Grenzen der empirischen Sozialforschung

Wo liegen die Grenzen der empirischen Sozialforschung, insbesondere bei einem standardisierten Fragebogen?


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziele und Ablauf empirischer Sozialforschung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Ziele
2.3 Abgrenzung zur Alltagserfahrung
2.4 Methoden der empirischen Sozialforschung
2.5 Ablauf der sozialwissenschaftlichen Forschung

2. Erkenntnistheorien.
2.1 Überblick
2.2 Positivismus
2.3 Kritischer Rationalismus
2.4 Konstruktivismus
2.5 Evolutionäre Erkenntnistheorie

3. Grenzen des standardisierten Fragebogens
3.1 allgemeine Probleme
3.2 durch den Probanden hervorgerufene Verzerrungen
3.2.1 Soziale Erwünschtheit
3.2.2 Formale Antwortstile
3.2.3 Antwortverweigerung und Selbstrekrutierung
3.3 durch das Erhebungsinstrument hervorgerufene Verzerrungen
3.3.1 Frageformulierung und Anwortkategorien
3.3.2 Fragereihenfolgeeffekt
3.4 Ein „guter“ standardisierter Fragebogen

4. Zusammenfassung

5. Literatur.

1. Einleitung

Die Wurzeln der empirischen Sozialforschung sind vor allem in der kameralistischen Universitätsstatistik und in der politischen Arithmetik zu sehen. Die deutsche Universitätsstatistik hat sich, nach Kern, Mitte des 18 Jahrhunderts durchgesetzt und war qualitativ orientiert. Die politische Arithmetik entstand in England bereits im 17. Jahrhundert, wobei man versuchte, soziale Phänomene mit erfahrungswissenschaftlichen Methoden, vor allem aus der Physik, zu erfassen. Schon damals standen sich also schon qualitative und quantitative Ansätze gegenüber, die auch in der heutigen Zeit zu Diskussionen führen. (Kern 1982: 19 – 36; Diekmann 2002: 77 – 81; Schnell et. al. 2005: 17 – 21). Im weiteren Verlauf der Geschichte der empirischen Sozialforschung gab es eine Vielzahl von Pionierleistungen, wie die 1933 veröffentlichte Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ oder die 1944 veröffentlichte Wahlstudie „The People´s Choice“ von Paul Lazarsfeld, so dass dieser Wissenschaftsbereich heute zu unserem Alltag gehört. So finden wir die empirische Sozialwissenschaft in Informationen über die demographische Entwicklung, das Wahlverhalten, die Mediennutzung, das Konsumverhalten und vielem mehr wieder. Die Methoden der empirischen Sozialforschung werden von Ökonomen, Medizinern, Geographen, Sportwissenschaftlern, Mathematikern und weiteren Fachrichtungen durchgeführt. (Diekmann 2002: 11 – 15; Karmasin; Höhn 2002: 7 – 14) Trotz dieser weiten Verbreitung sehen Karmasin und Höhn Probleme der empirischen Sozialforschung. So besteht eine „mangelnde Verbreitung empirischen Denkens in weiten Teilen der Gesellschaftswissenschaften und auch der Politik“ (Karmasin/ Höhn 2002: 13). Viele Ergebnisse werden darauf hin überprüft, ob sie in das vorhandene Weltbild passen, selten werden die Methoden der empirischen Sozialforschung als Instrument zur Überprüfung der Richtigkeit von Hypothesen genutzt. Wenn sich allerdings die sehr schnelle methodische Entwicklung der empirischen Sozialforschung langsam in den Köpfen der Menschen verankert, so kann laut Karmasin und Höhn das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Sozialforschung werden. Im Folgenden wird die empirische Sozialforschung auf ihre Grenzen und den damit verbundenen Möglichkeiten hin beleuchtet. Der erste Teil beschreibt die Ziele der empirischen Sozialforschung, an der sich jede empirische Arbeit messen lassen muss und stellt kurz den typischen Ablauf empirischer Sozialforschung dar, um im zweiten und dritten Teil erläutern zu können, welche Probleme sich beim Erreichen dieser Ziele ergeben. Der zweite, eher philosophisch orientierte Teil, gibt dabei einen Einblick in die Erkenntnistheorie, der dritte Teil befasst sich mit den konkreten Problemen bei einer Befragung mit einem standardisierten Fragebogen und es werden Möglichkeiten aufgezeigt, „Verzerrungseffekte“ zu minimieren, um ein aussagekräftigeres Ergebnis zu erhalten. Aufgrund der Erkenntnisse aus den Teilen 1 – 3 werden im vierten die Ergebnisse zusammengefasst und eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage gegeben. Teil 5 beinhaltet die Literaturangabe.

2. Ziele und Ablauf empirischer Sozialforschung

2.1 Begriffsklärung

Um was es in diesem Wissenschaftsbereich geht lässt sich am Begriff empirische Sozialforschung erkennen. Das aus dem Griechischen stammende Wort Empirie bedeutet Erfahrung, die sich sinnlich wahrnehmen lässt. Es geht also um die sinnliche Wahrnehmung bestimmter Phänomene. Der Wortbestandteil sozial präzisiert den Gegenstand des Untersuchungsinteresses. Der Mensch steht im Mittelpunkt, das menschliche Verhalten, seine Einstellungen, Meinungen und Werturteile sollen erkannt werden. Der Begriff Forschung beschreibt, wie dieser Erkenntnisgewinn stattfinden soll. Er soll planmäßig und systematisch stattfinden und grenzt sich somit von Alltagserfahrungen ab (Klammer 2005: 18/19). Atteslander beschreibt diese systematische Erfassung damit, dass diese Erfahrung der Umwelt nach gewissen Regeln zu geschehen hat. Für ihn ist zudem ein Theoriebezug notwendig sowie eine Orientierung an drei Grundfragen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Grundlagen der empirischen Sozialforschung (vgl. Atteslander 1993: 13)

Diese Fragen sind entscheidend, da es nicht möglich ist die soziale Wirklichkeit insgesamt zu erfassen. Es müssen Ausschnitte gewählt werden, die „erst sinnvoll [werden], wenn sie systematisch und theorieorientiert erhoben werden“ (Atteslander 1993: 12)

2.2 Ziele

Die empirische Sozialwissenschaft ist somit eine Wissenschaft, die auf Grundlage der Erfahrung durch menschliche Sinne versucht, die soziale Wirklichkeit zu beschreiben. Da dies wissenschaftlich geschehen soll bedient sie sich bei der Erfassung von Daten bestimmter Techniken wie Beobachtung, Experiment, Befragung usw. (Kromrey 1998: 33). Schnell et. al. und Friedrichs erweitern diese Zielvorstellung um eine Weitere. Neben dem genannten theoretischen Ziel dient die empirische Sozialforschung dem praktischen Ziel, mit Hilfe ihrer Ergebnisse ein rationales humanes Leben der Menschen zu gewährleisten (Schnell et. al. 2005: 6/7; Friedrichs 1990: 14) Die noch recht allgemein gehaltene Zielvorstellungen der Beschreibung sozialer Wirklichkeit und der Hilfe für ein rationales und humanitäres Lebens lässt sich je nach Literatur weiter aufschlüsseln. Nach Diekmann kann man zwischen explorativen Untersuchungen, deskriptiven Untersuchungen, Prüfung von Hypothesen und Theorien und Evaluationsstudien unterscheiden. Explorative Studien werden durchgeführt, wenn das Forschungsfeld noch recht unbekannt ist und dienen eher der Gewinnung von Hypothesen. Deskriptive Untersuchungen zielen auf die Schätzung bestimmter Variablen in einer Bevölkerungsgruppe, wie z.B. das durchschnittliche Einkommen. Die Prüfung von Hypothesen und Theorien ist eine der Hauptaufgaben der empirischen Sozialforschung. In diesem Bereich gibt es allerdings in der Messung und Beurteilung Probleme, die in Teil 3 erläutert werden. Evaluationsstudien sind stark praxisbezogen und dienen vor allem der Ermittlung der Wirksamkeit bestimmter Maßnahmen bezüglich eines Erfolgskriteriums. (Diekmann 2002: 30 – 36)

2.3 Abgrenzung zur Alltagserfahrung

Nach allen oben genannten Autoren grenzt sich die empirische Sozialforschung klar von Alltagserfahrungen ab. Die empirische Sozialforschung bemüht sich um Objektivität, wohingegen die Alltagserfahrung subjektiv ist. Objektivität meint in diesem Zusammenhang die Unabhängigkeit der Erkenntnisse von den Werturteilen des Forschers. Streng genommen müssen also verschiede Forscher, die dieselbe Studie durchführen, zu den gleichen Ergebnissen gelangen (Klammer 2005: 18/19; Atteslander 1993: 15/16). Zudem müssen die Hauptgütekriterien Validität und Reliabilität erfüllt sein. Ein Befragungsinstrument ist genau dann reliabel oder verlässlich, wenn es genau misst. Es muss also bei wiederholtem Messen das gleiche Ergebnis gewonnen werden. Es ist zudem valide, wenn es exakt das misst, was es messen soll (Atteslander 1993: 15/16). Die Beantwortung der Frage, ob eine Untersuchung die genannten Aspekte erfüllt, gestaltet sich oft als schwierig, da es eine Reihe von Verzerrungseffekten gibt und zudem von einigen Autoren angezweifelt wird, ob man die soziale Wirklichkeit überhaupt in dem Maße erfassen kann, wie es das Ziel der empirischen Sozialforschung verlangt. Neben den Gesichtpunkten aus der Erkenntnistheorie, die im Punkt 3 genauer betrachtet werden, fügt Kriz bereits an, dass „unsere Wirklichkeit“ schon immer historisch und gesellschaftlich geprägt ist und es aufgrund dessen nicht um eine Wahrheitsfindung gehen kann, sondern um zwischen den Menschen akzeptierte Sinnstrukturen, die eine bessere Orientierung in der sozialen Welt ermöglichen. Jeder Forscher wird sozusagen in eine vorhandene Forscherwelt hineingeboren, die aufgrund von Erfahrungen vergangener Generationen entstanden ist, die ihn in starkem Maße beeinflusst (Kriz 1981: 53 – 55). Zudem erkennt er in den drei Hauptgütekriterien Schwierigkeiten in der praktischen Überprüfbarkeit. So muss im Zusammenhang mit Reliabilität „entschieden werden, was die Formulierung „unter gleichen Bedingungen reproduzierbar“ im konkreten Fall bedeuten soll.“(Kriz 1981: 49) Es müssen erst die Bedingungen, die gleich bleiben sollen, aus einer unendlichen Zahl von Bedingungen ausgewählt werden, was einen Unsicherheitsfaktor erkennen lässt (Kriz 1981: 43 – 55).

2.4 Methoden der empirischen Sozialforschung

Um die Ziele der empirischen Sozialforschung zu erreichen, werden die Methoden der empirischen Sozialforschung benutzt. Eine Methode kennzeichnet dabei einen „Prozess […], der auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet ist“ (Friedrichs 1990: 14) und ist „eine geregelte und nachvollziehbare Anwendung von Erfassungsinstrumenenten“ (Atteslander 1993: 13). Grob zu unterscheiden sind die Befragung, die Beobachtung, die Inhaltsanalyse, das Experiment und nicht – reaktive Erhebungsmethoden (Diekmann 2002: 7 – 9; Friedrichs 1990: 8/9; Atteslander 1993: 4 – 6). Diese Methoden lassen sich noch weiter aufschlüsseln, was exemplarisch an der Methode der Befragung geschehen soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Formen der Befragung (Koch 1993: 6)

[...]

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Details

Titel
Grenzen der empirischen Sozialforschung
Untertitel
Wo liegen die Grenzen der empirischen Sozialforschung, insbesondere bei einem standardisierten Fragebogen?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V74861
ISBN (eBook)
9783638729291
ISBN (Buch)
9783638770125
Dateigröße
1300 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grenzen, Sozialforschung
Arbeit zitieren
Michael Adelmann (Autor:in), 2006, Grenzen der empirischen Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74861

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