Goethes Divan als Zyklus - Die Struktur des Buches Suleika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der West-östliche Divan
2.1 Zur Bedeutung des Titels
2.2 Beschreibung des lyrischen Divans: Aufbau und Abfolge

3 Das Buch Suleika
3.1 Zur Entstehung des Buches Suleika
3.2 Die Abfolge der Gedichte im Buch Suleika
3.3 Die äußere Form des Buches Suleika
3.4 Wichtige Motive und Leitbegriffe

4 Bedeutung der Struktur für die Interpretation des Zyklus

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, das „Buch Suleika“ aus Goethes „West-östlichem Divan“ strukturell zu untersuchen. Für die Wahl dieser Methode sprechen mehrere Gründe.

Ein Grund ist der Aufbau als Zyklus. Dieser unterscheidet sich von der Gedichtsammlung. Während die Sammlung aus einer Anzahl von Gedichten, die bisher separat gestanden haben, die zu verschiedener Zeit und aus unterschiedlichen Anlässen entstanden sind, zusammengestellt wird, beinhaltet ein Zyklus Dichtungen, die zur gleichen Zeit entstanden sind, aus derselben seelischen und geistigen Verfassung entstammen und von vornherein zusammen gehören.[1] Bei der Gedichtsammlung muss ein äußeres Band die Gedichte zusammenhalten, beim Zyklus wirkt alles von Anfang an zusammen, jedes Gedicht strebt nach Ergänzung und verbindet sich mit Verwandtem.

Eine wichtige Eigenschaft der Gedichtsammlung ist, dass später eingefügte Gedichte nicht auffallen. Im Zyklus, der gewachsen ist, lösen nachträgliche Einschübe oft Unstimmigkeiten aus.[2]

Durch den Aufbau des Divans, auf den später näher eingegangen werden soll, entsteht ein dreifacher Kontext.[3] Einzelne Elemente des Kontext beziehen sich auf einzelne Gedichte, auf einzelne Bücher und auf den gesamten Divan. Dies ist ein Grund, warum eine strukturelle Untersuchung von Interesse ist.

Auf diese Zusammenhänge weist Goethe 1815 in einem Brief an Zelter hin:

„Jedes Glied ist nämlich so durchdrungen vom Sinn des Ganzen, so innig orientalisch, bezieht sich auf Sitten, Gebräuche und Religion und muß von einem vorhergehenden Gedicht erst exponiert sein, wenn es auf Einbildungskraft und Gefühl wirken soll.“[4]

Der Divan kann als unvollendet betrachtet werden. Aus diesem Grund wird von manchen Autoren, die den Divan untersucht haben, bestritten, dass er strukturell untersucht werden kann. Dieser Meinung ist zu entgegnen, dass zum Zeitpunkt des Drucks eine Entscheidung für eine bestimmte Entwicklungsstufe gefallen ist. Das Werk ist auf dieser Stufe ein einheitliches Ganzes und wird von der Frage, ob sich weitere Entwicklungsstufen denken lassen, nicht entscheidend beeinflusst. Komposition und Einheit des Zyklus entstehen nicht erst bei Beendigung des Werkes, sondern schon mit den ersten Gedichten.[5]

Das „Buch Suleika“ sah Goethe als vollständig an. In den „Noten und Abhandlungen“ schreibt er:

„Dieses, ohnehin das stärkste der ganzen Sammlung, möchte wohl für abgeschlossen anzusehen seyn.“[6]

Bevor jedoch das „Buch Suleika“ in den Mittelpunkt gerückt wird, soll der Divan als Ganzes beschrieben werden.

2 Der West-östliche Divan

Goethes „West-östlicher Divan“ besteht aus zwei Teilen, einem lyrischen und einem prosaischen Teil. Spricht man vom „Divan“, ist meist der erste Teil, der die Gedichte enthält, gemeint. Den zweiten Teil, einem Anhang ähnlich, nannte Goethe „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständniß“. Reaktionen des Publikums auf den Vorabdruck einiger „Divan –Gedichte“ im Jahre 1816 in Cottas „Taschenbuch für Damen“ erwogen Goethe dazu, die Noten und Abhandlungen zu verfassen. Dabei handelt es sich um eine lockere Komposition, die sich grob in zwei Abschnitte teilen lässt. Ein Scheitelpunkt findet sich beim Kapitel „Künftiger Divan“. Hier erläutert Goethe jedes Buch des poetischen Teils und stellt seine Pläne zu einem erweiterten „Künftigen Divan“ vor.[7] Im ersten Teil der „Noten und Abhandlungen“ erläutert Goethe seinen Lesern die politische sowie die Kultur- und Literaturgeschichte des nahen Orients, insbesondere Persiens. Auch literaturästhetischen Fragestellungen werden behandelt. Im zweiten Teil beschreibt Goethe seine eigene und die europäische Annäherung an den Orient. Außerdem geht er auf die Rolle der Reisebeschreibungen und der orientalischen Vorbilder ein. Innerhalb der Zweiteilung finden sich kleinere, inhaltlich locker aneinander gebundene Kapitelgruppen.

Im Gedichtsteil des Divans finden sich in der Ausgabe letzter Hand, die 1827 erschienen ist, 239 Gedichte. Die Struktur ist an die einer orientalischen Gedichtssammlung angelehnt. Die Gedichte sind in zwölf verschiedene Bücher eingeteilt. Sie sind jedoch anders als orientalische Vorbilder, die alphabetisch nach Reimen sortiert sind, nach thematisch-inhaltlichen Kriterien geordnet[8].

Anders als geplant ist die Komposition des Ganzen nicht streng architektonisch angelegt, sondern ist durch lockere Gruppenzugehörigkeit gekennzeichnet. Ursprünglich schwebte Goethe der Abdruck von dreizehn Büchern vor, die sich in einer spiegelsymmetrischen Struktur um das „Buch Timur“ gruppieren. Das „Buch der Freunde“ kam jedoch nicht zustande, das „Buch Timur“ blieb bruchstückhaft.

Im Folgenden werden die „Noten und Abhandlungen“ kaum eine Rolle spielen. Untersucht werden soll der Gedichtzyklus des „West-östlichen Divans“. Da schon im Titel Strukturmerkmale des Gesamtwerks deutlich werden, soll dieser zu Beginn untersucht werden.

2.1 Zur Bedeutung des Titels

Die Anregung für den Gedichtzyklus und für den Titel gab der persische Dichter Hafis, im Weiteren genannt Hafis, dessen Gedichtsammlung „Der Diwan des Mohammed Schemsed-din Hafis“ 1814 in deutscher Übersetzung erschien.

Die Bezeichnung „Divan“ stammt aus der arabischen Sprache, zu deutsch bedeutetet sie Versammlung. Hier spielt Goethe nicht nur mit der Bezeichnung für orientalische Gedichtsbücher, sondern benutzt diesen Begriff auch als nähere Beschreibung seines Werks. Das Wort Versammlung erinnert dabei an die ursprüngliche Bedeutung des Rates / der Gruppe. Hier wird die Komponente des Gesprächs unterstrichen. Gedichte mit eigenständigem Charakter stehen in Kommunikation miteinander, beeinflussen und ergänzen sich gegenseitig. Dabei entsteht eine Dialektik von Einzelnem und Ganzem, jede Stimme dieser Versammlung gehört zum Ganzen und hat einen bestimmten Kontext.

Der Titel „West-östlicher Divan“ verweist auf einen Dialog zwischen Osten und Westen, zwischen Orient und Okzident. Diese dialogische Struktur findet sich auch in Goethes Verhältnis zu den Vorlagen des Divans. Wie oben erwähnt, bezieht er sich häufig auf die Gedichte Hafis´, Goethe übernimmt Motive und Verfahren, teilweise bearbeitet er oder übernimmt kaum verändert orientalische Vorlagen, steht also in ständigem Kontakt mit der arabischen Literatur.

2.2 Beschreibung des lyrischen Divans: Aufbau und Abfolge

Wie oben erwähnt, besteht der Divan aus zwölf Büchern. Jedes davon wird mit einem Namen bezeichnet. Diese sind „Buch des Sängers“, „Buch Hafis“, „Buch der Liebe“, „Buch der Betrachtungen“, „Buch des Unmuths“, „Buch der Sprüche“, „Buch des Timur“, „Buch Suleika“, das „Schenkenbuch“, „Buch der Parabeln“, „Buch des Parsen“ und „Buch des Paradieses“.

Jede Bezeichnung ist in deutscher Sprache wie auch in arabischer Sprache abgedruckt. Die Bücher beinhalten jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Gedichten. Dabei sind die Bücher „Timur“ und „Buch des Parsen“ mit je zwei Gedichten die kürzesten, das „Buch Suleika“ mit über vierzig Gedichten das umfangreichste Buch.

Fünf der Bücher stellen eine Person aus dem arabischen Kulturkreis in den Mittelpunkt. In den Büchern Hafis, Suleika und im Schenkenbuch sind die Gedichte in Dialogform verfasst.

Über die Einteilung der Bücher herrscht in der Fachliteratur keine Einigkeit. Eine Möglichkeit ist die Aufteilung in vier Gruppen:

- „Buch des Sängers“, „Buch Hafis“, „Buch der Liebe“
- Die gnomischen Bücher: „Buch der Betrachtungen“, „Buch des Unmuths“, „Buch der Sprüche“
- Bücher, die Personen gewidmet sind: „Buch des Timur“, „Buch Suleika“, „Schenkenbuch“
- Zuletzt die Trias der religiösen Bücher: „Buch der Parabeln“, „Buch des Parsen“, „Buch des Paradieses“[9]

Zwischen den Büchern bestehen viele Bezüge. Zum Beispiel wird Suleika am Ende des „Buches der Betrachtungen“ schon erwähnt. Das letzte Gedicht des „Buch des Timur“ leitet mit dem Gedicht „An Suleika“ zum „Buch Suleika“ über. Neben diesen offensichtlichen Zusammenhängen finden sich motivische Entsprechungen, die später an Beispielen untersucht werden sollen.

Die Gedichte entstanden in den Jahren 1814 bis 1827. Dabei bestimmt der Zeitpunkt des Entstehens nicht immer die Stellung im Zyklus. „Hegire“ und „Siebenschläfer“ sind beispielsweise fast gleichzeitig entstanden, das erste steht ganz am Anfang des Divans, das andere als zweitletztes Gedicht am Ende. Diese beiden Gedichte bilden Eckpunkte des „Divans“. Goethe scheint also von Anfang an den „Divan“ als Zyklus geplant zu haben, denn er ging offensichtlich nach einem bestimmten Bauplan vor.

[...]


[1] Vgl. Becker (1971), Seite 420

[2] Vgl. Becker (1971), Seite 420

[3] Vgl. Hillmann (1965), Seite 101

[4] zitiert nach Ihekweazu (1971), Seite 32f

[5] Vgl. Hillmann (1965), Seite 23

[6] Goethe, Johann Wolfgang: West-östlicher Divan, Seite 378.

[7] Vgl. Otto (1996), Seite 325

[8] Vgl. Otto (1996), Seite 312

[9] Einteilung nach Otto (1996), Seite 312

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Goethes Divan als Zyklus - Die Struktur des Buches Suleika
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Goethe
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V75320
ISBN (eBook)
9783638786133
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethes, Divan, Zyklus, Struktur, Buches, Suleika, Hauptseminar, Goethe
Arbeit zitieren
Stephanie Schäfer-Hrubenja (Autor), 2007, Goethes Divan als Zyklus - Die Struktur des Buches Suleika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75320

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