Rund zwölf Prozent der Grundschulkinder in Deutschland haben laut Statistischem Bundesamt einen Migrationshintergrund – und dabei sind die Kinder von Aussiedlern noch nicht einmal miteingerechnet. Was erwartet diese Kinder in deutschen Grundschulen? Wie sind die PädagogInnen auf diese Herausforderung vorbereitet? Bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen stößt man unweigerlich auf den Begriff „Interkulturelle Pädagogik“. Was aber ist darunter zu verstehen und welche Bedeutung hat er im Zusammenhang mit der Integration von Migrantenkindern? Welche interkulturellen Kompetenzen werden von den PädagogInnen erwartet?
Überlegungen zu diesen Fragestellungen setzen einige Vor- und Nebenkenntnisse voraus, mit denen ich zu Beginn meiner Arbeit auf das zentrale Thema hinführen möchte. So werde ich im zweiten Kapitel die Bedeutung von „Kultur“ erläutern. Was ist unter Kultur zu verstehen und welche Bedeutung hat dieser Begriff eigentlich für Kinder im Grundschulalter?
Das dritte Kapitel enthält einen kurzen Ausflug in die Geschichte der Migration. Viele Menschen glauben, Migration sei ein noch junges und vor allem außergewöhnliches Phänomen. Hinsichtlich der Rolle der Migration im Leben der Völker ist dieses Bild jedoch nicht ganz richtig. Ich möchte in diesem Teil meiner Arbeit kurz aufzeigen, dass Migration schon immer eine wichtige prägende Kraft in Europa und der ganzen Welt war und noch ist.
Im vierten Kapitel möchte ich auf Interkulturalität im pädagogischen Zusammenhang eingehen und einen Überblick über die Entwicklung von der „Ausländerpädagogik“ hin zur Interkulturellen Pädagogik geben.
Das fünfte Kapitel befasst sich schließlich mit dem eigentlichen Thema. In diesem Teil möchte ich möglichst umfassend auf den Einsatz und die Möglichkeiten der Interkulturellen Pädagogik innerhalb der Grundschule, sowie die dazu erforderlichen pädagogischen Kompetenzen eingehen.
Das sechste Kapitel schließlich beschäftigt sich, ergänzend zum vorigen, mit (sozialer) Integration, sowie den rechtlichen und politischen Grundlagen derselben. Abschließend gehe ich in diesem Kapitel auf die Integration der Migrantenkinder innerhalb der Grundschule ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kultur
2.1 Der Kulturbegriff
2.2 Die Bedeutung von Kultur für Kinder im Grundschulalter
2.3 Aufwachsen zwischen zwei Kulturen – der interkulturelle Konflikt
3 Migration
3.1 Der Migrationsbegriff
3.2 Exkurs: Migration als Kennzeichen europäischer Geschichte
4 Interkulturelle Pädagogik – Erziehung im Zeichen der Zeit
4.1 Zur Begrifflichkeit der Interkulturalität im pädagogischen Kontext
4.2 Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Erziehung
4.3 Gesellschaftliche Anlässe interkultureller Pädagogik
5 Interkulturelle Pädagogik in der Grundschule
5.1 „Ich bin Madiha. Wer bist du?“
5.2 Kompetenzen der PädagogInnen
5.3 Das Gruppen- bzw. Klassenklima
5.4 Förderung von Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit
5.5 Methoden und Material für den Einsatz an Grundschulen
5.6 Elternarbeit
6 Integration
6.1 Die Begrifflichkeit der (sozialen) Integration
6.2 Rechtliche, politische und fachliche Grundlagen
6.3 Integration der Migrationskinder in der Grundschule
7 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung der Interkulturellen Pädagogik in deutschen Grundschulen, um eine erfolgreiche Integration von Kindern mit Migrationshintergrund zu fördern und Lehrkräften sowie pädagogischem Fachpersonal Handlungsorientierungen zu bieten.
- Bedeutung des Kulturbegriffs und der Migration im pädagogischen Kontext.
- Entwicklung von der "Ausländerpädagogik" hin zur Interkulturellen Pädagogik.
- Förderung von interkulturellen Kompetenzen und eines positiven Klassenklimas.
- Strategien für den bilingualen Unterricht und die Elternarbeit.
- Rechtliche und politische Grundlagen der Integration in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
5.1. „Ich bin Madiha. Wer bist du?“
Für Kinder ist es selbstverständlicher Alltag, dass sie ihre Vielfalt in die Schule hineintragen. Wege zu finden, diese Vielfalt anzuerkennen und die SchülerInnen auf das Leben in und die Partizipation an einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft eingehend vorzubereiten, bleibt eine wichtige Herausforderung für die Institution Schule.
Thomas Quehl geht davon aus, dass Grundschulkinder in einem Alter sind, in dem sie bei der aktiven Konstruktion ihres Verständnisses von Welt versuchen, soziale Kategorien wie „Junge“/„Mädchen“, „deutsch“/„türkisch“ oder auch „viel Geld“ / „Sozialhilfe“ zu begreifen und für sich mit Bedeutung zu füllen (vgl. Quehl, 2003, S.253). Es ist Aufgabe der Grundschule, die Kinder in diesem Begreifen ihrer Mitwelt zu unterstützen – und das sowohl durch Unterricht, als auch durch den Umgang der PädagogInnen mit den alltäglichen Fragen und Konflikten, die u.a. das soziale Miteinander der Schule ausmachen. Die Grundschule bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten und Anschlussstellen für Interkulturelle Pädagogik, sei es nun innerhalb des Unterrichts, der Kernzeitbetreuung oder der Elternarbeit. Es finden sich immer wieder neue Ansatzpunkte, die unbedingt genutzt werden sollten. Die AdressatInnen Interkultureller Pädagogik sind nach ihrem Grundverständnis alle hier geborenen, hier aufgewachsenen und alle zugewanderten Kinder, unabhängig von ihrer Nationalität, Ethnie, kulturellen Prägung und religiösen Zugehörigkeit. Da sich die Interkulturelle Pädagogik an den konkreten Lebenswelten der Kinder und ihrer Familien orientiert, sollten auf alle Fälle neben den Kindern auch die Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen und TrägervertreterInnen in die Entwicklung grundsätzlicher Ziele, Aktivitäten und Veränderungen miteinbezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die wachsende Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen und stellt die grundlegende Forschungsfrage nach der Bedeutung der Interkulturellen Pädagogik für deren Integration.
2 Kultur: Dieses Kapitel definiert den Begriff "Kultur", beleuchtet dessen Bedeutung für Kinder im Grundschulalter und analysiert den interkulturellen Konflikt beim Aufwachsen zwischen zwei Kulturen.
3 Migration: Hier wird der Migrationsbegriff geklärt und in einem Exkurs die historische Rolle der Migration als prägendes Element der europäischen Geschichte aufgezeigt.
4 Interkulturelle Pädagogik – Erziehung im Zeichen der Zeit: Das Kapitel befasst sich mit dem pädagogischen Kontext der Interkulturalität und beschreibt die Entwicklung von der ehemaligen Ausländerpädagogik hin zum heutigen Verständnis der Interkulturellen Erziehung.
5 Interkulturelle Pädagogik in der Grundschule: Der Hauptteil erläutert umfassend den praktischen Einsatz der Interkulturellen Pädagogik, einschließlich methodischer Ansätze, der Förderung von Mehrsprachigkeit, der Gestaltung des Klassenklimas und der Zusammenarbeit mit Eltern.
6 Integration: Dieses Kapitel definiert soziale Integration und erläutert die rechtlichen und politischen Grundlagen, ergänzt durch die spezifische Integration von Migrationskindern in der Grundschule.
7 Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Herausforderungen für die Schule der Zukunft zusammen und betont die Notwendigkeit einer konzeptionellen Auseinandersetzung mit interkulturellen Themen für eine friedliche und demokratische Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Grundschule, Migration, Integration, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Kompetenz, Elternarbeit, Klassenklima, Ausländerpädagogik, Diversität, Interaktionsspiele, Antirassistische Erziehung, Bildungschancen, Sozialisation, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulsystem durch den Einsatz der Interkulturellen Pädagogik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen den Kulturbegriff, die Migrationsgeschichte, die theoretischen Ansätze der Interkulturellen Pädagogik, methodische Vorgehensweisen im Unterricht sowie die rechtlichen Grundlagen der Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Grundschulen die kulturelle Vielfalt der Kinder anerkennen und sie durch gezielte pädagogische Maßnahmen auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorbereiten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender erziehungswissenschaftlicher Studien, Fachlexika und bildungspolitischer Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Umsetzung der Interkulturellen Pädagogik in der Grundschule, unter anderem durch Methoden wie Interaktionsspiele, die Förderung von Mehrsprachigkeit und die Kooperation mit Eltern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Interkulturelle Pädagogik, Integration, Grundschule, Migration, Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz.
Welche Bedeutung haben Interaktionsspiele im interkulturellen Kontext?
Sie dienen dazu, interkulturelles Lernen erfahrbar zu machen, das soziale Miteinander zu fördern, eigene Vorurteile zu dekonstruieren und einen geschützten Raum für die Auseinandersetzung mit dem Fremden zu schaffen.
Warum ist die Elternarbeit für Grundschulpädagogen so herausfordernd?
Sie wird oft als unbefriedigend empfunden, da sie durch Unsicherheiten, sprachliche Barrieren und unausgesprochene Erwartungshaltungen auf beiden Seiten geprägt ist, für deren Bewältigung Lehrkräfte in ihrer Ausbildung oft nur unzureichend vorbereitet wurden.
Welche Rolle spielt die Erstsprache für den Bildungserfolg?
Die Beherrschung der Erstsprache ist nach heutigem Wissensstand kein Hindernis, sondern eine wichtige Grundlage für den Erwerb guter Deutschkenntnisse und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.
- Quote paper
- Eva-Maria Zeller (Author), 2007, Interkulturelle Pädagogik als integrativer Bestandteil der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74883