Bei der Liberalisierung und Privatisierung des chinesischen Wirtschaftslebens von der
zentralen Planwirtschaft zur sozialistischen Marktwirtschaft versucht sich China in einer schrittweisen, graduellen Annäherung an international vergleichbaren
marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Grundlage dieser Transformation sind die eingerichteten Sonderwirtschaftszonen und die Aufnahme in die World Trade Organization (WTO) im Jahre 2001. Mit diesem sichtbaren Beginn der Öffnung des chinesischen Marktes hat sich die Effizienz der Verwaltung verbessert und haben sich die Kosten für die Teilnahme am Wirtschaftsleben in China deutlich verringert. Von zentraler Bedeutung bei der Transformation, ist die Neuausrichtung und Gestaltung des gesetzlichen Ordnungsrahmens. Vor allem die Funktionsfähigkeit der chinesischen
Börsen ist dabei abhängig von Vertrauen, Transparenz und Stabilität. Aktive Manipulation von Börsengängen durch staatsnahe Marktakteure, Bilanzfälschungen durch Unternehmensleitungen sowie fehlende Marktaufsicht haben bislang nur wenig Vertrauen aufbauen können.
Um das Vertrauen in den Markt und die beteiligten Akteure zu stärken, wurde im Jahr 2002 der chinesische Corporate Governance Kodex (CCG-Kodex) erlassen.
PROBLEMSTELLUNG
Der Begriff der Corporate Governance hat in den letzten zehn Jahren weltweite Verbreitung gefunden. Die Wirkung von Corporate Governance wird trotz der zahlreichen Analysen und Vorschläge zur Reformierung der Praxis noch immer kontrovers diskutiert. Obwohl es kein international gültiges universales Corporate
Governance System gibt, lässt sich dennoch eine einheitliche Definition finden. Der maßgebliche Unterschied liegt in der Umsetzung der Corporate Governance aufgrund unterschiedlicher Rechtssysteme. Der international anerkannte Kern der Corporate
Governance ist die Unternehmensleitung und deren Überwachung. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, dass Verhältnis der Eigentümer der chinesischen Aktiengesellschaft (AG) zur Unternehmensleitung und deren Überwachung im Kontext des vorliegenden CCG-Kodex darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen der Corporate Governance
2.1 Definition der Corporate Governance
2.2 Unterscheidung zwischen Shareholder- und Stakeholder-Ansatz
2.3 Prinzipal Agenten Theorie
2.4 Abgrenzung von Single Board und dualistischem System
3 Corporate Governance in der VR China
3.1 Ziele der Corporate Governance
3.2 Rechtliche Grundlagen der Corporate Governance
3.2.1 Rechtsnatur des Corporate Governance Kodex
3.2.2 Grundzüge des Kapitalgesellschaftsgesetzes
3.2.3 Grundzüge der Satzungsanleitungen chinesischer Aktiengesellschaften
3.3 Der Chinesische Corporate Governance Kodex
3.3.1 Aktionäre und Hauptversammlung
3.3.2 Beherrschender Aktionär und börsenzugelassene Gesellschaft
3.3.3 Vorstandsmitglieder und Vorstand
3.3.4 Aufsichtsratsmitglieder und Aufsichtsrat
3.3.5 Weitere Aspekte des CCG-Kodex
4 Unternehmensinterne Probleme der Umsetzung des CCG-Kodex
4.1 Interessen und Rechte der Aktionäre
4.1.1 Rechte der Aktionäre und Handlungsspielraum der Hauptversammlung
4.1.2 Der Einfluss institutioneller Investoren auf die Corporate Governance
4.1.3 Kritische Würdigung der Aktionärsrechte
4.2 Einfluss des „größten“ Aktionärs
4.2.1 Aktionärsstruktur in der chinesischen Aktiengesellschaft
4.2.2 Einfluss des beherrschenden „staatlichen“ Aktionärs
4.2.3 Kritische Würdigung des beherrschenden Aktionärs
4.3 Handlungsspielraum des Vorstands zwischen KgesG und CCG-Kodex
4.3.1 Informationsasymmetrien als Quelle des Prinzipal Agenten Konflikts
4.3.2 Kritische Würdigung der Handlungsspielräume des Vorstandes
4.4 Aufsichtsrat und unabhängige Vorstandsmitglieder
4.4.1 Überwachungsorgane im Kontext der Agency-Theorie
4.4.2 Fehlende Kontroll- und Durchsetzungsbefugnis des Aufsichtsrates
4.4.3 Unabhängige Mitglieder des Vorstandes als Kontrollorgan
4.4.4 Kritische Würdigung der Kontroll- und Aufsichtsorgane
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen den Eigentümern einer chinesischen Aktiengesellschaft und deren Unternehmensleitung sowie der entsprechenden Überwachung im Kontext des chinesischen Corporate Governance Kodex (CCG-Kodex) zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie effektiv die implementierten Corporate Governance Strukturen in der Volksrepublik China funktionieren, insbesondere vor dem Hintergrund von staatlichem Einfluss und spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Grundlagen und theoretische Ansätze von Corporate Governance
- Struktur und rechtliche Basis des chinesischen Corporate Governance Kodex
- Analyse unternehmensinterner Umsetzungsprobleme bei Corporate Governance
- Einfluss staatlicher Akteure und beherrschender Aktionäre auf die Unternehmensführung
- Rolle von Kontrollorganen wie Aufsichtsrat und unabhängigen Vorstandsmitgliedern
Auszug aus dem Buch
Die Prinzipal Agenten Theorie
Aus der Unterscheidung zwischen Shareholder und Stakeholder Ansatz leitet sich indirekt eine weitere normative Differenzierung ab. Es stellt sich die Frage, wie stark der Unternehmensaufbau auf die Kontrolle des Managements ausgerichtet sein sollte.
Die Prinzipal Agenten-Theorie (Agency-Theorie) bietet ein Modell, um das Handeln von Menschen in einer Hierarchie zu erklären. Sie stellt einen Teilbereich der neuen Institutionenökonomie dar und befasst sich grundsätzlich mit der Beziehung eines Auftraggebers und eines Auftragnehmers. Grund der vorliegenden Auftragsbeziehung ist die Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht. Dabei überträgt der Prinzipal (Auftraggeber, hier der Aktionär) die Verfügungsmacht über sein Eigentum an einen Agenten (Auftragnehmer, z. B. Management). Die dabei geschlossenen Verträge erweisen sich dabei als unvollständig, da nicht alle Risiken der Vertragsparteien bei Vertragsabschluss bekannt sind und vollständig ausgeschlossen werden können.
Ziele der Übertragung sind die Kostenminimierung der Unternehmensleitung sowie die Maximierung des benötigten Know-how der Unternehmensleitung. Ein professionelles Management verfügt zumeist über eine höhere Qualifikation und Spezialisierung als die Gesamtheit der Aktionäre.
Durch die Delegation der Unternehmensleitung und den eigenen Arbeitseinsatz sowie die Qualifikation entsteht dem Management ein Informationsvorsprung (Informationsasymmetrie) gegenüber den Aktionären. Die Informationsasymmetrie ermöglicht dem Management unentdeckt von den Aktionären eigene Interessen zu verfolgen. In der Agency-Theorie wird dem Management opportunistisches Verhalten zur Maximierung des eigenen Nutzens (Moral Hazard) und zulasten von Aktionärsinteressen vorgeworfen. Die verschiedenen Interessen des Managements lassen sich aufgrund unterschiedlicher Präferenzen des Managements wie folgt unterscheiden:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Transformation der chinesischen Wirtschaft ein und begründet die Notwendigkeit des CCG-Kodex zur Steigerung von Vertrauen und Transparenz.
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen der Corporate Governance: Hier werden die theoretischen Basismodelle, insbesondere der Shareholder- und Stakeholder-Ansatz sowie die Prinzipal-Agenten-Theorie, dargelegt.
3 Corporate Governance in der VR China: Dieses Kapitel erläutert den rechtlichen Ordnungsrahmen, die Ziele der Corporate Governance und den Aufbau des CCG-Kodex.
4 Unternehmensinterne Probleme der Umsetzung des CCG-Kodex: Das Hauptkapitel analysiert die praktischen Umsetzungsprobleme, den Einfluss des Staates als beherrschenden Aktionär und die Rolle der Kontrollorgane.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Wirksamkeit der implementierten Governance-Strukturen im chinesischen Kontext.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, China, CCG-Kodex, Prinzipal-Agenten-Theorie, Hauptversammlung, Vorstand, Aufsichtsrat, staatlicher Einfluss, institutionelle Investoren, Informationsasymmetrie, Kapitalgesellschaftsgesetz, Aktionärsrechte, Börse, Unternehmensführung, Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und praktischen Implementierung des chinesischen Corporate Governance Kodex (CCG-Kodex) in der Volksrepublik China.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Grundlagen für chinesische Aktiengesellschaften, die Rolle des Staates als beherrschenden Aktionär sowie die Wirksamkeit der internen Kontrollmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung des Verhältnisses zwischen den Eigentümern einer chinesischen Aktiengesellschaft und deren Management sowie die Analyse der Probleme bei der Überwachung im Kontext des CCG-Kodex.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis der Institutionenökonomie sowie eine Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen und deren praktische Anwendung durch die CSRC.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv den unternehmensinternen Problemen der Umsetzung, wie z.B. dem mangelnden Einfluss von Kleinaktionären und der starken Verflechtung von staatlicher Verwaltung und Unternehmensleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Corporate Governance, Prinzipal-Agenten-Theorie, staatlicher Einfluss, Aktionärsschutz und Kontrollorgane.
Warum spielt der Staat in chinesischen Aktiengesellschaften eine so große Rolle?
Aufgrund der historischen Privatisierung staatseigener Betriebe hält der Staat in der Mehrheit der börsennotierten Unternehmen eine beherrschende Aktienmehrheit, was direkten Einfluss auf die Besetzung von Führungspositionen ermöglicht.
Was ist das Problem bei der Überwachung durch den Aufsichtsrat in China?
Der Aufsichtsrat leidet unter fehlenden Durchsetzungsbefugnissen, mangelnder Unabhängigkeit gegenüber dem Management und einer oft nur formalen Besetzung, was eine effektive Kontrolle erschwert.
- Citar trabajo
- Kai Ganguin (Autor), 2007, Corporate Governance. Entwicklung und Implementierung in der VR China, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75341