„Ein Text ist ein syntaktisch-semantisch-pragmatisches Kunstwerk, an dessengenerativer Planung die vorgesehene Interpretation bereits teilhat.“
Auf diese Erkenntnis baut die Methodik der semiotischen Exegese auf, mit welcher ich mich in der vorliegenden Proseminararbeit auseinander setzen möchte.
Das Arbeiten im Seminar mit dieser Methode ließ mich neugierig werden und ich wollte selbst einmal ausprobieren, ob Texte wirklich derartig viel „Eigenleben“ besitzen, wie die Theorie der semiotischen Exegese es mir im Seminar versprochen hatte.
Bei diesem Verfahren geht es darum, einen eigenen Text zu konstruieren, um daraufhin zu verstehen, was er mit seiner Zeichenzusammenstellung aussagen will. Man ist nicht darauf aus, welche Intention der Autor beim Verfassen der Erzählung hatte, sondern wird bei der semiotischen Exegese davon ausgegangen, dass es mehrere Interpretationsmöglichkeiten gibt und nicht nur die eine. Sie versteht die Texte als Zeichenzusammenhänge und will dabei herausfinden, was die Zeichen selbst für einen Textsinn wiedergeben. Die Grundlage dafür bietet Charles Sanders Peirce mit seinem triadischen Zeichenmodell, welches auf dessen Kategorienlehre aufbaut.
Jeder Text hat, der semiotischen Exegese nach, des weiteren ein eigenes Diskursuniversum. Er stammt folglich aus einer eigenen, fremden Welt, in der andere Gesetze herrschen. Es gilt, diese Fremdheit des Textes zu beachten und ernst zu nehmen, um ihn für sich vollends verstehen zu können. Die einzelnen Zeichen werden bei der semiotischen Exegese (u.a. nach Charles Morris) auf drei unterschiedlichen Betrachtungsweisen hin untersucht. Bei der Intra-, Inter- und Extratextualität wird das Zeichen jeweils hinsichtlich seiner syntagmatischen, semantischen und pragmatischen Eigenschaften betrachtet.
Als zu bearbeitende Textstelle habe ich Mk 1,21-28 gewählt. Diese Perikope behandelt eine Exorzismusgeschichte Jesu. Ich denke, dass eine derartige Erzählung hinsichtlich der semiotischen Exegese sehr interessant sein wird und zudem eine besondere Herausforderung stellt, da es sich bei der Textstelle ja um eine Wundertat Jesu handelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textkritik
2.1 Bibelstelle Mk 1, 21
2.1.1 Problemdarstellung
2.1.2 Äußere Textkritik
2.1.3 Auswertung
2.1.4 Innere Textkritik
2.1.5 Auswertung
2.1.6 Gesamturteil
2.1.7 Gegenprobe
2.2 Bibelstelle Mk 1, 25
2.2.1 Problemdarstellung
2.2.2 Äußere Textkritik
2.2.3 Auswertung
2.2.4 Innere Textkritik
2.2.5 Auswertung
2.2.6 Gesamturteil
2.2.7 Gegenprobe
2.3 Bibelstelle Mk 1, 26
2.3.1 Problemdarstellung
2.3.2 Äußere Textkritik
2.3.3 Auswertung
2.3.4 Innere Textkritik
2.3.5 Auswertung
2.3.6 Gesamturteil
2.3.7 Gegenprobe
2.4 Bibelstelle Mk 1, 27
2.4.1 Problemdarstellung
2.4.2 Äußere Textkritik
2.4.3 Auswertung
2.4.4 Innere Textkritik
2.4.5 Auswertung
2.4.6 Gesamturteil
2.4.7 Gegenprobe
3 Intratextuelle Analyse
3.1 Textpartitur
3.1.1 Auswertung
3.2 Syntagmatische Analyse
3.2.1 Syntagmatik des Mikrotextes
3.2.2 Syntagmatik des Makrotextes
3.2.3 Ergebnis
3.3 Semantische Analyse
3.3.1 Semantik des Mikrotextes
3.3.2 Semantik des Makrotextes
3.3.3 Enzyklopädische Semantik
3.4 Pragmatik
3.4.1 Reflexion der bisherigen Arbeitsschritte
3.4.2 Ideologie des Textes
3.4.3 Evaluation
4 Intertextuelle Analyse
4.1 Poetische Intertextualität
5 Zusammenfassende Interpretation
6 Übersetzung von Mk 1,21-28
7 Literaturverzeichnis
7.1 Hilfsmittel
7.2 Weiterführende Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Perikope Mk 1,21-28 mithilfe der Methode der semiotischen Exegese zu untersuchen und deren Zeichenzusammenhänge freizulegen. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie der Text durch seine spezifische Struktur, Wortwahl und intertextuelle Bezüge den Sinn des Geschehens konstituiert und Jesus als zentrale Figur mit göttlicher Vollmacht porträtiert.
- Grundlagen der semiotischen Exegese und Textkritik
- Strukturelle Analyse mittels Textpartitur
- Syntagmatische und semantische Untersuchung des Mikro- und Makrotextes
- Pragmatische Analyse und ideologische Reflexion
- Poetische Intertextualität im Vergleich mit Stephen Kings "The Green Mile"
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Ideologie des Textes
Die Erzählung beginnt damit, dass Jesus mit seinen Jüngern nach Kafarnaum kommt und in der dortigen Synagoge zu lehren beginnt. Das Volk ist erstaunt über seine Lehre und wundert sich darüber, dass er anscheinend mit Vollmacht lehrt, anders als die Menschen es von den Schriftgelehrten gewohnt sind. Der Text führt dem Leser somit deutlich vor Augen, dass Jesus seinem Titel ´Sohn Gottes` (welchen er zu Beginn des Markusevangeliums bekommt) gerecht wird, da dieser die göttliche Vollmacht besitzt.
Der Text zielt auf die Teilnahme des Rezipienten an der Erzählung. Die Frage ti, evstin tou/to; in Vers 27 verbindet die Lehre und den Exorzismus mit dem Motiv der Vollmacht und stellt auf diesem Hintergrund die Frage nach Jesus. Wie bereits erwähnt, wissen die Leser des Markusevangeliums wer Jesus ist (Mk 1,1; 11,1). Aus diesem Grund sind sie auch in der Lage, die Betitelung des Dämons o` a,``gioj tou/ qeou in ihrer ganzen Bedeutung zu erfassen.
Die anwesende Gemeinde ist hierzu jedoch nicht im Stande. Die Frage der Menge wird damit gleichzeitig zur Frage an den Leser des Markusevangeliums. Das Anliegen des Textes besteht an dieser Stelle darin, eine Gemeinschaft zu bilden, welche die Frage ´Was ist dies, womit haben wir es hier zu tun?` beantworten kann. Der Text bringt den Leser dazu, sich angesprochen zu fühlen und darüber nachzudenken, wer Jesus für einen selbst darstellt. Auf implizite Art und Weise soll der Leser sich Gedanken darüber machen, ob er selbst verstanden hat, was in der Perikope geschieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der semiotischen Exegese als Methode zur Untersuchung der Zeichenstruktur und Sinnstiftung innerhalb der Perikope Mk 1,21-28.
2 Textkritik: Untersuchung und Gewichtung verschiedener Lesarten der biblischen Textstelle zur Rekonstruktion des wahrscheinlichsten ursprünglichen Wortlauts.
3 Intratextuelle Analyse: Detaillierte Untersuchung des Textaufbaus, der syntaktischen Zusammenhänge sowie der semantischen Bedeutung ausgewählter Zeichen im Mikro- und Makrokontext.
4 Intertextuelle Analyse: Vergleich der Perikope mit dem Roman "The Green Mile" von Stephen King, um durch das Zusammenlesen neue Perspektiven auf Jesu Wirken zu gewinnen.
5 Zusammenfassende Interpretation: Synthese der Analyseergebnisse zur Bestätigung der einleitenden Charakteristik der Wundererzählung als Vorbereitung auf das Wirken Jesu.
6 Übersetzung von Mk 1,21-28: Darstellung der eigenen deutschen Übersetzung der untersuchten Textstelle.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Hilfsmittel und weiterführender theologischer Literatur.
Schlüsselwörter
Semiotische Exegese, Markusevangelium, Mk 1,21-28, Textkritik, Syntagmatik, Semantik, Pragmatik, Intertextualität, Jesus, Vollmacht, Unreiner Geist, Wundererzählung, Exorzismus, Diskursuniversum, Zeichenmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer semiotischen Analyse der neutestamentlichen Erzählung von Jesu Wirken in der Synagoge (Mk 1,21-28).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die strukturelle Analyse der Erzählung, die Untersuchung der göttlichen Vollmacht Jesu und die Intertextualität zwischen biblischem Text und moderner Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Aufbau und die Bedeutung der Zeichen innerhalb der Perikope zu entschlüsseln, um zu verstehen, wie der Text den Rezipienten eine bestimmte Sichtweise auf Jesus vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der semiotischen Exegese, ergänzt durch textkritische Verfahren und vergleichende Literaturanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine textkritische Prüfung der verschiedenen Lesarten, eine intratextuelle Analyse (Partitur, Syntagmatik, Semantik, Pragmatik) sowie eine intertextuelle Analyse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zeichenmodell, Vollmacht, Exorzismus, intertextuelle Poetologie und der Erzählcharakter des Markusevangeliums.
Welche Rolle spielt die Person des "John Coffey" im Vergleich zu Jesus?
Der Vergleich dient dazu, die Rolle Jesu als Wunderheiler und die Frage nach dem Umgang mit dem Leid durch eine intertextuelle poetische Analyse neu zu beleuchten.
Wie bewertet die Autorin die Existenz von "unreinen Geistern"?
Die Autorin interpretiert "unreine Geister" in der Evaluation als Metaphern für Krankheiten, hält jedoch an der Vollmacht Jesu zur Heilung fest.
Warum spielt die Vollmacht (exousia) eine so zentrale Rolle?
Die Vollmacht bildet den inhaltlichen Rahmen der Perikope und definiert die Einzigartigkeit des Wirkens Jesu im Vergleich zu zeitgenössischen Vorstellungen.
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- Katharina Büker (Author), 2006, Semiotische Exegese von Mk 1,21-28, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75302