Diese Arbeit zeigt eine Bestandsaufnahme der Theorien der werkimmanenten Interpretation, vor allem zum Zeitpunkt nach 1945.
Im Rahmen des Seminars „Was ist Literatur?“ soll primär die Frage geklärt werden, was die literaturwissenschaftliche Methode der Werkimmanenz von anderen Interpretationstheorien abgrenzt, im speziellen in Bezug auf das Kriterium des Autors. Eingegangen wird bei dieser Untersuchung hauptsächlich auf die Thesen der beiden Hauptvertreter Emil Staiger und Wolfgang Kayser.
Inhaltsverzeichnis
2 Prolog
3 Rekonstruktion eines historischen Augenblicks - Die Situation des germanistischen Wissenschaftsbereichs nach der Niederlage 1945
4 Analyse differenzierter Ansätze der werkimmanenten Interpretation
4.1 Emil Staiger
4.2 Wolfgang Kayser
5 Charakteristik der Werkimmanenz
5.1 Konfrontation der diskutierten Texte
5.2 Kernpunkte der Forschungsliteratur
5.3 Der Faktor Goethe
6 Abschließende Betrachtung
6.1 Leistungen und Kritikpunkte
6.2 Persönlicher Kommentar
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der werkimmanenten Interpretationsmethode, insbesondere deren Entwicklung und Anwendung in der deutschen Germanistik nach 1945, wobei die Positionen der Hauptvertreter Emil Staiger und Wolfgang Kayser im Zentrum stehen und kritisch hinterfragt werden.
- Historischer Kontext der Germanistik nach 1945
- Vergleichende Analyse der Ansätze von Emil Staiger und Wolfgang Kayser
- Die Rolle des Autors und des biographischen Kontextes bei der Werkdeutung
- Die Bedeutung von Johann Wolfgang von Goethe für das werkimmanente Verständnis
- Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen der Methode
Auszug aus dem Buch
4.1 Emil Staiger
Emil Staiger wurde am 8. Februar 1908 in Kreuzlingen geboren und starb 1987 im Alter von 79 Jahren in Horgen am 28. April.
Im Jahr 1932 promovierte er mit einer Arbeit über Anette von Droste-Hülshoff an der Universität Zürich, wo er später auch lange Zeit als Professor für Germanistik arbeitete. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen Grundbegriffe der Poetik und die Kunst der Interpretation.
Staigers werkimmanente Position der Textanalyse lässt ihn die Arbeitsbereiche, welche bei der Untersuchung eines Textes zu beachten und zu gebrauchen sind, in ganz unterschiedliche wissenschaftliche Gebiete gliedern. Der Germanist ist für die Untersuchung der Verwirklichung von Sprache und alleine für die „Worte des Dichters“ zuständig. Die Biographie des Autors hat dabei keinen Einfluss auf die Werkinterpretation und sei somit aus der deutschen Philologie auszugliedern in die Geschichtswissenschaft – die Erforschung der Persönlichkeit des Schriftstellers sei sogar eine Angelegenheit der Psychologie. Zur genauen Vorgehensweise der Literaturwissenschaft schreibt Staiger:
„Nur wer interpretiere, ohne nach rechts und nach links und besonders ohne hinter die Dichtung zu sehen, lasse ihr volle Gerechtigkeit widerfahren und wahre die Souveränität der deutschen Literaturwissenschaft.“
Allerdings ist er sich der Schwierigkeit bewusst, literarische Texte in der richtigen Art und Weise zu deuten, da Dichtung nicht rational sei, sich also wissenschaftlich kaum darstellen lasse. Um an einem Gedicht zu „begreifen, was uns ergreift“ muss man sich laut Staiger nicht auf literarische Werkzeuge wie Syntax, Metrik oder Motiv besinnen, sondern auf sein eigenes „privates Gefühl“.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in die historisch belastete Situation der deutschen Germanistik nach 1945 und Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
Rekonstruktion eines historischen Augenblicks - Die Situation des germanistischen Wissenschaftsbereichs nach der Niederlage 1945: Analyse der akademischen Neuordnung und der personellen Kontinuität in der Germanistik nach 1945 unter Einbezug zeithistorischer Aspekte.
Analyse differenzierter Ansätze der werkimmanenten Interpretation: Detaillierte Untersuchung und Gegenüberstellung der Theorien von Emil Staiger und Wolfgang Kayser hinsichtlich ihrer Textinterpretationsmethoden.
Charakteristik der Werkimmanenz: Vergleich der Kernpositionen beider Autoren, Diskussion der Rolle von Forschungsliteratur sowie die herausragende Bedeutung Goethes innerhalb der Theorie.
Abschließende Betrachtung: Kritische Würdigung der Errungenschaften und Schwachstellen der werkimmanenten Methode sowie eine persönliche Reflexion des Autors.
Schlüsselwörter
Werkimmanenz, Literaturwissenschaft, Germanistik, Emil Staiger, Wolfgang Kayser, Interpretation, Textanalyse, Autor, Biographie, Goethe, Nachkriegszeit, Geisteswissenschaft, Philologie, Ästhetik, Methodenpluralismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Methode der Werkimmanenz, insbesondere mit ihrer Entstehung und Dominanz in der deutschen Germanistik der Nachkriegszeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Situation der Germanistik um 1945, die theoretischen Ansätze der Werkimmanenz und deren kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Methode der Werkimmanenz durch eine Untersuchung der Thesen von Emil Staiger und Wolfgang Kayser zu definieren und gegen andere Interpretationstheorien abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse sowie die historische Aufarbeitung des fachwissenschaftlichen Kontextes nach 1945.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Ansätze von Staiger und Kayser, vergleicht ihre Standpunkte zur Bedeutung von Text, Form und Autor und beleuchtet die Rolle Goethes als Identifikationsfigur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Werkimmanenz, Textinterpretation, Autonomie des Werkes und die methodische Abgrenzung von biographischen Faktoren geprägt.
Inwiefern beeinflusste die Zeitgeschichte nach 1945 die Entstehung der Werkimmanenz?
Die Werkimmanenz bot einen Weg, die Literatur von der belasteten politischen Vergangenheit zu lösen, indem man sich auf das „rein Geistige“ und die Ästhetik des Werkes konzentrierte.
Warum spielt Goethe eine so besondere Rolle in der werkimmanenten Theorie?
Goethe wird als Ideal des deutschen Dichters gesehen, dessen Schaffen oft als unbewusster Prozess interpretiert wurde, was die Thesen der Werkimmanenz von der Autonomie des Werkes und der Bedeutung des Genies stützte.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Methode?
Der Autor erkennt zwar die methodische Präzision in der Formanalyse an, kritisiert jedoch die damit verbundene „Enthistorisierung“ und befürwortet für die heutige Literaturwissenschaft einen Methodenpluralismus.
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- Sascha Rudat (Author), 2006, Die werkimmanente Interpretationsmethode - Eine Definition der literarischen Ansichten und Abgrenzungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75244