Die Gesundheit ist das höchste Gut in einer leistungsorientierten Zeit. Sie ist die Voraussetzung für den Arbeitnehmer, seine Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Jedoch ist die Krankheit ein Bestandteil von Gesundheit und in der ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen ein Alarmsignal des Körpers. Es ist die Reaktion eines komplexen biochemischen Systems, welches adaptiv auf eine veränderte Umwelt reagiert. Eine zunehmende Überforderung oder auch Unfähigkeit dieses Systems lässt jedoch Krankheitsbilder auftreten, welche medizinische aber auch zu einem nicht unerheblichen Teil sozialpsychologische Intervention benötigen.
Mit Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) wurde die Pflegeüberleitung (oder auch Überleitungspflege, Übergangspflege oder Brückenpflege genannt) eingerichtet. Sie soll den Prozess von stationärer nach ambulanter Verlegung administrativ begleiten und im interdisziplinären Kontext der Professionen und Gruppen von Arzt, Pflegeteam, Patient und Angehörige stattfinden.
An dieser Stelle soll aber nur eine erste Formulierung der Übergangsbegleitung abgegeben sein. Frau Hecht wird diese präzisieren und am konkreten auf die spezifischen Anforderungen im Arbeitsfeld an der Schnittstelle zwischen ambulanten Pflegdienst und Krankenhaus für die Soziale Arbeit anpassen. Ein Fazit dieser Diplomarbeit, welche durch seine Zweiteilung einen größeren Rahmen erfassen soll, kann am Ende des 1. Teils nur innerhalb des Rahmens der Wissensansammlung und an der Prozessanalyse und Kompetenz-Performanz Betrachtung erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ist-Analyse
2.1. SACHVERSTÄNDIGENRAT für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen
2.2. Die Reform in Gesundheit und Politik
2.2.1. Demografie-Sozialsysteme
2.2.2. Demografie-Bevölkerungsentwicklung
3. Grundlagen im Gesundheitswesen
3.1. Kennzahlen der Krankenhausversorgung
3.2. Gesetzliche Verankerungen
3.2.1. § 140 SGB V „Integrierte Versorgung“
3.2.2. § 17a Krankenhausfinanzierungsgesetz
3.2.3. § 17 b Krankenhausfinanzierungsgesetz
3.2.4. Koalitionsvertrag
3.2.5. Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG)
3.3. DRG`s – Diagnosis Related Groups
3.3.1. Abrechnung nach den DRG`s
3.3.2. Folgen der DRG`s
3.3.3. Nachbarländer und das DRG-System
4. Die Pflegeüberleitung
4.1. Die Idee der Pflegeüberleitung
4.2. Zielgruppen der Pflegeüberleitung
4.3. Zielstellung / Ablauf der Pflegeüberleitung
4.3.1. Initiales Assessment
4.3.2. Differenziertes Assessment
4.3.3. Verschiedenste Assessments
4.3.4. Zielformulierung und -planung
4.3.5. Näheres zu FIM (Functional Independence Measure)
4.4.6. Näheres zu den ATL`s
4.4. Prozessmethodik
4.4.1. Prozessmethodische Merkmale
4.4.2. Prozess-Schnittstellen
4.4.3. Prozesse
4.4.4. Visualisierung von Prozessen
4.4.5. Patientenpfade
4.4.6. Statuspassagen
4.4.7. Anfangs- und Endpunkte der Pflegeüberleitung
4.5 Vorhandene Strukturen
4.5.1. Der Expertenstandard „Pflegeüberleitung“
4.5.2. Die Pflegeüberleitung
4.5.3. Der Sozialdienst
4.5.4. Verdrängungswettbewerb
4.5.5. Ethik des Helfens in der Pflege
4.7. Analyse Pflegeüberleitung/Überleitungspflege
4.7.1 Dokumentationsanalyse
4.7.2 Begriffsklärung
4.7.3 Fazit
5. Die Komponente Soziale Arbeit
5.1. Standpunktbestimmung
5.1.1. Sozialpädagogische Berufsethik
5.1.2. Professionelles Handeln
5.2. Aufgaben der Sozialarbeit
5.3. Ablauf der Prozesse im stationären Bereich
5.3.1. Prozessanalyse für die Übergangsbegleitung
5.3.2. Interventionsebenen
5.3.3. Prozess Beratung
5.3.4. Prozess Begleitung
5.3.5. Prozess Betreuung
5.3.6. Prozess Bildung
5.4. Herleitung von erforderlichen Kompetenzen für die Übergangsbegleitung
5.4.1. Das Kompetenzmodell
5.4.3. Ressourcen-Kompetenz-Performanz-Modell
5.6. Performanz bei der Übergangsbegleitung
5.7. Systemische Betrachtung – Im Kontext der Familie
6. Synthese zur Übergangsbegleitung
6.1. Zitiert aus der Fachliteratur
6.1.1. Schnittstellen
6.1.2 Fallbeispiel- Folgerungen im Kontext der Übergangsbegleitung
6.2. Zielformulierung der Übergangsbegleitung
6.2.1. Der Pflegerische Teil bei der Übergangsbegleitung
6.2.2. Der Soziale Teil bei der Übergangsbegleitung
6.3. Fazit: Der Übergangs- Manager
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Notwendigkeit, das bestehende System der Pflegeüberleitung durch die Integration professioneller Sozialer Arbeit zu einer multiprofessionellen Übergangsbegleitung zu erweitern, um Patienten bei komplexen Statuspassagen zwischen stationären und ambulanten Sektoren ganzheitlicher zu unterstützen.
- Kritische Analyse des deutschen Gesundheitswesens und der DRG-Reform.
- Evaluation der Grenzen aktueller Pflegeüberleitungskonzepte.
- Prozessanalyse und Herleitung sozialpädagogischer Kernkompetenzen.
- Entwurf eines neuen Aufgabengebiets: Der Übergangs-Manager.
- Berücksichtigung systemischer Aspekte im Kontext der Patienten-Familie.
Auszug aus dem Buch
4.4.6. Statuspassagen
Schon öfters habe ich die Statuspassagen von Patienten erwähnt und mit Prozessabläufen verbunden. Hier nun soll dieser Begriff erklärt werden: Glaser und Strauss (1971) hatten den zunächst sehr eng gefassten, existierenden Begriff der „status passage“ für Übergänge bestimmter Lebensabschnitte (Kindheit-Jugend-Erwachsenenstatus) gelockert, bzw. in der Betrachtung sehr erweitert. Sie untersuchten die in ganz unterschiedlichen Lebenszusammenhängen und Lebensläufen auftretenden Übergänge (Strauss 1974). Statusänderungen gehen normalerweise mit Unsicherheiten und Lebenskrisen einher, nicht nur auf Seiten der Individuen, die diesen neuen Status erlangen, sondern auch innerhalb der Gruppe oder des Systems, in das sie sich integrieren oder arrangieren müssen. Nach Glaser und Strauss werden Statuspassagen aufgrund des strukturellen, gesellschaftlichen Wandels problematisch und sind Indikatoren für sozialen Wandel, Statuspassagen „reflect conditions for and changes in social structure and its functioning“ (Glaser und Strauss 1971, S. 3) In der Anwendung des Konzeptes der Übergangsbegleitung sind die Statuspassagen von Patienten bei Eintritt in den Zustand einer Krankheit, Institution oder der Versorgungsform gemeint. Es fallen die Aspekte des Eintritts einer Krankheit, den damit verbundenen Veränderungen, der Erwerb des Status Patient und das Hinzukommen von weitreichenden Veränderungen, wie zum Beispiel einer chronischen Erkrankung oder Behinderung, Arbeitsunfähigkeit oder dauerhafte stationäre Unterbringung sowie Selbstbildveränderungen, in den Blickwinkel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Übergangsbegleitung durch die Soziale Arbeit angesichts zunehmend komplexerer Gesundheitsprobleme und der DRG-Einführung.
2. Ist-Analyse: Dieses Kapitel zitiert den Sachverständigenrat zur Identifizierung von Über-, Unter- und Fehlversorgung im deutschen Gesundheitssystem und den demografischen Wandel als Kontextfaktoren.
3. Grundlagen im Gesundheitswesen: Hier werden Kennzahlen, Gesetzesvorgaben wie SGB V und Krankenhausfinanzierungsgesetz sowie das DRG-System und dessen ökonomische Folgen detailliert erläutert.
4. Die Pflegeüberleitung: Die Pflegeüberleitung wird als Instrument des Qualitätsmanagements vorgestellt, mitsamt ihren Assessment-Instrumenten (wie FIM) und den Herausforderungen an Schnittstellen.
5. Die Komponente Soziale Arbeit: Dieses Kapitel definiert die berufsethischen Grundlagen, Aufgaben der Sozialarbeit im klinischen Bereich und leitet aus einem Fallbeispiel die notwendigen Prozesskompetenzen her.
6. Synthese zur Übergangsbegleitung: Die Synthese führt das Konzept der Übergangsbegleitung zusammen und definiert das Berufsbild des Übergangs-Managers als Schnittstellenakteur.
7. Resümee: Das Resümee fasst die zentrale Forderung nach einer multiprofessionellen, systemischen Erweiterung der Entlassungsplanung durch die Soziale Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Übergangsbegleitung, Pflegeüberleitung, Soziale Arbeit, DRG, Entlassungsmanagement, Statuspassagen, Patientenpfade, Gesundheitswesen, Interdisziplinarität, Prozessanalyse, Kompetenzmodell, Patientenwohl, Systemtheorie, Kliniksozialdienst, Übergangs-Manager.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit plädiert für eine Erweiterung der bisher pflegerisch dominierten Entlassungsplanung hin zu einer multiprofessionellen „Übergangsbegleitung“ unter Beteiligung der Sozialen Arbeit.
Welche Herausforderung durch die DRG-Einführung wird beschrieben?
Durch die Fallpauschalen (DRGs) entsteht ein hoher ökonomischer Druck, der zu verkürzten Verweildauern und „blutigen Entlassungen“ führt, was neue Schnittstellenkompetenzen erfordert.
Was ist das Ziel der vorgeschlagenen Übergangsbegleitung?
Ziel ist es, den Patienten bei seinen Statuspassagen ganzheitlicher zu begleiten und die Lücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung durch psychosoziale Expertise zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine wissenschaftliche Literaturrecherche, eine prozessorientierte Ist-Analyse und die detaillierte Auswertung von Fallbeispielen und Dokumentationsbögen.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert das bestehende System der Pflegeüberleitung, die Rolle der Sozialarbeit sowie die Entwicklung von Prozessmodellen (Beratung, Begleitung, Betreuung, Bildung) im stationären Bereich.
Welche Keywords definieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Übergangsbegleitung, Statuspassagen, DRGs, Schnittstellenmanagement, Soziale Arbeit und multiprofessionelle Prozesssteuerung.
Welche Rolle spielt der „Übergangs-Manager“?
Der Übergangs-Manager fungiert als unabhängiger, fallgebundener Prozesssteuerer, der die Kompetenzen von Pflege und Sozialer Arbeit verbindet, ohne stationsgebunden zu sein.
Warum ist die systemische Betrachtung der Familie wichtig?
Krankheit betrifft immer ein soziales System. Eine Vernachlässigung der familiären Strukturen und Ressourcen kann den Erfolg der Entlassungsplanung und der nachstationären Versorgung gefährden.
- Quote paper
- Dipl. Sozialpädagoge Tobias Nachtrab (Author), 2006, Übergangsbegleitung statt Überleitungspflege - Soziale Arbeit bei den Statuspassagen von Patienten in stationären Einrichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75326