Infolge prägnanter Auswirkungen einer über mehrere Jahre anhaltenden Rezession und einer sich zur Unternehmerfeindlichkeit entwickelnden Gesellschaft steht der deutsche Mittelstand weiterhin alltäglich vor großen Herausforderungen. Entscheidungen zur neuen Erbschaftssteuer, der neuen Gesundheitsreform oder dem Antidiskriminierungsgesetz vergrößern die alltäglichen Finanzierungsprobleme und -unsicherheiten der Unternehmer um ein Vielfaches.
Das Problem der Erbschaftssteuer stellt sich in vielen mittelständischen Unternehmen jedoch nicht, weil keine Erben greifbar sind. Schätzungsweise werden mehr als 70.000 Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre vor einer aussichtslosen Suche nach einem fachlich und finanziell geeignetem Nachfolger stehen. Vereinzelt stellt sich zwar gar nicht die Frage, wer die Nachfolge übernehmen kann, da geeignete Mitarbeiter und Manager vorhanden sind, sondern vielmehr wie kann die Nachfolge finanziert werden.
Zusätzlich entwickeln sich auch unsere Nachbarn aus Osteuropa und Fernost mit großen Schritten stetig weiter und machen es den westeuropäischen mittelständischen Unternehmen alles andere als einfach. Der Wettbewerbsdruck steigt, die eigenen Umsätze fallen. Um sich dem Markt wieder annähern zu können, sind Investitionen und zusätzliches Expertenwissen notwendig. Jedoch ohne vorhandene Finanzmittel bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen sind die Gespräche mit der Hausbank nahezu aussichtslos.
Als zusätzlich die Kritik an der ursprünglichen Basler Eigenkapitalverordnung von 1988 laut und der Entschluss zur Einführung von Basel II gefasst wurde, ergaben sich für die Unternehmen deutlich härtere Bedingungen im Bezug auf die Kapitalbeschaffung. Jeder Unternehmer wird, sofern er dies nicht durch eine externe Ratingagentur bereits hat durchführen lassen, einem bankeninternen Rating unterzogen. Die Banken sind nun gezwungen, bei einem schlechten Rating, für den vergebenen Kredit mehr Eigenkapital zu hinterlegen. Dies führt zu erhöhten Kreditzinsen, die an den Unternehmer weitergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in das Thema
2 Ziel und Aufbau der Arbeit
3 Gestaltungsrahmen von Unternehmensbeteiligungen
3.1 Abgrenzung der Begriffe
3.1.1 Beteiligungsmanagement
3.1.2 Der Mittelstand
3.1.3 Veränderte Managementstrukturen
3.2 Historische Entwicklung und aktuelle Relevanz
3.2.1 Geschichtlicher Verlauf der Finanzierung durch Private Equity
3.2.2 Gründe für eine angestrebte Unternehmensbeteiligung
3.2.2.1 Insolvenz und Managementverfehlungen
3.2.2.2 Eigenkapitalbeschaffung und Basel II
3.2.2.3 Ungesicherte Unternehmensnachfolge
3.2.2.4 Unternehmenskonzentration und -abspaltung
3.3 Private Equity als Baustein der Corporate Finance
3.4 Beteiligungsmodell Private Equity
3.4.1 Eingrenzung Private Equity
3.4.2 Die Volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity
3.4.3 Beteiligungsmodelle
3.4.3.1 Buy out
3.4.3.2 Institutional Buy Out
3.4.3.3 Expansion Financing
3.4.3.4 Turnaround Financing
3.4.3.5 Bridge Financing
3.4.3.6 Buy and Build
3.4.4 Beteiligungsgrad
3.4.4.1 Co-Investment
3.4.4.2 Beteiligungshöhe
3.4.5 Vor- und Nachteile einer Unternehmensbeteiligung
3.4.5.1 Vorteile
3.4.5.2 Nachteile
3.5 Mergers & Acquisitions
3.5.1 Motive der Beteiligungsentscheidung durch den Käufer
3.5.1.1 Portfoliomanagement
3.5.1.2 Restrukturierung des Zielunternehmens
3.5.1.3 Synergieeffekte
3.5.1.4 Spekulativer Hintergrund
3.5.2 Beteiligungsphasen
3.5.2.1 Akquisitionsphase
3.5.2.2 Investitionsphase
3.5.2.3 Performancephase
3.5.2.4 Desinvestitionsphase
3.5.3 Identifikation und Selektion des Zielunternehmens
3.5.4 Unternehmensbewertung im Rahmen der Akquisition
3.5.4.1 Die Discounted-Cashflow-Methode
3.5.4.2 Vergleichsorientierte Methoden
3.5.4.3 Ertragswertmethode
3.5.5 Due Diligence zur Optimierung der Wertfindung
3.5.5.1 Eingrenzung
3.5.5.2 Bedeutung für den Verkäufer
3.5.6 Unterscheidung der Akquisitionsstrategien
3.5.6.1 Share Deal
3.5.6.2 Asset Deal
3.6 Performancemessung und Steuerung durch Kennzahlensysteme
3.6.1 EVA - Economic Value Added
3.6.2 Fortschreibung des EVA anhand des MVA
3.7 Sanierung im Rahmen der Unternehmensbeteiligung
3.7.1 Einführung Sanierung
3.7.1.1 Restriktive Sanierung und Restrukturierung
3.7.1.2 Konsolidierende Sanierung und Restrukturierung
3.7.1.3 Expansive Sanierung und Restrukturierung
3.7.1.4 Übertragende Sanierung
3.7.2 Eilige Maßnahmen in Krisensituationen
3.7.3 Der Turnaround als Zwischenziel
4 Veränderte Managementstrukturen
4.1 Die neue Führung des Unternehmens und ihre Auswirkungen
4.2 Der Bezug zum Change Management
5 Beteiligungsmanagement in der Praxis
5.1 Kritische Analyse der Branchenstudien
5.1.1 Entwicklung der Transaktionsarten
5.1.2 Deutsche vs. ausländische Investoren
5.1.3 Umsatzentwicklung der Beteiligungsunternehmen
5.1.4 Subjektive Einschätzung der Unternehmensentwicklung
5.1.5 Entwicklung der Eigenkapitalausstattung
5.1.6 Beschäftigungsentwicklung der Beteiligungsunternehmen
5.1.7 Leistungsbewertung der Private Equity Gesellschaft
5.1.8 Beurteilung der Exitvarianten
5.2 Steuerung des Akquisitionsprozesses durch den Verkäufer
5.2.1 Optimale Vorbereitung als Kaufpreis-Multiplikator nutzen
5.3 Kritische Betrachtung der Exit - Varianten am Ende des Beteiligungszyklus
5.4 Wettbewerbsgestaltung in der Private Equity Branche
6 Abschließende Beurteilung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Unternehmensbeteiligungen in Form von Private Equity als Instrument für den Mittelstand, insbesondere zur Bewältigung struktureller Krisen und Nachfolgeproblematiken. Dabei wird analysiert, wie Unternehmen sich auf diese Finanzierungsform vorbereiten können und welche Auswirkungen dies auf Managementstrukturen sowie die Leistungsfähigkeit hat.
- Grundlagen des Beteiligungsmanagements und des Mittelstands
- Struktur und Ablauf von Private Equity Beteiligungen (Akquisition, Performance, Exit)
- Analyse veränderter Managementstrukturen durch Private Equity
- Finanzielle Bewertungsmethoden und Due-Diligence-Prozesse
- Sanierungskonzepte und Turnaround-Finanzierung
Auszug aus dem Buch
3.5.1.4 Spekulativer Hintergrund
Erfolgt die Unternehmensakquisition mit einem spekulativen Hintergrund, so besteht die Absicht, aus der Differenz zwischen Kaufpreis, Finanzierungskosten und Veräußerungserlös einen Arbitragegewinn zu erzielen. Hierbei handelt es sich um die gleiche Logik, die der Anlagestrategie eines privaten Anlegers zugrunde liegt. Dessen Auswertung der ihm zugänglichen Informationen hat dazu geführt, dass seitens des Kapitalmarktes eine Unterbewertung vorliegt.
Der Käufer muss somit eine Perspektive für das gekaufte Unternehmen sehen und den derzeitigen höheren inneren Wert des Unternehmens nach außen kommunizieren, um in der Zukunft einen höheren Verkaufserlös zu erzielen.
Die notwendige Akquisitionserfahrung des Käufers, im Bezug auf die Identifikation unterbewerteter Unternehmen, spielt hier eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Projektes.
Jedoch ist der Großteil der mittelständischen Unternehmen nicht börsennotiert und somit die anonyme Informationsbeschaffung deutlich schwerer. Die nötigen Informationen, um festzustellen ob eine Unterbewertung vorliegt, erhalten die Private Equity Gesellschaften bzw. potentiellen Käufer durch die im Rahmen der Due Diligence erstellten Auswertungen und Analysen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in das Thema: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des deutschen Mittelstands in einer rezessionsgeprägten Wirtschaft und die zunehmende Bedeutung von Private Equity als Finanzierungslösung.
2 Ziel und Aufbau der Arbeit: Dieses Kapitel definiert die Zielsetzung der Arbeit, nämlich die systematische Analyse von Private Equity als Beteiligungsform zur Bewältigung besonderer Unternehmenssituationen.
3 Gestaltungsrahmen von Unternehmensbeteiligungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, Beteiligungsformen, Bewertungsverfahren sowie Sanierungsstrategien innerhalb von Private Equity Beteiligungen.
4 Veränderte Managementstrukturen: Dieses Kapitel analysiert die personalpolitischen und strukturellen Veränderungen in einem Unternehmen nach dem Eintritt eines Private Equity Investors.
5 Beteiligungsmanagement in der Praxis: Dieses Kapitel wertet empirische Branchenstudien aus, um die tatsächliche Wirkung von Private Equity auf Unternehmenswachstum, Beschäftigung und Managementsteuerung zu untersuchen.
6 Abschließende Beurteilung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Chance, durch Transparenz und Professionalität den Wert eines Unternehmens für Investoren zu steigern.
Schlüsselwörter
Private Equity, Mittelstand, Unternehmensbeteiligung, Beteiligungsmanagement, Management Buy-out, MBO, MBI, Turnaround, Due Diligence, Unternehmensbewertung, Sanierung, Corporate Finance, Wertsteigerung, Eigenkapital, Exit-Varianten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Beteiligungsmanagement im deutschen Mittelstand unter besonderer Berücksichtigung von Private Equity als Finanzierungs- und Managementpartner in Krisensituationen oder bei Nachfolgefragen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben den theoretischen Grundlagen von Private Equity stehen die Bewertung von Zielunternehmen, Sanierungsstrategien, der Due-Diligence-Prozess und die Auswirkungen auf Managementstrukturen im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel dieser Diplomarbeit?
Das Ziel ist es, für mittelständische Unternehmer einen Rahmen zu schaffen, um sich auf den Einstieg von Private Equity Investoren vorzubereiten und die daraus resultierenden Konsequenzen besser steuern zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Branchenstudien und Erkenntnissen aus der Praxis führender Private Equity Gesellschaften.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Beteiligungsrahmen, die Analyse veränderter Managementstrukturen nach einem Eigentümerwechsel sowie die praktische Betrachtung von Kennzahlensystemen und Exit-Strategien.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Private Equity, Mittelstand, Unternehmensbeteiligung, Due Diligence, Turnaround, Sanierung und Unternehmenswertsteigerung.
Wie unterscheidet sich der Share Deal vom Asset Deal?
Beim Share Deal erwirbt der Investor Gesellschaftsanteile, während beim Asset Deal konkrete Wirtschaftsgüter und Patente übernommen werden, was steuerlich und rechtlich unterschiedliche Folgen hat.
Welche Rolle spielt die Due Diligence bei einer Übernahme?
Die Due Diligence dient der systematischen Prüfung des Zielunternehmens, um Informationsasymmetrien abzubauen, Risiken zu bewerten und den Kaufpreis zu fundieren.
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- Dipl.-Kfm. Florian Krämer (Author), 2007, Beteiligungsmanagement im Mittelstand unter Berücksichtigung veränderter Managementstrukturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74927