Der Begriff „Bloggen“ beinhaltet eine Reihe von ganz verschiedenen Praktiken und Vorstel-lungen. Es gibt eine Vielzahl an Formen, wie bspw. Videoblogs, Warblogs oder Journals. Diese Vielfalt bringt eine Reihe ganz unterschiedlicher medienethischer Probleme mit sich. Weil es sich bei Blogs um ein relativ neues Genre handelt, kommt es grade in der Anfangs- und Etablierungsphase zu einer Reihe von Konflikten, die sich mit der Frage: ‚Wie verhält man sich als Blogger ‚richtig‘ bzw. ‚angemessen‘?‘ verallgemeinern lassen können.
Diese Hausarbeit befasst sich mit den ethischen und den allgemeinen Problemen, die in Web-logs auftreten können, sowie mit den Regulierungsansätzen bezüglich dieser Probleme. Dabei wird von dem Grundsatz ausgegangen, dass sich die Weblogkommunikation grade in einer Phase befindet, in der Nutzungsregeln ausgehandelt werden. Dies erfolgt durch die Herausbil-dung prozeduraler und Adäquanzregeln, aber auch durch rechtliche Rahmenbedingungen und technische Regeln.
Nach einer allgemeinen Beschreibung der Eigenschaften und Formen von Weblogs soll im Kapitel 3 auf die theoretischen Grundlagen der Ethik und Formierung von Verhaltensnormen in den neuen Medien eingegangen werden. Die aktuellen Probleme der Weblogkommunikati-on sollen anhand mehrerer Studien im Kapitel 4 belegt werden. Weiterhin werden in diesem Abschnitt Tendenzen der Selbstregulierung sowie technische und gesetzliche Regelungen betrachtet. Im Zusammenhang mit den prozeduralen Regeln werden einige Ethikrichtlinien vorgestellt und verglichen, sowie kurz auf die Meinungen innerhalb der Blogosphäre einge-gangen. Daraus ergibt sich eine Momentaufnahme während des langfristigen Prozesses der Institutionalisierung von Weblogs.
Inhaltsverzeichnis
1. Was sind Weblogs?
1.1 Eigenschaften und Formen
1.2. Der aktuelle Stand der Blogosphäre
2. Theorie der Ethik neuer Medien und der Formierung von Normen
2.1. Neue Medien und Ethik
2.2. Medienbezogenen Regeln und die sozialen Normierung von Gebrauchsweisen
3. Weblogs: Probleme und Lösungsansätze
3.1. Verschiedene Formen der Regulierung
3.2. Rechtliche Grundlagen
3.3. Prozedurale Regeln
3.3.1 Grundlegende Ethikprinzipien und Probleme der Weblogkommunikation
3.3.2. Unterschiedliche ethische Standards und Praktiken in der Blogosphäre
3.3.3. Selbstentwickelte Strategien der Blogger
3.3.4. Blogging Codes und ihre Notwendigkeit
3.3.5. Reaktionen der Blogosphäre
3.4. Technische Regulierungstendenzen ausgewählter Anbieter
3.5. Einschränkungen
4. Schlussfolgerung
5. Anhang: Vorschläge Ethikcodes
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen Herausforderungen und allgemeinen Probleme, die in der Weblogkommunikation auftreten, sowie die daraus resultierenden Ansätze zur Regulierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Blogger in einer noch jungen Etablierungsphase ein angemessenes Verhalten aushandeln und welche prozeduralen, rechtlichen sowie technischen Normen sich zur Lösung auftretender Konflikte bilden.
- Weblogs als neue Form der computervermittelten Kommunikation
- Ethische Grundlagen und die Herausbildung von Normen
- Datenschutz, Privatsphäre und Verantwortungsbewusstsein
- Methoden der Selbstregulierung und Blogging-Codes
- Technische Regulierungsansätze durch Plattformbetreiber
Auszug aus dem Buch
3.3.2. Unterschiedliche ethische Standards und Praktiken in der Blogosphäre
In ihrer Studie stellen Koh et al. fest, dass die zwei allgemein identifizierten Typen von Bloggern - persönliche und unpersönliche Blogger – grundsätzlich verschieden sind. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Demographie, ihren Erfahrungen mit dem Bloggen und ihren Bloggewohnheiten. Zudem verfolgen sie verschiedene ethische Standards und verschiedene ethische Praktiken (vgl. Koh et al. 2005).
Wie auch andere Studien bereits herausgefunden haben, sind persönliche Blogs die vorherrschende Form. Die nicht repräsentative Studie zeigt auf, dass 73% der untersuchten Blogs persönlich sind, während nur 23% als unpersönlich gelten. Unpersönliche Blogger sind überwiegend männlich und haben eine höhere formale Bildung als persönliche Blogger. Sie haben durchschnittlich mehr Leser, aktualisieren ihr Blog häufiger und verbringen dementsprechend auch mehr Zeit mit dem Bloggen (vgl. ebd.).
Die vier oben aufgeführten ethischen Prinzipien werden von den persönlichen und unpersönlichen Bloggern zum Teil ähnlich, zum Teil aber auch verschieden bewertet und befolgt. So finden unpersönliche Blogger, dass die Wahrheit des Berichtes und die richtige Zuschreibung von Informationen am bedeutendsten sind, während dies bei persönlichen Bloggern die Minimierung von Schaden und die richtige Zuschreibung ist. Beim Befolgen der Prinzipien ist dies ähnlich, auch hier halten sich die meisten persönlichen Blogger an den Vorsatz, Schaden zu vermeiden oder zu minimieren. Unpersönliche Blogger hingegen halten sich gleichermaßen an die Prinzipien des Wahrheitsanspruches, der Schadensminimierung und der richtigen Zuschreibung. Die richtige Zuschreibung von Informationen ist somit der wichtigste Grundsatz beider Blogger. Dies liegt in der Wesensart von Blogs begründet, denn die Verlinkung und Kommentierung von Seiten und somit der Aufbau einer Community sind wesentliche Eigenschaften der Blogosphäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was sind Weblogs?: Dieses Kapitel definiert Weblogs als regelmäßig aktualisierte Webseiten in chronologischer Reihenfolge und beleuchtet deren Eigenschaften sowie den aktuellen Stand der Blogosphäre.
2. Theorie der Ethik neuer Medien und der Formierung von Normen: Hier werden grundlegende ethische Konzepte für das Internet diskutiert und dargelegt, wie sich soziale Normen und Regeln in der Online-Kommunikation durch Praxis herausbilden.
3. Weblogs: Probleme und Lösungsansätze: Dieses Hauptkapitel analysiert prozedurale Regeln, rechtliche Grundlagen, ethische Prinzipien sowie die technische Regulierung und Strategien der Selbstregulierung durch Blogger.
4. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Institutionalisierung von Weblogs zusammen und betont, dass trotz der Pluralität der Meinungen ein gesellschaftlicher Diskurs über ein angemessenes Miteinander stattfindet.
5. Anhang: Vorschläge Ethikcodes: Im Anhang werden beispielhafte ethische Kodizes von Rebecca Blood, Martin Kuhn und Tim O’Reilly aufgeführt.
6. Bibliographie: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten Print- und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Weblogs, Blogosphäre, Internetethik, Selbstregulierung, Prozedurale Regeln, Privatsphäre, Datenschutz, Blogging-Kodex, Medienkompetenz, Normenbildung, Computervermittelte Kommunikation, Identitätsmanagement, Nutzerverantwortung, Online-Kommunikation, Telemediengesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ethischen Herausforderungen und die Probleme, die in der Kommunikation mittels Weblogs entstehen, und wie die Akteure diesen durch informelle und formelle Regelungen begegnen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Felder sind die Definition von Weblogs, die Theorie der Internetethik, die soziale Normierung, rechtliche Rahmenbedingungen sowie technische Lösungsansätze für Fehlverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist eine Momentaufnahme der Institutionalisierung von Weblogs, um aufzuzeigen, wie sich Verhaltensregeln in einem neuen, dezentralen Kommunikationsraum etablieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung verschiedener empirischer Studien zur Blogosphäre basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Grundlagen, wie das Telemediengesetz, ethische Prinzipien der Weblogkommunikation und eine detaillierte Betrachtung von Selbstregulierungsstrategien der Blogger.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Blogosphäre, Internetethik, Selbstregulierung, Privatsphäre und soziale Normen geprägt.
Welche Rolle spielt das Telemediengesetz für Blogger laut der Arbeit?
Das Gesetz schafft verbindliche Rahmenbedingungen und erhöht die Transparenz, besonders bei kommerziellen Blogs, birgt aber auch Unklarheiten bezüglich der Definition journalistischer Berichterstattung.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit Ethik bei persönlichen und unpersönlichen Bloggern?
Während unpersönliche Blogger stärker journalistische Ideale wie Wahrheit und Quellenangabe gewichten, legen persönliche Blogger einen größeren Fokus auf Schadensminimierung in ihrem sozialen Umfeld.
Welchen Einfluss haben technische Funktionen der Blogsoftware auf die Regulierung?
Funktionen wie Moderationssysteme, Kommentarkontrolle oder Nutzer-Markierungen ermöglichen eine durch die Community gesteuerte Selbstregulierung und fördern ein höheres Diskussionsniveau.
Warum ist das Ergebnis der Studien zur Privatsphäre laut der Autorin nur eingeschränkt verallgemeinerbar?
Die untersuchten Quellen basieren vorwiegend auf englischsprachigen Blogs und einer spezifischen Nutzerschaft, weshalb die globale Blogosphäre mit ihrer kulturellen Diversität nur bedingt abgebildet wird.
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- Kristin Simon (Author), 2007, Ethische Probleme und Regulierungstendenzen der Weblogkommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75001