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Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16

Title: Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mark Möst (Author)

Latin philology - Literature
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(§§ 1-4) Also wird es jetzt angebracht sein, unter wirklicher Bewahrung der Unterschiede zwischen seinen positiven und seinen negativen Eigenschaften die herausragendsten der ersteren darzustellen. Indem er die Hoheit der kaiserlichen Macht überall bewahrte, verachtete er die Volkstümlichkeit erhabenen und großen Sinnes, war ungemein sparsam bei der Verleihung höherer Würden, duldete nicht, daß viel rund um die Vermehrung der Verwaltungen erneuert wurde bis auf Weniges und begünstigte niemals den Hochmut der Militärs. Auch wurde unter ihm kein Führer zum Clarissimat befördert. Sie waren nämlich, wie auch ich mich erinnere, nur Perfectissimi. Und es begegnete einem Heermeister kein Provinzstatthalter, und er gestattete nicht, daß von diesem eine zivile Aufgabe angerührt wurde. Aber alle militärischen und zivilen Machthaber blickten immer zu den Prätorianerpräfekten nach der Sitte alter Ehrerbietung wie zum Gipfel aller Ehren. Bei der Behandlung der Soldaten war er allzu vorsichtig, ein manchmal übergenauer Untersucher der Verdienste, der die kaiserlichen Würden gewissermaßen wie nach der Goldwaage verlieh, und unter seiner Herrschaft wurde niemand plötzlich oder unbekannt eingesetzt, um irgendeinen hohen Posten im Palast zu besetzen, sondern derjenige, der nach einem Jahrzehnt seiner Ämterlaufbahn das Amt eines Marschalls oder eines Schatzmeisters oder irgendetwas Ähnliches bekleiden sollte, war wohlbekannt. Und sehr selten ereignete es sich, daß irgendjemand von den Militärs zur Verwaltung ziviler Angelegenheiten überging; dagegen wurden nur Männer, die im Kriegsstaub sich abgehärtet hatten, den Bewaffneten an die Spitze gestellt. Er war ein eifriger Arbeiter in den Wissenschaften, aber er brachte nach dem Übergang zur Verskunst nichts zustande, was der Mühe wert gewesen wäre, weil er in der Rhetorik durch seine schwache Begabung im Stich gelassen wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Vorbemerkungen

1. Übersetzung von 21, 16 (in Auswahl)

2. Überblick über die Charakterisierung von Gallus, Constantius und Julian bei Ammian

3. Die Charakterisierung des Constantius in 21, 16 (in Auswahl)

3.1 Situierung und Gliederung von 21, 16

3.2 Zur Form und Stellung von 21, 16

3.3 Interpretation von 21, 16 (in Auswahl)

3.3.1 Darstellung der bona

3.3.2 Darstellung der vitia

3.3.3 Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes

4. Constantius II. im Licht der antiken Geschichtsschreibung und der althistorischen Forschung

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die literarische Charakterisierung des Kaisers Constantius II. durch den Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus, insbesondere basierend auf dem Nekrolog in Buch 21, 16 der Res gestae. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen historischer Darstellung, literarischer Gattungstradition und der gezielten Leserlenkung Ammians zu analysieren.

  • Analyse von Ammians Darstellung positiver Eigenschaften (bona) und negativer Charakterzüge (vitia) des Kaisers.
  • Untersuchung der rhetorischen und literarischen Mittel, wie Ironie und Physiognomie.
  • Vergleich der Charakterisierung mit der Parallelüberlieferung und althistorischen Forschungsergebnissen.
  • Einordnung des Nekrologs in den Kontext von Ammians historiographischem Werk und der antiken Kaiserbiographie.

Auszug aus dem Buch

3.3.2 Darstellung der vitia

Dem Katalog der Tugenden stellt Ammian im folgenden eine Aufzählung seiner Laster gegenüber, die etwa die doppelte Länge besitzt. Allein dieses Kriterium ist dafür verantwortlich, daß der negative Teil seiner Charakterisierung stärker auf den Leser wirkt als der positive; hinzu kommt, daß die Laster des Constantius viel reichhaltiger mit exempla versehen sind als die Tugenden. Auch die Anordnung der Elemente spielt eine bedeutende Rolle: Der schlechte Eindruck, den der Leser bei der Lektüre ab Abschnitt 8 gewinnt, ist gleichzeitig der letzte und damit derjenige, der im am längsten im Gedächtnis bleiben dürfte. Desweiteren stellt Martina Kautt-Bender in ihrer Dissertation zu Recht fest, dieser Abschnitt stelle „im wesentlichen eine Zusammenfassung des vorher von Ammian gelieferten Berichtes über den Charakter des Kaisers dar“; dies ist ein weiterer Grund dafür, daß sich dem Leser die negativen Eigenschaften besser einprägen als die positiven.

Die erste und wichtigste Eigenschaft, die genannt wird, ist das Mißtrauen: „si affectatae dominationis amplam quandam falsam repperisset aut levem, hanc sine fine scrutendo [...] Caligulae et Domitiani et Commodi immanitatem facile superabat“ (§8). Sabbah sieht in diesem Mißtrauen die Folge einer Beeinflußbarkeit und schafft in der Reihenfolge der Eigenschaften eine kausale Hierarchie: „L´empereur est une âme mesquine et influençable [...]. Par la suite, Ammien ne manque aucune occasion de consolider ce schéma du caractère influençable, donc soupçonneux, donc cruel, de Constance”.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Vorbemerkungen: Einführung in die Zielsetzung, die methodische Vorgehensweise und den Quellenumgang der Arbeit.

1. Übersetzung von 21, 16 (in Auswahl): Bereitstellung der für die Analyse zentralen Textabschnitte aus den Res gestae in deutscher Übersetzung.

2. Überblick über die Charakterisierung von Gallus, Constantius und Julian bei Ammian: Ein vergleichender Blick auf Ammians Bewertung der drei Kaiser und die Erkenntnis, dass Julian dabei als Maßstab dient.

3. Die Charakterisierung des Constantius in 21, 16 (in Auswahl): Detaillierte Untersuchung des Nekrologs unter Berücksichtigung von Struktur, literarischer Form, Tugenden, Lastern und Physiognomie.

4. Constantius II. im Licht der antiken Geschichtsschreibung und der althistorischen Forschung: Einordnung der Ammian-Darstellung in das breitere Spektrum antiker Quellen und moderner wissenschaftlicher Debatten.

Schlüsselwörter

Ammianus Marcellinus, Constantius II., Res gestae, Kaisercharakterisierung, Nekrolog, Tyrannentopik, Historiographie, Spätantike, bona, vitia, Physiognomie, literarische Tradition, historische Forschung, Kaiserbiographie, Quellenanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Ammianus Marcellinus den Kaiser Constantius II. in seinem Werk Res gestae, speziell im Nekrolog des 21. Buches, charakterisiert und bewertet.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Tugenden und Lastern, den Einfluss literarischer Traditionen wie der Tyrannentopik und den Vergleich mit anderen spätantiken Kaisern wie Gallus und Julian.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ammian durch die gezielte Auswahl, Anordnung und Gewichtung von Charaktereigenschaften ein bestimmtes Bild des Kaisers konstruiert, das sowohl historiographische als auch literarische Absichten verfolgt.

Welche methodischen Ansätze werden verfolgt?

Die Arbeit verbindet literaturwissenschaftliche Methoden zur Textanalyse (wie die Untersuchung von Topik und Ironie) mit geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen und der Einordnung in die Forschungsliteratur.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Neben der Struktur und Form des Textes werden spezifisch die Darstellung der positiven Eigenschaften (bona), der negativen Laster (vitia) sowie die physiognomische Beschreibung des Kaisers detailliert interpretiert.

Welche Keywords definieren diese Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ammianus Marcellinus, Constantius II., Nekrolog, Kaisercharakterisierung, Tyrannentopik und Historiographie.

Warum spielt der Kaiser Julian eine so zentrale Rolle in der Argumentation?

Julian fungiert in Ammians Werk oft als Idealkaiser; die Charakterisierung von Constantius gewinnt erst vor diesem Hintergrund an Schärfe, da Ammian Julian als qualitativen Kontrast zu Constantius nutzt.

Inwiefern beeinflusst die "Tyrannentopik" Ammians Darstellung?

Ammian greift auf klassische literarische Muster zurück, um Constantius als Grausamen darzustellen, was die historische Objektivität zugunsten einer literarischen Wirkung verzerrt.

Welche Bedeutung hat das äußere Erscheinungsbild in der Analyse?

Ammian nutzt physiognomische Beschreibungen, um physische Merkmale des Kaisers mit moralischen Charaktereigenschaften zu verknüpfen, was ebenfalls eine bewusste Form der Leserlenkung darstellt.

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Details

Title
Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16
College
University of Heidelberg  (Seminar für Klassische Philologie)
Course
Hauptseminar: Ammianus Marcellinus, Res gestae
Grade
2,0
Author
Mark Möst (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V75315
ISBN (eBook)
9783638786096
ISBN (Book)
9783640786435
Language
German
Tags
Charakterisierung Kaisers Constantius Ammianus Marcellinus Hauptseminar Ammianus Marcellinus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mark Möst (Author), 2003, Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75315
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