Ziel dieser Arbeit ist es, das „Buch Suleika“ aus Goethes „West-östlichem Divan“ strukturell zu untersuchen. Für die Wahl dieser Methode sprechen mehrere Gründe.
Ein Grund ist der Aufbau als Zyklus. Dieser unterscheidet sich von der Gedichtsammlung. Während die Sammlung aus einer Anzahl von Gedichten, die bisher separat gestanden haben, die zu verschiedener Zeit und aus unterschiedlichen Anlässen entstanden sind, zusammengestellt wird, beinhaltet ein Zyklus Dichtungen, die zur gleichen Zeit entstanden sind, aus derselben seelischen und geistigen Verfassung entstammen und von vornherein zusammen gehören. Bei der Gedichtsammlung muss ein äußeres Band die Gedichte zusammenhalten, beim Zyklus wirkt alles von Anfang an zusammen, jedes Gedicht strebt nach Ergänzung und verbindet sich mit Verwandtem.
Eine wichtige Eigenschaft der Gedichtsammlung ist, dass später eingefügte Gedichte nicht auffallen. Im Zyklus, der gewachsen ist, lösen nachträgliche Einschübe oft Unstimmigkeiten aus.
Durch den Aufbau des Divans, auf den später näher eingegangen werden soll, entsteht ein dreifacher Kontext. Einzelne Elemente des Kontext beziehen sich auf einzelne Gedichte, auf einzelne Bücher und auf den gesamten Divan. Dies ist ein Grund, warum eine strukturelle Untersuchung von Interesse ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der West-östliche Divan
2.1 Zur Bedeutung des Titels
2.2 Beschreibung des lyrischen Divans: Aufbau und Abfolge
3 Das Buch Suleika
3.1 Zur Entstehung des Buches Suleika
3.2 Die Abfolge der Gedichte im Buch Suleika
3.3 Die äußere Form des Buches Suleika
3.4 Wichtige Motive und Leitbegriffe
4 Bedeutung der Struktur für die Interpretation des Zyklus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das „Buch Suleika“ aus Goethes „West-östlichem Divan“ unter strukturellen Gesichtspunkten, um die spezifische Zyklusform des Werkes und deren interpretatorische Relevanz aufzuzeigen.
- Strukturanalyse des „West-östlichen Divans“ als Gedichtzyklus.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte des „Buches Suleika“.
- Analyse der Abfolge und der äußeren Form der Gedichte.
- Identifikation und Deutung zentraler Leitmotive (z. B. Polarität, Vergänglichkeit).
- Methodische Begründung der zyklischen Struktur als interpretatorischer Schlüssel.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Abfolge der Gedichte im Buch Suleika
Das „Buch Suleika“ besteht aus 44 Gedichten. Es hat zwar eine epische Folge, jedoch ohne Linearität. Es gibt keinen Bezugspunkt zur Vergangenheit und Zukunft. Anfangs wissen beide Liebenden schon um die gegenseitige Liebe, am Ende gibt es keine Lösung, sondern die Schwebe zwischen Trennung und geistiger Vereinigung.
Burkhardts Einteilung der Gedichte dient als Grundlage für folgenden Überblick über das „Buch Suleika“. Bei einer Einteilung in bestimmte Gruppen lösen sich die einzelnen Gedichte nicht aus ihrem Umfeld heraus, da sie in vielfältiger Weise mit dem Ganzen verflochten sind.
- Die ersten drei Gedichte, „Einladung“ bis „Da du nun Suleika heißest“ können als Einführung gesehen werden. „Einladung“ führt ein wichtiges Motiv, das Prinzip der Polarität, ein, die beiden folgenden Gedichte des Buches legen die Namen der zwei Beteiligten fest.
- Bis „Buch Suleika“ handeln die Gedichte vom Glück der beiden Liebenden. Hier finden sich hauptsächlich Wechselgespräche. „Buch Suleika“ ist ein späterer Einschub in die Gedichtfolge. Es stellt eine deutliche strukturelle und inhaltliche Zäsur dar und macht deutlich, dass das „Buch Suleika“ unter anderen Voraussetzungen als die anderen Bücher geschrieben wurde, und zwar im „Liebeswahnsinn“. Bis zu diesem Einschnitt trübt kein Abschied das Glück des Liebespaares.
- Die erste Trennung des Liebespaares erfolgt im nächsten Abschnitt, bis „Behramgur“. Sie ist jedoch nur von kurzer Dauer.
- Nach „Behramgur“ wird die endgültige Trennung vollzogen, es bleibt eine Verknüpfung durch geheime Bande. In „Wiederfinden“ wird dieses Getrenntsein als endgültig bestätigt, nach den Schlusszeilen dieses Gedichtes folgt keines mehr, dass eine räumliche Nähe der Liebenden voraussetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung begründet die strukturelle Untersuchung des „Buches Suleika“ durch die Abgrenzung des Zyklusbegriffs von der reinen Gedichtsammlung.
2 Der West-östliche Divan: Das Kapitel beschreibt den Aufbau des „Divans“ als Ganzes, seine Zweiteilung und die Bedeutung des Titels als Ausdruck eines Dialogs zwischen Ost und West.
2.1 Zur Bedeutung des Titels: Hier wird die Etymologie und die inhaltliche Tragweite des Begriffs „Divan“ im Kontext von Goethes Werk und dessen Bezug zur persischen Literatur erläutert.
2.2 Beschreibung des lyrischen Divans: Aufbau und Abfolge: Die Unterteilung des lyrischen Teils in zwölf Bücher sowie die inhaltlichen Beziehungen und die Rolle des Entstehungszeitpunktes werden analysiert.
3 Das Buch Suleika: Dieses Kapitel fungiert als Hauptteil, der sich fokussiert mit der spezifischen Struktur und den Inhalten des zentralen Buches des Divans befasst.
3.1 Zur Entstehung des Buches Suleika: Die biographischen Hintergründe und der Entstehungsprozess im Austausch mit Marianne von Willemer werden dargestellt.
3.2 Die Abfolge der Gedichte im Buch Suleika: Das Kapitel bietet eine thematische Gruppierung der 44 Gedichte und zeigt deren epische, jedoch nicht lineare Struktur auf.
3.3 Die äußere Form des Buches Suleika: Hier wird die formale parallele Bauweise einiger Gedichtfolgen untersucht und deren Bedeutung für die innere Kohärenz des Zyklus aufgezeigt.
3.4 Wichtige Motive und Leitbegriffe: Das Kapitel analysiert zentrale Motive wie das Prinzip der Polarität („Eins und doppelt“), Vergänglichkeit und die Verknüpfung von Dichtung und Liebe.
4 Bedeutung der Struktur für die Interpretation des Zyklus: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die strukturelle Analyse eine wirksame Methode darstellt, um die komplexe Einheit des Divans zu erschließen.
Schlüsselwörter
West-östlicher Divan, Johann Wolfgang von Goethe, Buch Suleika, Lyrik-Zyklus, Struktur, Polarität, Eins und doppelt, Marianne von Willemer, Hafis, Liebeslyrik, Intertextualität, Gattungspoetik, Dichtung, Interpretation, Zyklische Form.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strukturelle Beschaffenheit des „Buches Suleika“ innerhalb von Goethes „West-östlichem Divan“ und prüft dessen Charakter als geschlossener Gedichtzyklus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Zykluskomposition, die Bedeutung der Anordnung der Gedichte, die biographische Entstehungsgeschichte sowie wiederkehrende Leitmotive wie Polarität und Vergänglichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, durch eine strukturelle Untersuchung die Einheit des „Buches Suleika“ nachzuweisen und zu zeigen, dass die formale Anordnung maßgeblich zur Interpretation des Werkes beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche strukturelle Analyse, die durch einen Vergleich mit zyklischen Bauprinzipien und die Untersuchung motivischer Bezüge erfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 3) werden die Entstehung, die inhaltliche Abfolge der 44 Gedichte, deren formale Parallelität und die wichtigsten Leitmotive detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Zyklus, Polarität, „Eins und doppelt“, Dialog zwischen Orient und Okzident sowie die formale und inhaltliche Verflechtung der Gedichte.
Wie ist das „Buch Suleika“ strukturiert?
Es folgt einer epischen, aber nicht linearen Abfolge von 44 Gedichten, die in verschiedene thematische Gruppen unterteilt werden können, welche die Liebesbeziehung zwischen Hatem und Suleika abbilden.
Welche Rolle spielt das Motiv „Eins und doppelt“?
Es ist das zentrale Leitmotiv und Strukturmerkmal, das die Einheit in der Zweiheit (Osten/Westen, Hatem/Suleika, Ich/Du) symbolisiert und besonders im Gedicht „Gingo biloba“ deutlich wird.
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- Stephanie Schäfer-Hrubenja (Author), 2007, Goethes Divan als Zyklus - Die Struktur des Buches Suleika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75320