Semiotische Exegese von Mk 1,21-28


Seminararbeit, 2006
56 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Textkritik
2.1 Bibelstelle Mk 1, 21
2.1.1 Problemdarstellung
2.1.2 Äußere Textkritik
2.1.3 Auswertung
2.1.4 Innere Textkritik
2.1.5 Auswertung
2.1.6 Gesamturteil
2.1.7 Gegenprobe
2.2 Bibelstelle Mk 1, 25
2.2.1 Problemdarstellung
2.2.2 Äußere Textkritik
2.2.3 Auswertung
2.2.4 Innere Textkritik
2.2.5 Auswertung
2.2.6 Gesamturteil
2.2.7 Gegenprobe
2.3 Bibelstelle Mk 1, 26
2.3.1 Problemdarstellung
2.3.2 Äußere Textkritik
2.3.3 Auswertung
2.3.4 Innere Textkritik
2.3.5 Auswertung
2.3.6 Gesamturteil
2.3.7 Gegenprobe
2.4 Bibelstelle Mk 1, 27
2.4.1 Problemdarstellung
2.4.2 Äußere Textkritik
2.4.3 Auswertung
2.4.4 Innere Textkritik
2.4.5 Auswertung
2.4.6 Gesamturteil
2.4.7 Gegenprobe

3 Intratextuelle Analyse
3.1 Textpartitur
3.1.1 Auswertung
3.2 Syntagmatische Analyse
3.2.1 Syntagmatik des Mikrotextes
3.2.2 Syntagmatik des Makrotextes
3.2.3 Ergebnis
3.3 Semantische Analyse
3.3.1 Semantik des Mikrotextes
3.3.2 Semantik des Makrotextes
3.3.3 Enzyklopädische Semantik
3.4 Pragmatik
3.4.1 Reflexion der bisherigen Arbeitsschritte
3.4.2 Ideologie des Textes
3.4.3 Evaluation

4 Intertextuelle Analyse
4.1 Poetische Intertextualität

5 Zusammenfassende Interpretation

6 Übersetzung von Mk 1,21-28

7 Literaturverzeichnis
7.1 Hilfsmittel
7.2 Weiterführende Literatur

1 Einleitung

„Ein Text ist ein syntaktisch-semantisch-pragmatisches Kunstwerk, an dessen

generativer Planung die vorgesehene Interpretation bereits teilhat.“[1]

Auf diese Erkenntnis baut die Methodik der semiotischen Exegese auf, mit welcher ich mich in der vorliegenden Proseminararbeit auseinander setzen möchte. Das Arbeiten im Seminar mit dieser Methode ließ mich neugierig werden und ich wollte selbst einmal ausprobieren, ob Texte wirklich derartig viel „Eigenleben“ besitzen, wie die Theorie der semiotischen Exegese es mir im Seminar versprochen hatte. Bei diesem Verfahren geht es darum, einen eigenen Text zu konstruieren, um daraufhin zu verstehen, was er mit seiner Zeichenzusammenstellung aussagen will. Man ist nicht darauf aus, welche Intention der Autor beim Verfassen der Erzählung hatte, sondern wird bei der semiotischen Exegese davon ausgegangen, dass es mehrere Interpretations­möglichkeiten gibt und nicht nur die eine. Sie versteht die Texte als Zeichenzusammen­hänge und will dabei herausfinden, was die Zeichen selbst für einen Textsinn wiedergeben. Die Grundlage dafür bietet Charles Sanders Peirce mit seinem triadischen Zeichenmodell, welches auf dessen Kategorienlehre aufbaut. Jeder Text hat, der semiotischen Exegese nach, des weiteren ein eigenes Diskursuniversum. Er stammt folglich aus einer eigenen, fremden Welt, in der andere Gesetze herrschen. Es gilt, diese Fremdheit des Textes zu beachten und ernst zu nehmen, um ihn für sich vollends verstehen zu können.[2] Die einzelnen Zeichen werden bei der semiotischen Exegese (u.a. nach Charles Morris) auf drei unterschiedlichen Betrachtungsweisen hin untersucht.[3] Bei der Intra-, Inter- und Extratextualität wird das Zeichen jeweils hinsichtlich seiner syntagmatischen, semantischen und pragmatischen Eigenschaften betrachtet.

Als zu bearbeitende Textstelle habe ich Mk 1,21-28 gewählt. Diese Perikope behandelt eine Exorzismusgeschichte Jesu. Ich denke, dass eine derartige Erzählung hinsichtlich der semiotischen Exegese sehr interessant sein wird und zudem eine besondere Herausforderung stellt, da es sich bei der Textstelle ja um eine Wundertat Jesu handelt. Zudem gefällt mir das Markusevangelium von den vier Vorhandenen am besten und ich hoffe bei dieser Arbeit auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem gesamten Evangelium, um meine Kenntnisse zu erweitern und vielleicht auch neue Erfahrungen mit der „Guten Nachricht“ zu machen.Zudem ist es interessant auf diese Art und Weise herauszufinden, ob sich der Text eventuell dazu eignet, dass man mit Kindern und jungen Erwachsenen an ihm arbeitet.

An dieser Stelle sei der griechische Text aufgeführt, mit welchem im Folgenden gearbeitet wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Textkritik

Jeder exegetischen Arbeit geht eine textkritische Auseinandersetzung mit dem Text voraus.

Da das Neue Testament in keiner Originalfassung vorhanden ist und die ältesten Abschriften aus dem 4. Jahrhundert stammen, liegt es bei der Textkritik festzustellen, wie der Wortlaut und die Schreibweise eines Textes für den ursprünglichen Autor anzunehmen sind. Sie hat folglich die Aufgabe den ältesten erreichbaren Text des Neuen Testaments zu rekonstruieren. Dies geschieht mit Hilfe der Textzeugen.[4] Die Textkritik ist in verschiedene Schritte gegliedert. Zu Beginn wird immer das Problem aufgezeigt, indem die verschiedenen Lesarten dargestellt werden. In einem zweiten Schritt schließt sich die äußere Textkritik an. Sie löst den textkritischen Apparat im Hinblick auf die verschiedenen Zeugen auf und zieht in der Auswertung ein erstes Urteil. Als Grundlage benötigt man hierzu Textausgaben, die sowohl über Angaben der Textzeugen als auch der Textvariationen verfügen.[5] Der äußeren folgt die innere Textkritik. Sie beschreibt die kennzeichnenden Unterschiede der einzelnen Lesarten und beschäftigt sich weitergehend mit der Frage, welche der Lesarten unabsichtliche und welche absichtliche Änderungen aufzeigen könnten. Hierbei wird häufig (jedoch nicht zwingend) nach zwei Grundregeln geurteilt: entweder ist die kürzere Lesart die bessere („lectio brevior“) oder die schwierigere ist die bessere Lesart („lectio difficilior“). Auch nach der inneren Textkritik folgt eine Auswertung mit einem weiteren Urteil. Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse der beiden Auswertungen in einem Gesamturteil gegenübergestellt. Widersprechen sich die beiden Urteile, so muss zwischen ihnen abgewogen werden. Hierbei ist erwähnenswert, dass das Gewicht der äußeren Textkritik höher als das der inneren ist und das Urteil der äußeren Textkritik somit stärker gewichtet wird.[6] Zum Schluss führt man noch eine Gegenprobe durch, bei der versucht wird aufzuklären, wie die jüngere Lesart aus der ursprünglicheren entstanden ist.

Nachfolgend sollen nun vier textkritische Probleme von Mk 1,21-28 ausgewählt und nach den soeben erläuterten Kriterien bearbeitet werden.

2.1 Bibelstelle Mk 1, 21

2.1.1 Problemdarstellung

[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 Äußere Textkritik

Die Lesart nacht Nestle und Aland wird bezeugt durch die Majuskel A (02) (Codex Alexandrinus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.)[8], die Majuskel B (03) (Codex Vaticanus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4. Jhd.), die Majuskel W (032) (Codex Freerianus, ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.), die Minuskelgruppe f1 (Lake-Gruppe – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 10./11. Jhd.), die Minuskel 2427 (? – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kat?, 14. (?) Jhd.), durch den Mehreitstext [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], durch t (alte Übersetzung des Neuen Testaments, 5./.6. Jhd.) und durch syh (Bearbeitung des syrischen Textes durch Thomas von Harkel) .

Lesart (b) wird durch die Majuskelא(01) (Codex Sinaiticus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4 Jhd.), die Majuskel L (019) (Codex Regius – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 8. Jhd.), die Minuskelgruppe f13 (Ferrar-Gruppe – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 10./11.Jhd.), die Minuskel 28 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 11. Jhd.), die Minuskel 565 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 9. Jhd.), durch pc (wenige andere Handschriften) durch sams (zwei oder mehr sahidische Handschriften) und durch Or (Kirchenvater Origenes † 254) bezeugt.

Die Auslassung des Verbs eivselqw.n und die Hinzufügung von auvtw/n bei Lesart C wird bezeugt durch die Majuskel D (037) (Codex Sangallensis, ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 9. Jhd.).

2.1.3 Auswertung

Nach der äußeren Textkritik ist Lesart A, aufgrund ihrer Bezeugung durch die Majuskelkodizes Vaticanus und Alexandrinus, welche der alexandrinischen Textfamilie angehören, qualitativ stärker gewichtet und scheint somit die älteste der drei Auslegungen zu sein.

2.1.4 Innere Textkritik

Lesart B verändert durch die Voranstellung des Verbs evdi,dasken vor den Präpositionalausdruck eis th.n sunagogh.n den Sinngehalt des Textes erheblich.

Die deutsche Übersetzung von eivselqw.n evdi,dasken th.n sunagogh.n lautet: „hineinkommend lehrte er in die Synagoge“. Diese Veränderung lässt sich mit Hilfe der Tatsache erklären, dass eine Konstruktion von eivj verbunden mit dem Akkusativ immer eine Antwort auf die Frage wohin liefert. Daher gelangt man zu dem Ergebnis, dass Lesart B beträchtliche grammatikalische sowie inhaltliche Defizite aufweist. Lesart B könnte durch eine Wortverdrehung beim Abschreiben entstanden und somit unbeabsichtigt vom Verfasser verändert worden sein.

Bei Lesart C verändert sich gegenüber A der Inhalt nur geringfügig, obwohl eine Auslassung des Partizips eivseltw.n und das Hinzufügen des Pronomens auvtw/n vorgenommen wurde. Bei Lesart A wird neben dem lehren Jesu vorab sein Eintreten (eivseltw.n) in die Synagoge, dass aus der Perspektive der Besucher beschrieben wird, explizit („lectio difficilior“) erwähnt. Nach Lesart C hingegen befindet sich Jesus bereits in ihrer (auvtw/n) Synagoge und der Akt des Eintretens wird für den Rezipienten nicht gesondert aufgeführt („lectio brevior“). Dies hat augenscheinlich zur Folge, dass die Betonung stärker auf dem Lehren (evdi,dasken) Jesu und nicht auf dem Hineingehen in die Synagoge liegt. Durch die Betonung, dass er in ihrer Synagoge lehrt, sondert sich bei dieser Lesart der Erzähler von der anwesenden Gemeinde ab. Folglich kann daher davon ausgegangen werden, dass Lesart C aus theologisch motivierten Gründen und somit absichtlich geändert wurde.

An dieser Stelle scheint jedoch ein weiterer Erklärungsansatz denkbar. Es wäre ebenso plausibel, dass Lesart C durch eine unabsichtliche Änderung aus A entstanden ist, sodass bei C ein Schreibfehler vorliegen würde; aus eivselqw.n wäre so aus einem Versehen heraus auvtw/n geworden.

2.1.5 Auswertung

Nach der inneren Textkritik kann kein eindeutiges Urteil darüber gefällt werden, ob Lesart A oder Lesart C als die ursprünglichere angesehen werden kann.

2.1.6 Gesamturteil

Da die innere Textkritik zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt, welche der drei Lesarten die wahrscheinlichere ist, wird der äußeren ein stärkeres Gewicht beigemessen. Demzufolge wird Lesart A als die ursprünglichere angesehen.

2.1.7 Gegenprobe

Lesart C kann durch eine theologisch motivierte und folglich beabsichtigte Änderung oder unbeabsichtigt auf Grund eines Schreibfehlers aus A entstanden sein.

Lesart B kann auf Grund einer Wortverdrehung aus Lesart A heraus entstanden sein. Diese unabsichtliche Veränderung lässt sich aus der Tatsache heraus erklären, dass bei der Anfertigung von Abschriften derartige Fehler leicht zustande kommen können.

2.2 Bibelstelle Mk 1, 25

2.2.1 Problemdarstellung

Lesart A nach Nestle/Aland: evx auvtou/

Lesart B: evx tou/ avnqropou/ pneu/ma avka,qaton

Lesart C: avpV auvtou/

2.2.2 Äußere Textkritik

Die erste Lesart wird bezeugt durch die Majuskel א (01) (Codex Sinaiticus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4 Jhd.), die Majuskel A (02) (Codex Alexandrinus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.), die Majuskel B (03) (Codex Vaticanus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4. Jhd.), die Majuskel C (04) (Codex Ephraemi rescriptus, ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 5. Jhd.), durch die Minuskelgruppen f1.13 (Kategorie III, 10./11. Jhd.), durch die Koine und durch Or (den Kirchenvater Origenes († 254)).

Die zweite Lesart wird bezeugt durch die Majuskel-Teilhandschrift D (05) (Codex Bezae Cantabrigiensis – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie, 5. Jhd.), die Majuskel W (032) (Codex Freerianus, ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.), durch it (mehrere altlateinische Handschriften) und vgmss (einzelne abweichende Vulgatahand­schriften).

Die dritte Lesart wird durch die Majuskel L (019) (Codex Regius – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 8. Jhd.), die Minuskel 33 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kateorie II, 9. Jhd.), die Minuskel 565 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 9. Jhd.), die Minuskel 579 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 13. Jhd.), die Minuskel 700 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 11. Jhd.), die Minuskel 892 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie II, 9. Jhd.), die Minuskel 1424 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 9./10. Jhd.), die Minuskel 2427 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 14. (?) Jhd.), den Minuskellektionar l 211 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, 10. Jhd.), durch al (andere) und durch f (alte Übersetzungen des Neuen Testaments).

2.2.3 Auswertung

Durch die äußere Textkritik scheint Lesart A die ursprünglichere zu sein, da sie drei der vier wichtigsten Majuskelkodizes als Zeugen anführt. Auch wenn Lesart C quantitativ stärker bezeugt ist.

2.2.4 Innere Textkritik

Bei Lesart B wird das Personalpronomen auvtou/ durch tou/ avnqropou/ pneu/ma avka,qarton ersetzt. Da der Besessene bereits zuvor in Vers 23 (a;nqrwpoj evn pneu,mati avkaqa,rtwÄ) genauer charakterisiert wurde, handelt es sich hier bei allem Anschein nach um eine wiederholte und somit unnötige Beschreibung. Diese Lesart scheint daher aus theologisch motivierten Gründen heraus entstanden sein.

Auslegung A und C unterscheiden sich lediglich durch die Wahl der Präpositionen evx (auvtou/) und avpV (auvtou/) voneinander. Im Vergleich zu Lesart B sind beide als „lectio brevior“ anzusehen. Bei Lesart C kann es sich gegenüber A jedoch um eine stilistische Verbesserung handeln, da sie das zweimalige Auftauchen von evx vermeidet.

2.2.5 Auswertung

Die Lesarten B und C können aufgrund der inneren Textkritik als die ursprünglicheren ausgeschlossen werden.

2.2.6 Gesamturteil

Äußere und innere Textkritik kommen zu einem einheitlichen Ergebnis darüber, dass A als die ursprünglichere der drei Lesarten anzusehen ist.

2.2.7 Gegenprobe

Es ist anzunehmen, dass es sich bei A um die älteste Lesart handelt, da C wahrscheinlich durch eine beabsichtigte Verbesserung aus stilistisch motivierten Gründen entstanden ist.

Der Verfasser von Lesart B hingegen hat aller Wahrscheinlichkeit nach eine stärkere Gewichtung auf den besessenen Menschen gelegt, sodass er ihn abermals (nach V.23) erwähnt. An dieser Stelle liegt folglich eine beabsichtigte Veränderung aus stilistisch motivierten Gründen vor.

2.3 Bibelstelle Mk 1, 26

2.3.1 Problemdarstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.2 Äußere Textkritik

Lesart A wird bezeugt durch die Majuskelא (01) (Codex Sinaiticus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4 Jhd.), die Majuskel B (03) (Codex Vaticanus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4. Jhd.), die Majuskel L (019) (Codex Regius – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 8. Jhd.), durch die Minuskel 33 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II 9. Jhd.), die Minuskel 892 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie II, 9. Jhd.), die Minuskel 1241 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie III, 12. Jhd.), die Minuskel 2427 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 14. (?) Jhd.), durch pc (wenige andere Handschriften) und Or (dem Kirchenvater Origenes († 254)).

Lesart B hingegen wird durch die Majuskel A (02) (Codex Alexandrinus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.), die Majuskel C (04) (Codex Ephraemi rescriptus, ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie, 5. Jhd.), die Majuskel Q ( 038) (Codex Coridethianus - ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 9.Jhd.), durch die Minuskelgruppen f1.13 (Kategorie III, 10./11. Jhd.) und durch den Mehrheitstext [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bezeugt.

2.3.3 Auswertung

Da Lesart A sowohl durch die am stärksten gewichtete Majuskel א , als auch durch die „Königin der Minuskeln“, Minuskel 33, bezeugt wird, ist diese als die ältere anzusehen.

2.3.4 Innere Textkritik

Lesart B ersetzt das Verb fwnh/san durch kra/xan. Bei Lesart A handelt es sich bei fwnh/san fwnV/ megalV/ (V.26) um ein Hendiadieun, da fqnV/ megalV/ und fwnh/san dem gleichen Sinngehalt entsprechen.

Es ist sowohl denkbar, dass Lesart B bewusst, aus stilistisch motivierten Gründen heraus, verändert worden ist, da fwnh/san fwnV/ megalV/ als Dopplung desselben Sinngehalts angesehen werden kann.

Auf der anderen Seite kann Lesart A jedoch ebenfalls aus stilistischen Motiven heraus entstanden sein, da es sich bei fwnh/san fwnV/ megalV/ um ein Hendiadieun handelt und der Verfasser dieses bewusst gegen Lesart B ausgetauscht haben kann.

2.3.5 Auswertung

Nach Anwendung der inneren Textkritik kommt man zu keinem eindeutigen Ergebnis darüber, welche Lesart die wahrscheinlichere ist.

2.3.6 Gesamturteil

Da die innere Textkritik zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt, welche der beiden Lesarten die wahrscheinlichere ist, wird der äußeren ein stärkeres Gewicht beigemessen. Demzufolge wird Lesart A als die ursprünglichere angesehen.

2.3.7 Gegenprobe

Lesart B kann aus stilistisch motivierten Gründen und folglich aus einer beabsichtigten Änderung aus A heraus entstanden sein. Es ist anzunehmen, dass der Verfasser von Lesart B die Verdoppelung des identischen Sinngehalts (fwnh/san fwnV/ megalV) rückgängig gemacht und durch kravxan ersetzt hat, da er diese überflüssig fand. In Übereinstimmung mit dem Gesamturteil kann Lesart A daher als die ursprünglichere angesehen werden.

2.4 Bibelstelle Mk 1, 27

2.4.1 Problemdarstellung

Lesart A nach Nestle/Aland : pro.j e``autou.j

Lesart B: auvtou.j

Lesart C: pro.j auvtou.j

2.4.2 Äußere Textkritik

Lesart A wird bezeugt durch die Majuskel A (02) (Codex Alexandrinus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie III, 5. Jhd.), die Majuskel C (04) (Codex Ephraemi rescriptus - ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 5. Jhd.), die Majuskel D (05) (Codex Bezae Cantabrigiensis - ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie IV/I, 5.Jhd.), die Majuskel Q (038) (Codex Coridethianus - ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II, 9.Jhd.), durch die Minuskelgruppen f1.13 (Kategorie III, 10./11. Jhd.), die Minuskel 33 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie II 9. Jhd.), den Mehrheitstext [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und durch lat (nur ein Teil der Altlateiner geht mit der Vulgata zusammen).

Lesart B wird durch die Majuskel א (01) (Codex Sinaiticus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4 Jhd.), die Majuskel B (03) (Codex Vaticanus – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 4. Jhd.) und durch die Minuskel 2427 (ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie I, 14. (?) Jhd.) bezeugt.

Lesart C wird bezeugt durch die Majuskel L (019) (Codex Regius – ständiger Zeuge erster Ordnung, Kategorie 2, 8. Jhd.), die Minuskel 892 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, Kategorie II, 9. Jhd.), durch den Minuskellektionar l 2211 (ständiger Zeuge zweiter Ordnung, 10. Jhd.) und durch al (andere).

2.4.3 Auswertung

Nach der äußeren Textkritik scheint Lesart A die ursprünglichere zu sein, da sie sowohl durch zwei wichtige Majuskelkodizes, als auch durch bedeutsame Majuskel-Teilhandschriften und Minuskelgruppen bezeugt wird.

[...]


[1] Eco, U., Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, München/Wien 1987, S. 83.

[2] Vgl. Alkier, S., Wunder und Wirklichkeit in den Briefen des Apostels Paulus. Ein Beitrag zu einem Wunderverständnis jenseits von Entmythologisierung und Rehistorisierung, WUNT 134, Tübingen 2001, S. 74.

[3] Eco, U., Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte, Frankfurt am Main 1977, S. 32.

[4] Es gibt verschiedene Textzeugen, welche wiederum verschieden stark gewichtet werden. Die unterschiedlichen Textzeugen sind Papyri, Majuskeln, Minuskeln, Lektionare, Kirchenväter und Übersetzungen.

[5] In dieser Arbeit wird die Ausgabe von Nestle/Aland als grundlegendes Hilfsmittel verwendet.

[6] Vgl. dazugS. 282.

[7] Nestle/Aland, Novum Testamentum Graece et Latine, 27. Auflg., Stuttgart 1984.

[8] Die Codex- und Kategorieangaben stammen aus Aland, K. u. B., Der Text des Neuen Testaments.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Semiotische Exegese von Mk 1,21-28
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Einführung in den methodischen Umgang mit biblischen Texten
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
56
Katalognummer
V75302
ISBN (eBook)
9783638798143
ISBN (Buch)
9783638797436
Dateigröße
829 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Semiotische, Exegese, Einführung, Markus, Evangelium
Arbeit zitieren
Katharina Büker (Autor), 2006, Semiotische Exegese von Mk 1,21-28, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75302

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