Die Auferstehung Jesu als ein historisches Ereignis bei Wolfhart Pannenberg


Hausarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Erklärung der Begriffe
1.1 Auferstehung
1.2 Historizität

2. Wolfhart Pannenberg und die Forschung um die Historizität der Auferstehung Jesu

3. Das Verhältnis zwischen Glaube und Geschichte

4. Pannenbergs These zur Historizität der Auferstehung Jesu
4.1 Auffindung des leeren Grabes Jesu
4.2 Die Erscheinungstradition

5. Die Bedeutung der Auferstehung Jesu nach Pannenberg

6. Kritik an der historisch-kritischen Exegese Pannenbergs

7. Schlussgedanke

Literaturverzeichnis

Vorwort

Die Rede von der Auferstehung, schrieb der Apostel Paulus, ist ein empörendes Ärgernis für Juden, für Heiden und Griechen eine Torheit, und für den Glaubenden Zeichen der Weisheit Gottes (1Kor 1, 21-25). Es ist eine Weisheit, die die Welt vorher nicht erkannt hat. Dass dieses Ereignis eine historische Bedeutung erreicht hat, ist an denen zu sehen, die die Auferstehung aus erster Hand erlebt haben (Apg 2, 1-13, 14-36; 2, 43-47; 3, 1-10; 4, 1-22).

Die Kontroverse um den Auferstehungsgedanken, angefangen in Jerusalem gerade nach der Verkündigung der Erweckung Jesu vom Tode, führt automatisch zur Frage nach der Person des auferstandenen Jesus. Die ganze Frage nach dem historischen Jesus im achtzehnten Jahrhundert findet neue Resonanz in der gegenwärtigen religiösen Diskussion. Sei es wegen Dan Browns im Jahr 2004 veröffentlichten Da Vinci Code, die Frage bleibt, wie wir Historie verstehen und interpretieren. Wolfhart Pannenberg lässt keinen Zweifel mit seinem 1961 veröffentlichten Werk Offenbarung als Geschichte, dass Geschichte für ihn eine breitere Bedeutung hat als normal verstanden wird. Pannenberg verwendet Historie/Geschichte als Lösung zur religiösen Sprachproblematik. Deswegen schrieb er: “Obviously there is a way only if the claim of Christian Proclamation to derive from an experience of God does not remain a mere assertion but is capable of verification. This need not involve a court of appeal prior to the biblical revelation of God before which the later had to legitimate itself. Such a court of appeal would in fact be incompatible with the majesty of divine revelation. Christian speech about God can be verified only in such a way that it is the revelation of God itself which discloses that about man and his world in relation to which its truth is proved. In this way Christian speech about God would be more than mere assertion.”[1]

Von hier aus ist zu merken, dass die Realität des religiösen Symbols und die theologische Sprache ins Pannenbergsche Konzept der Geschichte verwickelt sind. Drei Phasen dieses Konzepts der Geschichte sind zu unterstreichen:

1. Die Verbindung des Menschen mit dem Grund seiner Geschichte
2. Der organische Charakter der Geschichte
3. Die Untrennbarkeit von historischem Ereignis und seiner Interpretation.

Von hier ist Pannenbergs Interpretation der Auferstehung Jesu zu verstehen und seine proleptische Theologie begründet.

1. Erklärung der Begriffe

1.1 Auferstehung

Pannenberg benutzt den intransitiven Begriff „auferstehen, Auferstehung“ und den transitiven Begriff „auferwecken, Auferweckung“ synonym. Die Erweckung durch den Vater wird überall dort vorausgesetzt, wo von der Auferstehung Jesu die Rede ist.[2] Beide Begriffe sind Metaphern, weil das Wort „auferwecken“ das Bild des Erwachens vom Schlafe nahe legt. Dem entspricht auch das Auferstehen: Wie man aus dem Schlaf geweckt wird und aufsteht, so soll es sich auch bei den Toten ereignen. „Diesem metaphorischen Gebrauch der beiden Wörter liegt daher bereits eine andere Metapher zugrunde, nämlich die im jüdischen wie im griechischen Denken verbreitete Auffassung des Todes als Schlaf“.[3] Diese begegnet im jüdischen Bereich vor allem in apokalyptischen Schriften. Hier schließt sich die Vorstellung des Aufstehens vom Todesschlaf an. Damit ist ein reales Ereignis gemeint, ebenso wie dann im Falle der Auferstehung Jesu. Nur begegnet es nicht in der Alltagserfahrung und wird daher metaphorisch nach einem alltäglich vertrauten Vorgang benannt.

Die christliche Vorstellung einer Auferstehung vom Tode zu einem neuen, ewigen Leben wurzelt in der jüdischen eschatologischen Hoffnung und hat sich während des babylonischen Exils aus der Frage der Theodizee, der Frage nach der Gerechtigkeit Gottes und ihrem Erweis im Leben des einzelnen entwickelt. Diese eschatologische Erwartung einer Auferstehung zum Leben lieferte den sprachlichen Ausdruck und den Vorstellungsrahmen für die christliche Osterbotschaft der Urkirche. Dann ist die Auferstehung Jesu keine Rückkehr in dieses irdisches Leben, sondern als Übergang in das neue, eschatologische Leben zu verstehen. Er ist der „Erstling der Entschlafenen“ (1Kor 15,20), der Erstgeborene unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29), der Erstgeborene von den Toten (Kol 1,18; Off 1,5), der Anfänger des Lebens (Apg 3,15)“.[4]

Dafür muss die Totenauferstehung der christlichen Zukunftshoffnung und des Osterglaubens unterschieden werden von den Totenauferweckungen, die sonst gelegentlich in der antiken Literatur als besonders erstaunliche Wundertaten berichtet werden[5], wie auch von den Totenauferweckungen, die Jesus, den Darstellungen der Evangelien zufolge[6], selbst vollbracht hat.

1.2 Historizität

Das theologische Interesse an der Historizität der Auferstehung besteht darin, dass die Überwindung des Todes durch das neue, eschatologische Leben tatsächlich stattgefunden hat. Historizität bedeutet nach Pannenberg jedoch nicht, dass das als historisch tatsächlich Behauptete zu dem sonst bekannten Geschehen analog oder gleichartig sein muss, vielmehr beinhaltet es nicht mehr als dessen Tatsächlichkeit, d.h., es ist zu bestimmter Zeit geschehen. So ist auch die Spannung zu der Andersartigkeit der eschatologischen Wirklichkeit des Lebens nach der Auferstehung auszuhalten. Darüber hinaus bedeutet die Behauptung der Historizität eines Ereignisses nicht, dass das Behauptete derart gesichert wäre, dass man über seine Tatsächlichkeit nicht mehr streiten könnte.[7]

Die Behauptung, dass Jesus auferstanden ist, impliziert bereits den Anspruch der Auferstehung auf Historizität, denn jede Behauptung, die ein Ereignis als in der Vergangenheit tatsächlich geschehen behauptet, trägt bereits einen historischen Anspruch in sich und setzt sich damit historischer Prüfung aus.

Was meinen wir, wenn wir im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu von „historisch“ reden? Möglicherweise wollen wir mit dem Begriff „historisch“ kennzeichnen, dass ein Geschehen wirklich, d.h. zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte und an einem konkreten Ort stattgefunden hat. In diesem Sinne verstehen wir Pannenbergs Behauptung, die Auferstehung Jesu sei historisch. Mit dem Zusatz „historisch“ kann aber verbunden werden, und dies ist in der wissenschaftlichen Diskussion des letzten Jahrhunderts vorherrschend geworden, dass ein Ereignis nach den Maßstäben der klassischen „Historischen Kritik“ als wahr bzw. als „historisch wahrscheinlich“ und „plausibel“ erwiesen werden kann. Und dies ist keineswegs dasselbe. Ob die Auferstehung Jesu sich wirklich ereignet hat oder ob die Auferstehung Jesu als ein mit Hilfe der „Historischen Kritik“ verifizierbares bzw. plausibilisierbares Geschehen erfassbar ist, macht nur dann keinen Unterschied, wenn man das Wirklichkeitsverständnis im Sinne positivistischer Weltsicht von vornherein einschränkt. Wenn grundsätzlich nur das als „wahr“ und „historisch“ anerkannt werden soll, was sich in Entsprechung und in Beziehung zu anderen historischen Ereignissen und Erfahrungen „wahrscheinlich“ machen lässt, was also gegenüber den Prinzipien der grundsätzlichen Kritik, der Analogie und der Kausalität bzw. der Korrelation bestehen kann – dann in der Tat lässt sich das Zeugnis von der leibhaftigen Auferstehung Jesu „historisch“ nicht fassen. Denn die Auferstehungsbotschaft der ersten Zeugen will weder Selbstverständliches übermitteln noch allgemein Einsichtiges und dem Menschen beliebig Verfügbares wiederholen.

Die Erkenntnis der Auferstehung Jesu wird im Neuen Testament vielmehr durchgängig mit der Widerfahrnis göttlicher Offenbarung und dem Hinweis auf die Erscheinungen des Auferstandenen begründet (siehe neben den Evangelien 1Kor 15,3-8, Gal 1,1f.15f; vgl. 1Kor 1,18 – 2,16). So kann man die Auferstehung Jesu sehr wohl für historisch, d.h. wirklich und leibhaft geschehen ansehen, ohne sie damit für historisch beweisbar zu halten.

2. Wolfhart Pannenberg und die Forschung um die Historizität der Auferstehung Jesu

Wolfhart Pannenberg wurde 1928 in Stettin geboren. Er wurde während des Dritten Reiches in einem nichtchristlichen Umfeld erzogen, entschloss sich jedoch 1947 zu einem Studium der Philosophie und Theologie. Unter seinen Lehrern in der Philosophie waren Nicolai Hartmann, Karl Jaspers, Karl Loewith. Seine wichtigsten Lehrer in der Theologie waren Karl Barth, Gerhard von Rad und Edmund Schlink. Die Theologie Karl Barths übte großen Einfluss auf die theologische Karriere Pannenbergs aus.

Die Mitte des 20. Jahrhunderts brachte eine Wende im Bereich der Auferstehungs-Studien mit sich, die den Eintritt in eine neue Phase protestantischer Theologie in Europa darstellt.

1953 bedeutete den Wendepunkt gegenüber der bis dahin in der deutschen Theologie verbreiteten Abwertung der Bedeutung der Geschichte für den Glauben, so wie sie vor allem Rudolf Bultmann vertrat. Hans von Campenhausen und Hans Grass waren die ersten Theologen, die zu diesem Zeitpunkt den Versuch unternahmen, die Historizität der Auferstehung Jesu zu erforschen und zu verteidigen. Ihrem Vorbild folgte im kommenden Jahrzehnt eine ganze Reihe europäischer Theologen wie Wolfhart Pannenberg.

[...]


[1] Wolfhart Pannenberg, „The Question of God“ in Basic Question in Theology Vol. 11, Fortress Press, Philadelphia 1971, 206-207.

[2] Wolfhart Pannenberg, Systematische Theologie Bd. 2, Göttingen 1991, 388.

[3] Ebd. 388.

[4] Ebd. 390.

[5] Ebd. 394

[6] Ebd. 388.

[7] Ebd. 403

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Auferstehung Jesu als ein historisches Ereignis bei Wolfhart Pannenberg
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Evangelische Theologie 1)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V75281
ISBN (eBook)
9783638718851
ISBN (Buch)
9783638719001
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Pater Dr. theol. Nicholas Ibeawuchi Mbogu,CMF Geboren: 03. 10. 1958 in Eziagbogu, Imo Staat-Nigeria. Studierte Philosophie in Bigard Memorial Seminary Ikot Ekpene (1980-1085) und Theologie in Bigard Memorial Seminary Enugu (1985-1989). Empfang der Priesterweihe 21. Juli 1990. Missionstätigkeit in Erzdiözese Bamenda-Kamerun (1990-1998). Zum Weitere Bildung studierte er Philosophie und Theologie an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Promovierte 2006 in katholische Theologie an den Julius-Maximilian Universität Würzburg.
Schlagworte
Auferstehung, Jesu, Ereignis, Wolfhart, Pannenberg
Arbeit zitieren
Dr. Nicholas Ibeawuchi Mbogu (Autor), 2005, Die Auferstehung Jesu als ein historisches Ereignis bei Wolfhart Pannenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75281

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