Eigenschaften europäischer Geldnachfragefunktionen


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Determinaten einer europäischen Geldnachfragefunktion
2.1 Wahl und Spezifikation der Determinanten
2.2 Schätzung einer europäischen Geldnachfragefunktion

3.Stabilitätseigenschaften der Determinaten
3.1 Einkommenelastizität der Geldnachfrage
3.2 Zinselastizität der Geldnachfrage
3.3 Inflationselastizität der Geldnachfrage

4. Fazit

5. Anhang
5.1 Tabellen
5.2 Abbildungen

6. Literaturverzeichnis

l.Einleitung

Die Geldnachfrage lässt sich theoretisch aus den Funktionen des Geldes herleiten. Dabei handelt es sich um die Funktion als Recheneinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrungs­mittel. In der vorliegenden Arbeit wenden wir uns vor allem den Funktionen des Geldes als Transaktions- und Wertaufbewahrungsmittel zu. Die Funktion des Transaktionsmittels stellt die Quantitätsgleichung (1) des Geldes dar. Sie gibt den Zusammenhang zwischen der Anzahl wirtschaftlicher Transaktionen und der Geldnachfrage wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die rechte Seite der Gleichung T * P kann auch als das Bruttosozialprodukt (BSP) beschrieben werden. Bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit des Geldes führt ein Anstieg des BSP zu einem Anstieg der Geldnachfrage. Das ist auch der Grund warum sich die Vorgaben der EZB für das Geldmengenwachstum am erwarteten Wachstum des BSP orientieren. Das vorrangige Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Gewährleistung der Preisniveaustabilität in der Eurozone (Anstieg des Verbraucherpreisindex von unter, aber nahe bei 2% gegenüber dem Vorjahr). Ein weiteres Ziel ist die Unterstützung der Wirtschaftspolitik mit dem Ziel eines hohen Beschäftigungsniveaus und dauerhaften Wachstums, soweit dies ohne Gefährdung der Preisstabilität möglich ist. Die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes ist jedoch genauso wichtig wie die Transaktionsfunktion. Die Nachfrage nach Geld hängt vor allem von den Opportunitätskosten ab, also den alternativen Anlagemöglichkeiten. Die Opportunitätskosten steigen mit der Verzinsung i der alternativen Anlagen, was bedeutet dass die Geldnachfrage abnimmt. Aus der Wertaufbewahrungs- und der Transaktionsfunktion des Geldes lassen sich also zwei wesentliche Determinanten der Geldnachfrage ableiten. Das ist zum einen das Bruttosozialprodukt T * P und zum anderen der nominale Zinssatz inom. Die nominale Geldnachfragefunktion (2) lautet demnach:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In realen Größen ergibt sich die reale Geldnachfragefunktion (3) als Funktion des realen

Einkommens Y und dem realen Zinssatzes i zu:

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Der Ausgleich von Geldangebot und Geldnachfrage erfolgt über das Preisniveau. Ist das reale Geldangebot größer als die reale Nachfrage (z.B. aufgrund eines niedrigeren BSP als erwartet) so steigt der Preis, bis beide Größen wieder ausgeglichen sind. Es erfolgt also ein inflationärer Prozess, denn im Gleichgewicht muss gelten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein zu hohes Geldangebot führt also zu Inflation, während ein zu geringes Geldangebot nur einen eingeschränkten Konsum und Investition ermöglicht (also schlechtes Wachstum). Um so wichtiger ist es für die EZB die richtige reale Geldnachfrage zu schätzen um eben solchen wachstumshämmenden bzw. inflationären Risiken entgegenzuwirken. Damit sie dies kann muss sie jedoch genaue Kenntnis der Geldnachfragefunktion und deren Determinanten haben. Die folgenden Ausführungen werden sich eingehender mit der Schätzung einer geeigneten europäischen Geldnachfrage beschäftigen. In Abschnitt 2 wird näher auf die Wahl der relevanten Determinanten und die Schätzung der europäischen Geldnachfragefunktion eingegangen um schließlich in Abschnitt 3 die Stabilitätseigenschaften der Determinaten zu diskutieren.

2. Determinaten einer europäischen Geldnachfragefunktion

2.1 Wahl und Spezifikation der Determinanten

Die Basis für die meisten Geldnachfragefunktionen ist eine einfache Strukturgleichung welche die Ergebnisse der Geldnachfragetheorien wiederspiegelt. Für moderne Geldnachfragemodelle wird meist das weite Geldmengenaggregat M3 verwendet, jedoch kann die geeignete Geldmengenvariable auch für eine enge Geldmenge M1 oder auch M2 definiert werden. Die Wahl eines weiten M3 Geldaggregates liegt darin begründet, dass die EZB in ihrer Strategie ebenfalls ein weites M3 als Indikator in ihre geldpolitische Strategie einbezieht. Anderere Gründe sind laut Christian Müller (2003, S.14) technische Erneuerungen und finanzielle Deregulierungen, die durch sinkende Transaktionskosten und leichtere Fälligkeitstransformationen immer mehr liquide Mittel in „financial tools“ fließen lassen. Das dynamische Effekte innerhalb des weiten M3 Geldmengenaggregates vernachlässigt werden stellt laut Christian Müller (2003, S.14) jedoch einen Nachteil der Verwendung des weiten M3 dar. In der empirischen Literatur wird in der Regel die Geldnachfrage durch eine reale als die Differenz zwischen M3 und dem Preisniveau (p). Laut der Studie von Elke Hahn und Christian Müller (2000, S.5) gibt es zwei Gründe weshalb eine reale Geldnachfrage einer nominalen vorzuziehen ist: Erstens wird angenommen, dass Geld langfristig neutral ist und demnach auf lange Sicht Preishomogenität besteht. Zweitens bringt die Verwendung eines realen Geldmengenaggregates eine technische Erleichterung mit sich. Da es für ökonometrische Untersuchungen und die Modellierung der Geldnachfragefunktion leichter ist mit I(1) Variablen umzugehen, ist ein reales Geldmengenaggregat von Vorteil, da es diese Bedingung erfüllt. Eine nominale Geld-mengenvariable hingegen ist oftmals sowohl nicht­stationär als auch als I(2) Variable charakterisiert und folglich technisch schwerer zu handhaben. Eine ausführlichere Diskussion dieser Problematik folgt in Abschnitt 2.2. Je nach Spezifikation des Geldnachfragemodells lassen sich weitere Variablen in die Funktion aufnehmen. In der empirischen Literatur besteht jedoch kein eindeutiger Konsens, aus wie vielen und welchen Variablen sich die Geldnachfrage zusammensetzen soll. Wie bereits in Gleichung (1) beschrieben, kann die Geldnachfrage für eine weite Geldmenge M3 als eine Funktion des Transaktionsvermögens und der Opportunitätskosten der Geldhaltung definiert werden, wobei nach Peter Bofinger (2001, S.35) von folgender Basisspezifikation ausgegangen werden kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Variablen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] stellen die lang- und kurzfristigen Zinsraten dar und π die Inflationsrate. Die Opportunitätskosten werden häufig aus der Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsraten abgeleitet, wie beispielsweise Coenen und J.-L. Vega (1999, S.11). Dabei ist die langfristige Zinsrate [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ein Messwert für den Alternativzins finanzieller Assets, der nicht in dem Geldmengenaggregat eingeschlossen ist. Die kurzfristige Zinsrate ishort kann als Näherungswert für die Eigenverzinsung von M3 interpretiert werden. Die Wahl einer geeigneten Variablen für den Alternativzins ist allerdings abhängig von der Variablenwahl der Eigenverzinsung. In vielen Fällen wird die Eigenverzinsung durch die kurzfristige Zinsrate ishort wiedergegeben. Dies hätte laut A. Bruggeman, P. Donati und A. Warne (2003, S.13f.) den Vorteil, dass das Geldnachfragemodel weniger komplex wäre. Auch erschwert die Aufnahme zu vieler Zinsvariablen in das Geldnachfragemodel die Analyse der Reaktion dieser Variablen untereinander und auf andere Einflussvariablen, wie Geld und Einkommen. Allerdings wird manchmal in der Literatur die Eigenverzinsung des Geldes zusätzlich zu den Portfolio-variablen als selbstständige Variable ausgewiesen, wie beispielsweise C. Brand und N. Cassola (2000) oder auch L. Dedola, E. Gaiotti und L. Silipo (2001) in ihren Geldnachfragestudien zugrunde legen. C. Brand und N. Cassola (2000, S.13) argumentieren, dass „ the dynamics of the spread of the long-term interest rate against the own rate of M3 is almost fully captured by the dynamics of the long-term interest rate. This suggests that the long-term interest rate may be a better measure of opportunity costs than the market spread.”

L. Dedola, E. Gaiotti und L. Silipo (2001, S.10) gehen davon aus, dass die Vernachlässigung der Eigenverzinsung des Geldes zu einer Missspezifikation in der Geldnachfragegleichung führen kann. Ohne eine Variable für die Eigenverzinsung ergibt sich für die Schätzung des kurzfristigen Zinsparameters ein positiver Wert, für den des langfristigen ein negativer Wert. Würde die Eigenverzinsung als selbstständige Variable in der Geldnachfragefunktion ausgewiesen, so würde deren geschätzter Parameterwert positiv ausfallen und damit signifikant sein, während die Parameterwerte der kurz- und langfristigen Zinsraten statistisch korrekte Werte, nämlich negative, aufweisen würden. Für die Interpretation der geldpolitischen Auswirkungen bedeutet dies, dass korrekte Aussagen gemacht werden könnten. Die Inflationsvariable gibt die Opportunitätskosten der Geldhaltung realer Assets wieder. Als Maßeinheit für die Inflationsrate dient meist der harmonisierte Konsumentenpreisindex HVPI der EWU oder der Preisdeflator des BSP bzw. BIP. Die Aufnahme einer Inflationsvariablen in die Geldnachfragefunktion ist umstritten, eine Vielzahl von Autoren tendiert jedoch zur Berücksichtigung der Inflationsvariablen, wie auch Peter Bofinger (2001, S.35). Dies beruht auf der Annahme, dass die Inflationsrate oftmals eine bedeutende Determinante für ein empirisches Geldnachfragemodell mit konstanten Parametern ist. Insbesondere, wenn in der Geldnachfrage die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen nominalen Zinsraten enthalten ist, ist die Aufnahme der Inflationsvariablen zu berücksichtigen. Dies folgt daraus, dass sich aufgrund der Fisher-Gleichung der Inflationseffekt dann bei der Differenzbildung heraushebt und somit die Einbeziehung eines Inflationsterms bedingt. Dieser Sachverhalt lässt sich anhand der Fisher-Gleichung wie folgt beweisen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch Differenzenbildung folgt schließlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die realen Zinssätze darstellen. Häufig wird die Aufnahme von

„wealth“ als eine wichtige Determinante in die Geldnachfragefunktion diskutiert. Wie Milton Friedman in Peter Bofinger (2001, S.32ff) zitiert wird, befürwortet dieser, „total wealth“ als selbstständige Variable mit einzubeziehen. Er geht dabei bei der Zusammensetzung von „wealth“ von der Summe der Komponenten Geld, Bonds, Aktien, realen Assets und Humankapital aus. Die Umsetzung wäre allerdings nur begrenzt möglich, da sich bei der Quantifizierung der Komponenten teilweise Schwierigkeiten ergeben. Trotz allem ist der Effekt von „wealth“ bereits indirekt in der Geldnachfragefunktion enthalten, wenn sich für das Einkommen eine Elastizität von größer 1 ergibt, worauf im noch folgenden Abschnitt 3.1. noch detaillierter eingegangen wird.

2.2 Schätzung einer europäischen Geldnachfragefunktion

Das Hauptaugenmerk bei der Schätzung einer Geldnachfragefunktion für das Euro-Gebiet liegt auf den Parametern ß. Diese langfristigen Parameter lassen sich häufig durch OLS- Schätzungen bestimmen . Um die Elastizitäten und Semi-Elastizitäten der Geldnachfrage direkt schätzten zu können, ist es von Vorteil, die Geldnachfragefunktion allgemein als logarithmierte Linearkombination darzustellen. Als Basisspezifikation für die Schätzung der Geldnachfragefunktion für das Euro-Gebiet kann damit ausgehend von Gleichung (5) von folgender (semi-)log-linearen Form ausgegangen werden, wobei sich die Umformung an Peter Bofinger (2001, S.35) anlehnt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(β1) sowie (β2, β3, β4) stellen die Elastizitäten bzw. Semi-Elastizitäten der erklärenden Variablen dar. Diese werden voraussichtlich folgende erwartete Vorzeichenwerte aufweisen mit β1>0, β3>0 sowie β2<0, β4<0, worauf in Abschnitt 3 noch einmal genauer eingegangen wird. Die Variablen mt und yt gehen als logarithmierte Größen in das Modell ein, die

Zinsraten und die Inflationsrate als nicht-logarithmierte Werte. Der Störterm et besitzt die white-noise-Eigenschaft, denn für ihn gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Problematisch ist allerdings, dass die reale Geldmenge (M3), das reale Einkommen (BSP) und größtenteils auch die Zinsratenvariablen als nicht-stationäre I(1) vorliegen. Werden nicht­stationäre Variable untereinander regressiert, so muss zwischen den folgenden Fällen unterschieden werden.

Erstens Spurious Regression (Regelfall), d.h. eine Regression von I(1) Prozessen endet wieder ineinem I(1) Prozess. Dabei kommt es allerdings zu einem Scheinzusammenhang aufgrund von Trendverhalten.

Zweitens Kointegration (Spezialfall), d.h., wenn sich eine Linearkombination von zwei oder mehreren I(1) Prozessen ergibt, die I(0) wird. Falls Stationarität (I(0)) vorliegt, kommt es zu einem langfristigen Gleichgewicht. Voraussetzung für das Vorliegen einer Kointegrationsbeziehung ist, dass die Variablen integriert sind. Eine nicht-stationäre Variable wird integriert vom Grad d(I(d)) genannt, wenn sie d-mal differenziert werden muss, um stationär zu werden (vgl. Peter Bofinger, 2001,S.36).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Eigenschaften europäischer Geldnachfragefunktionen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere )
Veranstaltung
Geld- und Finanzmärkte
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V75174
ISBN (eBook)
9783638786218
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eigenschaften, Geldnachfragefunktionen, Geld-, Finanzmärkte, Geldtheorie, Geldpolitik, finanzwissenschaft
Arbeit zitieren
Steffen Hoffmann (Autor), 2006, Eigenschaften europäischer Geldnachfragefunktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75174

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