Die Gesellschaft befindet sich in einer stetigen Veränderung. Die Lebenserwartung in westlichen Industriestaaten steigt durchschnittlich pro Jahr um drei Monate. Zugleich geht die Geburtenrate in Deutschland zurück. Auf Grund von geänderten Rollenverständnissen von Frauen und Männern und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte sind negative Auswirkungen auf die Familienplanung und den Kinderwunsch bemerkbar. Brauchen wir dann zusätzliche Kinderbetreuungsplätze? Zudem gibt es nicht mehr nur ein mögliches Modell des zukünftigen Lebens, sondern eine Vielzahl verschiedener Konstellationen. Wie sollen die Frauen arbeiten, gleichzeitig aber auch Kinder gebären und diese im Kleinstkindalter möglichst selbst betreuen? Wenn Mütter alleinerziehend sind, müssen sie erwerbstätig sein, um die Familie zu ernähren. Dadurch steigt der Druck auch auf die politisch Verantwortlichen, für eine adäquate Betreuung zu sorgen. Es muß also etwas getan werden. Nur was? Welche Rolle spielen Familienmitglieder bei der Fürsorge? Sind wir auf dem Weg zur Verstaatlichung von Kinderbetreuung?
Im Folgenden wird zunächst der gesellschaftliche Wandel beschrieben. Die Aus- und Wechselwirkungen auf das Ehe- und Familienmodell und das Rollenverständnis von Mann und Frau werden untersucht. In dem Zusammenhang stehen auch die geänderten Anforderungen des Arbeitsmarktes. Diese Faktoren schlagen sich nieder in den Lebensphasen-Modellen, und wirken auf die Geburtenrate und daraus resultierende Kinderbetreuungsbedarfe.
Nachdem die Rahmenbedingungen erläutert wurden, wird die Kinderbetreuung in Deutschland einer Bestandsaufnahme unterzogen. Es wird aufgezeigt, wo heute die Diskrepanzen liegen und welche Handlungsfelder sich ergeben.
Durch den Vergleich mit dem Dänischen Betreuungssystem wird die Zielvorgabe deutlich, wohin sich die Kinderbetreuung und die Gesellschaft in den nächsten Jahren entwickeln muß. Was sind die Vorteile dieses Systems? Wie ist es organisiert und wer trägt die Kosten? Schaffen wir die Aufholjagd?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GESELLSCHAFTLICHER WANDEL
2.1 Ehe und Familienmodell
2.2 Rollenverständnis
2.3 Arbeitsmarkt
2.4 Lebensphasen-Modell
2.5 Demografie vs. Kinderbetreuung
3 KINDERBETREUUNG IN DEUTSCHLAND
3.1 Kinderbetreuung für unter 3-jährige
3.2 Kinderbetreuung von 3 bis 6 Jahren
3.3 Ganztagsbetreuung in öffentlichen KiTas
3.4 Betrieblich geförderte Betreuung
3.5 Alternative Betreuungsformen
3.5.1 Interfamiliär
3.5.2 Tagespflege
4 VERGLEICH MIT DEM DÄNISCHEN SYSTEM
4.1 Staatliche Unterstützung der Familien
4.2 Betreuungseinrichtungen
4.3 Betreuungszeit
4.4 Kosten
5 FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und demografischer Entwicklungen. Das primäre Ziel besteht darin, den aktuellen bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur kritisch zu beleuchten und durch einen Vergleich mit dem dänischen Modell Optimierungspotenziale für Deutschland aufzuzeigen.
- Gesellschaftlicher Wandel und veränderte Familienmodelle
- Analyse der Betreuungssituation in Deutschland für verschiedene Altersgruppen
- Bedeutung betrieblich geförderter Betreuungsangebote
- Vergleich der deutschen Betreuungsstruktur mit dem dänischen System
- Handlungsempfehlungen für eine bedarfsgerechte Infrastruktur
Auszug aus dem Buch
3.1 Kinderbetreuung für unter 3-jährige
Um die heutigen Gegebenheiten einordnen zu können, soll zunächst das Betreuungsangebot dargestellt werden, wie es sich in der Vergangenheit zeigte. In den 1970er Jahren gab es für unter 3-jährige in Westdeutschland für nicht einmal ein Prozent eine halbtägige Versorgung. In der DDR wurden seit 1965 die KiTa Plätze ausgebaut. Dadurch gab es 1970 bereits für 24 Prozent der unter 3-jährigen Kinder einen Platz (Rauschenbach, 2006:S.13).
Aufbauend auf dem 12. Kinder- und Jugendbericht wurden viele Debatten insbesondere um die Betreuung von unter 3-jährigen geführt. Mit Inkrafttreten des Tagesbetreuungsausbaugesetzes, kurz: TAG, zum 01.01.2005 wurde es nötig, die tatsächlich vorliegende Situation genauer zu analysieren. Durch eine Telefonbefragung der INFAS wurden 8.000 Haushalte mit mindestens einem Kind unter 7 Jahren befragt. Die Daten wurden für den Band „Wer betreut Deutschlands Kinder?“ aufbereitet (Rauschenbach, 2006:S.6f.).
Die nachstehende Abbildung vergleicht die Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten und den korrelierten Elternwunsch. Bien und Riedel formulierten hierzu treffend, daß „Wunsch und Wirklichkeit bei der Nutzung von Kindertageseinrichtungen [in Deutschland]“ gegenübergestellt würden (Bien/Riedel, 2006:S.73). Die Abbildung zeigt prozentuale Angaben nach Altersgruppen, sowie West- und Ostdeutschland differenziert. Auswertung der Daten erfolgte auf Basis zweier Analysen. Die Zahlen zur Inanspruchnahme stellten Fenrich und Pothmann dar (Fenrich/Pothmann, 2006:S.29). Werte zum Elternwunsch stammen aus der Studie von Bien und Riedel (Bien/Riedel, 2006:S.273). Für die letztgenannte Reihe liegen lediglich gesamtdeutsche Zahlen vor, was für die tendenzielle Aussage jedoch ausreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt den gesellschaftlichen Wandel und die resultierende Notwendigkeit für ein bedarfsgerechtes Kinderbetreuungssystem als zentrale Forschungsaufgabe vor.
2 GESELLSCHAFTLICHER WANDEL: Dieses Kapitel untersucht den Wandel der Ehe- und Familienmodelle, das veränderte Rollenverständnis von Mann und Frau sowie die Auswirkungen des Arbeitsmarktes.
3 KINDERBETREUUNG IN DEUTSCHLAND: Hier erfolgt eine Bestandsaufnahme der Betreuungssituation in Deutschland, differenziert nach Altersgruppen und Anbietern sowie unter Berücksichtigung alternativer Betreuungsformen.
4 VERGLEICH MIT DEM DÄNISCHEN SYSTEM: Das Kapitel vergleicht das deutsche Betreuungskonzept mit dem dänischen Modell hinsichtlich staatlicher Unterstützung, Infrastruktur und Kosten.
5 FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Empfehlungen für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Kinderbetreuung in Deutschland ab.
Schlüsselwörter
Kinderbetreuung, Familienmodell, Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, demografischer Wandel, Tagesbetreuungsausbaugesetz, Ganztagsbetreuung, betriebliche Kinderbetreuung, Kindertageseinrichtungen, Tagespflege, Dänisches Modell, Betreuungsbedarf, Sozialisation, Inanspruchnahme, Lebensphasen-Modell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen und analysiert den aktuellen Stand sowie den notwendigen Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören der Wandel von Familienstrukturen, die Anforderungen des Arbeitsmarktes an mobile und flexible Arbeitnehmer, die demografische Entwicklung und die verschiedenen institutionellen sowie alternativen Betreuungsformen für Kinder.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie durch einen bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur eine echte Wahlfreiheit und Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit erreicht werden kann, wobei das dänische System als Orientierung dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bereits bestehender Studien und Berichte (z.B. Kinder- und Jugendberichte, Studien des DJI) sowie einer vergleichenden Analyse der Betreuungssysteme von Deutschland und Dänemark.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der deutschen Betreuungssituation für verschiedene Altersgruppen, die Erörterung betrieblicher Förderansätze und einen Ländervergleich mit Dänemark hinsichtlich Organisation, Betreuungszeit und Finanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, demografischer Wandel, Betreuungsbedarf und institutionelle Betreuung geprägt.
Welche Rolle spielen Großeltern bei der Kinderbetreuung in Deutschland?
Großeltern nehmen insbesondere bei der Betreuung unter 3-jähriger Kinder eine wichtige unterstützende Rolle ein, wobei die Betreuung vorwiegend im Haushalt der Großeltern stattfindet, was auch die Bedeutung räumlicher Nähe unterstreicht.
Warum dient Dänemark in der Arbeit als Vergleichsbeispiel?
Dänemark gilt aufgrund seines gut organisierten, staatlich finanzierten und flexiblen Betreuungssystems, das eine hohe Erwerbsbeteiligung von Eltern ermöglicht, als Vorbild für eine gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
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- Jessica Scheffold (Author), 2007, Kinderbetreuung in Deutschland - Analyse eines zukünftigen, bedarfsgerechten Ausbaus der Infrastruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75228