Leistungen entwickeln, überprüfen und bewerten - Verhaltensbeobachtung, Beurteilung, Ratingskalen


Hausarbeit, 2002
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Verhaltensbeobachtung
1.1 Definition Verhaltensbeobachtung
1.2 Arten von Verhaltensbeobachtung
1.3 Gütekriterien von Beobachtungsverfahren

2. Ratingskalen
2.1 Arten der Protokollierung
2.1.1 Zeichensystem bzw. Merkmalssystem
2.1.2 Kategoriensystem
2.2 Ratingskalen
2.2.1 Definition
2.2.2 Arten von Ratingskalen
2.2.3 Vor- und Nachteile von Verhaltensbeobachtung und Ratingskalen
2.2.4 Kritik an Ratingskalen
2.3 Das Event-sampling Verfahren und das Time-sampling Verfahren

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Vorwort

In meiner Ausarbeitung des Themas Verhaltensbeobachtung, Beurteilung – Ratingskalen habe ich mich entschlossen, zuerst einen kleinen Überblick über die Verhaltensbeobachtung im Allgemeinen zu schreiben, bevor ich zu dem eigentlichen Thema Ratingskalen komme.

Als Literatur habe ich vor allem die Bücher verwendet, die als Literaturempfehlung angegeben waren. Darunter Anton Nuding, Ernst Martin und Uwe Wawrinowski, sowie Helmut Lukesch, Karlheinz Ingenkamp und Peter Köck.

Das umfassendste Buch war sicherlich das von Gerhard Faßnacht „Systematische Verhaltensbeobachtung“. Hier wurde jedes Thema nicht auf drei oder vier Seiten behandelt, sondern sehr viel ausführlicher, wenn auch oft schwer verständlich und „gespickt“ mit Fremdwörtern. Im Laufe meiner Hausarbeit habe ich Gerhard Faßnacht des Öfteren zitiert.

Das Buch von U. Lissmann „Probleme und Möglichkeiten der Schülerbeurteilung“ war nicht mehr zu bekommen, weder in der Hochschulbibliothek (es war nicht ausleihbar), noch in der Badischen Landesbibliothek (gar nicht vorhanden).

Zusätzlich zu den Vorschlägen arbeitete ich noch mit den Büchern von Manfred Amelang und Werner Zielinski „Psychologische Diagnostik und Interventionen“ und Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun „Messung komplexer Merkmale in Psychologie und Pädagogik“. Das erste Buch enthielt ein kurzer Überblick über Verhaltensbeobachtung und Ratingskalen. Das zweite Buch berichtet über Ratingverfahren, war aber in vielen Teilen zu allgemein gefasst.

Im Internet gab es unter dem Stichwort Ratingskalen bzw. Schätzskalen nicht so viele Webseiten. Eigentlich war es meistens nur ein kleiner Abschnitt unter dem Thema Verhaltensbeobachtung oder Pädagogische Psychologie und Testtheorien.

Ich hoffe es gelingt mir einen kurzen Überblick über die Verhaltensbeobachtung und deren Protokollierung (Ratingskalen) vorzustellen.

1. Verhaltensbeobachtung

1.1 Definition Verhaltensbeobachtung

Beispiel:

Verhalten : Simone begegnet Lehrern und Mitschülern freundlich und hilfsbereit. Sie zeigte sich verantwortlich in allen Belangen der Klassengemeinschaft und war stets bereit, anderen zu helfen. In der Gruppe konnte sie gut mit andern zusammenarbeiten.

Mit eigenen und fremden Schulsachen ging Simone sorgfältig und gewissenhaft um.

Arbeiten : Simone war leicht zur Mitarbeit zu motivieren und fasste neuen Unterrichtsstoff meist schnell auf. Sie hatte keine Scheu vor der Klasse zu reden.

Schriftliche Arbeiten führte sie zügig aus und achtete auf eine formschöne Darstellung.

Auch in der freien Arbeit ging sie verantwortlich mit der Zeit um, arbeitete zielstrebig und stets weit mehr als verlangt wurde. Dies gilt auch für Hausaufgaben, die sorgfältig angefertigt und oft durch zusätzliche Arbeiten erweitert wurden.

Lernen: Simone ist in der Lage, bekannte und unbekannte Texte in Druck- und Schreibschrift zu lesen und deren Inhalte weitgehend zu erfassen. Sie schreibt flüssig, klar und deutlich, jedoch noch etwas ungleichmäßig. Geübte Sätze schreibt sie nahezu fehlerlos auswendig. Beim Auswendiglernen und Vortragen von Gedichten bewies sie großes Geschick.

Simone kann auch schwierige Aufgaben im Bereich bis 20 selbstständig, rasch und ohne Hilfe lösen. Sie ist schnell und sicher beim Zerlegen und Aufbauen von Zahlen und hat alle Ziele des Mathematikunterrichts erreicht.

Im Sachunterricht sowie in Musik und Bildende Kunst zeigte sie großes Interesse, Geschick und Phantasie.

Ihre Hefte gestaltete Simone mit großer Sorgfalt.

Das Beispiel ist ein Schulbericht der ersten Klasse, der am Ende des Schuljahres als Zeugnis den Kindern mitgegeben wird. Nicht nur in den Schulberichten der Klassen 1 und 2 der Grundschule werden die Schülerinnen und Schüler beurteilt, sondern auch in jeder weiteren Jahrgangsstufe, nämlich wenn es um die Noten für Mitarbeit und Verhalten geht. Aber auch bei Zeugniskommentaren und Übertrittsempfehlungen muss eine Lehrerin oder ein Lehrer seine Schülerinnen und Schüler in allen schulischen Bereichen beurteilen können. „Zum pädagogischen Auftrag der Lehrerinnen und Lehrer gehört es, die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu beobachten und zu beurteilen hinsichtlich von Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen im gesamten Spektrum schulisch relevanter Bereiche“[1], so Anton Nuding in seinem Buch „Beurteilen und Beobachten“. Die Beurteilung ist in Baden- Württemberg und in anderen Ländern sogar kultusministeriell verlangt. „So heißt es in der Verordnung des Ministeriums für Kultus und Sport über die Schülerbeurteilung in Grundschulen und Sonderschulen: ‚§1 (3) Zur Abfassung des Schulberichtes sollen die vom Schüler im Unterricht und als Hausaufgabe gefertigten schriftlich und praktischen Arbeiten sowie mündlichen sorgfältig beobachtet werden (MKS BW 1984, S.11).“[2] Doch bei einer Anzahl von mehr als 20 Schülerinnen und Schülern fragt man sich, wie die Lehrerin oder der Lehrer einen Schüler sorgfältig beurteilen können. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Die wichtigste und in der Schule am häufigsten eingesetzte Methode ist die Verhaltensbeobachtung.

Eine genaue und vor allem verständliche Definition für Verhaltensbeobachtung zu finden ist schwierig. Es wurden schon einige Bücher zu diesem Thema verfasst, aber nur einige Autoren haben die Verhaltensbeobachtung definiert. Gerhard Faßnacht erwähnt in seinem Buch „Systematische Verhaltensbeobachtung“ die Herren Hutt und Hutt. In ihrem Buch über Verhaltensbeobachtung (1974) wird keine genaue Umschreibung genannt. Auch bei Cranach und Frenz (1969) kann man keine genaue Definition nachlesen. Ganz im Gegenteil. Die beiden Herren verzichten absichtlich auf eine Definition, da sie der Meinung sind „die Merkmale der Verhaltensbeobachtung seien aus ihrem Text ersichtlich.“[3]

Wie schon erwähnt, gibt es Autoren, die jedoch versucht haben Verhaltensbeobachtung zu definieren. Darunter Wright. Er schreibt dazu: „...Forschungs-methoden, die die Natur und die Gesellschaft sich selbst überlassen. Diese Methoden beruhen auf direkter Beobachtung als eine wissenschaftliche Praxis, die Beobachten und damit verbundenes Aufzeichnen und Analysieren natürlich auftretender Dinge und Ereignisse erfasst (1960)“[4] Auch Weick definiert die Verhaltensbeobachtung in einem Artikel. „Eine Beobachtungsmethode ist definiert als die Selektion, die Provokation, das Aufzeichnen und das Enkodieren jener Menge von Verhaltensweisen und Verhaltensrahmen, die sich auf den Organismus in situ beziehen, was mit empirischen Zielen konstant ist. (1968)“[5] Fast 20 Jahre später, 1985, führt Weick im „Handbook of Social Psychology“ eine weitere Definition ein. „Systematische Beobachtung ist definiert als anhaltendes, explizites, methodisches Beobachten und Parapharasieren sozialer Situationen in Relation zu ihren natürlich auftretenden Kontexten.“[6] In dem Buch „Beobachtungslehre“ von Martin und Wawrinowski findet man drei Definitionen von Verhaltensbeobachtung.

1) „Die absichtliche, aufmerksam-selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet, nennen wir Beobachtung. Gegenüber dem üblichen Wahrnehmen ist das beobachtende Verhalten planvoller, selektiver, von einer Suchhaltung bestimmt und von vorneherein auf die Möglichkeit der Auswertung des Beobachtens im Sinne der überprüfenden Absicht gerichtet“[7]
2) „Verhaltensbeobachtung (wird hier verstanden) als die auf das Verhalten eines oder mehrerer Menschen gerichtete, nicht dem Zufall überlassene, methodisch kontrollierte Wahrnehmung einer oder mehrerer Personen mit der Absicht, dadurch etwas für die Persönlichkeit der beobachteten Person Charakteristisches zu erfahren.“[8]
3) „Die Tätigkeit (Beobachten) ist jedoch kein passives Auf-sich-einströmen- Lassen von Sinnesreizen, sondern eine Form des aktiven Sich- An eignens von (Wirklichkeit), d.h. der Beobachter gibt seinen Sinneswahr nehmungen eine Richtung, ordnet diese Wahrnehmungen im Hinblick auf einen bestimmten Zweck mit der Absicht, sein Handeln an den Informati- onen, die er auf diese Weise erhält, zu orientieren...“[9]

Das waren jetzt sechs verschiedene Definitionen der Verhaltensbeobachtung, aber keine davon ist für einen Laien verständlich. Bei „Psychologische Diagnostik und Interventionen“ von Amelang und Zielinski findet man eine kurze, auch für nicht Psychologen verständliche, Definition oder Zusammenfassung der Verhaltensbeobachtung. „Die Verhaltensbeobachtung ist eine Methode zur Gewinnung diagnostisch relevanter Daten, die sich immer dann einsetzen lässt, wenn Verhalten zwar wahrnehmbar ist, spezielle formelle Verfahren aber nicht zur Verfügung stehen.“[10]

Eine gute Definition habe ich noch im Internet gefunden. „Beobachtung im engeren Sinne nennen wir das Sammeln von Erfahrungen in einem nichtkommunikativen Prozess mit Hilfe sämtlicher Wahrnehmungsmöglichkeiten. Im Vergleich zur Alltagsbeobachtung ist wissenschaftliche Beobachtung stärker zielgerichtet und methodisch kontrolliert. Sie zeichnet sich durch die Verwendung von Instrumenten aus, die die Selbstreflektiertheit, Systematik und Kontrolliertheit der Beobachtung gewährleisten und Grenzen unseres Wahrnehmungsvermögens auszudehnen helfen."(Laatz, 1993)[11]

1.2 Arten von Verhaltensbeobachtung

Beobachten ist nicht gleich beobachten. Es gibt einen Unterschied zwischen den Arten der Beobachtung. Ein Beispiel: In der großen Pause geht ein Lehrer über den Schulhof. Er hat keine bestimmte Beobachtungsabsicht. Auf dem Schulhof passieren so viele Dinge und es sind so viele Personen unterwegs, dass der Lehrer mitunter etwas Entscheidendes übersehen kann. Würde man dem Lehrer nach der Pause bestimmte Fragen stellen, z.B. „Wie hofft gab es eine Schlägerei?“ oder „Wie viele Mädchen unterhielten sich mit Jungen?“, hätte dieser Probleme sich genau zu erinnern. Der Lehrer hat so vieles beobachtet, aber er hat sich kein Ziel gesetzt, was er beobachten möchte. Die Beobachtung findet mehr oder minder zufällig statt, d.h. dem Lehrer bleibt das in Erinnerung, was seine Aufmerksamkeit am meisten geweckt hat. Diese Art der Beobachtung nennt man dann „naive Beobachtung“ oder „unsystematische Beobachtung“. Das Problem bei dieser Art der Beobachtung ist, dass sie von der Person des Beobachters abhängig und damit subjektiv ist.

Geht der Lehrer jedoch mit einer bestimmten Absicht, einer bestimmten Zielsetzung in den Schulhof nennt man diese Art der Beobachtung „systematische Beobachtung“.

Die systematische Beobachtung setzt einen genauen Beobachtungsplan voraus, der vorschreibt:

- was zu beobachten ist,
- was für die Beobachtung unwesentlich ist,
- ob bzw. in welcher Weise das Beobachtete gedeutet werden darf,
- wann und wo die Beobachtung stattfindet und
- wie das Beobachtete zu protokollieren ist.

[...]


[1] Nuding Anton; Beurteilen und Beobachten: Grundlagen der Schulpädagogik Band 21, Schneider Verlag Hohengehren 1997 Seite 33

[2] Nuding Anton; Beurteilen und Beobachten: Grundlagen der Schulpädagogik Band 21, Schneider Verlag Hohengehren 1997 Seite 39, 40

[3] Faßnacht Gerhard; Systematische Verhaltensbeobachtung, Ernst Reinhardt Verlag München 1995 S. 72

[4] s.o. Systematische Verhaltensbeobachtung; Seite 72

[5] s.o. Systematische Verhaltensbeobachtung; Seite 72

[6] s.o. Systematische Verhaltensbeobachtung; Seite 73

[7] Martin Ernst und Uwe Wawrinowski; Beobachtungslehre: Theorie und Praxis reflektierter Beobachtung und Beurteilung, Juventa Verlag Weinheim und München 2000 Seite 33 Zitat von Graumann C.F.; Grundzüge der Verhaltensbeobachtung

[8] s.o. Beobachtungslehre Zitat von Hasemann K.; Verhaltensbeobachtung

[9] s.o. Beobachtungslehre Zitat von Mollenhauer K. und Rittelmeyer Chr.; Methoden der Erziehungswissenschaft

[10] Amelang Manfred und Zielinski Werner; Psychologische Diagnostik und Interventionen, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York 2002 Seite 361

[11] www.unibas.ch/psycho/skripten/Opwis/Methodik

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Leistungen entwickeln, überprüfen und bewerten - Verhaltensbeobachtung, Beurteilung, Ratingskalen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Psychologie)
Veranstaltung
Leistungen entwickeln, überprüfen und bewerten
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
30
Katalognummer
V75164
ISBN (eBook)
9783638867191
ISBN (Buch)
9783638867269
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungen, Verhaltensbeobachtung, Beurteilung, Ratingskalen
Arbeit zitieren
Simone Hornung (Autor), 2002, Leistungen entwickeln, überprüfen und bewerten - Verhaltensbeobachtung, Beurteilung, Ratingskalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75164

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