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Zu: Heinrich von Kleist: „Die Marquise von O…“

Title: Zu: Heinrich von Kleist: „Die Marquise von O…“

Term Paper , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Alexandra Nadler (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

1. Einleitung

Heinrich von Kleists Erzählung „Die Marquise von O…“ handelt von einem „ungeheuerlichen Ereignis“, der Vergewaltigung der Marquise ohne ihr Wissen in einem Zustand der Bewusstlosigkeit bzw. der Ohnmacht.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich den historischen Wandel des Begriffs der Vergewaltigung in Deutschland nachzeichnen und dabei den Schwerpunkt auf die Handhabung eines solchen Verbrechens in der Rechtspraxis legen. Dabei werde ich zunächst einen Überblick über die Geschichte der Vergewaltigung und das Verhältnis der Gesellschaft zu dieser Straftat geben.

Als nächstes werde ich näher auf die Constitutio Criminalis Carolina von 1532, Tit. X der Kurfürstlich Sächsischen Landesordnung vom 1. September 1666, das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794 und das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 eingehen. Darauf folgt schließlich eine kurze Darstellung der Rechtslage in Deutschland in den Jahren 1973 bis 1981, sowie 1981 bis heute.

Im zweiten Teil der Arbeit analysiere ich das Motiv der Vergewaltigung in der „Marquise von O…“. Ich gehe dabei vor allem auf die Frage der Möglichkeit einer Vergewaltigung in einem Zustand der Bewusstlosigkeit ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rechtsgeschichte der Vergewaltigung in Deutschland

2.1 Überblick

2.2 Die Constitutio Criminalis Carolina von 1532

2.3 Tit. X der Kurfürstlich Sächsischen Landesordnung vom 1. September 1666:

2.4 Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, 1794

2.5 Das Reichsstrafgesetzbuch von 1871

2.6 Die Jahre 1973 bis 1981

2.7 Die Jahre von 1981 bis heute

3. Interpretation

4. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den historischen Wandel des Vergewaltigungsbegriffs in Deutschland nachzuzeichnen und diesen in einen direkten Zusammenhang mit der Analyse von Heinrich von Kleists Erzählung „Die Marquise von O…“ zu setzen, um die Problematik des sexuellen Missbrauchs in einem Zustand der Bewusstlosigkeit kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung der Gesetzgebung zur Vergewaltigung vom 16. Jahrhundert bis heute.
  • Rechtliche Behandlung von Vergewaltigung in Abhängigkeit von Status, Ehre und Bewusstseinszustand des Opfers.
  • Literarische Analyse des Vergewaltigungsmotivs in Heinrich von Kleists „Die Marquise von O…“.
  • Diskussion der juristischen Einordnung einer Vergewaltigung ohne Wissen des Opfers.
  • Untersuchung der Diskrepanz zwischen juristischer Theorie und menschlicher Realität.

Auszug aus dem Buch

Die Ambivalenz der Bewusstlosigkeit in der Erzählung

Die gesamte Novelle kreist nämlich um die Abwägung, ob es denkbar und plausibel ist, dass die Marquise in einem Zustand der Bewusstlosigkeit – Näheres zu ihrem Befinden wird nicht gesagt – vom Grafen F. sexuell missbraucht wurde. Während des Übergangs vom 18. ins 19. Jahrhundert, drehte sich der Diskurs rund um das Thema „Vergewaltigung“ vor allem um den Bewusstseinszustand des möglichen Opfers. Bei der Entscheidung, ob die durch den Gedankenstrich umschriebene Tat, eine Vergewaltigung oder aber ein verdrängtes Liebesabenteuer zwischen der Marquise und dem Grafen F. gewesen ist, kommt es vor allem darauf an, wie man die Ohnmacht der Marquise deutet. Im literarischen Diskurs wurde die Ohnmacht einer Frau bis Ende des 20. Jahrhunderts als Mittel gesehen, das sich die Frau in moralisch verwerflichen Situationen zunutze macht. Ihr wurde unterstellt, dass sie diese als Deckmantel für eine unduldsame sexuelle Verhaltensweise einsetzte. Eine Vergewaltigung im Schlaf, in narkotisiertem oder bewusstlosem Zustand, gehört auch heute noch zu einer der kompliziertesten und schwierigsten Sachlagen in einem Vergewaltigungsprozess, da diese nur sehr schwer glaubhaft zu machen ist. Im juristisch-medizinischen Diskurs ist der Bewusstseinszustand des Vergewaltigungsopfers lange Zeit noch nicht von Bedeutung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Vergewaltigung in Kleists Erzählung sowie Skizzierung des methodischen Vorgehens anhand historischer Rechtsquellen.

2. Die Rechtsgeschichte der Vergewaltigung in Deutschland: Detaillierte Nachzeichnung des rechtlichen Wandels von den frühen Volksrechten über die Carolina bis hin zur modernen Gesetzgebung.

2.1 Überblick: Darstellung des historischen Wandels der Wahrnehmung der vergewaltigten Frau vom Objekt einer Standesverletzung zum juristischen Subjekt.

2.2 Die Constitutio Criminalis Carolina von 1532: Analyse der Rechtsordnung, in der Vergewaltigung primär als Verletzung der weiblichen Ehre sanktioniert wurde.

2.3 Tit. X der Kurfürstlich Sächsischen Landesordnung vom 1. September 1666:: Betrachtung der verstärkten Differenzierung von Sexualstraftaten und der Bedeutung des Geschlechtsakts an sich.

2.4 Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, 1794: Analyse der Erweiterung des Nothzuchtbegriffs auf Fälle von Bewusstlosigkeit und der Milderung des Strafmaßes.

2.5 Das Reichsstrafgesetzbuch von 1871: Untersuchung der rechtlichen Einordnung von Schändung und Nötigung zur Unzucht im Deutschen Kaiserreich.

2.6 Die Jahre 1973 bis 1981: Erläuterung der Strafrechtsreform, die den Fokus stärker auf das sexuelle Selbstbestimmungsrecht des Opfers legte.

2.7 Die Jahre von 1981 bis heute: Darstellung der Anerkennung psychischer Zwangswirkung und der Gleichstellung von häuslicher und außerhäuslicher Gewalt.

3. Interpretation: Anwendung der juristischen Erkenntnisse auf die literarische Analyse der Marquise von O… und die Debatte um ihre Bewusstlosigkeit.

4. Schluss: Fazit über die Unberechenbarkeit menschlichen Verhaltens, die sich der strengen juristischen Einordnung des Allgemeinen Landrechts widersetzt.

Schlüsselwörter

Vergewaltigung, Die Marquise von O…, Heinrich von Kleist, Rechtsgeschichte, Nothzucht, Bewusstlosigkeit, Sexualstrafrecht, Allgemeine Landrecht, Literaturanalyse, Eherecht, Sittlichkeit, Opferperspektive, juristischer Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Arbeit untersucht den historischen Wandel des deutschen Rechtsverständnisses von Vergewaltigung und verknüpft dies mit einer literarischen Analyse der Erzählung „Die Marquise von O…“ von Heinrich von Kleist.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die historische Rechtsentwicklung, der Wandel des Gewaltbegriffs sowie die literarische Auseinandersetzung mit dem sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen.

Was ist die Forschungsfrage der Analyse?

Das primäre Ziel ist es, den historischen Diskurs zur Vergewaltigung darzulegen und die Glaubwürdigkeit sowie Möglichkeit einer Vergewaltigung im Zustand der Bewusstlosigkeit in Kleists Werk kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-juristische Recherche mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation kombiniert, um die Novelle in ihrem zeitgenössischen juristischen Kontext zu verorten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der deutschen Rechtsgeschichte (vom Mittelalter bis zur Gegenwart) und eine anschließende Interpretation der Kleist-Novelle.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Nothzucht, Bewusstlosigkeit, sexuelle Selbstbestimmung, Rechtsgeschichte und der literarische Diskurs zur Ehre und Vergewaltigung.

Inwiefern spielt der historische Kontext für die Marquise eine Rolle?

Der historische Kontext, insbesondere das Allgemeine Preußische Landrecht, dient als maßgeblicher Bewertungsrahmen, um die juristische Einordnung der Tat an der Marquise zu verstehen.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Grafen F. in der Erzählung?

Die Autorin hebt die moralische Ambivalenz des Grafen hervor, der die Marquise erst vor Gewalt schützt, um sie dann im Zustand der Bewusstlosigkeit selbst zu missbrauchen.

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Details

Title
Zu: Heinrich von Kleist: „Die Marquise von O…“
College
University of Mannheim
Course
Erzählungen des 19. Jahrhunderts
Grade
1,7
Author
Alexandra Nadler (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V74838
ISBN (eBook)
9783638726283
Language
German
Tags
Heinrich Kleist Marquise Erzählungen Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Nadler (Author), 2006, Zu: Heinrich von Kleist: „Die Marquise von O…“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74838
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