Der technische Fortschritt, so scheint es, hat auch eine Veränderung der sozialen Landschaft zur Folge. Tatsächlich verschärfte sich die soziale bzw. sozialstaatliche Diskussion in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich und drohte nach Bekanntmachung der Hartz III & IV Pläne zu eskalieren (man erinnere sich u.a. an die Montagsdemonstrationen). In der gesellschaftlichen, politischen wie auch wissenschaftlichen Debatte geht es um soziale Sicherung, die mitunter durch immense Staatsausgaben finanziert wird, um den Generationenvertrag (immer mehr ältere Menschen die Renten beziehen und immer weniger Arbeitnehmer die Rentenbeiträge zahlen) und die sich verschlechterte Zukunftsaussicht – aus dem sozialen Blickwinkel betrachtet - immer mehr junger Deutschen.
Natürlich geht es hier im weitesten Sinne auch um Bedürfnisse, Ansprüche, Chancengleichheit, Wirtschaftlichkeit und, warum nicht, auch um Menschenrechte und den Werturteilswandel. Auf letztere Aspekte wird in dieser Arbeit gering oder gar nicht eingegangen.
Um diese im Augenblick für Deutschland so wichtige Diskussion nicht nur verstehen, sondern sie auch in Ihrer umfassenden Komplexität begreifen zu können, bedarf es der Notwendigkeit sich mit dem "Skelett" des deutschen Sozialstaats vertraut zu machen: dem Bismarckschen Modell, das im ersten Kapitel dieser Arbeit vorgestellt wird. Schon Schmidt (1996, S. 49) urteilte, dass der Wohlfahrtsstaat in seiner Entwicklung „[…] determiniert“ ist, und „im historisch-vergleichendem Kontext gesehen werden“ muss.
Des weiteren spielt in diesem Kontext auch die Globalisierungs-Debatte eine wichtige Rolle, weswegen diese im zweiten Teil behandelt wird. Zuletzt soll der Versuch unternommen werden die heute prekäre soziale Situation mit Hilfe des Bismarck-Modells und ausgewählten Aspekten der Globalisierung zu analysieren und zu erklären. Hierzu wurde ein eigenes Schaubild erstellt.
Wie bereits Raimund Hasse (2003, S.9) anmerkte, ist es schwierig solch ein Thema, dass tagtäglich unsere politische wie auch gesellschaftliche Auseinandersetzung prägt, ohne vorgefestigte Meinung und eigenem Werturteil ergo absolut neutral zu behandeln. Folgend soll zumindest der Versuch einer objektiven Annäherung an die Thematik unternommen werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Bismarck-Modell trifft auf Globalisierung - Wechselwirkungen und Gefahren
1. Vom Bismarcksche Modell und seinen zu Grunde liegenden Prinzipien
1.1. Der historische Hintergrund
1.2. Begrifflichkeiten und Prinzipien
1.2.1. Sozialstaat
1.2.2. Sozialversicherung
1.2.3. Subsidiaritäts- und Äquivalenzprinzip
1.3. Das Beveridge Modell
2. Globalisierung und Sozialstaat
2.1. Was ist Globalisierung?
2.2. Folgen der Globalisierung
III. Deutschland, düstere Zukunft?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem traditionellen Bismarckschen Sozialstaatsmodell und den Herausforderungen der zunehmenden Globalisierung. Das primäre Ziel ist es, die strukturellen Probleme des deutschen Sozialsystems in einer globalisierten Welt zu analysieren und zu hinterfragen, ob die Globalisierung tatsächlich als Hauptursache für die aktuelle prekäre soziale Situation in Deutschland betrachtet werden kann.
- Historische Grundlagen des Bismarckschen Modells
- Strukturmerkmale und Funktionsprinzipien der deutschen Sozialversicherung
- Gegenüberstellung von Bismarck-Modell und Beveridge-Modell
- Definition und Wirkmechanismen der Globalisierung
- Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt, Globalisierung und Sozialstaatsfinanzierung
Auszug aus dem Buch
1.1. Historischer Hintergrund
Die Industrialisierung schaffte bzw. radikalisierte eine enorme Diskrepanz zwischen arm und reich und verstärkte somit die ökonomischen und sozialen Probleme des Landes. Das in Folge der Industrialisierung ein großer Teil der Bevölkerung in die Großstädte zog um Arbeit zu suchen, dort jedoch schlecht entlohnt wurde und deshalb am Existenzminimum lebte, ist als Auslöser sozialer Unzufriedenheit zu betrachten. Tatsächlich waren all diese Landflüchtlinge ohne soziale Absicherung, da diese nur den Arbeitern vorbehalten war. Von diesen war jedoch nicht mal die Hälfte krankenversichert. Die Gesellschaft war offenkundig zweigespalten (Bourgeoisie und Proletariat) und benötigte eine neue gesellschaftliche Regulierung. (vgl. Ritter 1998)
Auf diese sogenannte „soziale Frage“, gab es unterschiedlichste Reaktionen von Politik, Kirche, Unternehmen und Verbänden. Reichskanzler Bismarck bemühte sich mit Erfolg um die Versöhnung mit dem Vatikan (deren Institutionen und Abgesandte er davor im sogenannten Kulturkampf im deutschen Reich zu verbieten und unterdrücken versucht hatte), dessen Hilfe er benötigte im Kampf gegen die sozialistische Arbeiterpartei. Vielleicht hoffte Bismarck auch genannte Partei und damit die politische Arbeiterbewegung durch die Einführung der Sozialversicherung im Jahre 1881 ins Abseits zu drängen und die bestehende Wahl zu bestehen. (vgl. Schmidt, 2002)
So sollten die Sozialversicherung und die Sozialistengesetzen den Wahlerfolg Bismarcks sichern, wieder Erwarten verdoppelten sich mit dieser Maßnahme die Reichstagsmandate der Sozialdemokraten 1884 nach der Wahl und die staatsfeindliche Einstellung der Arbeiter wurde verfestigt. (vgl. Ritter 1998)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die verschärfte sozialstaatliche Debatte in Deutschland und führt in die Notwendigkeit ein, das Bismarcksche Modell sowie den Einfluss der Globalisierung zur Analyse der aktuellen sozialen Lage zu betrachten.
II. Das Bismarck-Modell trifft auf Globalisierung - Wechselwirkungen und Gefahren: Dieses Kapitel analysiert die historischen Wurzeln und Prinzipien des Bismarck-Modells, vergleicht es mit dem Beveridge-Modell und untersucht die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Globalisierung.
III. Deutschland, düstere Zukunft?: Das Fazit reflektiert über Reformmöglichkeiten des deutschen Sozialstaats unter Berücksichtigung globaler Entwicklungen und mahnt zur notwendigen Modernisierung.
Schlüsselwörter
Bismarck-Modell, Globalisierung, Sozialstaat, Sozialversicherung, Generationenvertrag, Subsidiaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Beveridge-Modell, Arbeitslosigkeit, Sozialpolitik, Wohlfahrtsstaat, Industrielle Revolution, Arbeitsmarkt, Reformbedarf, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Funktionsweise des deutschen Sozialstaats (Bismarck-Modell) und dessen Belastung durch die Prozesse der globalen wirtschaftlichen Vernetzung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den historischen Prinzipien des deutschen Sozialwesens, der Funktionsweise der Sozialversicherung, dem Vergleich zu angelsächsischen Modellen und den ökonomischen Folgen der Globalisierung für den Arbeitsmarkt.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die gegenwärtigen Reformdiskussionen zu schaffen und zu prüfen, inwieweit das Bismarcksche Modell in einer globalisierten Welt noch tragfähig ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und politikwissenschaftliche Analyse der Strukturen des Sozialstaats sowie auf die Auswertung existierender Definitionen und Konzepte zur Globalisierung.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Im Hauptteil werden zunächst die Entstehungsgeschichte des Bismarck-Modells und dessen zentrale Prinzipien erläutert, gefolgt von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Globalisierung und deren Auswirkungen auf die soziale Sicherung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Bismarck-Modell, Sozialstaat, Globalisierung, Sozialversicherung, Generationenvertrag sowie verschiedene ökonomische Prinzipien wie Subsidiarität und Äquivalenz.
Was unterscheidet das Bismarck-Modell vom Beveridge-Modell?
Das Bismarck-Modell basiert primär auf einem beitragsfinanzierten Versicherungsprinzip für Arbeitnehmer, während das Beveridge-Modell auf einem steuerfinanzierten Fürsorgeprinzip für die gesamte Bevölkerung beruht.
Warum wird das Äquivalenzprinzip als problematisch angesehen?
Aufgrund des demografischen Wandels und des missglückten Generationenvertrags korrelieren die Beiträge und Rentenhöhen immer schwieriger mit der aktuellen Altersstruktur, was das bisherige System unter Druck setzt.
Welche Rolle spielt die Globalisierung für den deutschen Arbeitsmarkt laut Autorin?
Die Globalisierung verschärft die Situation vor allem für gering qualifizierte Arbeitskräfte, da der Wettbewerbsdruck steigt und die internationale Mobilität des Kapitals die nationale Beschäftigungspolitik einschränkt.
Welche Reformvorschläge werden für Deutschland angeführt?
Die Autorin plädiert für eine Senkung der Lohnnebenkosten zur Stärkung des Dienstleistungssektors und eine grundlegende Bildungsreform, um den Standort für hochqualifiziertes Personal attraktiver zu gestalten.
- Quote paper
- Stefania Corbatto (Author), 2005, Das Bismarck-Modell trifft auf Globalisierung - Wechselwirkungen und Gefahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75209