Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Themenkomplex „Verarbeitung des Holocaust“. Dieser wird anhand der Gedichte von Nelly Sachs „Schmetterling“ und Paul Celan „Psalm“ erarbeitet. Anfangs werden die beiden Autoren mit Bezug zu dieser Arbeit vorgestellt und ein wenig charakterisiert. In der Folge werden dann Interpretatio-nen und Analysen der beiden Gedichte erarbeitet. Begonnen wird dabei mit Nelly Sachs. Bei ihr soll nicht nur das lyrische Ich untersucht werden, sondern auch Stilmittel und Metaphern des Gedichts, sowie das Thema der Verwandlung und Mystik. Außer-dem soll eine Zusammenfassung ihrer Schmetterlingsmetaphorik einen Überblick über die Veränderung ihrer poetischen Schreibweise liefern. Im Anschluss daran erfolgt eine Analyse und Interpretation von Paul Celans „Psalm“. Anfangs wird hier das lyrische Wir betrachtet, um in der Folge die Stilmittel und Metaphern herauszuarbeiten. An-schließend beschäftigt sich die Arbeit mit der Mystik und dem Widerstand. Der letzte Gliederungspunkt beinhaltet einen Vergleich der Motivräume, wobei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lyrik in Allgemeine Merkmale und genderspezifische Merkmale unterschieden werden soll. Abschließen wird sich diese Arbeit mit einem kurzen Fazit zu Erarbeitung und etwaigen Schwierigkeiten oder anderen Dingen befas-sen. Auf Grund der Komplexität der Arbeit werden bewusst Schwerpunkte in der Bear-beitung gesetzt, so dass es sein kann, dass nicht alle möglichen Varianten der Interpreta-tion und Analyse bedacht werden. Dies liegt alleine daran, dass das Material die Arbeit sprengen würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer waren Nelly Sachs und Paul Celan?
2.1 Nelly Sachs
2.2 Paul Celan
3. Hermetische Lyrik
4. Interpretation und Analyse der Gedichte
4.1 Nelly Sachs „Schmetterling“
4.1.1 Die vier Phasen des Motivs in der poetischen Entwicklung Nelly Sachs
4.1.2 Das lyrische Ich
4.1.3 Stilmittel und Metaphern
4.1.4 Verwandlung und Mystik
4.2 Paul Celan „Psalm“
4.2.1 Das lyrische Wir
4.2.2 Stilmittel und Metaphern
4.2.3 Das Mystische und Widerstand
5. Vergleich der Motivräume
5.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
5.1.1 Allgemein und Genderspezifisch
5.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verarbeitung des Holocaust in der Lyrik von Nelly Sachs („Schmetterling“) und Paul Celan („Psalm“), wobei insbesondere die literarische Auseinandersetzung mit dem Tod, dem jüdischen Schicksal und der mystischen Erfahrung analysiert wird.
- Vergleich der Motivräume bei Nelly Sachs und Paul Celan
- Analyse der Metaphorik und Stilmittel in „Schmetterling“ und „Psalm“
- Untersuchung der Verwandlungsthematik und jüdischer Mystik
- Herausarbeitung von geschlechtsspezifischen Merkmalen in der Lyrik
- Reflexion über das Schreiben in der „Mördersprache“ nach dem Holocaust
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die vier Phasen des Motivs in der poetischen Entwicklung Nelly Sachs
Die Schmetterlingsmetaphorik lässt sich bei Nelly Sachs, nach Magda Motte, in vier Phasen einteilen. In der ersten Phase ihrer Schaffensperiode dient ihr der Falter, sie nennt ihn hier noch nicht Schmetterling, als Naturbild, den sie für romantische Vergleiche von menschlichen Verhaltensweisen und Vorgängen nutzt. In der zweiten Schaffensperiode benutzt sie den Schmetterling zur Darstellung der biologischen Metamorphose und stellt den Zusammenhang zwischen ihm [dem Schmetterling] und der Namensgleichheit mit `Seele`, welche den Tod und das Schicksal der jüdischen Bevölkerung beinhaltet, her. Die dritte Phase zeichnet sich, dadurch aus, dass ein Höhepunkt erreicht wird, an dem sie einzelne Metapher [Schmetterling] mit zweiten metaphorisiert. Dadurch lässt sie surrealistische Verknüpfungen [Schmetterlingstür] und Verschmelzungen ungleicher Begriffe [Schmetterlingswort] entstehen. Derartige Zusammensetzungen sind in der letzten Phase nicht mehr zu finden. Vielmehr vereinfacht sie ihre Bilder wieder, sind aber nur mit Einbezug der ersten Zyklen zu dechiffrieren.
Durch diesen Überblick wird klar, dass Nelly Sachs sich dem Bildkomplex „Schmetterling“ bedient, um die „Darstellung ihres eigenen Daseins und dem Geheimnis des menschlichen Lebens“ zu vollziehen. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Gestaltung der „Verwandlung der diesseitigen Wirklichkeit in eine Jenseitswelt der Vereinigung von Geburt und Tod“. So weist Matthias Krieg auf eine weitere Seite die Metapher „Schmetterling“ hin. Für ihn beinhaltet der Schmetterling die Oxymoronstruktur, die in der Bildwelt von Nelly Sachs deutlich werde:
Der „Schmetterling/aller Wesen gute Nacht“ trägt, gezeichnet in seinem Flügelstaub, die paradiesische Phantasmagonie eines schönen und harmonischen Jenseits, die Hoffnung auf ein Besseres, filigranen Optimismus; aber mit seinen Staubflügeln ist er doch zur selben Zeit eine zarte „Abschiedswebe in der Vergänglichkeit Maß“, niederflatternde Hoffnung, Staub zu Staub. So ist sein Staub gleichzeitig Hoffnungsstaub und Verwesungsstaub in der Einheit des Oxymorons.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Themenkomplex der Holocaust-Verarbeitung bei Nelly Sachs und Paul Celan und definiert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Wer waren Nelly Sachs und Paul Celan?: Dieses Kapitel bietet einen kurzen biografischen Abriss der beiden Autoren und beleuchtet deren Bezug zur NS-Zeit und zur jüdischen Tradition.
3. Hermetische Lyrik: Hier wird der Begriff der hermetischen Lyrik definiert und ihr Entstehungszusammenhang nach 1945 erläutert.
4. Interpretation und Analyse der Gedichte: In diesem Hauptteil erfolgt die detaillierte Textanalyse der beiden Gedichte hinsichtlich Metaphorik, lyrischem Ich/Wir und mystischer Bezüge.
5. Vergleich der Motivräume: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der Autoren zur Verarbeitung des Holocaust, wobei auch genderspezifische Differenzen in der Sprachwahl hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Holocaust, Nelly Sachs, Paul Celan, Schmetterling, Psalm, hermetische Lyrik, jüdische Mystik, Verwandlung, Motivraum, Niemandrose, Schöpfungsgeschichte, Lyrikanalyse, Todesbewältigung, Metaphorik, Jenseits.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Aufarbeitung der Holocaust-Erfahrung durch die Gedichte „Schmetterling“ von Nelly Sachs und „Psalm“ von Paul Celan.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Tod, die jüdische Mystik (Kabbala), die Verwandlung als Motiv und der Widerstand gegen das Vergessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die unterschiedlichen poetischen Strategien der beiden Autoren zu untersuchen, um zu zeigen, wie sie das Unfassbare des Holocaust in Sprache übersetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine werkimmanente Interpretation und Analyse der Gedichte angewandt, ergänzt durch einen komparativen Ansatz zwischen den beiden Motivräumen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der jeweiligen Gedichte, wobei Sprache, Metaphorik, das lyrische Subjekt sowie die religiöse und mystische Symbolik im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Holocaust, Hermetische Lyrik, Schmetterlingsmetaphorik, jüdische Identität, Transzendenz und die Niemandrose.
Wie unterscheidet sich die Sprachwahl von Nelly Sachs und Paul Celan laut der Arbeit?
Während Nelly Sachs eine eher weiche, fließende Sprache verwendet, zeichnet sich Celans Lyrik durch eine abgehackte, harte Syntax aus, die die Traumatisierung stärker betont.
Inwiefern spielt die Religion eine Rolle bei der Verarbeitung des Holocaust in den Texten?
Beide Autoren beziehen sich auf die Kabbala und Schöpfungsgeschichten, nutzen diese jedoch zur Hinterfragung Gottes und zur Legitimation des jüdischen Daseins nach dem Genozid.
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- Ina Bartels (Author), 2007, Die Verarbeitung des Holocaust bei Nelly Sachs [Schmetterling] und Paul Celan [Psalm], Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74914