Die Diskussion um die Position des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist seit den 90er Jahren in vollem Gange. Kritik erfährt der Fond dabei nicht nur an einzelnen Programmen, sondern auch an seiner Funktion selbst. Sogar „polare“ Meinungen, wie z.B. die vollkomme-ne Abschaffung des IWF, finden teilweise Gehör. Seine Aufgabe als „Krisenmanager“ würde er nicht zufriedenstellend erfüllen, auch seien seine Programme zu starr und würden zum Teil sogar krisenverschlimmernd wirken (Vgl. Bird (2001) S. 1).
Meine Arbeit soll im Hinblick auf die laufende Diskussion um eine „Neue Internationale Fi-nanzarchitektur“ die realen Effekte von Bailouts durch den IWF analysieren. Nach dem Lesen dieser Arbeit soll es dem Leser möglich sein, Aussagen über die Wirkung der Hilfestellungen des IWF zu treffen. Dem Leser wird gezeigt, wie unterschiedliche makroökonomische Deter-minanten auf die Programme des IWF reagieren. Auch erfährt er, dass schon die Präsenz des Fonds Auswirkung auf das Verhalten der einzelnen Wirtschaftssubjekte hat.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gebe ich dem Leser nach der Erläuterung grundle-gender für das Verständnis der Arbeit notwendiger Begriffe einen Überblick über die Häufig-keit von Finanzkrisen von 1973 bis zum Jahre 1999. Dieser soll, zusammen mit einer bei-spielhaften Darstellung des Verhaltens des IWF im Zuge einer Krise, in den Hauptteil, die Analyse der Auswirkung von Bailouts einleiten. Diese wird sich eng an die Untersuchung von Bordo und Schwartz aus dem Jahre 2000 anlehnen. In einer vergleichenden und einer modell-theoretischen Analyse werde ich dem Leser die schwierige Materie verständlich machen. Ein Fazit und die Darlegung meiner Einstellung zur zukünftigen Position des IWF werden meine Arbeit abschließen.
Von internationalen Finanzkrisen sind heutzutage vor allem Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländer (EL) betroffen, da in diesen häufig ein fehlerhaftes Geld- bzw. Wäh-rungssystem anzutreffen ist (Vgl. Bordo, Schwartz (1998), S.2f.).
Die Finanzkrisen zeigen sich besonders in den folgenden Phänomenen:
• Massiver kurzfristiger Kapitalabzug ausländischer Kreditgeber bzw. Investoren
• Ein gravierender Mangel an internationaler Liquidität in Krisenländern. Sie können die Devisennachfrage nicht befriedigen
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Begriffe
3 Überblick über Finanzkrisen in der Zeit von 1973 - 1999
4 Das Verhalten des IWF im Zuge der Asienkrise
5 Eine Analyse der Auswirkung von IWF-Bailouts
5.1 Vergleichende Analyse
5.1.1 Before - After Approach
5.1.2 With - Without Approach
5.2 Modelltheoretische Analyse
6 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die realen ökonomischen Effekte von IWF-Hilfspaketen, sogenannten "Bailouts", in einer historischen Perspektive. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie sich diese Unterstützungsmaßnahmen auf makroökonomische Variablen in Krisenländern auswirken und inwieweit die IWF-Programme als Krisenbewältigungsinstrumente erfolgreich sind.
- Historische Einordnung von Finanzkrisen (1973–1999)
- Analyse des IWF-Krisenmanagements am Beispiel der Asienkrise
- Vergleichende Analyse von Krisenländern mit und ohne IWF-Beteiligung
- Modelltheoretische Untersuchung der IWF-Programmeffekte
- Diskussion der "Moral-Hazard"-Problematik und zukünftige Rolle des IWF
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Before - After Approach
Die Tabelle 3 stellt dar, wie sich die reale Wachstumsrate in den zwei Ländergruppen vor 1914 und nach 1972 in einem Zeitintervall von 5 Jahren um die Krise entwickelt. Im Beobachtungszeitraum von 1880-1913 sind 22 Krisen ermittelt worden, von 1972 bis 1998 waren es 30 Krisen. Es fällt auf, dass es zur damaligen Zeit des Goldstandards in den „emerging markets“ nicht so häufig zu Krisen kam wie zur heutigen Zeit. Die hohe Konzentration von Krisen in emerging markets in den letzten 30 Jahren bestätigen ebenso die Tabellen 1 und 2.
Es zeigt sich, dass die negativen Auswirkungen auf die reale wirtschaftliche Leistung eines Landes durch Finanzkrisen in der heutigen Zeit stärker ausfallen als zu damaliger Zeit. In Tabelle 3 ist zu sehen, dass im Zeitraum von 1973-1999 die Rate des BIP durch eine Krise um ca. 3% gefallen ist, während sie vor 1914 nur um ca. 2% gefallen ist.
Wenn man das erste Jahr nach einer Krise analysiert, ist zu erkennen, dass sich die damaligen EL vor 1914 nicht so schnell erholten wie heutzutage (s. Tab. 3). Dieser Sachverhalt wird noch deutlicher hervorgehoben, wenn man nur Währungskrisen in den beiden Perioden analysiert (s. Tab. 4) Wenn man jedoch die folgenden Jahre (3 und 5 Jahre) nach der Krise genauer betrachtet, so scheint es, als ob die Auswirkungen der Krise damals besser überwunden wurden, während sie sich heute langfristiger auswirken (Vgl. Bordo, Schwartz (2000), S.41f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den IWF ein, stellt das Ziel der Analyse realer Bailout-Effekte vor und umreißt den methodischen Aufbau der Arbeit.
2 Grundlegende Begriffe: Dieses Kapitel definiert zentrale Konzepte wie Finanzkrise, Bankenkrise, Währungskrise sowie den spezifischen Charakter von IWF-Bailouts im Gegensatz zu klassischen "rescue loans".
3 Überblick über Finanzkrisen in der Zeit von 1973 - 1999: Hier wird ein Überblick über die Häufigkeit von Finanzkrisen gegeben und die Zunahme finanzieller Unterstützung durch den IWF seit den 90er Jahren aufgezeigt.
4 Das Verhalten des IWF im Zuge der Asienkrise: Anhand der Asienkrise wird beispielhaft dargelegt, welche spezifischen Maßnahmen und Auflagen in Form von Strukturanpassungsprogrammen (SAP) der IWF in Krisenländern anwendet.
5 Eine Analyse der Auswirkung von IWF-Bailouts: Das Kernstück der Arbeit liefert mittels vergleichender Analysen (Before-After/With-Without) und eines modelltheoretischen Ansatzes eine ökonomische Bewertung der IWF-Programmwirkungen.
6 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Wirksamkeit des IWF als Krisenmanager und bewertet kritisch das "Moral-Hazard"-Argument sowie notwendige Reformansätze.
Schlüsselwörter
IWF, Bailouts, Finanzkrisen, Asienkrise, Strukturanpassungsprogramme, Wirtschaftswachstum, Moral Hazard, Krisenmanagement, Währungskrise, Bankenkrise, BIP, Kapitalabzug, Stabilisierung, Internationale Finanzarchitektur, Makroökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die realen ökonomischen Effekte von finanziellen Hilfspaketen (Bailouts) des Internationalen Währungsfonds auf Krisenländer in historischer Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Finanzkrisen, der Funktionsweise des IWF-Krisenmanagements, der Wirksamkeit von Strukturanpassungsprogrammen sowie der ökonomischen Konsequenzen dieser Hilfen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, dem Leser zu ermöglichen, fundierte Aussagen über die Wirkung von IWF-Hilfestellungen zu treffen und die ökonomischen Auswirkungen auf verschiedene makroökonomische Determinanten besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz (Before-After- sowie With-Without-Analyse) sowie eine modelltheoretische Analyse, die auf den Untersuchungen von Bordo und Schwartz sowie Khan basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von Krisenländern (IMFS- vs. NIMFS-Länder), die Anwendung von Schätzmodellen zur Isolierung des IWF-Effekts und die empirische Auswertung verschiedener makroökonomischer Indikatoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind IWF, Bailouts, Finanzkrisen, Strukturanpassungsprogramme (SAP), Moral Hazard und makroökonomische Stabilisierung.
Wie bewertet der Autor das "Moral-Hazard"-Problem?
Der Autor erkennt das Moral-Hazard-Problem als krisenverstärkend an, hält es jedoch nicht für die alleinige Ursache von Finanzkrisen und spricht sich eher für eine Umstrukturierung zur Krisenprävention aus.
Kommt der Autor zu dem Schluss, dass der IWF erfolgreich ist?
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass der IWF trotz berechtigter Kritik eine Funktion als erfolgreicher "Krisenmanager" ausübt, indem er Währungskollapse verhindert und Stabilisierungsmaßnahmen vorantreibt.
- Arbeit zitieren
- Dominik Meyer (Autor:in), 2007, Reale Effekte von IWF "Bailouts" in historischer Perspektive , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74921