Was meinen wir, wenn wir im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu von „historisch“ reden? Möglicherweise wollen wir mit dem Begriff „historisch“ kennzeichnen, dass ein Geschehen wirklich, d.h. zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte an einem konkreten Ort stattfand. In diesem Sinn verstehen wir Pannenbergs Behauptung, die Auferstehung Jesu sei historisch. Wolfhart Pannenberg lässt keinen Zweifel mit seinem Werk Offenbarung als Geschichte, dass Geschichte für ihn eine breitere Bedeutung hat als normal verstanden wird. Das theologische Interesse an der Historizität der Auferstehung besteht darin, dass die Überwindung des Todes durch das neue, eschatologische Leben tatsächlich stattgefunden hat. Historizität bedeutet nach Pannenberg nicht, dass das als historisch tatsächlich Behauptete zu dem sonst bekannten Geschehen analog sein muss, vielmehr beinhaltet es nicht mehr als dessen Tatsächlichkeit. So ist auch die Spannung zu der Andersartigkeit der eschatologischen Wirklichkeit auszuhalten. Das Verhältnis zwischen Glaube und Geschichte ist nach Pannenberg reich an Spannungen. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Person Jesu von Nazareth und damit die Kenntnis vergangenen Geschehens und ihre Vergewisserung. Andererseits liegt aber das Interesse des Glaubens auf dem Handeln Gottes in dieser Geschichte. Dieses wurde in der historischen Wissenschaft vernachlässigt, und wird es auch heute. Ohne die Auferweckung Jesu hätte es weder die Missionsbotschaft der Apostel, noch auch eine auf die Person Jesu bezogene Christologie gegeben. Ohne dieses Ereignis wäre der Glaube der Christen nichtig. Es geht bei diesem Ereignis nicht nur um das In-Erscheinung-Treten eines neuen, ewigen Lebens. Es ist für den christlichen Glauben nicht gleichgültig, wer der war, der hier von den Toten auferweckt wurde, nämlich der Gekreuzigte. Es handelt sich auch nicht um irgendeinen Gekreuzigten, sondern um den gekreuzigten Jesus von Nazareth. Damit bleibt der christliche Osterglaube für alle Zeiten gebunden an die irdische Geschichte des Jesus von Nazareth. Die Auferweckung Jesu ist der Grund des christlichen Glaubens, aber nicht als isoliertes Ereignis, sondern in ihrem Rückbezug auf die irdische Sendung Jesu und seinen Kreuzestod. Dieses Ereignis ist von Jesus von Nazareth untrennbar, da die Auferweckung ja eben dem gekreuzigten Jesus widerfahren ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Erklärung der Begriffe
1.1 Auferstehung
1.2 Historizität
2. Wolfhart Pannenberg und die Forschung um die Historizität der Auferstehung Jesu
3. Das Verhältnis zwischen Glaube und Geschichte
4. Pannenbergs These zur Historizität der Auferstehung Jesu
4.1 Auffindung des leeren Grabes Jesu
4.2 Die Erscheinungstradition
5. Die Bedeutung der Auferstehung Jesu nach Pannenberg
6. Kritik an der historisch-kritischen Exegese Pannenbergs
7. Schlussgedanke
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Wolfhart Pannenbergs theologischer Interpretation der Auferstehung Jesu als historisches Ereignis auseinander. Ziel ist es, Pannenbergs methodischen Ansatz, die Auferstehung mit historisch-kritischen Mitteln als Faktum zu begründen, darzustellen und im Kontext zeitgenössischer theologischer Debatten zu hinterfragen.
- Die theoretische Einordnung von Geschichte und Offenbarung bei Pannenberg.
- Die Untersuchung der Historizität des leeren Grabes und der Erscheinungstradition.
- Die Bedeutung der Auferstehung für das Verständnis der Person Jesu.
- Auseinandersetzung mit Kritikern wie William Craig und Jürgen Moltmann.
Auszug aus dem Buch
1.1 Auferstehung
Pannenberg benutzt den intransitiven Begriff „auferstehen, Auferstehung“ und den transitiven Begriff „auferwecken, Auferweckung“ synonym. Die Erweckung durch den Vater wird überall dort vorausgesetzt, wo von der Auferstehung Jesu die Rede ist. Beide Begriffe sind Metaphern, weil das Wort „auferwecken“ das Bild des Erwachens vom Schlafe nahe legt. Dem entspricht auch das Auferstehen: Wie man aus dem Schlaf geweckt wird und aufsteht, so soll es sich auch bei den Toten ereignen. „Diesem metaphorischen Gebrauch der beiden Wörter liegt daher bereits eine andere Metapher zugrunde, nämlich die im jüdischen wie im griechischen Denken verbreitete Auffassung des Todes als Schlaf“. Diese begegnet im jüdischen Bereich vor allem in apokalyptischen Schriften. Hier schließt sich die Vorstellung des Aufstehens vom Todesschlaf an. Damit ist ein reales Ereignis gemeint, ebenso wie dann im Falle der Auferstehung Jesu. Nur begegnet es nicht in der Alltagserfahrung und wird daher metaphorisch nach einem alltäglich vertrauten Vorgang benannt.
Die christliche Vorstellung einer Auferstehung vom Tode zu einem neuen, ewigen Leben wurzelt in der jüdischen eschatologischen Hoffnung und hat sich während des babylonischen Exils aus der Frage der Theodizee, der Frage nach der Gerechtigkeit Gottes und ihrem Erweis im Leben des einzelnen entwickelt. Diese eschatologische Erwartung einer Auferstehung zum Leben lieferte den sprachlichen Ausdruck und den Vorstellungsrahmen für die christliche Osterbotschaft der Urkirche. Dann ist die Auferstehung Jesu keine Rückkehr in dieses irdisches Leben, sondern als Übergang in das neue, eschatologische Leben zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erklärung der Begriffe: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe „Auferstehung“ und „Historizität“ im theologischen Kontext definiert und Pannenbergs metaphorisches Verständnis erläutert.
2. Wolfhart Pannenberg und die Forschung um die Historizität der Auferstehung Jesu: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen und theologischen Hintergrund Pannenbergs nach und verortet ihn innerhalb der protestantischen Theologie des 20. Jahrhunderts.
3. Das Verhältnis zwischen Glaube und Geschichte: Es werden die Spannungsfelder zwischen dem christlichen Glauben an die Person Jesu und der wissenschaftlichen Untersuchung historischer Gegebenheiten erörtert.
4. Pannenbergs These zur Historizität der Auferstehung Jesu: Hier werden die zwei Säulen von Pannenbergs These untersucht: die Auffindung des leeren Grabes Jesu und die Erscheinungstradition.
5. Die Bedeutung der Auferstehung Jesu nach Pannenberg: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Auferstehung als geschichtlicher Ausgangspunkt für die Christologie und die Rechtfertigung der Sendung Jesu fungiert.
6. Kritik an der historisch-kritischen Exegese Pannenbergs: Eine Auseinandersetzung mit Einwänden von Gelehrten wie William Craig, die Pannenbergs Beweisführung und seine Sicht auf den Auferstehungsleib kritisieren.
7. Schlussgedanke: Abschließende Reflexion über die historische Umstrittenheit und die religiöse Bedeutung des Bekenntnisses zur Auferstehung Jesu.
Schlüsselwörter
Wolfhart Pannenberg, Auferstehung Jesu, Historizität, Historisch-kritische Methode, Heilsgeschichte, Offenbarung als Geschichte, Leeres Grab, Erscheinungstradition, Apokalyptik, Christologie, Glaube und Geschichte, Eschatologie, William Craig, Jürgen Moltmann, Theodizee.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theologische Position von Wolfhart Pannenberg zur Auferstehung Jesu und untersucht, inwiefern er diese als historisches Ereignis begründet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das Verhältnis von Glaube und Geschichte, die historische Analyse von Grabesberichten und Erscheinungen sowie die kritische Reflexion des Auferstehungsbegriffs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung von Pannenbergs proleptischer Theologie in Bezug auf die Auferstehung und die Auseinandersetzung mit der daraus resultierenden Kritik an seinem methodischen Vorgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor arbeitet primär mit einer analytischen und hermeneutischen theologischen Methode, die Pannenbergs Primärquellen sowie die kritische Sekundärliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die methodische Einordnung Pannenbergs, die Analyse der zentralen Auferstehungsargumente und die kritische Auseinandersetzung mit anderen Theologen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Historizität, Offenbarung als Geschichte, proleptische Theologie, leeres Grab und das Verhältnis von Glaube zu historischer Forschung.
Wie bewertet Pannenberg das „leere Grab“?
Pannenberg betrachtet das leere Grab als ein historisch bedeutsames Indiz, das zwar für sich allein nicht als Beweis ausreicht, aber in Verbindung mit den Erscheinungen die christliche Osterbotschaft stützt.
Welche Kritik äußert William Craig an Pannenberg?
Craig kritisiert insbesondere Pannenbergs Vorstellung des Auferstehungsleibes als „immateriell“ und „ohne räumliche Dimension“, da dies die historische Glaubwürdigkeit der biblischen Berichte schwäche.
- Quote paper
- Dr. Nicholas Ibeawuchi Mbogu (Author), 2005, Die Auferstehung Jesu als ein historisches Ereignis bei Wolfhart Pannenberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75281