Rolle der bürgerlichen Demokratie als Organ der Klassenversöhnung: Hier wird Lenins Kritik an der bürgerlichen Demokratie thematisiert, die er als ideologische Hülle für die Herrschaft des Kapitals entlarvt.
III Zerschlagung des Staatsapparates nach der politischen Revolution: Der Autor führt aus, warum die Befreiung des Proletariats eine gewaltsame Zerschlagung des bestehenden Staatsapparates zwingend voraussetzt.
1 Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus und die Bedeutung der Diktatur des Proletariats: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang als sozialistische Phase, in der die Diktatur des Proletariats die notwendige politische Form zur Unterdrückung der Bourgeoisie darstellt.
2 Absterben des Staates: Hier wird der Prozess beschrieben, an dessen Ende mit der Überwindung von Klassengegensätzen die staatliche Organisation und die Demokratie als Herrschaftsinstrumente verschwinden.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird die Diskrepanz zwischen Lenins Staatstheorie und deren praktischer Anwendung in der russischen Revolution kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Lenin, Staat und Revolution, Staatsapparat, Klassengegensätze, Diktatur des Proletariats, bürgerliche Demokratie, Bourgeoisie, Proletariat, Klassenkampf, Absterben des Staates, Sozialismus, Kommunismus, politische Revolution, Herrschaftsorgan, Unterdrückung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Staatstheorie von W. I. Lenin auf Basis seiner Schrift „Staat und Revolution“ und untersucht die Entwicklung von Regierungs- und Rechtssystemen in diesem theoretischen Rahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Entstehung des Staates, die Kritik an der bürgerlichen Demokratie, die Notwendigkeit der Zerschlagung des Staatsapparates sowie den Übergang vom Kapitalismus über den Sozialismus hin zum Kommunismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Fragen, wie Staaten entstehen, was das Ergebnis einer politischen Revolution ist und was unter dem Prozess der „Diktatur des Proletariats“ sowie dem „Absterben des Staates“ zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die sich primär auf die Textauslegung von Lenins Werk sowie ergänzende Interpretationen durch Autoren wie Balibar, Steininger und Fetscher stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ursprungs von Klassengegensätzen, die Funktion der bürgerlichen Demokratie, die Zerschlagung des Staatsapparates und die verschiedenen Phasen der Transformation der Staatsmacht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Staat, Diktatur des Proletariats, Klassengegensätze, Revolution und das Absterben des Staates charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Diktatur des Proletariats laut Lenin von der kapitalistischen Demokratie?
Im Gegensatz zur bürgerlichen Demokratie, die nur eine Minderheit (Bourgeoisie) begünstigt, stellt die Diktatur des Proletariats eine Herrschaft der breiten Mehrheit dar, die sich aktiv gegen die Unterdrückung durch ehemalige Ausbeuter wehrt.
Warum hält Lenin das Absterben des Staates für unvermeidlich?
Sobald Klassengegensätze durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel überwunden sind und kein Bedarf mehr besteht, eine Klasse durch eine andere zu unterdrücken, verliert der Staat als Instrument der Klassenherrschaft seine Funktion und stirbt ab.
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- M. A. Politikwissenschaft/Geschichte Kamran Khaliji (Author), 2000, Staat und Revolution - Stufen der Entwicklung von Regierungs- und Rechtssystemen in Lenins Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74821