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Kants "Metaphysik der Sitten": Brauchbare Moral oder Ideal und Hirngespinst?

Über die Frage: Wie ist ein kategorischer Imperativ möglich? Erläuterung und Bewertung

Title: Kants "Metaphysik der Sitten": Brauchbare Moral oder Ideal und Hirngespinst?

Intermediate Examination Paper , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tim Christophersen (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

Das Feld ethischer Konzeptionen ist weit und in vielerlei Hinsicht klaffen ebenfalls die Vorstellungen über diese weit auseinander. Es gibt wohl aber in praktischer Hinsicht vernünftigerweise nicht zurückweisbare Grundvoraussetzungen, die eine Moraltheorie zu leisten im Stande sein sollte. Ad hoc stellen sich meines Erachtens folgende Fragen an die Moral, die sich im Hange dieser Grundvoraussetzungen ergeben: I.) Ist die Theorie anwendbar? II.) Ist sie realisierbar? III.) Worin besteht für die Menschen die Motivation zur Befolgung dieser Moraltheorie?
In der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ sieht Kant die erste Frage durch die „Aufsuchung […] des obersten Prinzips der Moralität“ (Vgl. 392), des kategorischen Imperativs beantwortet. In seiner allgemeinsten Formel lautet er: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde“. (GMS 421). Das Prinzip, dass uns Kant damit vorstellt, beansprucht also gewissermaßen Universalität seiner Kausalität, was ein äußerst wünschenswertes Kriterium an der Moral ist. Das bedeutet aber auch, dass Kant begründen muss - und damit kommen wir zur zweiten Frage -, wie dieses Prinzip sinnvoll zu bewerkstelligen ist und woraus der Universalitätsanspruch seine Geltung schöpft. Kant ist der Meinung, dass ein moralisches Gesetz „absolute Notwendigkeit bei sich führen“ und daher „von allem, was nur empirisch sein mag […], völlig gesäubert“ sein müsse (beide GMS 389). Um diesem Anspruch gerecht zu werden, untersucht er „die Idee und Prinzipien eines möglichen reinen Willens“ (GMS 390). Das Prinzip des reinen Willens - also der kategorische Imperativ - ist ausschließlich und hebt sich dadurch von hypothetischen, d.h. auf einen anderen Zweck als die Moral selbst gerichteten, Imperativen ab, dass es dem Willen des Vernunftwesens selbst entspringt. Warum wir uns aber dieses sittliche Gesetz selbst auferlegen sollten – womit wir bei der Frage nach der Motivation zum moralischen Handeln angelangt wären – ist damit noch nicht gesagt. Diese Frage, auf die Kant vor allem im dritten Abschnitt der GMS versucht eine Antwort zu geben, ist der größere Gegenstand dieser Untersuchung. Im Hange aber des Titels dieser Untersuchung – „Die GMS: brauchbare Moral oder Ideal und Hirngespinst?“ -, der sich aus Kants Frage, „wie […] ein kategorischer Imperativ möglich [sei]“ (GMS 453), ergibt, wird die Untersuchung nicht umhin kommen, in einem Exkurs noch den Bereich der Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs kurz zu umreißen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2.1 Warum gilt der kategorische Imperativ?

a) Warum können Menschen moralisch sein?

2.1.1 Das Fundament für die Möglichkeit zur Beantwortung der Frage nach der Gültigkeit des kategorischen Imperativs. - Das Verhältnis von Autonomie und Moral.

2.1.2 Warum ist der autonome Wille ein freier Wille? - Die Idee der Freiheit.

2.1.3 Können Menschen überhaupt frei sein? - Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Determinismus und Freiheit.

b) Warum sollten Menschen moralisch sein?

2.1.4 Vom Interesse am und der Möglichkeit des kategorischen Imperativs. - Die Geltungsfrage und die äußerste Grenze der praktischen Philosophie.

2.1.5 Fragen im Anschluss an die Deduktion des kategorischen Imperativs.

2.2 Exkurs: Praxisferner Imperativ? - Der Bereich der Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs.

3. Fazit und Schlussanmerkungen.

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" mit dem Ziel, die Gültigkeit, Realisierbarkeit und Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs zu bewerten, insbesondere unter der Forschungsfrage, wie dieser Imperativ in einer Welt voller menschlicher Neigungen und Determinismus überhaupt möglich ist.

  • Das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Moral bei Kant
  • Die Idee der Freiheit und der Determinismus menschlichen Handelns
  • Die Rolle der Vernunft und der Übergang von der Sinnen- zur Verstandeswelt
  • Die kritische Bewertung der praktischen Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs

Auszug aus dem Buch

2.1.3) Können Menschen überhaupt frei sein? – Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Determinismus und Freiheit.

Zur Beantwortung dieser Frage bedient Kant sich einer Unterscheidung, die er in seiner theoretischen Philosophie in der „Kritik der reinen Vernunft“ eingeführt hat; Dies ist der „transzendentale Idealismus“. Wie schon gesagt wurde, war Kant der Auffassung, dass der Mensch vollständig determiniert sei, da „seine Kausalität äußerer Bestimmung nach Naturgesetzen“ unterworfen ist (Vgl. GMS 457). Das bedeutet, dass der Mensch notwendig „dem Naturgesetz der Begierden und Neigungen, mithin der Heteronomie der Natur gemäß genommen werden [muss]“ (GMS 453) und beschreibt ihn somit als Glied seiner empirischen Welt. Es ist die Welt, in der der Mensch sich und seine Umwelt durch seine Sinne erfährt. Diese „Sinnenwelt“ (Vgl. mehrmals in GMS ab 451) verschafft dem Subjekt Erkenntnis vermittels seiner bloßen Wahrnehmungsfähigkeit, also dadurch, „wie sein Bewußtsein affiziert wird“ (GMS 451). Die Vorstellungen des Bewusstseins „geben uns die Gegenstände [demzufolge] nicht anders zu erkennen, als sie uns affizieren“ (Vgl. ebd.). Dies führt Kant zum Begriff der Dinge als „Erscheinungen“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit identifiziert die Grundfragen an eine Moraltheorie – Anwendbarkeit, Realisierbarkeit und Motivation – und führt in Kants kategorischen Imperativ ein.

2.1 Warum gilt der kategorische Imperativ?: Dieses Kapitel untersucht die theoretischen Voraussetzungen des kategorischen Imperativs, insbesondere das Verhältnis von Autonomie, Freiheit und die Möglichkeit, dass Menschen moralisch handeln können.

2.1.1 Das Fundament für die Möglichkeit zur Beantwortung der Frage nach der Gültigkeit des kategorischen Imperativs. - Das Verhältnis von Autonomie und Moral.: Hier wird Kants Idee eines "Reichs der Zwecke" als moralisches Ideal vorgestellt, in dem vernünftige Wesen zugleich Untertan und Gesetzgeber sind.

2.1.2 Warum ist der autonome Wille ein freier Wille? - Die Idee der Freiheit.: Das Kapitel analysiert Kants analytische Herleitung, dass ein freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen identisch sind.

2.1.3 Können Menschen überhaupt frei sein? - Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Determinismus und Freiheit.: Es wird Kants Unterscheidung zwischen Sinnenwelt und Verstandeswelt thematisiert, um die Möglichkeit menschlicher Freiheit trotz Determinismus zu begründen.

2.1.4 Vom Interesse am und der Möglichkeit des kategorischen Imperativs. - Die Geltungsfrage und die äußerste Grenze der praktischen Philosophie.: Dieses Kapitel behandelt das Problem, wie das Sollen motiviert werden kann, und definiert die Grenzen der praktischen Philosophie bei Kant.

2.1.5 Fragen im Anschluss an die Deduktion des kategorischen Imperativs.: Der Autor diskutiert kritische Einwände zur Verantwortlichkeit bei Neigungen und der Plausibilität von Kants theoretischem Konstrukt.

2.2 Exkurs: Praxisferner Imperativ? - Der Bereich der Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs.: Der Exkurs bewertet die Praktikabilität des Imperativs anhand von Dilemmata und stellt dessen Universalitätsanspruch in Frage.

3. Fazit und Schlussanmerkungen.: Das Fazit fasst zusammen, dass Kants GMS zwar ein bewundernswertes Ideal darstellt, aber aufgrund der Übermystifizierung der Moral an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht.

Schlüsselwörter

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Kategorischer Imperativ, Moralphilosophie, Autonomie, Freiheit, Determinismus, Sinnenwelt, Verstandeswelt, Reich der Zwecke, Praktische Vernunft, Moralische Motivation, Ethik, Menschenwürde, Wille

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit einer kritischen Untersuchung und Bewertung von Kants Werk "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", insbesondere mit der Frage nach der Gültigkeit und Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Begriffe Autonomie, den freien Willen, das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Determinismus sowie die theoretischen Grenzen der praktischen Philosophie bei Kant.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Kants Moraltheorie den selbstgestellten Anforderungen an Anwendbarkeit, Realisierbarkeit und Motivationskraft für menschliches Handeln in der Praxis gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textkritische Analyse der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", ergänzt durch vergleichende philosophische Kommentare und eigene argumentative Einwände hinsichtlich der Anwendbarkeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der theoretischen Begründung von Moral und Freiheit (Sinnenwelt vs. Verstandeswelt) sowie einen Exkurs, der die Praktikabilität des kategorischen Imperativs in moralischen Dilemmata hinterfragt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kategorischer Imperativ, Autonomie, Freiheit, Determinismus, Vernunft und Lebenswirklichkeit.

Wie bewertet der Autor den Begriff des "Reichs der Zwecke"?

Der Autor äußert große Bewunderung für das moralische Ideal dieses Reiches, kritisiert aber, dass es als bloßes philosophisches Konstrukt an der alltäglichen Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigeht.

Warum bezweifelt der Autor die Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs in der Praxis?

Der Autor führt an, dass Maximen kollidieren können und der Imperativ in konkreten Zwangslagen oft keine eindeutige Handlungsvorschrift liefert, weshalb er den Verdacht hegt, Kant setze bereits eine bestehende Moral voraus.

Was bedeutet Kants "doppelte Beschaffenheit des Menschen" für die Argumentation?

Sie ermöglicht es Kant, den Menschen gleichzeitig als determiniertes Glied der Sinnenwelt und als freies, der Verstandeswelt zugehöriges Wesen zu denken, um Freiheit und Naturgesetz zu versöhnen – ein Punkt, den der Autor kritisch hinterfragt.

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Details

Title
Kants "Metaphysik der Sitten": Brauchbare Moral oder Ideal und Hirngespinst?
Subtitle
Über die Frage: Wie ist ein kategorischer Imperativ möglich? Erläuterung und Bewertung
College
University of Göttingen
Grade
1,3
Author
Tim Christophersen (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V75327
ISBN (eBook)
9783638731416
ISBN (Book)
9783638732161
Language
German
Tags
Kants Metaphysik Sitten Brauchbare Moral Ideal Hirngespinst Grundlegung zur Metaphysik der Sitten Immanuel Kant Kant Kategorischer Imperativ Kant Kant kategorischer Imperativ Kategorischer Imperativ Kant Philosophie Kant Moral Kant Sittenlehre Kant Freiheit Kant Autonomie Freiheit Autonomie Freiheit Autonomie Kant dritter Abschnitt GMS Wie ist ein kategorischer Imperativ möglich
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Tim Christophersen (Author), 2007, Kants "Metaphysik der Sitten": Brauchbare Moral oder Ideal und Hirngespinst? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75327
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