Einteilung und Relevanz von Realoptionen


Seminararbeit, 2005

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Definition des Begriffes „Option“
2.2 Merkmale von Optionen
2.2.1 Optionstyp
2.2.2 Zugrundeliegender Basiswert
2.2.3 Verfalldatum
2.2.4 Basispreis
2.2.5 Ausübungsmodus
2.3 Ausübung von Optionen
2.4 Realoptionen
2.4.1 Entstehung
2.4.2 Anwendungsbereich
2.5 Abgrenzung Finanz und Realoptionen

3 Einteilung von Realoptionen
3.1 Wachstumsoptionen
3.2 Lernoptionen
3.3 Versicherungsoptionen
3.3.1 Einschränkungsoption
3.3.2 Switch Option
3.3.3 Abbruchoption

4 Relevanz von Realoptionen als Entscheidungskriterium für Investitionsentscheidungen
4.1 Die Kapitalwertmethoden
4.1.1 Kapitalwertmethoden zur Beurteilung von Investitionsentscheidungen unter Sicherheit
4.1.2 Kapitalwertmethode zur Beurteilung von Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit
4.2 Entscheidungsbaumverfahren
4.3 Realoptionsansatz
4.4 Kritischer Vergleich der Realoptionstheorie mit der Kapitalwertmethode und dem Entscheidungsbaumverfahren

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung des Gewinns und Verlusts von Optionskäufer und Optionsverkäufer einer Kaufoption - 4 -

Abbildung 2: Analogie zwischen Finanzoptionen auf Aktien und Realoptionen - 9 -

Abbildung 3: Asymmetrisches Risikoprofil durch Handlungsspielräume - 18 -

Anhangsverzeichnis

Der Realoptionsansatz wird bald Standard sein…..VI Die New Economy braucht neue BewertungsverfahrenVII Bei Realoptionen hinken europäische Manager der Realität hinterher…...VIII

1 Einleitung

Herkömmliche Bewertungsverfahren wie die in Deutschland am häufigsten angewandte Kapitalwertmethode stoßen öfter an ihre Grenzen, da sie Handlungsmöglichkeiten des Managements bei der Bewertung von Investitionen nicht berücksichtigen. Letztere sind gerade in einer immer unstabileren und kurzlebigeren Unternehmensumwelt von großer Bedeutung und großem Wert und müssen daher bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden, da es andernfalls zu systematischen Unterbewertungen und Ablehnungen von Investitionen kommt, die auf lange Sicht aufgrund der implizierten Handlungsmöglichkeiten rentabel gewesen wären. Ein Bewertungsverfahren, das genau diese, in Investitionen inhärenten Handlungsoptionen in der Bewertung berücksichtigt, gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Auch in Deutschland hat man die Notwendigkeit von derartigen Bewertungsmethoden erkannt: Schlagzeilen wie „Die New Economy braucht neue Bewertungsverfahren“ oder „Der Realoptionsansatz wird bald Standard sein“1fordern ein Umdenken der Manager hinsichtlich der traditionellen Bewertungsverfahren.

Ziel dieser Arbeit ist es den Realoptionsansatz als Möglichkeit der Berücksichtigung von Handlungsspielräumen in der Bewertung von Investitionen zu erläutern. Einleitend werden aufgrund der teilweise vorhandenen Analogie zwischen Finanz- und Realoptionen zum Verständnis der Realoptionen beitragende Basisinformationen zu der allgemeinen Optionstheorie gegeben. Anschließend folgt der Versuch einer Definition von Realoptionen und deren, in der Fachliteratur übliche Einteilung. Darauf folgt ein Kapitel über die Relevanz von Realoptionen im Zuge der Investitionsbewertung, in dem der Realoptionsansatz den traditionellen Verfahren der Kapitalwertmethode und dem Entscheidungsbaumverfahren gegenübergestellt wird. Im Licht dieser Gegenüberstellung werden die Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Methode erläutert.

In dieser Arbeit wird aufgrund der Weitläufigkeit dieses Themas nicht auf die Bewertung von Optionen und Realoptionen eingegangen.

2 Definition

2.1 Definition des Begriffes „Option“

Hans-Peter Kohler definiert eine Option als Recht, nicht aber als Verpflichtung, innerhalb einer festgelegten Zeit (Laufzeit) eine bestimmte Menge eines bestimmten Basiswertes zu einem im Voraus fixierten Preis (Basispreis) zu kaufen oder zu verkaufen.2

Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer der Option den Optionspreis.

2.2 Merkmale von Optionen

2.2.1 Optionstyp

Es gibt zwei Optionstypen: Die Kaufoption (Call), die dem Käufer das Recht verleiht, vom Verkäufer die Lieferung des Basiswertes zum festgelegten Preis zu verlangen und die Verkaufsoption (Put), welche dem Käufer das Recht einräumt, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Analog dazu hat der Verkäufer einer Kaufoption, auch Stillhalter genannt, bei Ausübung die Verpflichtung den Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Der Stillhalter einer Verkaufsoption hingegen hat bei Ausübung die Verpflichtung den Basiswert zum vereinbarten Preis zu kaufen.3

Der Käufer einer Option wird zum Inhaber, der Verkäufer zum Stillhalter dieser Option.

2.2.2 Zugrundeliegender Basiswert

Optionen sind derivative Finanzprodukte, d.h., sie leiten ihren Wert vom zugrunde liegenden Basiswert ab, welcher auch als „underlying asset“ bezeichnet wird. Der Basiswert bezeichnet das Gut, auf das sich das Recht der Option bezieht.4

2.2.3 Verfalldatum

Das Verfalldatum einer Option ist der Zeitpunkt, an dem die Option verfällt. Nach diesem Zeitpunkt kann der Besitzer der Option sein, von dieser abgeleitetes Recht nicht mehr geltend machen.5

2.2.4 Basispreis

Der Basispreis einer Option, der auch als Strikepreis oder Ausübungspreis bezeichnet wird, ist der vorher festgelegte Preis, zu dem der Käufer einer Kaufoption das Recht hat den Basiswert zu kaufen, bzw. der Käufer einer Verkaufsoption das Recht hat, den Basispreis zu verkaufen.

2.2.5 Ausübungsmodus

Kann die Option zu einem beliebigen Zeitpunkt vor dem Verfallsdatum ausgeübt werden spricht man von einer amerikanischen Option. Ist die Ausübung auf den Verfalltag beschränkt, bezeichnet man die Option als europäische Option.6

2.3 Ausübung von Optionen

Nachdem eine Option dem Käufer ein Recht, nicht aber eine Pflicht verleiht, kann der Käufer frei entscheiden, ob er die Option innerhalb der Laufzeit ausüben möchte.

Der Inhaber einer Kaufoption wird diese nur ausüben, wenn der Wert des Basiswertes über dem vereinbarten Basispreis liegt, wenn er also für den Basiswert ohne Option mehr als den Ausübungspreis bezahlen müsste.

Der Inhaber einer Verkaufsoption hingegen übt diese nur aus, wenn der Wert des Basiswertes unter dem Ausübungspreis liegt, wenn er also den Basiswert ohne Ausüben der Option für weniger als den vereinbarten Basispreis verkaufen müsste.

In beiden Fällen ist der Unterschied zwischen dem Wert des Basiswertes und dem Basispreis der Bruttogewinn des Optionsinhabers. Wird vom Bruttogewinn der anfänglich bezahlte Kaufpreis für die Option abgezogen, erhält man den Nettogewinn.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Darstellung des Gewinns und Verlusts von Optionskäufer und Optionsverkäufer einer Kaufoption7

Diese Abbildung zeigt, dass der Käufer einer Option beim Kauf der Option einen Verlust in Höhe des Optionspreises C macht. Steigt jedoch der Wert des Basiswertes über den vereinbarten Ausübungspreis K, beginnt der Käufer Gewinn zu machen. Ist der Bruttogewinn höher als der Optionspreis erwirtschaftet der Optionsinhaber einen positiven Nettogewinn.

Analog dazu erwirtschaftet der Optionsverkäufer beim Verkauf der Option einen Gewinn in Höhe des Optionspreises. Steigt der Wert des Basiswertes über den vereinbarten Basispreis muss der Verkäufer davon ausgehen, dass der Käufer die Option ausübt, was zu einem Verlust des Verkäufers führt.

Wie man sehen kann, ist das Risiko bei Optionsgeschäften nur für den Optionskäufer begrenzt. Man kann von einer asymmetrischen Risikoverteilung sprechen. Das Risiko des Optionskäufers ist auf den Optionspreis beschränkt, während das Risiko für den Optionsverkäufer unbeschränkt bleibt. Gegensätzlich dazu ist die Gewinnchance für den Optionskäufer unbegrenzt und für den Optionsverkäufer auf den Optionsreis begrenzt.

2.4 Realoptionen

Realoptionen werden in der Literatur nicht einheitlich definiert. Der Begriff der Realoptionen wurde zum ersten Mal von Myers verwendet, der damit den aus dem Besitz bestimmter Vermögensgegenstände resultierenden Wachstumsspielraum von Unternehmen beschreibt.8 Christian Koch verwendet folgende Definition: „Realoptionen stellen Handlungsmöglichkeiten dar, die den Optionsinhaber mit einem unmittelbaren Recht ausstatten, im Rahmen einer (unbestimmten) Transaktion den Wert der Zahlungsströme eines Basisobjekts gegen den Wert der Zahlungsströme eines Ausübungsprojekts zu tauschen.“9Vereinfachend kann man auch sagen, Realoptionen sind Handlungsspielräume, die durch Investitionen in „reale“ Güter entstehen.10Oder anders: Realoptionen sind Optionen, deren Underlying Asset kein Wertpapier sondern ein reales Gut ist.11

Um das Verständnis von Realoptionen zu verbessern folgt ein fiktives Beispiel einer Realoption: Ein Unternehmen hat ein neues Produkt entwickelt und überlegt, ob dieses Produkt ausschließlich in einem Werk im Inland gefertigt werden soll oder ob ein zusätzliches Werk für die Produktion dieses Produktes im Ausland erstellt werden sollte. Auf den ersten Blick bringt ein zusätzliches Werk höhere Anfangsinvestitionen mit sich, doch genau dieses zusätzliche Werk im Ausland birgt Realoptionen für das Unternehmen, wie z.B. den erleichterten Absatz des Produktes im Ausland oder die flexible Verlagerung der Produktion zwischen den Werken je nach Produktionskosten in den einzelnen Ländern. Der Wert dieser Optionen, die das Unternehmen mit der Errichtung des zusätzlichen Werkes im Ausland erhält, könnten die Kosten der Anfangsinvestition übertreffen und damit die Investition in dieses zusätzliche Werk rentabel und damit ratsam machen.

2.4.1 Entstehung

Realoptionen können selbst geschaffen oder erworben werden.

In einer geschlossenen Ökonomie gilt, dass vorhandene Handlungsspielträume ausschließlich durch vorangegangene Ausgaben, wie z.B. die Ausbildung von Mitarbeitern, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten oder andere Investitionen entstanden sein können.

[...]


1 Vgl. o. A. (2000): Die New Economy braucht neue Bewertungsverfahren, in: Frankfurter Allgemeine vom 08.05.2000, S. 30

2Vgl. Kohler, H. (1992): Grundlagen der Bewertung von Optionen und Optionsscheinen. Darstellung und Anwendung der Modelle von Boness, Black-Scholes, Galai-Schneller und Schultz-Trautmann-Fischer, Wiesbaden, S. 17

3 Vgl. ebd., S. 18

4Vgl. Kohler, H. (1992), S. 19

5Vgl. ebd., S. 19

6 Vgl. ebd., S. 20

7 Eigene Darstellung in Anlehnung an Fischer, M. (1996): Realoptionen. Anwendungsmöglichkeiten der finanziellen Optionstheorie auf Realinvestitionen im In- und Ausland, 1. Aufl., Hamburg, S. 68

8Vgl. Myers, S. (1977): Determinants of Corporate Borrowing, in Journal of Financial Economics 5 (1977), S. 147

9 Vgl. Koch, C. (1999): Optionsbasierte Unternehmensbewertung. Realoptionen im Rahmen von Akquisitionen, Wiesbaden, S. 71

10Vgl. Freihube, K. (2001): Die Bedeutung und die Bewertung von Realoptionen (Handlungsspielräumen) in der wertorientierten Unternehmensführung, Frankfurt a. M., S. 24

11 Vgl. Fischer, K. (1996), S.101

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Einteilung und Relevanz von Realoptionen
Hochschule
Munich Business School
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V74896
ISBN (eBook)
9783638741644
ISBN (Buch)
9783638742368
Dateigröße
899 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einteilung, Relevanz, Realoptionen
Arbeit zitieren
Diplom Betriebswirtin (FH) Evi Palma (Autor), 2005, Einteilung und Relevanz von Realoptionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74896

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